Deutschland: Viele kinderfreundliche Orte, noch kein kinderfreundliches Land
UNICEF zum Abschluss der ARD-Mitmachaktion #unsereKinder
Zum Abschluss der ARD-Mitmachaktion #unsereKinder zieht UNICEF Deutschland als Partner der Aktion Bilanz und sieht in den Ergebnissen wichtige Impulse dafür, was sich konkret für Kinder und Jugendliche ändern muss. Mehr als 1.600 Einträge aus ganz Deutschland sind im Rahmen der Aktion eingegangen und wurden vom SWR in Zusammenarbeit mit UNICEF Deutschland ausgewertet. Auf einer interaktiven Deutschlandkarte wurden rund 1260 kinderfreundliche Orte, 240 kinderunfreundliche Orte und 150 Aktionen für Kinder gemeldet. Die Meldungen stammen von Bürgerinnen und Bürgern, Eltern, Fachkräften und Kindern selbst. Sie zeigen, welche Herausforderungen Familien im Alltag erleben und wo sich Menschen bereits für ein kinderfreundlicheres Umfeld engagieren.
Statement von Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland:
„In Deutschland gibt es schon viele kinderfreundliche Orte, starke Initiativen und großartiges Engagement für Kinder. In der Summe ergeben die Einzelteile aber noch nicht ein kinderfreundliches Land, solange über eine Million Kinder und Jugendliche in Deutschland in Kinderarmut aufwachsen, Schulen unzureichend ausgestattet sind und Spiel- und Freizeitangebote fehlen.
Die ARD-Mitmachaktion #unsereKinder zeigt, wie wertvoll es ist, Menschen vor Ort zu hören. Die starken Beispiele von Jugendherbergen und Familienzentren über Büchereien bis zu offenen Sporthallen und Beteiligungsprojekten können Vorbild für andere sein. Auch Programme und Initiativen wie die UNICEF Kinderrechteschulen und die Kinderfreundlichen Kommunen gehören zu den Orten, an denen Anliegen von Kindern, Jugendlichen und Familien ernst genommen und erfolgreich umgesetzt werden.
Unsere Auswertung der Aktion zeigt aber auch, wo es Probleme gibt: Besonders häufig wurde genannt, dass Kinder im Straßenverkehr gefährdet sind, wenn zum Beispiel Schul- und Radwege nicht sicher sind. Oft fehlen Spiel- und Freizeitangebote oder Orte, an denen sich Kinder und Jugendliche treffen können. Auch Personalmangel an Schulen und Kitas erleben viele Familien als Problem.
Kinderfreundlichkeit und eine gute Kindheit sollten nicht davon abhängen, wo ein Kind wohnt, wie viel Geld seine Familie hat oder ob sich zufällig jemand engagiert. Kinder brauchen gut ausgestattete Schulen, erreichbare Kinderarztpraxen, sichere Spielplätze und Nachbarschaften, in denen sie sich entfalten können, überall in Deutschland. Auch ältere Kinder und Jugendliche dürfen dabei nicht aus dem Blick geraten.
Mit der UN-Kinderrechtskonvention hat sich Deutschland verpflichtet, jedem Kind bis zur Volljährigkeit gute Bedingungen zum Aufwachsen zu sichern. Dieses Versprechen wird trotz vieler guter Ansätze noch nicht vollständig eingelöst.
Wir wünschen uns einen Spirit der Kinderfreundlichkeit: Dazu gehört, Kindern mit Wohlwollen und Respekt zu begegnen und Kinder zu hören – nicht als womöglich lästigen Lärm, sondern als wichtige Stimme.
Zum Abschluss der Mitmachaktion #unsereKinder empfehlen wir, Kinder und Jugendliche ins Zentrum politischen Handelns zu rücken. Wenn Kinder und Jugendliche bei allen Entscheidungen, die sie und ihre Zukunft betreffen, beteiligt werden, stärkt das eine kinderfreundliche Gesellschaft und das ganze Land.”
Über die ARD-Mitmachaktion #unsereKinder
Wie kinderfreundlich ist Deutschland – und was muss sich ändern, damit alle Kinder faire Chancen haben? Dieser Frage ist die ARD-Mitmachaktion #unsereKinder nachgegangen. Seit Mai 2026 hat die ARD immer wieder darüber berichtet und mehr als 1.600 Einträge auf der interaktiven Deutschlandkarte gesammelt. Entwickelt und ausgewertet wurde die Aktion vom SWR in Zusammenarbeit mit UNICEF Deutschland. Die Auswertung beruht auf den Einsendungen, die im Rahmen der Mitmachaktion eingegangen sind. Sie ist nicht repräsentativ.
Zum Abschluss der Mitmachaktion ist die Doku „#unsereKinder – wie kinderfreundlich ist Deutschland?“ mit Felix Neureuther ab 8. November in der ARD Mediathek verfügbar und läuft am 9. November um 20:15 Uhr im Ersten.
Über UNICEF: Hilfe für Kinder seit 80 Jahren
Das UN-Kinderhilfswerk wurde vor 80 Jahren am 11. Dezember 1946 ins Leben gerufen, um Kindern im vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Europa zu helfen. Heute setzt sich UNICEF weltweit in über 190 Ländern für die Umsetzung der Rechte aller Kinder ein. Von der schnellen Nothilfe bis zu langfristigen Programmen hilft UNICEF, dass Mädchen und Jungen überall auf der Welt gesund und geschützt groß werden und ihre Fähigkeiten voll entfalten können.
Das Deutsche Komitee für UNICEF mit Sitz in Köln wurde 1953 als Verein gegründet und ist heute eine der wichtigsten Stützen der weltweiten UNICEF-Arbeit. In ganz Deutschland sind rund 7.000 ehrenamtliche Erwachsene und Jugendliche für UNICEF aktiv. Mit Programmen und politischer Arbeit trägt UNICEF Deutschland auch hierzulande zu einem besseren Verständnis der Rechte und der Belange von Kindern bei. Weitere Informationen: www.unicef.de.
Aktuelle Daten zur Situation von Kindern in Deutschland finden Sie in der UNICEF-Datenbank „Kind sein in Deutschland"