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TAG DER KINDERRECHTE: BÜRGERMEISTER TSCHENTSCHER BESPRICHT MIT HAMBURGER JUGENDLICHEN UNICEF UMFRAGE

UNICEF-Umfrage: Kinder in Deutschland wollen mehr mitreden – werden aber nicht gefragt

Kinder und Jugendliche in Deutschland wünschen sich mehr Möglichkeiten, an sie betreffenden Entscheidungen in ihrer Schule oder ihren Städten und Gemeinden beteiligt zu werden. Dies ist das zentrale Ergebnis der UNICEF-Umfrage „My place, my rights – Jetzt rede ich!“. Von Mai bis September 2019 haben deutschlandweit über 12.000 Mädchen und Jungen detailliert darüber Auskunft gegeben, wie sie ihre Rechte umgesetzt sehen. Auch 373 Kinder aus Hamburg haben an der Umfrage teilgenommen.

Die nicht-repräsentative Umfrage zeichnet eine aussagekräftige Momentaufnahme. Anlass der Durchführung war der 30. Geburtstag der UN-Konvention über die Rechte des Kindes am 20. November 2019. Die Umfrage zeigt, dass in Deutschland im direkten Lebensumfeld von Kindern und Jugendlichen dringend mehr Beteiligungsmöglichkeiten geschaffen werden müssen.

Am 20.11. um 12:45 haben Jugendliche die Ergebnisse der UNICEF Umfrage an Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher und Aydan Özoguz, MdB und Staatsministerin a.D., im Hamburger Rathaus übergeben.

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(Foto:  links: Michaela Eugen-Albrecht, Leiterin UNICEF Hamburg, in der Mitte: Dr. Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister Hamburgs, rechts von ihm Aydan Özoguz, MdB und Staatsministerin a.D., zusammen mit Jugendlichen des Unicef-Juniorteams Hamburg, Copyright Senatskanzlei Hamburg)

Deutschlandweit fanden viele weitere Veranstaltungen zum Tag der Kinderrechte statt:

  • 20.11.: Mitmischen: Kinderrechte – Demokratie – Zukunft. „Kids-Takeover“ zum 30. Geburtstag der Kinderrechte im Schloss Bellevue
  • Rund um den 20.11.: Auf Initiative von UNICEF bundesweit „Kids-Takeover“ in über 60 Städten und Gemeinden

Zentrale Ergebnisse der UNICEF-Kinderrechte-Umfrage in Hamburg

Mitreden und gehört werden am Wohnort: 45 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen brachten zum Ausdruck, dass sie bei politischen Entscheidungen mitreden möchten. Nur 21 Prozent der Teilnehmenden haben jedoch das Gefühl, dass sie auch die Möglichkeit dazu haben. Die meisten würden sich vor allem gerne an der Gestaltung von Freizeitangeboten beteiligen. Bei der Bewertung der Spiel-, Sport- und Freizeitangebote in Hamburg benoten die Mädchen und Jungen das Angebot ihrer Städte und Gemeinden mit einer 3 (befriedigend). Insbesondere die Sauberkeit der Spiel- und Sportplätze könnte nach Meinung der Kinder und Jugendlichen verbessert werden.

Mitreden und gehört werden in der Schule: 50 Prozent der teilnehmenden Mädchen und Jungen in Hamburg wollen in ihrer Schule gerne mehr mitbestimmen. Doch bislang können Schülerinnen und Schüler lediglich ihren Klassensprecher bestimmen. Nur 15 Prozent haben Einfluss auf die Unterrichtsinhalte. Auch bei der Zusammenstellung des Essensgebots, zum Beispiel in der Mensa, können nach eigenen Angaben lediglich 10 Prozent Einfluss darauf nehmen, was auf den Teller kommt.

Schutz vor Gewalt in der Schule: 17 Prozent der Kinder und Jugendlichen antworten auf die Frage, ob sie sich an ihrer Schule sicher vor Gewalt fühlen mit „Nein“ und 20 Prozent mit „weiß nicht“. Lediglich 63 Prozent bejahen diese Frage. Gleichzeitig stellt die Umfrage heraus, dass die Präsenz einer Vertrauensperson an der Schule dazu führt, dass sich die Kinder und Jugendliche sicher fühlen.

Mobbing in der Schule: 27 Prozent aller befragten Kinder und Jugendlichen sagen, dass sie schon einmal in der Schule oder auf dem Schulweg gemobbt wurden. Insbesondere Jugendliche im Alter zwischen 16 und 17 Jahren machen diese Erfahrung. Wenn es eine Vertrauenslehrerin oder einen Vertrauenslehrer an der Schule gibt, fühlen sich Kinder und Jugendliche stärker respektiert.

Wenn Kinder und Jugendliche Schulleiter wären: Mädchen und Jungen fordern konkrete Veränderungen in der Schule. In offenen Antworten haben sie formuliert, was sie als Entscheidungsträger verändern würden, zum Beispiel:

„Das Schulsystem auf jeden Fall. Viele Jugendliche sind ständig traurig und gestresst wegen der Schule und das muss man ändern. Das Schulsystem funktioniert quasi gleich seit Jahrzehnten und es entwickelt sich nicht.“

„Das Schulsystem revolutionieren und eine Schule zu einer interkulturellen Bildung anregen und für ein weltoffeneres Bild bewerben. Kinder und Jugendliche als einzelne Individuen fördern.“

„Besseres Essen an Schulen, mehr Kurse zum Thema Mobbing und unbewusste Ausgrenzung.“

„Kinder und Jugendliche bekommen zu wenig Möglichkeiten, ihre Interessen und Meinungen an die Personen weiterzugeben, die für sie entscheiden. Dabei haben sie viele Ideen und Vorstellungen zu Themen, die sie tagtäglich betreffen – das hat die UNICEF-Umfrage gezeigt“, sagt Michaela Eugen-Albrecht. Leitung von UNICEF Hamburg „Durch die lokalen Ergebnisse können nun diese konkreten Wünsche und Forderungen an die Entscheider herangetragen werden.“

Die Ergebnisse wuden am 20.11.19 gemeinsam mit dem Ersten Bürgermeister Hamburgs, Peter Tschentscher und Jugendlichen des UNICEF Juniorteams Hamburgs besprochen. Durch persönliche Gespräche mit den lokalen Entscheidungsträgern und den UNICEF-Ehrenamtlichen Hamburgs können sich die Kinder und Jugendlichen zu ihren Ideen und Forderungen direkt mit den Personen austauschen, die Handlungsmöglichkeiten haben. Die Grundlage der Diskussionsrunden bieten die lokalen Auswertungen, die im Gesamtkontext zur bundesweiten Erhebung stehen.

Unterstützt wurde die Umfrage durch das große Netzwerk der 150 ehrenamtlichen UNICEF-Gruppen sowie hunderter Schulen, die die Umfrage in ihren Städten und Gemeinden bekannt machten und durchführten. Ziel war es, Kinder als Experten in eigener Sache zu Wort kommen zu lassen und zu hören, was ihnen in ihrer Stadt, ihrem Dorf oder ihrer Schule gefällt, und wo sie konkret Veränderungsbedarf sehen. Sie wurden dabei gefragt wie sie die Verwirklichung ihrer Rechte auf Mitbestimmung, Spiel- und Freizeit sowie Schutz vor Gewalt einschätzen.

Von diesem Interesse und Mitsprachewunsch der Kinder und Jugendlichen können Städte und Gemeinden profitieren. Die Ergebnisse der Umfrage können der Grundstein für eine gemeinsame und praktische Gestaltung kinder- und jugendfreundlicher Städte sein.

Hier die Ergebnisse für Hamburg zum Download

Alle Ergebnisse der bundesweiten Kinderrechte-Umfrage von UNICEF Deutschland sowie den Gesamtbericht und eine Zusammenfassung stehen unter www.unicef.de/presse und www.unicef.de/jetzt-rede-ich zur Verfügung.

UN-Konvention über Rechte des Kindes

Am 20. November 1989 verabschiedeten die Vereinten Nationen die UN-Konvention über die Rechte des Kindes. Die Konvention garantiert allen Kindern das Recht auf Überleben, Entwicklung und Schutz sowie darauf, ernst genommen und beteiligt zu werden. Die Kinderrechte haben in den vergangenen Jahrzehnten weltweit geholfen, das Leben von Kindern zu verbessern. Insbesondere Artikel 12 garantiert, dass Kinder, das Recht haben, ihre eigene Meinung mitzuteilen und Erwachsene dies ernst nehmen müssen.