
Was sind Wahlen?
In Deutschland sollen alle Menschen bei wichtigen Entscheidungen mitbestimmen dürfen. Dafür gibt es Wahlen. Wir erklären in diesem Beitrag, wie Wahlen ablaufen, wer wählen darf und welche Wahlen es in Deutschland gibt.
von UNICEF-Redaktion
Das Wichtigste in Kürze
- Bei einer Wahl stimmen Menschen darüber ab, wer sie bei wichtigen Entscheidungen vertreten soll.
- Bei den wichtigsten Wahlen werden Politikerinnen und Politiker gewählt, die entscheiden dürfen, was in einem Land passiert. Wahlen gibt es aber auch in Vereinen oder in der Schule.
- UNICEF setzt sich dafür ein, dass die Politikerinnen und Politiker auch die Rechte der Kinder bedenken – damit alle Kinder eine gute Zukunft haben.
Warum sind Wahlen wichtig?
Wahlen sind wichtig, damit jede und jeder die Möglichkeit hat, mitzuentscheiden. Das nennt man Demokratie. Auch Deutschland ist ein demokratisches Land. Hier dürfen die Bürgerinnen und Bürger mitbestimmen, was im Land passieren soll.
Wenn man aber jedes Mal erst alle Menschen nach ihrer Meinung fragt, würde es sehr lange dauern, bis man eine Entscheidung treffen kann. Darum wählen die Bürgerinnen und Bürger in einer Demokratie Politikerinnen und Politiker, die das Land regieren. Die Menschen entscheiden also nicht alles selbst, sondern wählen eine Vertreterin oder einen Vertreter, die dann so entscheiden, dass es für möglichst viele Menschen gut ist.
In Deutschland gibt es viele unterschiedliche Wahlen. Wir wählen Politikerinnen und Politiker im Bundestag, aber auch den Bürgermeister oder die Bürgermeisterin in einem Dorf und die Klassensprecherin oder den Klassensprecher in der Schule. Wenn die Menschen mit den Entscheidungen nicht zufrieden sind, können sie bei den nächsten Wahlen andere Vertreterinnen und Vertreter wählen.

In Deutschland dürfen Bürgerinnen und Bürger mitbestimmen. Damit wichtige Entscheidungen leichter getroffen werden können, wählen die wahlberechtigten Menschen Politikerinnen und Politiker, die ihre Interessen vertreten.
© UNICEF/UNI1001158/Sachse-GrimmWas bedeuten freie Wahlen?
In Deutschland laufen politische Wahlen nach bestimmten Regeln ab:
- Freie Wahlen bedeuten, dass alle selbst entscheiden können, welche Person oder welche Partei sie wählen möchten.
- Wählen ist freiwillig. Niemand darf gezwungen werden, zu wählen.
- Bei politischen Wahlen hat jede Person, die wählen darf, genau eine Stimme. Und jede Stimme zählt gleich viel.
- Die Wahlen in Deutschland sind geheim. Niemand darf beim Wählen beobachtet werden. Und niemand muss verraten, wie er oder sie abgestimmt hat.
Wie laufen Wahlen in Deutschland ab?
Die wichtigste Wahl in Deutschland ist die Bundestagswahl. Der „Bundestag“ sind die Politikerinnen und Politiker, die gemeinsam Entscheidungen für das Land treffen.
- Vor der Wahl legen die Parteien in einer bestimmten Reihenfolge fest, welche Personen aus ihrer Partei im Bundestag sitzen sollen. Das ist die sogenannte Landesliste. Wie viele Sitze eine Partei bekommt und welche Personen mitregieren dürfen, entscheidet sich nach der Wahl.
- Mit der Landesliste sorgen die Parteien dafür, dass alle Menschen erfahren, welche Kandidatinnen und Kandidaten sie für die Wahl vorschlagen. Sie erklären auch, welche Entscheidungen sie treffen wollen, wenn sie gewählt werden.
- Am Wahltag gehen die Bürgerinnen und Bürger ins Wahllokal. Das ist ein öffentlicher Ort, an dem man einen Wahlzettel bekommt. Auf dem Wahlzettel kreuzen die Bürgerinnen und Bürger an, welche Person oder welche Partei sie wählen. Dabei darf niemand zugucken.
- Wenn der Wahltag zu Ende ist, werden die Stimmen auf den Wahlzetteln gezählt. Die Parteien, die die meisten Kreuze bekommen haben, dürfen regieren. Wenn sie nicht genug Stimmen bekommen haben, um allein zu regieren, können sie sich auch mit anderen Parteien zu einer Regierung zusammentun. Dann entscheiden sie gemeinsam wichtige Dinge und führen zum Beispiel neue Gesetze ein.
- Die anderen Parteien, die auch gewählt wurden, aber nicht so viele Stimmen bekommen haben, bilden zusammen die Opposition. Sie sitzen auch im Bundestag und beobachten, was die Regierung entscheidet. Wenn sie eine Entscheidung für falsch halten, sagen sie es. Die Opposition ist in einer Demokratie wichtig, weil sie auch die Menschen vertritt, die nicht die Regierungsparteien gewählt haben.
Welche Wahlen gibt es in Deutschland?
Die Bundestagswahl ist die wichtigste Wahl in Deutschland. Dabei wählen wahlberechtigte Menschen aus ganz Deutschland die Politikerinnen und Politiker, die das Land regieren sollen. Die Bundestagswahl findet grundsätzlich alle vier Jahre statt.
Deutschland besteht aus 16 Bundesländern. Jedes Bundesland hat ein eigenes Parlament: den Landtag. Dieser entscheidet für das Bundesland. Ganz Deutschland wird dagegen von der Bundesregierung regiert. Die Politikerinnen und Politiker, die im Landtag entscheiden, werden von den wahlberechtigten Menschen gewählt, die im jeweiligen Bundesland leben. Die Wahlen für den Landtag finden meistens alle fünf Jahre statt.
In jedem Bundesland gibt es Kommunen. Das sind kleinere und größere Städte und die Gemeinden und Dörfer, die zu ihnen gehören. Auch dort stimmen Wählerinnen und Wähler ab, wer wichtige politische Entscheidungen für sie treffen soll. Die Politikerinnen und Politiker setzen sich zum Beispiel dafür ein, dass ein neues Schwimmbad, ein Spielplatz oder mehr Radwege gebaut werden sollen.
Deutschland gehört zur Europäischen Union – kurz EU. In der EU haben sich viele europäische Länder zusammengeschlossen. Alle fünf Jahre wählen die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland und den anderen Ländern das Europäische Parlament. Die gewählten Abgeordneten vertreten dort die Interessen aller Bürgerinnen und Bürger der EU.
Wer darf in Deutschland wählen?
Nicht alle Menschen, die in Deutschland leben, dürfen wählen. Um grundsätzlich Politikerinnen und Politiker oder Parteien zu wählen, muss man in Deutschland wohnen. Um die Bundesregierung zu wählen, muss man deutscher Staatsbürger oder deutsche Staatsbürgerin sein. Das sind alle Menschen, die einen deutschen Pass haben.
Auch das Alter spielt bei den Wahlen eine wichtige Rolle. Bei vielen politischen Wahlen wie bei der Bundestagswahl müssen Wählerinnen und Wähler mindestens 18 Jahre alt sein. Manchmal dürfen Jugendliche schon ab 16 Jahren wählen, zum Beispiel bei Europawahlen und in manchen Bundesländern bei Landtagswahlen und Kommunalwahlen.
Außerdem dürfen Menschen normalerweise nur dort wählen, wo sie auch wohnen – sie dürfen also nicht für die Wahl in eine andere Stadt oder ein anderes Bundesland fahren, um dort zu wählen.

UNICEF setzt sich dafür ein, dass die Rechte von Kindern bei den Entscheidungen der Politik berücksichtigt werden.
© UNICEF/UNI864825/Paula G. VidalWie setzt sich UNICEF bei Wahlen für Kinder und ihre Rechte ein?
Kinder dürfen auf politischer Ebene nicht wählen. Darum setzt sich UNICEF vor wichtigen Wahlen dafür ein, dass die Politikerinnen und Politiker auch an die Rechte von Kindern denken.
Kinder haben zum Beispiel das Recht, gesund und sicher aufzuwachsen. Sie sollen zur Schule gehen können, aber auch genügend Freizeit haben, um zu spielen und sich auszuruhen. Diese Rechte sind in der UN-Kinderrechtskonvention aufgeschrieben.
Wir von UNICEF sprechen mit den Politikerinnen und Politikern und machen Vorschläge, wie die Kinderrechte besser geschützt werden. Das ist wichtig, damit Kinder in Deutschland und der ganzen Welt eine gute Zukunft haben.
Wir klären darüber auf, was für eine Zukunft Kinder und Jugendliche sich wünschen. So möchten wir erreichen, dass die Wünsche und Rechte von Kindern berücksichtigt werden, auch wenn diese selbst noch nicht selbst wählen dürfen.
Diesen Artikel hat das Team der UNICEF-Redaktion für Sie recherchiert und verfasst.