
Was ist ein Tsunami?
Ein Tsunami ist eine riesige Flutwelle, die ganze Küstengebiete überschwemmt. Tsunamis sind selten, aber wenn sie passieren, richten sie oft riesigen Schaden an. In diesem Beitrag erklären wir, wie ein Tsunami entsteht und welche Folge eine solche Naturkatastrophe hat.
von UNICEF-Redaktion
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Tsunami ist eine hohe Flutwelle, die sich auf dem Meer bildet und die Küste überschwemmt.
- Tsunamis sind schwere Naturkatastrophen und häufig sehr gefährlich. Die Wassermassen zerstören Häuser und überschwemmen ganze Landstriche. Viele Menschen werden verletzt, ertrinken oder verlieren ihr Zuhause.
- UNICEF versorgt Kinder und ihre Familien nach Hochwasser und Überschwemmungen mit Trinkwasser, Hygieneartikeln und Medikamenten.
Was passiert bei einem Tsunami?
Wellen auf dem Meer sind ganz normal, auch hohe Wellen. Bei einem Tsunami ist das anders: Dabei bildet sich eine einzelne, sehr hohe Welle, die alles wegspült, wenn sie auf das Land trifft. Tsunamis sind schwere Naturkatastrophen. Die Wassermassen zerstören Häuser, Straßen, Brücken und Felder. Menschen verlieren ihr Zuhause, werden verletzt oder sterben.
„Tsunami“ ist Japanisch und bedeutet „große Hafenwelle“. Diesen Namen sollen sich japanische Fischer ausgedacht haben. Er kommt daher, dass die Fischer nach einem Tag auf dem Meer in einen völlig zerstörten Hafen zurückkamen. Weil sie auf dem Meer kein Unwetter bemerkt hatten, glaubten sie, dass die Flutwelle im Hafen entstanden war.
Wie entsteht ein Tsunami?
Ein Tsunami entsteht meistens durch ein starkes Seebeben. So nennt man ein Erdbeben unter Wasser. Seebeben gibt es, wenn sich die Erdplatten unter den Ozeanen bewegen. Auch ein Vulkanausbruch kann dazu führen, dass die Erde unter dem Meer „bebt“.
Wenn sich der Meeresboden bewegt, muss sich auch das Meerwasser bewegen. Es verteilt sich dann sehr schnell in alle Richtungen und bewegt sich auch auf die Küste zu.
Auf dem offenen Meer ist das Wasser meistens sehr tief. Deshalb ist die Welle, die durch das Seebeben entsteht, sehr flach und kaum zu sehen. Erst wenn sie das flache Wasser vor der Küste erreicht, türmt sie sich zu einer riesigen Flutwelle auf. So eine Tsunamiwelle kann bis zu 30 Meter hoch sein.

In Tonga, einem Inselstaat in Polynesien, ist im Jahr 2022 ein Unterwasservulkan ausgebrochen. Das hat einen Tsunami ausgelöst, der die Küste überschwemmt hat. Auch die Sopu-Grundschule im Dorf Sou auf Tongatapu wurde dabei beschädigt.
© UNICEF/UN0582151/WolfgrammWo gibt es Tsunamis?
Tsunamis gibt es nur in Küstengebieten – also in Ländern, die am Meer liegen. Damit ein Tsunami entstehen kann, muss außerdem das Meer vor der Küste sehr tief sein. Das ist zum Beispiel bei Ländern so, die am Pazifik liegen, wie Japan, Chile, Mexiko oder Alaska. Da die meisten Tsunamis durch Erdbeben ausgelöst werden, kommen sie vor allem in Ländern vor, in denen es häufig starke Erdbeben gibt.
Auch an den Küsten des Indischen Ozeans hat es schon schwere Tsunamis gegeben. Zum Beispiel Indien, Indonesien, Sri Lanka und Thailand. Im Jahr 2004 gab es einen schweren Tsunami in Indonesien, der die gesamte Küste zerstört hat. 230.000 Menschen sind bei dem Unglück gestorben – auch viele Menschen aus Europa, die gerade in Indonesien Urlaub gemacht hatten.
In Europa sind Tsunamis sehr, sehr selten. Sie können nur in Ländern passieren, in denen es starke Erdbeben gibt, etwa in Griechenland, Italien, der Türkei oder vor Portugal. Der letzte Tsunami in Europa war vor mehr als hundert Jahren in Messina im Süden von Italien.
Wie hoch war die höchste Tsunami-Welle der Welt?
Den größten Tsunami der Welt gab es im Jahr 1958 an der Küste von Alaska in den USA. Die Flutwelle war 524 Meter hoch und zerstörte die gesamte Küste. Sie entstand, weil große Stücke von einem Berg abgebrochen und auf einmal ins Wasser gestürzt waren. Der Tsunami passierte in einer sehr abgelegenen Bucht, in der kaum Menschen leben.
Kann es auch in Deutschland einen Tsunami geben?
Deutschland hat zwar die Nordsee- und die Ostseeküste. Es ist aber sehr, sehr unwahrscheinlich, dass bei uns ein Tsunami passiert. Das liegt daran, dass in der Erdkruste unter Deutschland keine Erdplatten direkt aufeinandertreffen. Darum gibt es bei uns nie schwere Erdbeben oder eben Seebeben. Außerdem ist das Wasser in der Nordsee und Ostsee nicht so tief wie zum Beispiel im Pazifik. Darum können dort keine riesigen Flutwellen entstehen.
Welche Folgen hat ein Tsunami für die Menschen?
Obwohl es Warnsysteme gibt, die Seebeben erkennen und einen Tsunami ankündigen können, kann man die Flutwelle nicht aufhalten. Oft dauert es Jahre, um die zerstörten Gebiete wieder aufzubauen.
Das Wasser überschwemmt die gesamte Küste und zerstört Gebäude, Straßen und Brücken. Viele Menschen verlieren ihr Zuhause, aber auch Schulen, Krankenhäuser und Supermärkte werden weggespült.
Weil das Wasser so plötzlich kommt, können sich die Menschen nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen. Sie werden vom Wasser mitgerissen und verletzen sich oder ertrinken. Viele Kinder verlieren Familienmitglieder in der Flut.
Viele Menschen können nach einem Tsunami kein Geld mehr verdienen. Zum Beispiel, weil das Wasser ihre Felder und ihr Vieh fortgerissen hat. Oder weil die Gebäude, in denen sie gearbeitet haben, zerstört wurden. Diese Menschen haben dann oft nicht genug, um sich und ihre Kinder zu ernähren.
Häufig zerstört eine Flutwelle auch Wasserleitungen und Abwasserkanäle. Dann müssen die Menschen verschmutztes Wasser trinken, oder sie können sich nicht mehr richtig die Hände waschen. Von Krankheitserregern im Wasser können vor allem Kinder schwer krank werden.
Wenn das Wasser eine Schule beschädigt, dann dauert es oft lange, bis sie wieder aufgebaut ist. Die Kinder können in dieser Zeit nicht richtig lernen. Für manche ist es dann schwierig, ihren Schulabschluss zu machen.
Kinder, die einen Tsunami erlebt haben, können die Naturkatastrophe oft für lange Zeit nicht vergessen. Manchmal haben sie jemanden aus ihrer Familie verloren oder hatten selbst Angst um ihr Leben. Viele leiden sehr unter den schlimmen Erinnerungen.
Wie hilft UNICEF Kindern nach Überschwemmungen?
UNICEF ist weltweit im Einsatz, um Kindern nach Naturkatastrophen schnell zu helfen. In Gebieten, die von Tsunamis oder Überschwemmungen verwüstet wurden, sorgen wir zum Beispiel für sauberes Wasser, für Medikamente und Notunterkünfte. Wir setzen uns auch dafür ein, dass Kinder möglichst schnell wieder lernen können.

Bild 1 von 5 | Sicheres Wasser: Wenn bei einer Überschwemmung Wasserleitungen und Brunnen kaputt gegangen sind, bringt UNICEF sauberes Wasser in die Regionen, damit die Kinder nicht krank werden. Gemeinsam mit anderen Organisationen helfen wir auch, die zerstörten Wassersysteme zu reparieren oder bauen neue Brunnen, so wie in dieser Gemeinde in Madagaskar.
© UNICEF/UN0874963/Andriantsoarana
Bild 2 von 5 | Impfungen: Wir bringen Impfstoffe und Medikamente in Regionen, die vom Hochwasser zerstört worden sind. So können sich gefährliche Krankheiten wie Cholera, Rotaviren, Masern oder Röteln nicht so schnell verbreiten. Im Bild bekommt ein Baby in einem Überschwemmungsgebiet in Vietnam gerade eine Schluckimpfung gegen Rotaviren.
© UNICEF/UN0898952/Luu Thu Huong
Bild 3 von 5 | Medizinische Notfallhilfe: In Gebieten, die vom Wasser zerstört worden sind, bauen wir Zelte auf, damit die Menschen dort medizinische Hilfe bekommen. In den Versorgungszelten wie hier in Bangladesch finden die Menschen auch psychologische Hilfe. Das hilft ihnen, mit den schlimmen Erlebnissen von der Flut zurechtzukommen.
© UNICEF/UNI636864/Himu
Bild 4 von 5 | Hygiene-Sets: Nach einer Überschwemmung haben viele Menschen keine Toilette und keine Dusche mehr, weil alles zerstört wurde. UNICEF verteilt Waschschüsseln, Seife, Windeln und zum Beispiel spezielle Tabletten, mit denen man schmutziges Wasser reinigen kann. So können sich die Menschen waschen und werden nicht so schnell krank.
© UNICEF/UN0874982/Andriantsoarana
Bild 5 von 5 | Notschulen: Wenn das Wasser eine Schule zerstört hat, baut UNICEF Schulzelte auf, sodass die Kinder weiter lernen können. Wir unterstützen auch andere Hilfsorganisationen dabei, die kaputten Schulen wieder aufzubauen, damit die Kinder einen guten Ort zum Lernen haben.
© UNICEF/UN0865777/Ramasomanana
Diesen Artikel hat das Team der UNICEF-Redaktion für Sie recherchiert und verfasst.