© Paula G. VidalWas ist Demokratie einfach erklärt: Kinder in Berlin vor dem Brandenburger Tor
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Was ist Demokratie? Einfach erklärt.

Deutschland ist eine Demokratie, aber was bedeutet das? Was ist eine Demokratie und wie können Kinder in einer Demokratie mitmachen? In diesem Blog erklären wir ganz einfach alles, was zum Thema Demokratie wichtig ist.


von Lilian Sekkai

Was ist Demokratie einfach erklärt: Kinder in Berlin vor dem Bundestag

Eine Gruppe Kinder besucht in Begleitung von UNICEF den Bundestag in Berlin. Gemeinsam konnte über Demokratie und Kinderrechte gesprochen werden.

© Paula G. Vidal

In Deutschland leben die Menschen in einer Demokratie. Wichtig dabei ist: In der Regierungsform einer Demokratie können die Bürger*innen mitbestimmen. Das Wort Demokratie kommt aus dem Griechischen und bedeutet die „Herrschaft des Volkes“ und das Volk sind alle Bürger*innen, die im Land leben. In einer Demokratie gibt es freie Wahlen und eine so genannte Gewaltenteilung, wodurch die Staatsgewalt, also die Staatsmacht auf drei Bereiche aufgeteilt wird. Im Verlauf dieses Artikels erklären wir mehr dazu.

Die Macht in einer Demokratie wird verteilt und geteilt. Menschen in einer Demokratie dürfen teilhaben und aktiv mitgestalten, sie können ihre Meinung frei sagen. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Zudem gibt es Debatten, also Gespräche über relevante Themen. Dadurch können die Interessen der Bürger*innen mit einbezogen werden. Deutschland ist eine repräsentative Demokratie. In Wahlen wählt das Volk die Volksvertreter*innen.

Neben einer Demokratie gibt es weltweit auch andere Regierungsformen, wie zum Beispiel eine Diktatur, bei der eine Person über alle Bewohner*innen des Staates herrscht. Eine Oligarchie bündelt die Entscheidungsmacht auf einen kleinen Kreis von Personen, der über alle bestimmt.

Warum ist Demokratie wichtig?

Was ist Demokratie einfach erklärt: Kinder in Berlin vor dem Brandenburger Tor

Kinder in Berlin vor dem Brandenburger Tor. In einer Demokratie ist die Mitgestaltung wichtig, auch Kinder können sich auf unterschiedliche Weise einbringen.

© Paula G. Vidal

Demokratie fördert Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden. Denn Menschen müssen keine Angst haben für ihre Meinung eingesperrt zu werden und niemand darf aufgrund von Geschlecht, Religion oder Herkunft benachteiligt werden. In einer Demokratie gelten bestimmte Rechte und Pflichten, die in der Verfassung (in Deutschland heißt die Verfassung „Grundgesetz“) definiert werden.

Verbindliche Rechte schützen die Menschen, die in einer Demokratie leben. Sie gelten für alle. Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit sind dabei notwendige Rechte in einer Demokratie.

Gut zu wissen: Auch Kinderrechte sind Rechte, die für eine Demokratie bedeutend sind und Kinder weltweit schützen und stärken. In späteren Kapiteln erklären wir mehr dazu.

Wie funktioniert Demokratie in Deutschland?

In diesem Abschnitt erklären wir, wie Abläufe und Strukturen in einer Demokratie organisiert sind.

In einer Demokratie gibt es ein Parlament. In Deutschland nennt sich das Parlament Bundestag. Im Parlament sitzen die Abgeordneten. Das sind die Personen, die die Wählenden durch Wahlen ins Parlament schicken und die dort diskutieren und wichtige für alle geltende Entscheidungen treffen. Die Abgeordneten repräsentieren die Bürger*innen.

Im Parlament sitzen die Abgeordneten der Regierungsparteien und die Abgeordneten der Oppositionsparteien. Die Opposition umfasst die Parteien, die nicht zu der Regierung gehören, aber im Bundestag sitzen. Sie haben bei einer Wahl nicht ausreichend Stimmen erhalten, um eine eigene Regierung bilden zu können. Die Opposition spielt eine wichtige, kritische Rolle in einer Demokratie. Schau dir für mehr Details die Infobox an:

Info
Koalition und Opposition in einer Demokratie

Im deutschen Parlament ist die Anzahl der Abgeordneten seit der Wahlrechtsreform 2023 auf 630 beschränkt. Die Abgeordneten sind Politiker*innen, die im Namen des Volkes die Interessen der Bevölkerung vertreten sollen. Welche Partei wie viele Sitze bekommt entscheidet sich durch die Wählenden bei der so genannten Bundestagswahl. Je mehr Plätze, desto höher das Mitspracherecht. 

In einer Demokratie ist in der Regel die Partei regierungsfähig, die die meisten Stimmen der Wähler*innen bekommen hat. Oft schließen sich Parteien zusammen, um eine Regierung bilden zu können. Das passiert dann, wenn die Partei mit den meisten Sitzen im Parlament allein keine Regierung stellen kann, da ihr die so genannte “absolute Mehrheit” (also mehr als 50% der Sitze) fehlt. Dieser Zusammenschluss nennt sich Koalition

Die Parteien, die zu wenig Stimmen haben, um zu regieren, aber genug Wähler*innen überzeugt haben, um ins Parlament zu kommen, bilden die so genannte Opposition. In der Regel hat die Opposition eine andere Meinung als die Regierung. Die Aufgabe der Opposition besteht zum Beispiel darin konstruktive Diskussionen und Debatten anzustoßen. 

Wichtig ist, dass die Abgeordneten gewählt werden, damit eine Bundesregierung zustande kommen kann. Denn ohne Wahlen gibt es keine Demokratie.

In Deutschland gibt es neben dem Bundestag in allen 16 Bundesländern jeweils eine eigene Landesregierung und ein Landesparlament. Die Parlamente in den Bundesländern werden meist Landtag genannt und von Bürger*innen des jeweiligen Bundeslandes gewählt. Dabei müssen die Wähler*innen je nach Bundesland 16 oder 18 Jahre alt sein und eine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Einige Vertreter*innen aus den Landesregierungen der Bundesländer sitzen im Bundesrat.

Achtung hier besteht Verwechslungsgefahr: In Deutschland gibt es den Bundestag, das Parlament für ganz Deutschland und den Bundesrat, der sich aus Vertreter*innen aus den Bundesländern zusammensetzt. Die Bundesregierung mitsamt Kanzler*in trifft sich im Bundestag.

Was ist Demokratie einfach erklärt: Ein Wahlzettel wird in die Wahlurne geworfen.

Während einer internen Abstimmung beim Treffen der UNICEF-Hochschulgruppen wird ein Stimmzettel in eine Wahlurne geworfen. Eine Demokratie lebt von Beteiligung – auf politischer und gesellschaftlicher Ebene. Wählen ist darum sehr wichtig.

© UNICEF/UNI585191/Etges

Wie bereits erwähnt, ist das Wichtige in einer Demokratie, dass das Parlament des Landes vom Volk gewählt wird. Die Entscheidungsträger*innen werden durch gerechte (freie, gleiche und geheime) Wahlen von den Wählenden bestimmt. In einer Diktatur beispielsweise gibt es entweder keine Wahlen oder fragwürdige und ungerechte Wahlen, bei denen die Machthaber*innen von vornherein feststehen.

Gut zu wissen: In Deutschland können sich die Bürger*innen an mehreren politischen Wahlen beteiligen. Dazu gehören die folgenden Wahlen:

  • die Bundestagswahl, um die Vertreter*innen für den Bundestag zu wählen

  • die Landtagswahlen, in denen die Vertreter*innen der Landesparlamente gewählt werden, also zum Beispiel für Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg

  • die Kommunalwahlen, in denen Vertreter*innen aus der direkten Region für die Gemeinde- oder Kreisräte bestimmt werden

  • die Europawahl, in der Vertreter*innen in das europäische Parlament gewählt werden, in dem Menschen aus ganz Europa vertreten sind.

Was ist Demokratie einfach erklärt: Jugendliche gestalten ein Plakat: #Vote

Jugendliche gestalten ein Plakat mit der Aufschrift „#Vote“, um Wahlberechtigte zum Wählen zu bewegen.

© UNICEF/UNI585198/Etges

Demokratie funktioniert nicht nur durch Wahlen und die damit einhergehende Beteiligung von Wahlberechtigten, die in einer Demokratie leben. Menschen können sich auch durch verschiedenes Engagement beteiligen. Dazu im weiteren Verlauf mehr.

Zudem ist die zuvor erwähnte geteilte Macht ein zentraler Punkt. Die Macht in einer Demokratie ist auf drei Bereiche aufgeteilt, was als Gewaltenteilung bezeichnet wird. Die Legislative, die gesetzgebende Gewalt, wird auf Bundesebene vom Bundestag und dem Bundesrat ausgeübt. Die Exekutive, die ausführende Gewalt, ist für die Umsetzung der Gesetze verantwortlich und umfasst Regierung und Verwaltung. Die Judikative, die rechtssprechende Gewalt, üben die Gerichte aus, darunter auch das Bundesverfassungsgericht.

Das Bundesverfassungsgericht spielt eine zentrale Rolle in der deutschen Demokratie. Sein Auftrag ist es, die Verfassung (das Grundgesetz) und die Grundrechte aller Bürger*innen zu schützen.

Demokratie in Deutschland vertiefend

Was ist Demokratie einfach erklärt: Jugendliche pinnen Fotos auf eine Karte von Deutschland

Jugendliche pinnen Fotos auf eine Karte von Deutschland. Bei einem ehrenamtlichen Treffen von UNICEF-Engagierten, zeigen die Jugendlichen aus welchen Bundesländern sie kommen und wo in Deutschland sie sich aktiv mit einbringen.

© UNICEF/UNI595597/Stroisch

Der offizielle Name für den Staat Deutschland lautet "Bundesrepublik Deutschland". Im allgemeinen Sprachgebrauch wird aber meist einfach der Begriff "Deutschland" verwendet. Der Staat Deutschland ist eine repräsentative Demokratie oder anders bezeichnet eine parlamentarische Republik. In Deutschland gibt es Bundesländer, wie zum Beispiel Nordrhein-Westfalen, Hessen, oder Thüringen. Insgesamt ist Deutschland in 16 Bundesländern aufgeteilt. In den Bundesländern werden Abgeordnete in die verschiedenen Länderparlamente gewählt. Die wahlberechtigten Menschen aus jedem Bundesland wählen ihre Vertreter*innen in die jeweiligen Landesparlamente. Einige Vertreter*innen aus den Landesregierungen sitzen im Bundesrat. Der Bundesrat wirkt in der Gesetzgebung mit, er kann Gesetzesentwürfe einbringen und Gesetzen zustimmen bevor sie in Kraft treten.

Der Bundestag beschließt neue Gesetze oder ändert bestehende Gesetze. Zudem kontrolliert und überwacht der Bundestag die Regierung, sodass diese im Einklang mit dem Grundgesetz handelt.

Das Parlament vertritt die Interessen der Bürger*innen des Landes. Ihre Forderungen und Wünsche werden durch die Abgeordneten in die Debatten und Gesetzgebung eingebracht. Außerdem entscheidet das Parlament über den Bundeshaushalt, also darüber, wofür der Bund Geld ausgibt, zum Beispiel für Bildung, Verteidigung oder andere Aufgaben. Auch diese Ausgaben werden im Parlament diskutiert und entschieden.

Wer bestimmt in einer Demokratie mit?

Bei der Bundestagswahl sind Bürger*innen ab 18 Jahren, die eine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen wahlberechtigt. Seit 2024 dürfen in Deutschland auch 16-Jährige bei der Europawahl wählen.

Info
Staatsbürgerschaft und Wahlen

Eine Staatsbürgerschaft ist die rechtliche Zugehörigkeit einer Person zu einem Staat. In diesem Fall also die rechtliche Zugehörigkeit zu Deutschland. Bei der Europawahl sind alle Bürger*innen der Mitgliedsstaaten wahlberechtigt. Eine Person mit einem italienischen Pass, die in Köln lebt, kann dort an der Europawahl teilnehmen. Auch bei der Kommunalwahl sind Bürger*innen der Europäischen Union wahlberechtigt und können an ihrem Hauptwohnsitz an der Wahl teilnehmen.

Der Integrationsrat ist ein Gremium auf kommunaler Ebene, das es in verschiedenen Formen und unter unterschiedlichen Namen gibt. Es soll die Interessen von Menschen mit Migrationsgeschichte stärken. Wahlberechtigt sind Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, die seit mindestens einem Jahr in Deutschland leben. Auch in Deutschland geborene Menschen, deren Eltern nach Deutschland migrierten und Geflüchtete dürfen hierbei wählen. Ausgenommen sind Asylbewerber*innen.

Was ist Demokratie einfach erklärt: #GoVote ruft Menschen zur Beteiligung an Wahlen auf.

#GoVote. Dieser Hashtag ruft zur Beteiligung an Wahlen auf.

© UNICEF/UNI585151/Etges

Demokratie weltweit

Nicht überall auf der Welt gibt es Demokratien. Viele Staaten können der Staatsform einer Diktatur oder Autokratie zugeordnet werden, die ihre Bürger*innen unterdrücken.

Info
Autokratien

Eine Autokratie ist eine Herrschaftsform, in der eine Einzelperson oder eine Personengruppe Macht auf die ganze Bevölkerung ausübt. Menschen dürfen nicht mitbestimmen oder ihre Meinung frei äußern. Oft lässt sich nicht genau feststellen, ob ein Staat eine Autokratie oder eine Demokratie mit großen Mängeln ist.

Eine Demokratie lässt sich aber an einigen Hinweisen erkennen. Dazu gehören beispielsweise die Einhaltung der Verfassung, die Meinungsfreiheit und das Menschen nicht ins Gefängnis kommen, wenn sie sich für ihre Rechte und Anliegen einsetzen. Menschen können in einer Demokratie zum Beispiel für Klimaschutz demonstrieren oder sich für Minderheiten stark machen, ohne dass sie bestraft werden. Zudem gibt es in einer Demokratie gerechte Wahlen, Beteiligungsmöglichkeiten und eine Opposition.

Demokratie ist vielfältig. Es ist wichtig Demokratie aktiv zu leben, etwa im Alltag. Auch Kinder und Jugendliche, die noch nicht wählen dürfen, können in Entscheidungen einbezogen werden und sich demokratisch beteiligen. Denn oft schüren die Vielzahl komplexer Krisen weltweit – Kriege, die Folgen des Klimawandels und soziale Ungleichheit – ein Gefühl von Unsicherheit und Machtlosigkeit. Umso bedeutender ist es, Teilhabe zu fördern. Kinder und Jugendliche müssen gehört und miteingebunden werden. Durch gemeinsames Engagement können Kinderrechte und Demokratie gestärkt werden. In den nächsten Kapiteln erklären wir mehr dazu.

Warum Demokratie wichtig für die Zukunft ist

Was ist Demokratie einfach erklärt: Jugendliche vor einem Schild zum Thema Demokratie

Jugendliche setzen sich für Demokratie ein. Kinder und Jugendliche gestalten die Zukunft der Demokratie.

© UNICEF/UNI595628/Stroisch

Kinder sind besonders wichtig für eine Demokratie, denn sie gestalten die Zukunft des Staates. Wenn Kinder schon früh an der Mitgestaltung von Demokratie beteiligt werden, können ihre Rechte geschützt werden. Denn zum einen können sie den Wählenden aufzeigen, was im Interesse der jungen Generation ist, die selbst noch nicht wählen darf. Zum anderen lernen Kinder so frühzeitig, wie sie ihre Meinung bilden und einbringen können und wie sie mit anderen respektvoll umgehen. Das hat positive Auswirkungen auf den ganzen Staat. Frühes Lernen und Erleben fördert ihre aktive Mitgestaltung. UNICEF unterstützt eine Vielzahl an Programmen, die Kinderrechte und Demokratie fördern. Im Folgenden erklären wir mehr dazu.

Kinderrechte und Demokratie

Was ist Demokratie einfach erklärt: Kinderrechte sind wichtig für Demokratie.

Kinderrechte sind wichtig für Demokratie.

© Paula G. Vidal

Kinder in Deutschland zu stärken bedeutet sie an Entscheidungen zu beteiligen. Kinder sollten mitmachen dürfen. Ihre Teilhabe und sie vor Diskriminierung zu schützen ist Voraussetzung dafür Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung und Zweifel an der demokratischen Grundordnung entgegenzustehen. Kinderrechte zu leben, ermöglicht es Demokratie zu stärken.

Kinderrechte gelten universell, also für alle Kinder weltweit und basieren auf der Gleichbehandlung aller Kinder, unabhängig von Geschlecht, Religion, Sprache oder Herkunft. Die UN-Kinderrechtskonvention wurde 1989 verfasst und 1992 in Deutschland ratifiziert (eingeführt). Sie ist ein Regelwerk, das Kinder weltweit schützen und stärken soll.

Kinder, die ihre Rechte kennen, können auch leichter Verantwortung gegenüber anderen Menschen übernehmen. Sie wissen, was ihnen zusteht und auch wie sie sich respektvoll gegenüber anderen verhalten sollten. Durch Teilhabemöglichkeiten, wie Workshops oder Aktionen in der Schule, wird das Selbstbewusstsein von Kindern gestärkt. Wenn Kinder und Jugendliche frühzeitig in demokratische Prozesse eingebunden sind, lernen sie miteinander umzugehen und sich einzubringen. Kinder erleben, dass ihre Stimme zählt.

Wir von UNICEF Deutschland setzen uns mit unserer Arbeit und unseren Programminitiativen dafür ein, dass die Kinderrechte auch in Deutschland bekannter und für alle Kinder umgesetzt werden.

Das findet beispielsweise in Kommunen und Schulen statt, wo UNICEF-Initiativen wie die Kinderfreundlichen Kommunen und Kinderrechteschulen wichtige Programme sind, die Kinderrechte für Kinder erlebbar machen.

Die Geschichte der Kinderrechte ist vielfältig. Obwohl die UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland seit 1992 gilt, werden die Rechte von Kindern und Jugendlichen bei bedeutenden Entscheidungen in Politik, Verwaltung und Rechtsprechung nach wie vor häufig wenig berücksichtigt. Um das zu ändern, fordern UNICEF und andere Kinderrechtsorganisationen seit Jahren die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz.

Kinderrechte gelten jeden Tag. Es gibt aber besondere Tage im Jahr an denen Kinder und Kinderrechte in den Mittelpunkt gerückt werden. Dazu gehört der Weltkindertag. Dieser findet deutschlandweit jedes Jahr am 20. September statt. Zu diesem Anlass wird mit Aktionen, Vorträgen und mehr in vielen Städten und Orten besondere Aufmerksamkeit für Kinder, ihre Rechte und ihre Anliegen geschaffen. 2025 stand der Weltkindertag unter dem Motto „Kinderrechte – Bausteine für Demokratie!“.

Wie UNICEF Kinderrechte und Demokratie stärkt

Es ist sehr wichtig, dass Kinder und Jugendliche mitbestimmen können, wenn es um Dinge geht, die sie betreffen. In Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention steht, dass jedes Kind, das in der Lage ist, sich eine eigene Meinung zu bilden, das Recht hat, diese Meinung frei zu äußern und dass diese Meinung berücksichtigt werden muss.

Was ist Demokratie einfach erklärt: Artikel 12 der Konvention der Kinderrechte

Artikel 12 der Konvention der Kinderrechte: Achtung und freie Äußerung der Meinung von Kindern.

© UN

Das bedeutet, dass Kinder und Jugendliche auf Augenhöhe in den Dialog und die Entscheidungsfindung miteinbezogen werden. Das gilt für den öffentlichen Dialog und das private Umfeld. Eine sinnvolle Beteiligung funktioniert nur durch gegenseitigen Respekt.

Beteiligung kann ganz unterschiedlich stattfinden. Vor allem vor Ort, in der Stadt oder Gemeinde, in der Kinder und Jugendliche leben, bestehen Ansatzmöglichkeiten für eine wirksame Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Im Jahr 1996 wurde die von UNICEF geleitete Initiative Child Friendly Cities ins Leben gerufen.

Child Friendly Cities (Kinderfreundliche Kommunen) unterstützt in verschiedenen Städten in zahlreichen Ländern weltweit die Kommunen dabei, die Rechte von Kindern auf lokaler Ebene, in Gemeinden und Städten zu verwirklichen. Auch in Deutschland gibt es die Kinderfreundliche Kommunen. Dazu im Verlauf dieses Beitrags mehr.

Die UNICEF-Initiative bringt Regierungen und andere Gruppen, etwa Fußballvereine, regionale Firmen, Wissenschaft, Medien und vor allem Kinder selbst zusammen. Diese können dann ihre Städte und Gemeinden kinderfreundlicher gestalten, sich einbringen und aktiv selbst mitmachen.

Kinder und Jugendliche können zum Beispiel dabei helfen sichere und für sie ansprechende Spielplätze zu gestalten. Dabei können sie ihre Wünsche und Vorstellungen einbringen und sich beispielsweise für ein Fußballfeld, einen Basketballkorb oder ein Trampolin einsetzen.

Darüber hinaus unterstützt UNICEF viele weitere Programme, die Kinderrechte, Beteiligung und Demokratie fördern. Kinder und Jugendliche nehmen beispielsweise an Diskussionen teil oder lernen von- und miteinander in Workshops, sie vernetzen sich und entwickeln eigene Forderungen für unterschiedliche Themen, die sie betreffen.

  • Was ist Demokratie einfach erklärt: Kinder aus mehreren pazifischen Inselstaaten nehmen an einer Diskussion teil.

    Bild 1 von 4 | Im Mai 2025 nehmen Kinder aus mehreren pazifischen Inselstaaten an einer „Talanoa“ teil – einer Podiumsdiskussion unter der Leitung der UNICEF-Botschafterin Moemoana Safa’ato’a Schwenke. 

    © UNICEF/UNI796213/
  • Was ist Demokratie einfach erklärt: Internationale Aktivist*innen sprechen in New York.

    Bild 2 von 4 | In New York sprechen internationale Aktivist*innen (von links nach rechts) Maguette Ba (Bildung und Klima, Senegal), Sofia Dasser (Bildung, USA), Gauranshi Sharma (Inklusion, Indien) und Alaine Perdomo (Kinderschutz und Technologie, Belize) bei einer UNICEF-Veranstaltung im Rahmen des Global Youth Advocates Programme. Das Treffen bietet einen Raum für Jugendvertreter*innen aus der ganzen Welt, um zusammenzukommen, zu lernen, Erfahrungen auszutauschen und Verbindungen zu knüpfen, um weiterhin Veränderungen voranzutreiben und eine bessere Welt für alle zu schaffen.

    © UNICEF/UNI648582/Licht
  • Was ist Demokratie einfach erklärt: Aminath Zara Hilmy (22) steht an einem künstlichen Strand in Malé.

    Bild 3 von 4 | Aminath Zara Hilmy (22) steht an einem künstlichen Strand in Malé. Sie ist eine von 25 Teilnehmer*innen der simulierten Klimakonferenz-Verhandlungssitzung, die von UNICEF unterstützt auf den Malediven veranstaltet wurde.  Die Konferenz umfasste Workshops, Podiumsdiskussionen und Dialoge – und ermöglichte es jungen Menschen sich zu vernetzen, dabei wurden eine Reihe von Empfehlungen der Jugendlichen für die COP entwickelt, die die Stimme der Jugend zum Klimaschutz widerspiegeln.

    © UNICEF/UNI458385/Pun
  • Was ist Demokratie einfach erklärt: Jugendliche besprechen sich während des UNICEF Youth Festivals in Mannheim.

    Bild 4 von 4 | Jugendliche besprechen sich während des UNICEF Youth Festivals in Mannheim. „Gemeinsam für eine gerechtere Zukunft“ war der Fokus der Jugendlichen. Das Thema des Treffens wurde von den Jugendlichen selbst gewählt.

    © UNICEF/UNI752326/Stroisch

Die Beispiele oben zeigen, dass Demokratie vielseitig gestärkt und Kinder sowie Jugendliche auf ganz unterschiedliche Weise miteingebunden werden können. UNICEF setzt sich dafür ein, dass Kinder in Deutschland und weltweit Beteiligungsmöglichkeiten erhalten und Demokratie erfahren, indem sie mitwirken und ihre Selbstwirksamkeit erleben können. Kinder sollten die ganze Zeit von Entscheider*innen mit einbezogen werden, von Beginn an und bis zur Entscheidung und Umsetzung ihrer Anliegen.

Kinderrechteschulen in Deutschland

Was ist Demokratie einfach erklärt: Kinder einer Kinderrechteschule in Köln.

Mit dem Kinderrechteschulen Programm unterstützen wir von UNICEF Deutschland Schulen dabei, das Kinderrechte auch im Unterricht vermittelt werden. Kinder einer Kinderrechteschule in Köln lernen wo in ihrem Alltag ihre Rechte eine Rolle spielen.

© UNICEF/UNI824930/Etges

Jedes Kind hat, gemäß Artikel 28 der Kinderrechtskonvention, das Recht auf eine gerechte Bildung, die Kinder bestmöglich fördert und miteinbezieht.

Durch das Kinderrechteschulen Programm unterstützt UNICEF Deutschland Lehrkräfte und Mitarbeitende in unterschiedlichen Schulen oder Bildungseinrichtungen in Deutschland. Das Wissen über Kinderrechte und deren Umsetzung wird im Unterricht und Schulalltag eingebunden.

In einer Kinderrechteschule werden die Kinderrechte innerhalb der Schulgemeinschaft vermittelt, geachtet, geschützt und aktiv gelebt. Kinder und Erwachsene sind gleichermaßen daran beteiligt. Hierbei werden beispielsweise Beteiligungsmöglichkeiten für und mit Kindern geschaffen, wie etwa ein Schüler*innenparlament, Klassenräte und Zukunftswerkstätte. Zudem werden Anti-Diskriminierungskonzepte erarbeitet und Beschwerdewege für Konflikte, Gewalt und Mobbing eingeführt.


Kinder erleben ihre Kinderrechteschule als einen Ort, in dem ihre Meinungen ernst genommen werden und ihre Talente gefördert werden. Sie lernen, respektvoll miteinander umzugehen und Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen.


Lehr- und Fachkräfte erhalten durch UNICEF Unterstützung in ihrer kinderrechtsorientierten Haltung und werden damit im Schulalltag entlastet.

Kinderfreundliche Kommunen in Deutschland

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© UNICEF

Seit 2012 unterstützen UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. den Verein Kinderfreundliche Kommunen. Sie helfen Städte und Gemeinden dabei, kinderfreundliche Kommunen zu gestalten. Mehr als 60 Städte sind, bereits dabei sich darum zu Kümmern, dass sie kinderfreundlich sind. Sie arbeiten daran, Regeln und Entscheidungen so ändern, dass sie die Wünsche und Bedürfnisse von Kindern besser beachten – dazu gehören zum Beispiel Köln, Potsdam, Regensburg, Stuttgart und Wolfsburg.

Welche Voraussetzungen müssen Kommunen schaffen, damit sich Kinder und Jugendliche dort wohl und sicher fühlen? Diese wichtige Frage steht im Mittelpunkt der Bemühungen von kinderfreundlichen Kommunen in Deutschland und weltweit.

Beteiligungsformate schaffen: In Kinderfreundlichen Kommunen werden Formate zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen geschaffen. Es gibt besondere Gruppen, in denen Kinder und Jugendliche mitreden können, zum Beispiel einen Kinder- und Jugendbeirat. Dort dürfen junge Menschen sagen, was sie denken, und ihre Ideen fließen in wichtige Entscheidungen für die Stadt ein. So haben die Kinder ein Mitspracherecht, und sie fühlen sich mehr mit ihrer Stadt verbunden. Sie dürfen zum Beispiel mitbestimmen, wie Spiel- und Sportplätze aussehen sollen. Auch wenn es um Orte geht, an denen sie sich nicht sicher fühlen, werden ihre Meinungen eingeholt.

Die Lebensqualität für Familien verbessern: Wenn Städte kinderfreundlicher werden, leben Familien besser zusammen und alle Generationen respektieren sich mehr. Wenn Kinder bei Entscheidungen mitmachen dürfen und ihre Meinungen gehört werden, ist das gut für sie und auch für die Menschen um sie herum. Dadurch haben alle in der Familie etwas davon!

Materialien rund um das Thema Demokratie

Kinderrechte und Demokratie erleben zu können bedeutet auch sich kreativ mit dem Thema auseinander zu setzen. Damit Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte spannende Aktionen starten können oder gemeinsam ihr Wissen zu Kinderrechten und Demokratie auffrischen oder weiterentwickeln können, haben wir verschiedene Unterrichtsmaterialien rund um das Thema Kinderrechte zusammengestellt.

UNICEF Deutschland hat eine umfangreiche Sammlung an Materialien erstellt, die kostenfrei zum Download bereitstehen. Dazu gehören Poster und kreative Aktionsangebote für Schüler*innen.

Es ist wichtig, dass Kinder mitmachen und ihre Meinung sagen können – jeden Tag! Am internationalen Tag der Kinderrechte gibt es besonders viele Schulaktionen, bei denen man mitmachen kann. An diesem Tag bringen alle Kinder und Jugendlichen ihre Ideen zusammen, um gemeinsam die Aufmerksamkeit auf die Rechte von Kindern zu lenken.

Aktiv werden
Gemeinsam mit UNICEF für Kinderrechte eintreten

Aktionen für (Schul-)Kinder

Laufen für UNICEF

Laufen, Spenden sammeln und Kindern weltweit helfen – mach mit deiner Schulklasse mit bei der Schulaktion „Laufen für UNICEF“. Lass dir dabei am besten von deinen Eltern oder Lehrer*innen helfen.

Lesen für UNICEF

Lesen und dabei Gutes tun: Mit jeder gelesenen Seite kannst du Kindern in Madagaskar helfen.

Aktionen für Jugendliche

Good Action – Aktionen für Jugendliche

Auf unserer Youth-Seite findest du Infos zu den Kinderrechten und viele weitere Aktionsideen speziell für Jugendliche.

JuniorTeams

Werde Teil der UNICEF-Community und hilf Kindern weltweit – komm ins UNICEF-JuniorTeam in deiner Stadt!

Stand up, speak out!

Setz dich gemeinsam mit UNICEF für Demokratie, Miteinander und Vielfalt ein! Eine Aktion für Jugendliche.

#ActOnClimate

Mit unseren Aktionen kannst du auf die Klimakrise und die Gefährdung der Kinderrechte aufmerksam machen.

Lilian Sekkai Presseassistenz 2025
Autor*in Lilian Sekkai

Lilian Sekkai arbeitet als Presseassistentin und schreibt über UNICEF-Themen und Kinder weltweit.