© UNICEF/UNI968136/LloydMissbrauch im Internet: Zwei junge Mädchen sitzen im Freien und schauen auf ihre Handys.
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Online-Missbrauch verhindern: Wie ein Schulprojekt Kinder in Kambodscha schützt

Für Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt ist ihr Handy das wichtigste Kommunikationsmittel. Viele teilen Bilder, Nachrichten und Videos nicht nur mit ihren Freunden, sondern auch mit Unbekannten, zum Beispiel auf Social Media. UNICEF versucht Kinder und ihre Erziehungsberechtigten für die Gefahren von Missbrauch im Internet zu sensibilisieren. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Millionen Kinder und Jugendliche weltweit sind online täglich mit Menschen in Kontakt, die sie noch nie getroffen haben.
  • Insbesondere in Chatrooms und in sozialen Netzwerken ist das Risko für sexuellen Missbrauch, Betrug oder Ausbeutung groß. In Kambodscha zum Beispiel hat jedes fünfte Kinder bereits einen solchen Vorfall erlebt.
  • UNICEF hat gemeinsam mit der kambodschanischen Regierung und Partnerorganisationen einen Kurs entwickelt, in dem Schülerinnen und Schüler sicheres Verhalten im Internet lernen.

Eine schmale Grenze zwischen Online-Freundschaft und Missbrauch

Missbrauch im Internet ist ein Risko, dem Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt ausgesetzt sind. In diesem Beitrag blicken wir nach Kambodscha und zeigen beispielhaft, wie wir von UNICEF dazu beitragen, Kinder und Jugendliche zu schützen.

Die Freundinnen Kolap und Romdoul* lieben soziale Medien – genau wie unzählige andere Kinder und Jugendliche in Kambodscha. Sie posten Selfies in ihren Stories, schauen sich lustige Reels an und filmen „Ein Tag in meinem Leben“-Videos, die sie online stellen. Beide Mädchen haben jeweils rund 5.000 Freund*innen auf Facebook – und beide bekommen häufig Nachrichten von Leuten, die sie gar nicht kennen.

„Wenn die Person vertrauenswürdig wirkt, dann antworte ich ihr“, sagt die 16-jährige Romdoul. „Aber wenn ich antworte und die Person komisch wirk, blockiere ich sie.“ Die meisten Nachrichten kommen von Männern. „Wenn wir ein bisschen gechattet haben, fangen sie an zu flirten. Sie fragen nach Fotos“, sagt die 15-jährige Kolap. „Das sind Perverse.“

Sie wissen, dass sie niemals auf solche Anfragen reagieren dürfen, sagen die Mädchen. Wenn sie sich bei einem Chat unwohl fühlen, blockieren sie den Nutzer oder die Nutzerin sofort. Bei anderen Chats gibt es keine unmittelbaren Warnsignale. Dann entwickelt sich ein Gespräch und eine Verbindung entsteht. Beide Mädchen haben über Chats Beziehungen mit Jungen angefangen, die sie noch nie im echten Leben getroffen haben. Sie haben ihren Online-Freunden sogar die Login-Daten für ihre Social-Media-Konten gegeben – in Kambodscha ein üblicher Vertrauensbeweis unter Jugendlichen.

Missbrauch im Internet: Zwei junge Mädchen schauen auf ein Handy.

Wie viele andere Mädchen in Kambodscha posten die Freundinnen Kolap und Romdoul regelmäßig Bilder in den sozialen Netzwerken. Seit sie über Online-Risiken aufgeklärt werden, achten sie aber viel mehr darauf, mit wem sie ihre Fotos teilen.

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Romdoul erzählt, dass sie ihrem Online-Freund Selfies geschickt hat. Er habe aber nie mehr verlangt als das. Die beiden haben sich nie persönlich getroffen. Als die Beziehung beendet war, hat Romdoul ihn blockiert und zur Sicherheit all ihre Passwörter geändert.

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Ich hatte Angst vor Betrug, oder dass er sich in meinen Account einloggt und schlimme Dinge postet. Ich chatte jetzt nicht mehr mit Fremden. Als Mädchen müssen wir besonders vorsichtig sein, wem wir online vertrauen.

Romdoul, Schülerin aus Battambang, Kambodscha 

Mehr Fälle von Online-Missbrauch bei Jugendlichen

Jugendliche in Kambodscha verbringen mehr Zeit online als je zuvor. Mehr als drei Viertel der Bevölkerung sind in den sozialen Medien aktiv (Stand: Januar 2025). Vier von fünf Kindern (80 Prozent) zwischen zwölf und siebzehn Jahren nutzen das Internet regelmäßig.

Dass das Internet neben unbegrenzten Möglichkeiten auch ganz reale Gefahren birgt, haben schon viele Kinder am eigenen Leib erfahren. Der „Disrupting Harm“-Report aus dem Jahr 2022 zeigt:

  • Elf Prozent der Kinder zwischen zwölf und siebzehn Jahren in Kambodscha haben sexuelle Ausbeutung oder Missbrauch im Internet erlebt.
  • Das sind 160.000 Kinder, die genötigt wurden, Bilder oder Videos ihrer Geschlechtsteile zu teilen, oder die bedroht oder erpresst wurden, damit sie sich online an sexuellen Handlungen beteiligen.
  • Jedes sechste Kind (16 Prozent) hat in den sozialen Medien ungewollt sexuelle Kommentare erhalten.
  • Jedes sechste Kind (16 Prozent) hat ungefragt sexuelle Bilder über soziale Netzwerke bekommen.
  • Fast jedes zehnte Kind ist online aufgefordert worden, sexuelle Bilder von sich selbst zu teilen.

Die tatsächlichen Fallzahlen sind vermutlich viel höher, da viele Fälle von Missbrauch nicht gemeldet werden.

Online-Sicherheit als Schulfach

Lange haben sich Kolap und Romdoul in den sozialen Netzwerken vor allem auf ihr Bauchgefühl verlassen. Seit einiger Zeit lernen sie jetzt aber mehr über die Risiken des Internets. Ein neuer, von UNICEF unterstützter Kurs zum Thema Online-Sicherheit an ihrer Schule vermittelt den Mädchen, welchen Gefahren sie sich aussetzen, wenn sie online Kontakt zu Fremden aufnehmen und persönliche Informationen, Fotos oder Passwörter weitergeben. Gemeinsam mit ihren Klassenkamerad*innen lernen sie, Online-Betrug, Cybermobbing, Cyberkriminalität und sexuelle Straftäter*innen im Internet zu erkennen und sich vor Angriffen zu schützen.

Missbrauch im Internet: Schülerinnen sitzen im Klassenzimmer vor einem Computer.

In der neunten Klasse einer Sekundarschule in Battambang lernen die Schüler*innen mehr über Online-Gefahren wie Hacking, Malware, Betrug und die Ausbeutung von Kindern.

© UNICEF/UNI968135/Lloyd

Mittlerweile ist es für Kolap und Romdoul selbstverständlich, dass sie keine Freundschaftsanfragen von Fremden annehmen und immer zuerst das Profil anderer Nutzer*innen prüfen. Sie sind viel vorsichtiger geworden, mit wem sie im Internet kommunizieren. Kolap hat außerdem ihre Social-Media-Konten auf „privat“ gestellt.

„Im Kurs haben wir etwas über Online-Risiken wie Sextortion gelernt und dass ich mich an APLE (Action Pour Les Enfants) wenden kann, wenn ich ein Problem habe“, sagt sie. Die Partnerorganisation von UNICEF betreibt eine kostenlose Hotline, über die man anonym Online-Missbrauch melden und Unterstützung bekommen kann. „Jetzt habe ich meine Privatsphäre-Einstellung auf ‚Nur Freunde‘ gesetzt. Ich finde inzwischen, dass öffentliche Accounts nicht sicher sind.“

Fortbildung von Lehrkräften zum Thema Online-Missbrauch

An mehr als 100 Schulen in vier Provinzen in Kambodscha ist der Kurs jeweils in den Klassenstufen 7, 8 und 9 Teil des Lehrplans für das Fach „Local Life Skills Education“ (etwa: „lokale Alltagskompetenzen“). Er basiert auf dem „Child Online Protection Teachers Training Manual“ (etwa: Handbuch für Lehrkräfte für den Onlineschutz von Kindern), das das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport gemeinsam mit UNICEF und weiteren Partnern wie APLE sowie mit finanzieller Unterstützung von Safe Online und der australischen Regierung entwickelt hat.

Das Handbuch vermittelt Lehrkräften, wie sie Kindern und Jugendlichen helfen können, sich sicher in der digitalen Welt zurechtzufinden, und sich Hilfe zu holen, wenn es Probleme gibt. Die Themen umfassen digitale Kompetenz, Kinderrechte im digitalen Umfeld, Online-Risiken für Kinder, die fünf Formen von digitaler sexueller Ausbeutung und Missbrauch sowie Tipps zum Melden von Missbrauch. Bisher wurden mehr als 300 Lehrkräfte auf diese Weise geschult. In der Folge haben 34.000 Schüler*innen in Kambodscha von dem Programm profitiert.

Zusätzlich hat UNICEF Kampagnen umgesetzt, die darauf abzielen, Kinder vor Missbrauch und Ausbeutung im Internet zu schützen und ihnen zu helfen, sich sicher in der digitalen Welt zurechtzufinden. Diese Kampagnen haben weitere sechs Millionen Menschen erreicht.

Missbrauch im Internet: Ein Lehrer steht mit einem Arbeitsheft vor einer Schulklasse.

Seit der Einführung des Online-Sicherheitskurses Anfang 2025 sind die Schülerinnen und Schüler in den sozialen Medien vorsichtiger geworden, sagt Hanh Rathana, Lehrer im Fach „Lokale Alltagskompetenzen“.

© UNICEF Cambodia/2025/Seavhong Liv

„Früher haben die Schüler*innen nicht weiter darüber nachgedacht, welche Inhalte sie online teilen“, sagt Hanh Rathana, Lehrer für lokale Alltagskompetenzen in Battambang. Viele chatten gern mit Personen aus dem Ausland, um ihr Englisch zu verbessern. Oft waren diese Online-Identitäten gefälscht. „Durch den Kurs sind die Schülerinnen und Schüler viel aufmerksamer geworden“, berichtet Rathana, „sie nehmen Freundschaftsanfragen von Fremden nicht mehr sofort an, sondern schauen genau, ob es sich um eine echte Person handelt oder nicht.“

Obwohl der Kurs nur für die Klassenstufen 7, 8 und 9 angeboten wird, ist die Schule überzeugt, dass er die Online-Sicherheit für die gesamte Schulgemeinschaft verbessern kann.
„Wir ermutigen die Schülerinnen und Schüler, ihr Wissen mit Freunden und Familienangehörigen zu teilen“, sagt Rathana. Zudem hat die Schule Veranstaltungen für Eltern organisiert, um ihnen zu vermitteln, wie sie sich und ihre Kinder besser schützen können.

Es geht nicht nur um die eigenen Kinder. Jedes Kind ist wichtig. Deshalb ermutigen wir die Eltern, das Bewusstsein für Online-Sicherheit so weit wie möglich auch bei anderen Familienmitgliedern zu schärfen.

Hanh Rathana, Lehrer für lokale Alltagskompetenzen in Battambang

Schulleiter Soeung Sonay ist sicher, dass frühe Aufklärung entscheidend sein kann, um Kinder vor den schlimmsten Formen von Online-Missbrauch zu schützen. „Wir versuchen, die Schüler im Voraus aufzuklären, um Vorfälle zu verhindern“, sagt er. Bislang ist der Schule kein Fall bekannt, bei dem einem Schüler oder einer Schülerin online ernsthafter Schaden zugefügt wurde. Er hofft, dass dies so bleibt.

Auch Romdoul und Kolap haben noch nichts von solchen Fällen gehört. Aber sie kennen die möglichen Folgen eines Online-Missbrauchs. „Wir haben gesehen, wie Nacktfotos von jungen Menschen im Internet veröffentlicht wurden“, sagt Kolap. „Das kann zu psychischen Problemen führen, bis hin zum Selbstmord.“

Sie erzählt, dass ihr Vater in den sozialen Medien gerne Fotos von ihr und ihren Geschwistern postet. Früher hat er jedes Mal ihren Standort markiert, bis sie ihn darauf hinwies. „Ich habe meinem Vater gesagt, dass es nicht gut ist, zu zeigen, wo wir gerade sind“, sagt Kolap. „Das könnte gefährlich sein.“

Wenn sie jetzt ihre „Ein Tag im Leben“-Videos veröffentlicht, achtet sie darauf, nicht zu viele Informationen preiszugeben. „Ich möchte, dass mehr junge Menschen wie ich online vorsichtiger sind.“

*Die Namen der Kinder und Jugendlichen wurden zu ihrem Schutz geändert.

Unterstützen Sie den Schutz von Kindern in Kambodscha

UNICEF setzt sich mit Projekten wie diesem für die Rechte von Kindern in Kambodscha und für ihren Schutz vor Gewalt und Missbrauch ein. Helfen auch Sie mit Ihrer Spende.

Cybergrooming

Info

Als Cybergrooming bezeichnet man es, wenn Erwachsene online gezielt Kontakt zu Kindern oder Jugendlichen aufnehmen, um sexualisierte Gewalt auszuüben. Die Täter*innen gehen dabei häufig nach einem Muster vor: 

  • Falsche Accounts: In Chatforen, sozialen Netzwerken oder Onlinespielen gehen sich Täter*innen oft als Gleichaltrige aus.

  • Vertrauen aufbauen: Haben sie Kontakte geknüpft, schenken die Täter*innen den Kindern und Jugendlichen viel Aufmerksamkeit, um ihr Vertrauen zu gewinnen. 

  • Missbrauch: Wenn der Kontakt eine Weile besteht, drängen die Täter*innen Kinder zum Beispiel, Nacktbilder zu schicken oder sich vor der Kamera auszuziehen. 

  • Erpressung: Hat ein Kind Bilder geschickt, drohen die Täter*innen oft damit, die Bilder zu veröffentlichen, um die Opfer gefügig zu machen. 

  • Hilfe: Hilfsangebote bei sexualisierter Gewalt bieten unter anderem die Nummer gegen Kummer (116 111), das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch (0800 2255553) oder, in akuten Fällen, die Polizei unter 110. 
Autor*in UNICEF Redaktion

Diesen Artikel hat das Team der UNICEF-Redaktion für Sie recherchiert und verfasst.