
LGBTQIA+: 5 Tipps, wie Sie Kinder und Jugendliche unterstützen können
Viele LGBTQ+-Personen erleben während ihrer Schulzeit Mobbing, Beleidigungen oder Bedrohungen. Diskriminierung verletzt die Würde und Rechte junger Menschen und widerspricht den Kinderrechten. UNICEF setzt sich dafür ein, dass jedes Kind sicher und respektiert aufwachsen kann. Wenn Sie sich als Eltern Sorgen machen, wie Sie Ihr Kind unterstützen können, finden Sie in diesem Beitrag hilfreiche Informationen und Tipps.
von UNICEF-Redaktion
Was bedeutet LGBTQIA+?
LGBTQIA+ ist eine Sammelbezeichnung für Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten. Die Abkürzung steht für die Vielfalt menschlicher Identitäten und macht deutlich, dass kein Mensch aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität ausgegrenzt werden sollte.
Die sexuelle Orientierung beschreibt, zu wem sich ein Mensch emotional oder romantisch hingezogen fühlt. Die Geschlechtsidentität bezeichnet das persönliche Empfinden darüber, welchem Geschlecht sich ein Mensch zugehörig fühlt. Sie kann mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmen oder davon abweichen.

Das Akronym LGBTQIA+ kommt aus dem Englischen und steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Trans, Inter, Asexual oder Aromantic und Queer oder Questioning.
© UNICEFLeben mit Hass und Diskriminierung: Queere Jugendliche in Deutschland
Für queere Kinder und Jugendliche ist das Aufwachsen mit besonderen Herausforderungen verbunden. Neben den allgemeinen Fragen, die das Erwachsenwerden mit sich bringt, erleben viele von ihnen Vorurteile oder Ausgrenzung – sei es in der Schule, im Freundeskreis, im Sportverein oder in sozialen Medien. Auch in der eigenen Familie stoßen Jugendliche zum Teil auf Ablehnung oder Unverständnis. Diese Reaktionen können dazu führen, dass Kinder und Jugendliche Angst haben, ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität offen zu zeigen oder denken, dass etwas mit ihnen nicht stimmt.
Akzeptanz und Unterstützung durch die Familie und andere wichtige Bezugspersonen ist entscheidend für Kinder und Jugendliche, um solche emotionalen Belastungen zu bewältigen und ihre Identität selbstbewusst zu leben. Wer aufmerksam zuhört, Gefühle ernst nimmt und vermittelt, dass Zuneigung und Wertschätzung unabhängig von der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität sind, schafft einen sicheren Ort zum Wachsen.
Wie können Eltern und Bezugspersonen queere Jugendliche unterstützen? 5 Tipps
Meist geht es nicht darum, für jedes Problem die passende Lösung zu haben. Viel wichtiger ist, dass Kinder und Jugendliche spüren: Ich bin nicht allein.
Wenn Kinder oder Jugendliche über ihre Gefühle, ihre sexuelle Orientierung oder ihre Geschlechtsidentität sprechen möchten, brauchen sie vor allem eines: Menschen, die ihnen aufmerksam zuhören. Hören Sie zu, ohne zu urteilen und machen Sie deutlich, dass Sie jederzeit ein offenes Ohr haben. Sie müssen nicht alles verstehen – entscheidend ist, offen miteinander umzugehen und sich gegebenenfalls für Fehler zu entschuldigen. Dieses Gefühl von Sicherheit bildet die Grundlage für Vertrauen und stärkt das Selbstwertgefühl.
Viele Menschen haben im Alltag wenig Berührung mit LGBTQIA+, Geschlechtsidentität oder dem Coming-out – also dem Prozess, bei dem eine Person ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität offenbart.
Es ist normal, anfangs von diesen Themen überfordert zu sein. Wichtig ist die Bereitschaft, sich offen damit auseinanderzusetzen. Informieren Sie sich bei Interessenverbänden oder anderen seriösen Quellen und scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen. Das kann helfen, die Erfahrungen und Herausforderungen bei der Identitätsfindung besser zu verstehen. Gleichzeitig vermitteln Sie Ihrem Kind, dass Sie sich für seine Lebenswelt interessieren und es ernst nehmen.
Vielen Eltern hilft es, sich mit anderen Familien auszutauschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Gespräche können Mut machen, Unsicherheiten abbauen und zeigen, dass Fragen normal sind. Auch bei verschiedenen Beratungsstellen können Eltern und andere Bezugspersonen Fragen stellen und bekommen Tipps und Informationen, wie sie ihr Kind bestmöglich begleiten.
Kinder und Jugendliche brauchen Menschen, die ihnen Halt geben und ihnen den Rücken stärken. Das bedeutet auch: im Alltag Haltung zeigen und sich gegen Ausgrenzung oder diskriminierende Äußerungen einsetzen. Kommt es in der Schule, im Verein oder im Familienkreis zu Benachteiligungen, können Sie das Gespräch suchen, um Ihrem Kind zu zeigen, dass es sich auf Sie verlassen kann. Auch kleine Gesten im Alltag vermitteln Wertschätzung und Zugehörigkeit – beispielsweise die selbstverständliche Verwendung des gewünschten Namens oder der richtigen Pronomen.
Einige Kinder sind sich schon früh klar über ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität, andere brauchen Zeit, um ihren eigenen Weg zu finden. Drängen Sie Ihr Kind nicht, auch wenn Sie helfen möchten. Ein Coming-out ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein individueller Prozess, der unterschiedlich lange dauern kann. Überlassen Sie Ihrem Kind die Entscheidung, wann, mit wem und in welchem Umfang es über seine Identität sprechen möchte.

Die UN-Kinderrechtskonvention besagt, dass kein Kind auf der Welt diskriminiert werden darf. UNICEF setzt sich weltweit dafür ein, dass dieses Recht unabhängig von der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität verwirklicht wird.
© UNICEF/UN0875944/Sachse-GrimmQueer-feindliche Gewalt weltweit
Nicht überall können LGBTQIA+-Kinder und -Jugendliche offen und sicher leben. In zahlreichen Staaten werden Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität weiterhin diskriminiert oder strafrechtlich verfolgt. Sie müssen ihre Identität aus Furcht vor Ausgrenzung, Gewalt oder Haftstrafen verbergen.
„Aktuell kriminalisieren 65 UN-Mitgliedstaaten gleichgeschlechtliche Beziehungen“ (ILGA World, Juni 2026). Das entspricht rund einem Drittel aller 195 Staaten weltweit. In sieben dieser Länder kann darauf sogar die Todesstrafe stehen. Nach mehreren Jahren rückläufiger Entwicklung ist die Zahl der Staaten mit entsprechenden Strafgesetzen in den Jahren 2025/2026 erstmals seit 2017 wieder leicht gestiegen.
Beratungsstellen für LGBTQIA+ Kinder, Jugendliche und ihre Familien
Der LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt setzt sich bundesweit für die Rechte von LSBTIQ*-Menschen ein und bietet vielfältige Beratungs- und Unterstützungsangebote. Familien erhalten Informationen zu Themen wie Coming-out, Regenbogenfamilien oder Antidiskriminierung. Über die Landesverbände vermittelt der LSVD⁺ zudem regionale Anlaufstellen und Beratungsangebote.
Telefon: 0221 925961-0
E-Mail: lsvd@lsvd.de
Der Bundesverband Trans* informiert und berät trans*, nicht-binäre und genderdiverse Menschen sowie ihre Angehörigen. Er bietet Informationen zu geschlechtlicher Vielfalt, vermittelt Beratungsangebote und unterstützt Familien dabei, passende Hilfen zu finden.
Telefon: 030 23949896
E-Mail: info@bv-trans.de
Die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti e. V.) unterstützt trans*, intergeschlechtliche und nicht-binäre Menschen sowie ihre Familien. Neben persönlicher Beratung bietet der Verein umfangreiche Informationen, regionale Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner sowie Selbsthilfe- und Vernetzungsangebote. Regionale Beratungsangebote und Kontaktmöglichkeiten finden Sie auf der Website.
Die Initiative LIEBESLEBEN des Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) stellt wissenschaftlich fundierte Informationen rund um sexuelle Gesundheit, sexuelle und geschlechtliche Vielfalt sowie Beratungsangebote für Kinder, Jugendliche, Eltern und Fachkräfte bereit. Über die Website finden Sie außerdem passende Beratungsstellen in Ihrer Nähe.
In vielen Städten gibt es queere Jugendzentren, Familienberatungsstellen und psychosoziale Beratungsangebote. Sie unterstützen Kinder, Jugendliche und Eltern bei Fragen zum Coming-out, zur geschlechtlichen Identität oder im Umgang mit Diskriminierung. Häufig bieten sie persönliche Gespräche, Online-Beratung, Gruppenangebote oder den Austausch mit anderen Familien an.
Häufige Fragen für Eltern und Bezugspersonen zum Thema LGBTQIA+
Als Coming-out wird der persönliche Prozess bezeichnet, in dem sich ein Mensch über die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität bewusst wird und sich entscheidet, diese offen nach außen zu kommunizieren. Einige Menschen sprechen zunächst nur mit den engsten Vertrauten, andere gehen von Anfang an sehr offen damit um. Einen „richtigen“ Zeitpunkt oder ein bestimmtes Alter für ein Coming-out gibt es nicht. Entscheidend ist, dass sich die Betroffenen in ihrer Identität sicher fühlen und Wertschätzung und Verständnis erfahren.
Die Entwicklung der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität ist individuell und verläuft bei jedem Menschen unterschiedlich. Einige Kinder oder Jugendliche setzen sich schon früh mit ihrer Identität auseinander, andere erst während oder nach der Pubertät. Wichtig ist, dass Eltern ihr Kind begleiten, ohne es unter Druck zu setzen und ohne schnell eine endgültige Entscheidung zu haben.
Die elterliche Unterstützung beginnt mit Offenheit und Vertrauen. Hören Sie Ihrem Kind aufmerksam zu, nehmen Sie seine Gefühle ernst und zeigen Sie, dass Ihre Liebe und Wertschätzung unabhängig von seiner sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität sind. Informieren Sie sich bei Bedarf über das Thema und scheuen Sie sich nicht, Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. Schon kleine Gesten der Anerkennung geben Ihrem Kind Sicherheit und Selbstvertrauen, um sich individuell zu entwickeln.
- European Union Agency for Fundamental Rights (FRA)
„LGBTIQ equality at a crossroads: progress and challenges“ (14. Mai 2024)
https://fra.europa.eu/da/publication/2024/lgbtiq-equality-crossroads-progress-and-challenges
Broschüre zum Download - ILGA World
„Pride Month: new ILGA World data and maps on laws affecting LGBTI people globally“ (1. Juni 2026)
https://ilga.org/news/pride-month-2026-lgbti-maps-data/ - Bundesverband Trans (Stand: 2026)
https://www.bundesverband-trans.de/ - UNICEF USA
„Parenting: 5 Ways to Support Your LGBTQ+ Child“ (28. Mai 2026).
https://www.unicefusa.org/what-unicef-does/parenting/5-ways-support-lgbtq-child
Diesen Artikel hat das Team der UNICEF-Redaktion für Sie recherchiert und verfasst.