Ebola-Ausbruch in Ostkongo: Mehr als 1.900 Kinder sind Waisen oder von ihren Familien getrennt
Mehr Unterstützung nötig, um Kinder zu schützen
New York/Dakar/Kinshasa/Köln •

Lucia Elmi, UNICEF-Direktorin für Nothilfe, bei einem Besuch in Bunia, dem Epizentrum des Ebola-Ausbruchs.
© UNICEF/UN0935857/MulalaLaut UNICEF haben seit dem Ebola-Ausbruch im Mai mehr als 1.900 Kinder im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) durch Ebola einen oder beide Elternteile oder Bezugspersonen verloren oder wurden von ihnen getrennt.
Bis zum 28. September waren 1.581 Kinder in Ituri und weitere 322 in Nord-Kivu betroffen. Dabei wurden nur Gebiete erfasst, in denen UNICEF mit der Provinzdirektion für Soziales (DIVAS) zusammenarbeitet. Die tatsächliche Zahl dürfte daher höher liegen.
„Für Kinder kann Ebola rasch eine Kette schwerwiegender Folgen auslösen“, sagte Lucia Elmi, UNICEF-Direktorin für Nothilfe, nach einem Besuch in Bunia, dem Epizentrum des Ausbruchs. „Erkrankt ein Elternteil, kann auch das Kind mit dem Virus in Kontakt kommen. Wird das Elternteil anschließend ins Krankenhaus eingeliefert oder stirbt, verliert das Kind die Person, auf die es angewiesen ist. Aus Angst vor Ansteckung und Stigmatisierung zögern dann selbst Verwandte und Menschen aus der Nachbarschaft, dem Kind beizustehen.“
In Bunia wurden 214 weitere Kinder identifiziert, die auf der Straße leben oder arbeiten und dringend Schutz benötigen. Ohne Betreuungsperson haben sie ein erhöhtes Risiko, sich anzustecken. Im Rahmen der Kontaktnachverfolgung sind sie schwerer zu erreichen. Erkranken sie, erhalten sie womöglich keine medizinische Versorgung. Außerdem sind sie stärker von Ausbeutung und Gewalt bedroht.
Kinder sind von dem Ausbruch besonders schwer betroffen. Laut einer UNICEF-Analyse von Daten des Gesundheitsministeriums, für die Altersangaben vorliegen, waren bis zum 29. September mindestens 2.076 Kinder an Ebola erkrankt; mindestens 1.162 von ihnen starben. Mehr als ein Viertel aller bestätigten Fälle betraf Kinder, bei den Todesfällen lag ihr Anteil bei etwa einem Drittel. Besonders gefährdet sind die Jüngsten: Sieben von zehn Kindern unter fünf Jahren mit bestätigter Ebola-Erkrankung starben. Noch vor wenigen Wochen waren es sechs von zehn. Viele dieser Kinder sterben, bevor sie medizinisch versorgt werden können.
„In Bunia bin ich Lina* begegnet. Sie ist erst sieben Monate alt und hat Ebola überlebt. Ihre Mutter ist an der Krankheit gestorben“, sagte Elmi. „Ihre Geschichte zeigt eindrücklich: Eine medizinische Behandlung allein reicht nicht aus. In jedem Ebola-Behandlungszentrum sollte es einen Betreuungsbereich für Kinder geben. Dort sind die Kinder geschützt, und ihre Eltern können sich mit der Gewissheit behandeln lassen, dass sie in ihrer Nähe und gut aufgehoben sind.“
Bis zum 29. September wurden landesweit in sieben Provinzen mehr als 8.224 Fälle und insgesamt 3.982 Todesfälle bestätigt. Die meisten Fälle gibt es weiterhin in Ituri; auch in Nord-Kivu treten nach wie vor Fälle auf.
Bereits vor dem aktuellen Ausbruch waren Kinder im Osten der DR Kongo von den Folgen einer der langwierigsten humanitären Krisen der Welt betroffen. Das Virus breitet sich in Provinzen aus, in denen rund 4,4 Millionen Binnenvertriebene leben. Konflikte, Vertreibung und Misstrauen erschweren es, Infektionen frühzeitig zu erkennen.
UNICEF unterstützt zwölf Kinderbetreuungseinrichtungen in der Nähe von Ebola-Behandlungszentren in Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu. Dort werden Kinder sicher und kindgerecht betreut, wenn sie mit Ebola in Kontakt gekommen sind, keine Betreuungsperson haben oder deren Betreuungsperson behandelt wird. So lassen sich mögliche Symptome engmaschig beobachten und die Kinder bei Bedarf rasch kinderärztlich versorgen.
Gemeinsam mit DIVAS unterstützt UNICEF Kinder, die vom Ausbruch betroffen sind, etwa durch die Suche nach Angehörigen, die Zusammenführung mit ihren Familien und alternative Betreuungsangebote. Mehr als 100.000 Menschen wurden mit psychosozialen Hilfsangeboten erreicht.
UNICEF ruft die Regierung, Geberländer und Partner dazu auf:
Betreuungsbereiche für Kinder in Ebola-Behandlungszentren einzurichten;
eine gute kinderärztliche Versorgung in den Ebola-Behandlungszentren sicherzustellen;
mehr Sozialarbeiter*innen und psychosoziale Fachkräfte in den am stärksten betroffenen Gebieten einzusetzen;
Mittel für Kinderbetreuungseinrichtungen, Familienzusammenführungen, die Unterstützung von Pflegefamilien und Verwandten, die Kinder bei sich aufnehmen, sowie die Rückkehr der Kinder in die Schule bereitzustellen.
Für die Ebola-Hilfe benötigt UNICEF insgesamt 150,8 Millionen US-Dollar. Davon entfallen 113,4 Millionen US-Dollar auf die DR Kongo. Von diesem Betrag sind bislang jedoch nur 40,1 Millionen US-Dollar gesichert.
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*Der Name wurde zum Schutz des Kindes geändert.
Waise: Ein Kind, dessen Mutter, Vater oder beide Elternteile verstorben sind.
Von den Eltern getrenntes Kind: Ein Kind, das von beiden Elternteilen oder von der Person getrennt wurde, die es zuvor hauptsächlich betreute und nach dem Gesetz oder Gewohnheitsrecht für es verantwortlich war. Es kann weiterhin von anderen Angehörigen begleitet werden.
Unbegleitetes Kind: Ein Kind, das von beiden Elternteilen und den übrigen Angehörigen getrennt ist und von keiner erwachsenen Person betreut wird, die nach dem Gesetz oder Gewohnheitsrecht für seine Betreuung verantwortlich ist.
Die Daten zu bestätigten Ebola-Fällen und Todesfällen in der DR Kongo stammen aus Aktualisierungen des DHIS2. Die Schätzungen zu Kindern beruhen auf bestätigten Fällen, für die Altersangaben vorlagen.
Über UNICEF: Hilfe für Kinder seit 80 Jahren
Das UN-Kinderhilfswerk wurde vor 80 Jahren am 11. Dezember 1946 ins Leben gerufen, um Kindern im vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Europa zu helfen. Heute setzt sich UNICEF weltweit in über 190 Ländern für die Umsetzung der Rechte aller Kinder ein. Von der schnellen Nothilfe bis zu langfristigen Programmen hilft UNICEF, dass Mädchen und Jungen überall auf der Welt gesund und geschützt groß werden und ihre Fähigkeiten voll entfalten können.
Das Deutsche Komitee für UNICEF mit Sitz in Köln wurde 1953 als Verein gegründet und ist heute eine der wichtigsten Stützen der weltweiten UNICEF-Arbeit. In ganz Deutschland sind rund 7.000 ehrenamtliche Erwachsene und Jugendliche für UNICEF aktiv. Mit Programmen und politischer Arbeit trägt UNICEF Deutschland auch hierzulande zu einem besseren Verständnis der Rechte und der Belange von Kindern bei. Weitere Informationen: www.unicef.de.