DIE KINDERRECHTE VERWIRKLICHEN!

Berlin, 20. November 2014

VERANSTALTUNG 25 JAHRE KINDERRECHTE IN SCHLOSS BELLEVUE

Bundespräsident Joachim Gauck und UNICEF-Schirmherrin Daniela Schadt diskutieren mit Kindern und Jugendlichen am Jahrestag der Kinderrechtskonvention

Am 25. Geburtstag der Kinderrechte ruft UNICEF zu verstärktem Einsatz für die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte des Kindes auf. Ein Vierteljahrhundert nach ihrer Verabschiedung müssen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft deutlich mehr tun, um das Recht auf Überleben, Entwicklung, Schutz und Beteiligung für jedes Kind zu verwirklichen. Auch das Engagement der Zivilgesellschaft – von Erwachsenen und von Kindern – ist entscheidend, um den Kinderrechten politisches Gewicht zu geben und sie mit Leben zu füllen.

„Kinderrechte sind Menschenrechte. Sie zu kennen und zu beachten ist wichtig für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft“, erklärte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. Gemeinsam mit Daniela Schadt, Schirmherrin von UNICEF Deutschland, diskutierte der Bundespräsident mit 50 engagierten Kindern und Jugendlichen im Schloss Bellevue darüber, was jeder Einzelne für die Verwirklichung der Kinderrechte tun kann.

„Einsatz für die Kinderrechte bedeutet für mich, dass ich durch mein Handeln die Welt ein kleines Stück besser mache“, erklärte der 18-jährige Üwen Ergün, UNICEF-JuniorBotschafter, auf dem Bellevue-Forum.

Die Veranstaltung ist Höhepunkt des bundesweiten, von UNICEF und dem Auswärtigen Amt ins Leben gerufenen „Aktionstag Kinderrechte“. Rund 100 Abgeordnete des deutschen Bundestages besuchen in diesem Jahr Schulen in ihrem Wahlkreis und lernen die Ideen und Anliegen der Kinder kennen. Bundesweit organisieren mehr als 300 Schulen spezielle Veranstaltungen.

Anspruch und Wirklichkeit der Kinderrechte

UNICEF fordert, dass der Anspruch der verbrieften Kinderrechte endlich für jedes Kind Wirklichkeit werden muss. Das politische Bekenntnis zu den Kinderrechten seit 1989 hat zwar weltweit Investitionen in die soziale und medizinische Grundversorgung, den Schutz und die Beteiligung von Kindern ausgelöst – doch längst nicht jedes Kind profitiert davon. 

Soziale und medizinische Fortschritte kommen oft nicht bei den ärmsten Kindern, z. B. in Slums oder in ländlichen Regionen, an. Sie profitieren auch kaum vom Wirtschaftswachstum in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern:

  • Ein Baby, das 2014 geboren wurde, hat weltweit deutlich bessere Chancen zu überleben als vor 25 Jahren. Durch einfache und kostengünstige Maßnahmen wie Impfkampagnen oder bessere Hygiene konnte das Leben von 90 Millionen Kindern unter fünf Jahren gerettet werden. Doch bis heute erleben pro Jahr rund 6,3 Millionen Mädchen und Jungen nicht einmal ihren fünften Geburtstag – nur weil es an Medikamenten, sauberem Trinkwasser oder Gesundheitshelfern fehlt.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind eine Schule besuchen kann, ist heute deutlich höher. So stiegen weltweit die Einschulungsraten, mehr Kinder als je zuvor schließen die Grundschule ab. Aber 57 Millionen Mädchen und Jungen im Schulalter haben noch immer keinen Platz im Klassenzimmer.
  • Weltweit gibt es Verbesserungen beim Schutz der Kinder vor Missbrauch, Ausbeutung und Gewalt. Die Zahl der arbeitenden Kinder und Jugendlichen ging um fast ein Drittel zurück. Trotzdem müssen immer noch 168 Millionen Mädchen und Jungen unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten. Und nur fünf Prozent aller Kinder leben in Ländern, in denen jede Gewalt gegen Kinder verboten ist.
  • Bedroht sind die Rechte von Kindern besonders in Krisengebieten und in fragilen Staaten, in denen staatliche Strukturen nicht funktionieren. In Syrien, Irak, Südsudan oder in Krisenregionen wie im Norden von Nigeria sind Kinder Zielscheibe von Terror und Gewalt. Acht der zehn Länder mit der höchsten Kindersterblichkeit sind so genannte fragile Staaten – beispielsweise Somalia, die Zentralafrikanische Republik und Mali. 
  • Auch in den wohlhabenden Industrieländern gibt es Herausforderungen. Hier wachsen 76,5 Millionen Kinder in relativer Armut auf – 2,6 Millionen mehr als noch 2008. Die Finanzkrise hat die Kinder härter getroffen als die ältere Generation: In fast allen europäischen Ländern ist die Armutsrate bei Kindern schneller angestiegen – oder langsamer zurückgegangen – als bei älteren Menschen. 

Forderungen von UNICEF

Die UN-Konvention über die Rechte des Kindes macht klar: Es ist keine Frage von Mitleid oder karitativer Einstellung mehr, allen Kindern angemessene Lebensbedingungen zu garantieren. Es ist eine völkerrechtliche Verpflichtung. 

Deshalb fordert UNICEF:

  • Kinder müssen zum Maßstab einer zukunftsfähigen Gesellschaft werden. Damit die Kinderrechte überall auf der Welt durchgesetzt werden, braucht es stärkeren politischen Willen, angemessene Budgets und aussagekräftige Daten, um die Kinderrechte auch für alle benachteiligten Kinder zu verwirklichen.
  • Kinder brauchen in ihren Familien, Schulen und Gemeinden ein positives und beschützendes Umfeld. Sie müssen ihre Meinung einbringen und sich an Entscheidungen beteiligen können. UNICEF unterstützt in seinen Programmen in Entwicklungs- und Schwellenländern den Aufbau kinderfreundlicher Schulen. In Deutschland fördert UNICEF Initiativen wie Kinderfreundliche Kommunen e.V.
  • Bei Kinderrechtsverletzungen muss weltweit „Null Toleranz“ gelten. Missbrauch, Ausbeutung, Gewalt und Terror gegen Kinder müssen weltweit geächtet und verfolgt werden. Jedes Kind braucht Schutz und Hilfe im Krieg. Und in jedem Land der Erde muss Gewalt an Kindern ausdrücklich verboten werden.
  • Kinderrechte müssen auf die internationale politische Agenda. Es muss gelingen, dass kein Kind mehr an vermeidbaren Krankheiten oder Mangelernährung stirbt und dass jedes Kind eine gute Schulbildung erhält. Die Rechte der zukünftigen Generationen müssen Leitlinie bei der Festlegung neuer, nachhaltiger Entwicklungsziele nach 2015 sein. Deutschland soll den G7/G8-Vorsitz im Jahr 2015 nutzen, um konkrete Verbesserungen für Kinder weltweit voranzutreiben.
  • Die Bundesregierung muss die international verbrieften Rechte der Kinder umfassend verwirklichen. So muss zum Beispiel der Kampf gegen Kinderarmut in Deutschland Priorität in Bund, Ländern und Gemeinden haben. Die Kinderrechte müssen explizit im Grundgesetz verankert und unabhängige Ombuds- und Beschwerdestellen für Kinder eingerichtet werden, wie sie in über 70 Ländern bereits selbstverständlich sind. 
Rudi Tarneden

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