
Was ist Kinderarbeit?
Mehr als 130 Millionen Kinder auf der Welt müssen arbeiten wie Erwachsene. Deshalb gehen sie häufig nicht zur Schule und haben kaum Zeit, um zu spielen oder sich auszuruhen. Erfahre hier, warum es Kinderarbeit gibt und was wir alle tun können, um die Rechte der Kinder weltweit zu stärken.
von UNICEF-Redaktion
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 138 Millionen Kinder auf der ganzen Welt müssen arbeiten, um zum Beispiel genug zu essen zu haben – häufig viele Stunden am Tag.
- Kinder, die arbeiten, gehen häufig nicht zur Schule. Sie haben kaum Zeit zu spielen oder sich auszuruhen. Viele verletzen sich bei der Arbeit oder werden krank.
- UNICEF setzt sich auf der ganzen Welt gegen Kinderarbeit ein, damit Kinder gesund aufwachsen und lernen können.
Warum müssen Kinder arbeiten?
Es gibt Länder, in denen Kinder arbeiten müssen, um Geld für ihre Familie zu verdienen. Das hat unterschiedliche Gründe.
- Armut: Viele Menschen auf der Welt sind sehr arm. Darum müssen Kinder zum Beispiel bei der Ernte helfen oder mit Arbeit Geld verdienen, damit die Familie genug zu essen hat. In Deutschland zum Beispiel von Armut betroffene Familien Geld vom Staat. In vielen Ländern ist das jedoch nicht so.
- Kein Geld für Bildung: In einigen Ländern müssen alle Eltern Geld bezahlen, damit ihre Kinder zur Schule gehen können. Familien mit wenig Geld können sich das nicht leisten. Darum gehen die Kinder nicht zur Schule, sondern fangen schon früh an zu arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen.
- Zu wenig Schulen: In Ländern mit großer Armut gibt es oft nicht genug Schulen für alle Kinder oder der Unterricht ist so schlecht, dass Kinder nicht hingehen. Oft wohnen die Kinder auch so weit weg von der nächsten Schule, dass sie gar nicht jeden Tag zur Schule gehen können. Oft müssen diese Kinder dann stattdessen im Haushalt helfen, auf den Feldern arbeiten oder das Vieh hüten.
- Diskriminierung: Vor allem Mädchen werden in vielen Ländern benachteiligt. In Afghanistan zum Beispiel dürfen Mädchen nach der siebten Klasse nicht mehr zur Schule gehen. Stattdessen müssen sie im Haushalt arbeiten oder auf jüngere Geschwister aufpassen, um sich auf das Leben als Ehefrau und Mutter vorzubereiten.
- Straßenkinder: Es gibt Länder, in denen sich niemand richtig um Kinder kümmert, wenn sie ihre Eltern verlieren oder nicht mehr zuhause leben können. Diese Kinder müssen oft betteln oder arbeiten gehen, um etwas zu essen zu haben.
Warum ist Kinderarbeit so schlecht für die Kinder?
Kinderarbeit bedeutet, dass Kinder Arbeiten verrichten müssen, für die sie zu jung sind, die gefährlich sind oder die sie daran hindern, gesund aufzuwachsen oder zur Schule zu gehen.
Wenn Kinder arbeiten, haben sie zu wenig Zeit zum Lernen. Darum brechen viele die Schule schon nach ein paar Schuljahren ab. So haben sie später schlechtere Chancen, einen guten Beruf zu bekommen und genug Geld zu verdienen.
Kinder müssen oft schwere oder gefährliche Arbeiten machen. Sie arbeiten zum Beispiel unter der Erde in Minen, auf Plantagen oder in Fabriken. Diese Arbeit ist sehr schwer. Oft sind sie viele Stunden am Tag auf den Beinen oder atmen giftige Stoffe ein. Das macht sie krank, oft viel schlimmer als bei Erwachsenen, weil ihre Körper kleiner und noch nicht so kräftig sind.
Kinder bekommen oft nur sehr wenig Geld für ihre Arbeit. Deshalb ist es für die Chefs billiger, Kinder arbeiten zu lassen – auch wenn es eigentlich verboten ist. Wenn die Kinder bei der Arbeit schlecht behandelt werden, können sie sich nicht so gut wehren.
Kinder brauchen Zeit, um zu lernen, zu spielen oder um sich einfach auszuruhen. Wenn Kinder arbeiten, können sie sich häufig nicht frei entwickeln und ihre Kindheit genießen.
Kinderarbeit ist gegen die Kinderrechte
Wenn Kinder arbeiten müssen, verstößt das gegen die Kinderrechte. Diese Rechte sind in der UN-Kinderrechtskonvention festgehalten. Sie sollen helfen, dass alle Kinder gesund aufwachsen und sich gut entwickeln können. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass Kinder zur Schule gehen sollen und genug Zeit zum Spielen haben. Fast alle Länder der Welt haben gesagt, dass sie die Kinderrechte einhalten wollen. Trotzdem müssen in vielen Ländern Kinder arbeiten.

Bild 1 von 5 | Amissina ist 15. Seit ihr Vater gestorben ist, ist sie die Einzige in der Familie, die Geld verdienen kann. Jeden Tag sammelt sie Holz und Sand und verkauft beides an Menschen, die Häuser bauen. Amissinas Mutter ist krank – darum muss Amissina auch im Haushalt helfen. Für die Schule bleibt keine Zeit mehr.
© UNICEF/UNI867799/Franco
Bild 2 von 5 | Die zwölf Jahre alte Adana zerkleinert mit einem Hammer große Steinbrocken zu Kies. Adana arbeitet im Steinbruch, seit sie sieben Jahre alt ist. Ihre Eltern haben kein Geld, um die Schule zu bezahlen. Zusammen mit ihren Eltern verdient sie im Steinbruch etwa zwei Dollar am Tag. Das reicht gerade eben, um Essen für die Familie zu kaufen.
© UNICEF/UNI813594/Songa
Bild 3 von 5 | Jeden Tag geht der acht Jahre alte Koroma zur Arbeit in die Glimmermine in seiner Heimat Madagaskar. Glimmer ist ein glitzerndes Mineral, das in der Industrie und in Kosmetikprodukten gebraucht wird. Koroma muss den abgebauten Glimmer sortieren. Auch seine Eltern arbeiten in der Mine. Durch den Klimawandel ist es so trocken, dass sie kein Getreide mehr anbauen können.
© UNICEF/UNI658491/Andrianantenaina
Bild 4 von 5 | Dieser Junge arbeitet als Goldwäscher in Mali. Die Arbeit dort ist hart und gefährlich. Trotzdem verlassen viele Kinder die Schule und nehmen eine Arbeit als Goldwäscher an, um genug zu essen zu haben. UNICEF setzt sich dafür ein, dass diese Kinder wieder zur Schule gehen können und eine Ausbildung bekommen.
© UNICEF/UNI693596/Dicko
Bild 5 von 5 | Der zwölf Jahre alte Vandy und sein Freund stellen Holzkohle her, die später auf dem Markt verkauft wird. Vandys Schule ist geschlossen worden, weil die Lehrer*innen kein Geld bekommen haben und fortgezogen sind. Jetzt geht Vandy zusammen mit seinem Vater arbeiten – aber trotzdem reicht das Geld nicht, um ihn und seine neun Geschwister zu versorgen.
© UNICEF/UNI813634/Songa
Welche Arbeiten müssen Kinder machen?
Viele Kinder müssen gemeinsam mit ihren Eltern arbeiten, zum Beispiel bei der Feldarbeit. Es gibt aber auch Kinder, die in Fabriken, in Minen oder auf der Straße arbeiten müssen.
- Auf Feldern: Am meisten Kinderarbeit gibt es in der Landwirtschaft. Kinder müssen Obst und Gemüse ernten, Tee pflücken und Tiere hüten. Die Arbeit ist oft anstrengend und kann gefährlich sein.
- In Fabriken: In Fabriken oder Werkstätten müssen Kinder Kleidung nähen oder Stoffe färben, Schuhe zusammenkleben oder zum Beispiel Ziegelsteine herstellen.
- In Minen: Kinder müssen auch im Bergbau arbeiten. Dort holen sie wertvolle Stoffe wie Gold, Kobalt oder Glimmer aus dem Boden heraus oder sortieren die Steine nach Farbe und Größe. Diese Arbeit ist anstrengend und sehr gefährlich. Die Kinder können sich schwer verletzen oder krank werden vom Staub oder giftigen Stoffen im Boden.
- Auf der Straße: Manche Kinder verkaufen auf der Straße Essen und andere Waren, putzen Schuhe oder sammeln Müll. Sie sind jeden Tag sehr lange allein draußen unterwegs und haben in dieser Zeit keinen Schutz von ihren Eltern oder anderen Erwachsenen.
- In Haushalten: Vor allem Mädchen arbeiten oft im Haushalt von anderen Familien. Sie kochen, putzen, waschen Wäsche oder kümmern sich um jüngere Kinder.
- Als Kindersoldat*innen: In Ländern, in denen Gruppen gegeneinander kämpfen, werden manchmal Kinder gezwungen, als Soldat*innen zu kämpfen. Das ist eine der schlimmsten Formen von Kinderarbeit und streng verboten. Trotzdem entführen die Gruppen immer wieder Kinder und zwingen sie zur Arbeit.
Wie viele Kinder müssen arbeiten?
- 138 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 17 Jahren müssen weltweit arbeiten.
- 54 Millionen Kinder müssen sehr schwere oder gefährliche Arbeiten machen.
- Jungen arbeiten besonders oft in Minen, Steinbrüchen, in Fabriken oder als Straßenverkäufer.
- Mädchen müssen häufiger im Haushalt und bei der Ernte für die Familie mitarbeiten.
In welchen Ländern gibt es Kinderarbeit?
Kinderarbeit ist ein weltweites Problem. Besonders häufig kommt sie aber in Ländern vor, in denen viele Menschen arm sind und nicht genug Geld verdienen, um ihre Familien zu versorgen. Viele dieser Länder liegen auf dem afrikanischen Kontinent. Auch in Asien und Südamerika kommt Kinderarbeit vor. Dort müssen in den vergangenen Jahren aber zum Glück immer weniger Kinder arbeiten.
Kinderarbeit gibt es sowohl auf dem Land als auch in großen Städten. Besonders betroffen sind Regionen, in denen es zu wenige Schulen gibt oder Familien keine Unterstützung bekommen, wenn sie in Not geraten.
Kinderarbeit in Deutschland
In Deutschland ist Kinderarbeit verboten und wird auch von der Politik streng kontrolliert. Alle Kinder sollen zur Schule gehen. Für Kinder ab 13 Jahren gibt es jedoch Ausnahmen, wenn die Arbeit sehr leicht ist und nur für wenige Stunden im Monat stattfindet. Mit Zustimmung der Eltern dürfen sie leichte Arbeiten übernehmen, zum Beispiel Zeitungen austragen oder Babysitten.
Jugendliche ab 15 Jahren dürfen auch länger arbeiten. Auch für sie gilt aber: Gefährliche, schwere oder gesundheitsschädliche Arbeiten sind verboten. Außerdem müssen sie regelmäßig Pausen machen und freie Tage haben.

Bild 1 von 3 | UNICEF setzt sich dafür ein, dass Kinder lernen können, anstatt arbeiten zu müssen. In dieser Grundschule in Uganda dürfen Kinder, die lange auf der Straße arbeiten mussten, endlich wieder spielen.
© UNICEF/UNI813727/Abdul
Bild 2 von 3 | Der 13 Jahre alte Nur spricht im Flüchtlingslager in Bangladesch mit einem Sozialarbeiter. Nur wurde zuhause geschlagen und musste arbeiten, anstatt zur Schule zu gehen. UNICEF richtet Lernzentren ein, damit Kinder wie Nur wieder zur Schule gehen können und unterstützt werden.
© UNICEF/UNI517379/Sujan
Bild 3 von 3 | Diese drei Kinder in der Elfenbeinküste leben in einem Dorf sehr weit weg von der nächsten Schule. Oft müssen sie schon früh anfangen, auf den Kakaoplantagen zu arbeiten. UNICEF setzt sich für mobile Schulen ein: Dabei kommen Lehreinnen und Lehrer in die Dörfer, um den Kindern Lesen und Schreiben beizubringen.
© UNICEF/UNI940008/Dejongh
Was kann man gegen Kinderarbeit tun?
Kinderarbeit hat viele Ursachen. Deshalb müssen Regierungen, Unternehmen und wir alle gemeinsam etwas dagegen tun.
Politikerinnen und Politiker müssen Gesetze machen, die Kinderarbeit verbieten, und diese auch überwachen. Bessere Gesetze allein reichen aber nicht aus. Die Eltern brauchen Arbeit und müssen genug verdienen, damit sie ihre Familien versorgen können. Außerdem muss es gute, kostenlose Schulen für alle Kinder geben.
Unternehmen müssen darauf achten, dass für ihre Produkte keine Kinder arbeiten müssen. Sie dürfen keine Rohstoffe einkaufen, die von Kindern geerntet oder abgebaut wurden. Wenn sie den Verdacht haben, dass Kinder für ihre Produkte arbeiten, müssen mit ihren Geschäftspartnern sprechen. Außerdem müssen sie auch den Erwachsenen genug Geld bezahlen, damit sie ihre Familien versorgen und ihre Kinder zur Schule schicken können.
Hier erklären wir, wie wir Unternehmen dabei unterstützen, gegen Kinderarbeit und Kinderrechtsverletzungen in ihren Produkten vorzugehen.
Viele Produkten, die es bei uns im Supermarkt oder in Geschäften gibt, sind mit Kinderarbeit hergestellt oder geerntet worden. Zum Beispiel Kleidung und Schuhe, Kaffee, Schokolade Blumen. Leider ist das oft schwer zu erkennen. Bestimmte Siegel können dabei helfen, Produkte auszuwählen, bei denen darauf geachtet wird, dass die Menschenrechte eingehalten werden. Aber Siegel sind leider auch keine Garantie. Es lohnt sich auch, auf der Webseite einer Firma zu schauen, wo sie ihre Produkte einkauft und ob Menschenrechte eingehalten werden. Oft ist es auch eine gute Idee, Produkte einzukaufen, die aus Deutschland kommen, weil bei uns die Regeln sehr streng sind.
Wie setzt sich UNICEF gegen Kinderarbeit ein?
- Wir machen auf Kinderarbeit aufmerksam: UNICEF informiert Menschen auf der ganzen Welt über die Ursachen und Folgen von Kinderarbeit. Wir geben ausgebeuteten Kindern eine Stimme und setzen uns für ihre Rechte ein.
- Wir helfen Kindern beim Lernen: Wir helfen, Schulen zu bauen, damit mehr Kinder lernen können. Außerdem unterstützen wir die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrer und sorgen für Bücher, Hefte und Stifte. Zudem helfen wir Regierungen in vielen Ländern dabei dafür zu sorgen, dass alle Kinder zur Schule gehen.
- Wir setzen uns für bessere Gesetze ein: Wir fordern Regierungen weltweit dazu auf, Armut und Kinderarbeit wirksam zu bekämpfen, Schulen und Kinderbetreuung einzurichten und Kinder besser zu schützen.
- Wir fordern faire Arbeitsbedingungen: UNICEF setzt sich dafür ein, dass Unternehmen Kinderarbeit frühzeitig und verhindern – auch bei den Firmen, mit denen sie zusammenarbeiten. Dazu gehört zum Beispiel, dass Eltern genug Geld verdienen und dass ihre Arbeitszeiten so sind, dass sie genug Zeit für ihre Kinder haben.
Am 12. Juni ist der Welttag gegen Kinderarbeit
Es gibt einen speziellen Tag, der auf Kinderarbeit aufmerksam machen soll: Der Welttag gegen Kinderarbeit findet jedes Jahr am 12. Juni statt.
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat den Welttag gegen Kinderarbeit im Jahr 2002 ins Leben gerufen. Viele Organisationen machen an diesem Tag darauf aufmerksam, dass Millionen Kinder weltweit ausgebeutet werden. Sie fordern Regierungen und Unternehmen auf, Kinderarbeit zu beenden und die Ursachen von Kinderarbeit zu bekämpfen – vor allem Armut.
Diesen Artikel hat das Team der UNICEF-Redaktion für Sie recherchiert und verfasst.