25 Jahre Kinderrechte: Kinder in Afghanistan

UNICEF-REPORT 2014 – JEDES KIND HAT RECHTE

Berlin, 25. Juni 2014

ZUM 25. GEBURTSTAG DER UN-KINDERRECHTSKONVENTION

Kinderrechtsverletzungen müssen weltweit entschlossener bekämpft werden

Ausgrenzung und Gewalt zählen nach Einschätzung von UNICEF heute zu den größten Herausforderungen bei der Verwirklichung der Kinderrechte. So konnten seit der Verabschiedung der UN-Konvention über die Rechte des Kindes am 20.11.1989 zwar weltweit die Kindersterblichkeit halbiert und der Anteil arbeitender Kinder um ein Drittel reduziert werden. Doch gerade die ärmsten Kinder sind von sozialen und medizinischen Fortschritten oftmals ausgeschlossen – in reichen wie in armen Ländern. Insbesondere die Prävention von Gewalt und Hilfen für benachteiligte Kinder müssen verbessert werden, so der UNICEF-Report 2014, der heute in Berlin vorgestellt wurde.

Denn:

  • Jedes dritte Mädchen unter 18 Jahren auf der Welt – einige davon nicht einmal sieben Jahre alt – ist von früher und erzwungener Heirat betroffen. Mehr als 150 Millionen Mädchen und 73 Millionen Jungen erfahren jedes Jahr sexuelle Gewalt. Besonders groß ist die Gefahr in Kriegsgebieten oder in Flüchtlingslagern.
  • Schätzungsweise 300 Millionen Kinder unter fünf Jahren zeigen problematisches Verhalten sowie Aggressivität, weil sie in ihrem Umfeld Gewalt ausgesetzt sind. Mädchen und Jungen werden sogar willkürlich zur Zielscheibe von Terror gemacht – wie bei den Entführungen Hunderter Schülerinnen in Nigeria oder bei gezielten Bombenangriffen auf Wohnviertel im syrischen Bürgerkrieg.
  • Das Risiko für Kinderrechtsverletzungen ist trotz zunehmender Aufmerksamkeit in Schulen, in Heimen und Jugendstrafanstalten weiterhin hoch. Armut und Überforderung sind auch häufige Ursachen für Gewalt in Familien. 35 Länder haben bisher ein umfassendes gesetzliches Verbot von Gewalt durchgesetzt – darunter auch Deutschland. Doch leben in diesen Ländern nur fünf Prozent aller Kinder.
  • Auch Deutschland muss aus der Sicht von UNICEF die Ursachen von Ausgrenzung und relativer Kinderarmut stärker bekämpfen. Eine Längsschnittanalyse von UNICEF ergab, dass allein zwischen 2000 und 2010 rund 8,6 Prozent der deutschen Kinder und Jugendlichen langjährige Armutserfahrungen gemacht haben. 2012 haben Jugendämter über 40.000 Kinder in Obhut genommen – meist weil ihre Eltern überfordert waren.
Dr. Jürgen Heraeus, Marta Santos Pais und Staatssekretär Ralf Kleindiek bei der Vorstellung des UNICEF-Reports 2014

Dr. Jürgen Heraeus, Marta Santos Pais und Staatssekretär Ralf Kleindiek bei der Vorstellung des UNICEF-Reports 2014
© UNICEF/Schneider

„Ausgrenzung und Gewalt zählen zu den größten Bedrohungen für Kinderrechte“, sagte die UN-Sonderbeauftragte zu Gewalt gegen Kinder, Marta Santos Pais. „Um ihre gravierenden Folgen zu überwinden braucht jedes Land eine nationale Agenda zum Schutz der Kinder vor Gewalt. Dazu gehört eine unabhängige Institution, die den Interessen der Kinder eine Stimme gibt und Beschwerden verfolgt, wenn Kinder ihre Rechte gefährdet sehen.“

„Wenn ein Land die Kinderrechte stärkt, stärkt es seine Zukunftsfähigkeit“, erklärte Dr. Jürgen Heraeus, Vorsitzendender von UNICEF Deutschland. „Wir brauchen eine Kultur des Hinsehens und funktionierende Netzwerke der Hilfe. Kinderrechte beginnen damit, dass es überall selbstverständlich wird, Kinder zu respektieren und ihnen zuhören.“

UNICEF fordert: Kinderrechte für jedes Kind verwirklichen

Praktisch alle Staaten der Erde haben sich mit der Kinderrechtskonvention völkerrechtlich verpflichtet, das Wohl von Kindern vorrangig zu behandeln. Die Konvention hat in vielen Ländern Gesetzesänderungen und Investitionen für Kinder ausgelöst. Auch Deutschland hat seit der Ratifizierung im Jahr 1992 wichtige Reformen durchgeführt – wie zum Beispiel das gemeinsame Sorgerecht, das Verbot der Prügelstrafe, die Modernisierung des Unterhaltsrechts und die Strafverfolgung von Sextouristen, die im Ausland Kinder missbraucht haben. Trotzdem steht eine umfassende Umsetzung der Kinderrechte noch aus.

Vor dem 25. Geburtstag der Kinderrechte in diesem Jahr fordert UNICEF:

  • Kinder müssen zum Maßstab einer zukunftsfähigen Gesellschaft werden. Damit die Kinderrechte überall auf der Welt durchgesetzt werden, braucht es stärkeren politischen Willen, angemessene Budgets und aussagekräftige Daten, um die Kinderrechte auch für alle benachteiligten Kinder zu verwirklichen.
  • Kinder brauchen in ihren Familien, Schulen und Gemeinden ein positives und beschützendes Umfeld. Sie müssen ihre Meinung einbringen und sich an Entscheidungen beteiligen können. UNICEF unterstützt in seinen Programmen in Entwicklungs- und Schwellenländern den Aufbau kinderfreundlicher Schulen. In Deutschland fördert UNICEF Initiativen wie „Kinderfreundliche Kommunen e.V.“
  • Bei Kinderrechtsverletzungen muss weltweit „Null Toleranz“ gelten. Missbrauch, Ausbeutung, Gewalt und Terror gegen Kinder müssen weltweit geächtet und verfolgt werden. Jedes Kind braucht Schutz und Hilfe im Krieg. Und in jedem Land der Erde muss Gewalt an Kindern ausdrücklich verboten werden.
  • Kinderrechte müssen auf die internationale politische Agenda. Es muss gelingen, dass kein Kind mehr an vermeidbaren Krankheiten oder Mangelernährung stirbt und dass jedes Kind eine gute Schulbildung erhält. Die Rechte der zukünftigen Generationen müssen Leitlinie bei der Festlegung neuer, nachhaltiger Entwicklungsziele nach 2015 sein. Deutschland soll den G8-Vorsitz im Jahr 2015 nutzen, um konkrete Verbesserungen für Kinder weltweit voranzutreiben.
  • Die Bundesregierung muss die international verbrieften Rechte der Kinder umfassend verwirklichen. So muss zum Beispiel der Kampf gegen Kinderarmut in Deutschland Priorität in Bund, Ländern und Gemeinden haben. Die Kinderrechte müssen explizit im Grundgesetz verankert und unabhängige Ombuds- und Beschwerdestellen für Kinder eingerichtet werden, wie sie in über 70 Ländern bereits selbstverständlich sind.

Geschäftsbericht 2013 - Große Unterstützung aus Deutschland für UNICEF-Hilfe

Das Deutsche Komitee für UNICEF hat im Jahr 2013 Einnahmen in Höhe von 96,96 Millionen Euro aus Spenden und dem Verkauf von Grußkarten erzielt. 79,81 Mio. Euro wurden für die Hilfe für Kinder in Entwicklungs- und Krisenländern bereitgestellt. Zu diesem guten Ergebnis haben erneut Hunderttausende Menschen in Deutschland beigetragen.

Die Einnahmen des Jahres 2013 liegen deutlich über dem guten Ergebnis des Vorjahres (plus 15,55 Prozent). Allein für die Nothilfe auf den Philippinen nach dem verheerenden Taifun Haiyan spendeten die Bundesbürger fast 17 Millionen Euro. Die Spenden ermöglichten es zum Beispiel nach der Naturkatastrophe, die Trinkwasserversorgung für 930.000 Menschen in Gang zu setzen und durch Impfkampagnen den Ausbruch von Krankheiten im Katastrophengebiet zu stoppen.

Im Rahmen der nachhaltigen Entwicklungsarbeit unterstützte UNICEF Deutschland 2013 u.a. gezielt Programme für das Überleben und die Entwicklung von Kindern in Somalia; Bildungsprogramme in Simbabwe und Programme zur Aids Prävention in Kambodscha sowie zur Überwindung der Genitalverstümmelung von Mädchen in Gambia.

Von großer Bedeutung sind Spenden ohne Zweckbindung in Höhe von 29,39 Mio. Euro, mit denen weltweit flexible Hilfe für Kinder möglich wurde – wie in vielen Ländern Afrikas südlich der Sahara sowie in Krisengebieten, die nicht im Fokus der Öffentlichkeit stehen.

Die nationale Kostenquote – gemäß den Kriterien des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen – für Verwaltung sowie Öffentlichkeitsarbeit und Werbung betrug in Deutschland 13,18 Prozent. UNICEF Deutschland trägt das DZI-Spendensiegel und wurde mehrfach für seine transparente Berichterstattung über seine Finanzen, Strukturen und Arbeitsweise ausgezeichnet.

Mehr Informationen und den Geschäftsbericht zum Download finden Sie auf der Geschäftsberichts-Seite

Rudi Tarneden

PRESSEKONTAKT

Rudi Tarneden
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E-Mail: presse(at)unicef.de


25 Jahre Kinderrechte: Kinder in Afghanistan

JEDES KIND HAT RECHTE

Der neue UNICEF-Report dokumentiert Herausforderungen und Defizite bei der Verwirklichung der Kinderrechte weltweit. 

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