10. August 2010von Cornelia Walther

Überschwemmungen in Afghanistan

Nach einer ungeplanten Übernachtung in der Provinz Kunar sind wir sicher wieder in Jalalabad-Stadt angekommen. Regen hatte die Straße zwischen den beiden Standorten in einen reißenden Strom verwandelt. Die Nacht war im Camping-Stil, doch verglichen mit den Lebensbedingungen der Flut betroffenen Familien 5-Sterne-Luxus.

Nach den heftigen Regenfällen in der letzten Juli-Woche haben Überschwemmungen im Zentrum und Osten Afghanistans mehrere tausend Familien obdachlos gemacht und über 80 Personen getötet. Der Zugang zu vielen Orten ist nachwievor durch zerstörte Infrastruktur sowie Unsicherheit behindert. Humanitäre Hilfe wird basierend auf Schätzungen der afghanischen Regierung zur Verfügung gestellt. Obwohl weit weniger besorgniserregend als in Pakistan,  so ist die Situation doch extrem schlecht für viele.

Familien, die alles verloren haben (es gibt hier kein Versicherungssystem) sind in Notbehausungen untergebracht oder wohnen bei Verwandten. Besonders in den überfüllten Lagern ist das Risiko von Durchfall und anderen Krankheiten hoch für Kinder. Noch ist ungewiss ob das Schlimmste vorbei ist oder noch aussteht.

UNICEF war bereits drei Tage nach Beginn der Überflutungen in Aktion. Bis heute wurden beinahe 500 Zelte in den Provinzen von Nangarhar und Kunar zur Verfügung gestellt. Water family kits, Eimer und Chlor für die hygienische Wasseraufbereitung sowie Energiekekse für Kinder unter fünf Jahren und schwangere und stillende Frauen sind nun in vielen Plätzen verfügbar.

Da die genannten Güter vorpositioniert waren, konnten sie schnell in die betroffenen Bezirke von Kapisa, Parwan, Kunar und Laghman  verfrachtet werden. Eine massive Masern-Impfkampagne hat begonnen, mit dem Ziel, alle Kinder unter 14 Jahren in den Flut betroffenen Gebieten zu erreichen.

16. June 2010von Cornelia Walther

Herat: Puppentheater für Kinderrechte

Nach zwei Tagen im Westen des Landes bin ich gerade wieder in Kabul gelandet.

Um von der Hauptstadt nach Herat zu fliegen dauert es vier Stunden, da drei Flughäfen abgeklappert werden. Der Hinflug fiel mit einem Besuch des afghanischen Präsidenten in Kandahar zusammen, somit war die Zufahrt zum Flughafen in Kabul für Autos gesperrt. „Sie können laufen…;“ meinte mein Fahrer, bereits dabei den Rückwärtsgang einzulegen. Zu seiner Überraschung (und vermutlich Entsetzen unser Sicherheitsleute) machte ich das dann auch. 20 Minuten, aber Flug gekriegt. Zum Glück reist man/frau mit leichtem Gepäck. Als wir in der Luft waren wurde angesagt dass der Kandahar-Flughafen ausfällt aufgrund des VIP-Besuches. Die Passagiere dieser Destination hatten somit einen Landeslooping zurück nach Kabul (alle blieben höflich, vermutlich nicht zu unglücklich ihnen ein Aufenthalt in einem der Brennpunkte Afghanistans noch etwas erspart bleibt); in Faryab bremsten die Piloten zu heftig, sodass wir bei Ankunft in Herat feststellten dass das Flugzeug zwei Platten hatte. Nunja.

Ziel meines Aufenthaltes war es eine Puppenshow über Kinderrechte zu begleiten. In Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut und dem afghanischen Parwaz Theater, hat UNICEF ein Theaterstück entworfen, dass in fünf kleinen Stücken die Zentralthemen der UN Kinderrechtskonvention kindergerecht vermittelt: Identität, Schutz, Schule, Gesundheit und Mitarbeit.  Angefangen hat die Tournee letzte Woche in Kabul, nach Herat steht Mazar (Norden) nächste Woche an; nach den Schulferien folgen dann Nimroz (Süden) und Jalalabad (Osten) im September. Den ganzen Beitrag lesen

12. June 2010von Chris Schuepp

OneMinutesJr workshop in der Ukraine - 5/5

KIEW, Ukraine / 11. Juni 2010 - Am letzten Tag des OneMinutesJr-Workshops in der Ukraine arbeiten wir hektisch an der Fertigstellung der Filme. Wir suchen noch ein paar Titel, übersetzen die Texte auf Englisch für die Untertitel und nehmen letzte kleine Veränderungen an den Filmen vor. Heute nachmittag werden wir uns zum ersten Mal alle 15 Filme auf einmal auf der großen Leinwand zusammen ansehen…

kyiv_day5_1.jpgWenn ich die vergangenen fünf Tage noch einmal Revue passieren lasse, dann denke ich, dass wir schon eine Menge “auf die Beine gestellt” haben. Wir haben mit 15 Jugendlichen aus der Ukraine, von denen die Mehrheit selbst HIV-positiv ist, intensiv an dem Thema “Leben mit HIV/AIDS” gearbeitet. Es ist offensichtlich, dass diese Kinder behandelt werden wollen wie alle anderen Kinder auch, mit Respekt und ohne dass mit Fingern auf sie gezeigt wird.

Die Stigmatisierung von Menschen mit HIV ist hier immer noch sehr aktuell, so dass die Kinder Angst haben, über ihren Status zu sprechen. Auf der anderen Seite scheint es, als wären die Teenager aus unserem Workshop den wahren Werten im Leben viel näher als ihre gleichaltrigen Freunde, da sie permanent mit der Angst um die Zukunft leben müssen wegen der HIV-Infektion, an der sie selbst keine Schuld trifft. Den ganzen Beitrag lesen

11. June 2010von Chris Schuepp

OneMinutesJr workshop in der Ukraine - 4/5

Heute ist bereits der vierte Tag des OneMinutesJr-Workshops in der Ukraine, aber irgendwie ist es seltsam ruhig in und um den Seminarraum herum. Die Aussentemperatur ist bei über 30 Grad, was das Arbeiten nicht besonders erleichtert und ausserdem hatten einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gestern auch eine lange Dreh- bzw. Schnittnacht.

Dkyiv_day4_1.jpger einzige Russisch-Muttersprachler unter uns Trainern, Gor aus Armenien, ist damit beschäftigt, mit den Kindern die “Voice overs” aufzunehmen. Nur wenige der Filme haben Dialoge, aber fast alle sind wie kurze Dokumentarfilme aufgebaut, weshalb natürlich ein guter Text geschrieben werden muss, der dann ins Mikro gesprochen und unter die Bilder gelegt wird.

Am Nachmittag begleite ich Igor (15) in die nördliche Vorstadt von Kiew, wo sein Patenonkel wohnt. Sasha ist HIV-positiv und weiß das bereits seit acht Jahren. Zu dem Zeitpunkt war er noch nicht verheiratet, jetzt ist er es aber und er und seine Frau haben einen drei Jahre alten Sohn. Glücklicherweise ist Sasha der einzige in der Familie, der HIV-positiv ist. Den ganzen Beitrag lesen

10. June 2010von Chris Schuepp

OneMinutesJr workshop in der Ukraine - 3/5

Halbzeit beim OneMinutesJr-Workshop in der Ukraine. Heute müssen wir eine ganze Reihe von Filmen drehen, damit wir weiterhin auf Kurs sind für die Präsentation aller 15 Filme am Freitagnachmittag.

kyiv_day3_1_150×190.jpgZuerst ist heute Alena an der Reihe. Die 17 Jahre alte Schülerin hat einen kleinen Bruder der HIV-positiv ist. Sie macht sich Sorgen um ihn, allerdings nicht so sehr wegen der Immunschwächekrankheit, sondern vielmehr deshalb, weil Kinder mit HIV in der Ukraine stigmatisiert werden. In ihrem Film wird Alena einen Jungen zeigen, der auf einem Spielplatz schaukelt und von anderen Kindern massiv geärgert wird. Alena: “Ich werde mit meinem Film übertreiben und Leute schockiere. Aber ich denke, dass das ein Weg ist, den Menschen zu zeigen, was es bedeutet, wegen HIV/AIDS ausgegrenzt zu werden. Vor allem, wo wir über einen kleinen Jungen sprechen, der weder etwas daran ändern kann, dass er HIV-positiv ist, noch etwas dafür kann, dass das so ist.”

Denis (14) lebt in einer Familie mit seinen Eltern, seinen beiden Schwestern und einem Bruder. Von den vier Kindern sind zwei HIV-positiv. Denis zeigt in seinem Film alle vier Kinder - gespielt von Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops - läßt allerdings offen, wer von den Kindern HIV-positiv ist. “Zwei dieser vier Kinder sind positiv - weißt Du, wer?” Den ganzen Beitrag lesen

9. June 2010von Chris Schuepp

OneMinutesJr workshop in der Ukraine - 2/5

Der zweite Tag des OneMinutesJr-Workshops in der Ukraine beginnt mit einem “Schnelldurchlauf” der Filmideen, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gestern entwickelt haben. Welche Fragen waren noch offen? Welche Utensilien brauchen wir noch zum Filmen? Wer sind die Schauspieler? Wie sehen die Filmorte aus? Als alles geklärt ist, geht es los mit dem ersten Dreh.

kyiv_day2_2_190×138.jpgDer Workshop hier in Kiew dreht sich um HIV/AIDS. Viele der 15 Teenager, die an dem fünftägigen Seminar teilnehmen, sind selbst HIV-positiv oder haben HIV-positive Freunde oder Familienmitglieder. Ihre Geschichten sind daher authentisch und das ist genau das, was wir erwartet haben. Es ist absolut notwendig, denen, die von der Immunschwächekrankheit direkt betroffen sind, die Möglichkeit zu geben, über das Thema zu sprechen undes denen näherzubringen, die immer noch Distanz dazu haben.

Der erste Film, den wir drehen, ist Dimas Film. Der 17 Jahre alte Junge zeigt uns, wie es ist, wenn man HIV-positiv ist. Eine Gruppe von Jugendlichen steht auf einer Mauer beisammen, Dima in der Mitte. Einer nach dem anderen wendet sich von ihm ab, bevor Dima sich rückwärts von der Mauer fallen läßt. Später, wenn wir den Film schneiden, wir der Bildschirm schwarz. Aber dann kommt noch eine unerwartete Wendung. Die Freunde sind plötzlich wieder da und fangen Dima auf! Den ganzen Beitrag lesen

9. June 2010von Chris Schuepp

OneMinutesJr workshop in der Ukraine - 1/5

kyiv_day2_1_190×138.jpg15 Teenager aus verschiedenen Regionen der Ukraine haben sich heute früh im “UN House” in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine, versammelt. Für sie fängt hier und jetzt ein fünftägiger Workshop an, der sowohl ihr Leben als auch das von vielen anderen Menschen grundlegend verändern könnte. Sie alle haben entweder direkt oder indirekt etwas mit HIV/AIDS zu tun und werden von heute bis Freitag kurze Filme zu dem Thema produzieren und ein Teil des UNICEF-Projekts “The OneMinutesJr” werden.

Yukie Mokuo, die Leiterin des UNICEF-Büros in der Ukraine, begrüßt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die alle zwischen 12 und 18 Jahre alt sind. Yukie erzählt ihnen von einem ähnlichen Workshop im Donetsk, im Osten der Ukraine, wo im vergangenen Jahr eine vergleichbare Gruppe von Jugendlichen Filme zum Thema “Kinderrechte” erstellt hat.

“Die Filme letztes Jahr sind so gut geworden und haben so viele Leute begeistert, dass wir jetzt planen, eure Filme im Juli 2010 bei einer großen HIV/AIDS-Konferenz in Wien zu zeigen. Ausserdem werden wir sie mit Sicherheit auch bei unserer nationalen AIDS-Konferenz in der Ukraine im November benutzen, um zu zeigen, wie ihr, die Kinder, mit diesem Thema umgeht.”

Viel mehr Motivation ist wohl kaum nötig, aber natürlich werden alle hier produzierten Filme auch bald auf der Projekt-Website www.theoneminutesjr.org zu sehen sein und alle Workshop-Teilnehmer sind im Rennen um den OneMinutesJr-Award 2010.

Aber zurück zum Workshop: Wir fahren eine gute halbe Stunde mit einem Bus in die südliche Vorstadt von Kiew, in die Nähe des Flusses Dnjepr, der durch die ukrainische Hauptstad fließt. Hier werden wir die kommenden fünf Tage zusammen mit den 15 Jugendlichen verbringen und ihre Filmideen entwickeln, drehen und schneiden. Zuerst zeigen wir ihnen ein paar OneMinutesJr-Videos von anderen Workshops und dann geht es los mit dem interessantesten Teil des Seminars. Den ganzen Beitrag lesen

4. June 2010von Ann Kathrin Linsenhoff

Rumbek-Juba

Wir verlassen Rumbek mit der Vision unseres UNICEF-Kollegen Abraham, dass endlich alle Kinder im Sued-Sudan frei von Krieg und Gewalt aufwachsen sollen. Zurueck in Juba gibt es eine Pressekonferenz mit der lokalen Presse. Drei der 5 anwesenden Journalisten waren Frauen, die sich besonders fuer das Thema Bildung im Allgemeinen im Sued-Sudan und besonders fuer die Bildungssituation der Maedchen interessierten. Genau das ist wichtig, denn sie sind Vorbilder fuer die vielen Maedchen, die nicht zur Schule gehen. Unsere Aufgabe ist es nun, die Fortschritte, aber auch die Noete der Kinder im Sued-Sudan moeglichst vielen Menschen nahezubringen. Wir duerfen die Kinder in Juba, Yambio und Rumbek nicht vergessen!

4. June 2010von Ann Kathrin Linsenhoff

Rumbek - Bildung für kleine Soldaten

Ann Kathrin Linsenhoff in RumbekHeute besuchten wir die Deng Nhial Primary School, eine Schule für ehemalige Kindersoldaten. Diese Schule wurde mit den Spenden des Schafhof-Festivals unterstützt. Dadurch entstanden vier neue Klassenräume, ein Latrinenhaus, eine Wasserstelle, und außerdem konnte UNICEF die Lehrer-Ausbildung unterstützen. Einige Lehrer sind ehemalige Kindersoldaten und stehen so für die kleinen Schritte in Richtung Frieden.

Der heute 33jährige Lehrer Johnson wurde während des Krieges bei einem Bombenangriff verletzt – da war er 12 Jahre alt. 1999 konnte UNICEF ihn gemeinsam mit mehr als 3000 Kindern befreien. Jetzt unterrichtet er hier in Rumbek die dritte Klasse. Wie dieser Lehrer ist unser UNICEF-Kollege Abraham (34) ein Vorbild für die Jungs von heute – er war selbst viele Jahre bei der SPLA.  Er ist nun seit vielen Jahren Sozialarbeiter und setzt sich vehement für die Befreiung der Kindersoldaten ein. Eine unwahrscheinlich beeindruckende Person ist der 2m lange Hüne aus dem  Volk der Dinka. Er hat eine Vision, denn er wird nicht eher ruhen, bis auch der letzte der noch vermutlich 1.200 Kindersoldaten demobilisiert ist.

Familienbesuch bei der Familie von JohnBei einem Besuch der Familie von John (18) erfahren wir, wie schwer der Weg zurück in einen normalen Alltag ist. Er ist seit 2 Monaten zurück in seiner Familie. Für alle Mitglieder der Familie gibt es zu wenig zu essen und kaum ein Platz zum Schlafen. In der Rebellen-Armee hat er ca. 100 $ bekommen und täglich eine warme Mahlzeit. Die Familie war glücklich, ihn trotz aller Schwierigkeiten wieder zu sehen – sie hatten seit 3 Jahren nichts mehr von ihm gehört. Abraham von UNICEF besucht ihn jeden Monat, um ihm über die Startschwierigkeiten hinwegzuhelfen.
Zum Abschluss besuchen wir das Warenlager von UNICEF im Süd-Sudan. Was hier in den hohen Regalen auf dem Transport in die Provinzen wartet, wird Kinderleben retten. Das Moskitonetz schützt vor Malaria, einer der häufigsten Todesursachen. Die Zucker-Salz-Lösung hilft gegen das Austrocknen bei Durchfall – ein weiteres Symptom bei vielen Krankheiten. Die Utensilien zur Impfung von Masern und Tetanus werden hier gelagert. Ein Seifenstück hilft selbst unter den schwierigen Lebensbedingungen im Süd-Sudan, ein wenig für Lebensfreude zu sorgen. UNICEF setzt all dies mit großer Wirkung ein, um die hohe Kindersterblichkeit im Süd-Sudan zu senken. Diese Maßnahme können Sie mit Hilfe meiner Stiftung unter dem Stichwort „Überlebenspaket“ unterstützen.

2. June 2010von Ann Kathrin Linsenhoff

Yambio, Lektionen fürs Leben - wenn die Schule in der Kiste den Weg zu den Kindern findet.

Primari SchoolHeute fliegen wir nach Yambio, der Hauptstadt von Western Equatorial State mit 153.257 Einwohnern. Eigentlich soll hier seit 5 Jahren Frieden sein, aber die Sicherheit der Grenze zu Uganda ist nicht gewährleistet. Daher gibt es Überfälle von der LRA, einer ugandischen Rebellentruppe. Seit 2 Jahren verunsichern sie das Gebiet. Erst letzte Woche sind 2 Mitarbeiter des Bildungsministeriums grausam um’s Leben gekommen.

In der Pazna Yambio Primary School mit 532 Schülern - davon 238 Mädchen und 294 Jungen - treffen wir Suzy, 12 Jahre alt. Sie ist Vollwaise und lebt bei ihrer älteren Schwester. Suzy ist die Einzige aus ihrer Familie, die zur Schule geht. Für Suzy und viele andere Mädchen ist es schon eine gute Nachricht, dass sie überhaupt zur Schule gehen. Bei meinem ersten Besuch war das überhaupt nicht der Fall. Stolz läuft Suzy jeden Tag 1 Stunde zur Schule. Die Schule wurde mit Material von UNICEF errichtet. Gebaut haben sie die Eltern selbst. Jetzt sorgt UNICEF auch für Lernmaterial mit Hilfe der Schule in der Kiste, die wir mit den UNICEF-Kollegen verteilen. Den ganzen Beitrag lesen