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Afghanistan: Zahl akut mangelernährter Kinder droht 2027 stark zu steigen

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© UNICEF/UN0877184/



Mehr als vier Millionen Kinder in Afghanistan werden im kommendem Jahr voraussichtlich an akuter Mangelernährung leiden / Mehr als einer Million von ihnen droht lebensbedrohliche Mangelernährung

Laut UNICEF und Aktion gegen den Hunger leiden in Afghanistan immer mehr Kinder unter akuter Mangelernährung. 2027 dürften mehr als vier Millionen akut mangelernährte Kinder auf eine Behandlung angewiesen sein. Es handelt sich dabei um die höchste Zahl innerhalb der vergangenen fünf Jahre.

Die jüngste Analyse der Integrated Phase Classification (IPC) deutet auf eine Verschlechterung der ohnehin angespannten Lage hin. Die Zahl der Provinzen, in denen Mangelernährung ein kritisches Niveau erreicht, stieg von sieben im Jahr 2025 auf zehn im Jahr 2026. Für 2027 wird ein Anstieg auf 14 Provinzen prognostiziert. Das entspricht mehr als einem Drittel aller Provinzen Afghanistans. Die Prognose für 2027 spiegelt zwei Faktoren wider: Zum einen dürfte die Zahl mangelernährter Kinder in den Wintermonaten steigen. Zum anderen droht ein deutlicher Rückgang der finanziellen Mittel für Afghanistan. Dies würde den Zugang zu Präventionsangeboten sowie zur lebensrettenden Behandlung akut mangelernährter Kinder einschränken.

Schätzungsweise 1,09 Millionen Kinder werden laut der IPC-Analyse 2027 an schwerer akuter Mangelernährung leiden, ein Anstieg um 16 Prozent im Vergleich zu 2026. Knapp drei Millionen weitere Kinder werden von moderater akuter Mangelernährung betroffen sein. Mangelernährte Kinder haben ein erhöhtes Risiko, zu erkranken und in ihrer Entwicklung zurückzufallen. Die schwersten Fälle sind ohne Behandlung lebensbedrohlich. Im selben Zeitraum werden voraussichtlich rund 1,3 Millionen Schwangere und Stillende von Mangelernährung betroffen sein.

Mehrere Faktoren verschärfen die bereits bestehende Krise. Immer mehr Familien haben Schwierigkeiten, sich mit nahrhaften Lebensmitteln und sauberem Wasser zu versorgen. Derzeit erhält nur eines von drei Kindern im Alter von sechs bis 24 Monaten die für ein gesunde Wachstum und Entwicklung nötigen nahrhaften Lebensmittel. Gleichzeitig erhöhen wiederkehrende Ausbrüche von Durchfallerkrankungen, Masern und anderen vermeidbaren Krankheiten das Risiko für Kinder. Zudem geraten die ohnehin überlasteten Hilfsmaßnahmen durch Unterbrechungen der grenzüberschreitenden humanitären Hilfe zusätzlich unter Druck.

„Wir wissen, was funktioniert und wir wissen, dass frühzeitiges Handeln Leben rettet“, sagte Dr. Tajudeen Oyewale, Leiter von UNICEF in Afghanistan. „Jetzt braucht es dringend planbare Investitionen, damit Kinder und Familien weiterhin Zugang zu Ernährungsdiensten, Gesundheitsversorgung sowie Wasser- und Sanitärversorgung haben. Ich habe erlebt, wie widerstandsfähig die Menschen sind. Diese Stärke müssen wir unterstützen, indem wir Mangelernährung frühzeitig erkennen, therapeutische Nahrungshilfe bereitstellen und den Zugang zur Behandlung sichern.“

Im Süden des Landes werden weiterhin einige der höchsten Raten akuter Mangelernährung verzeichnet. Der Bedarf steigt dort schneller, als Hilfe die Familien erreichen kann. Kinder sowie schwangere und stillende Frauen sind dadurch zunehmend gefährdet.

„Ich habe kürzlich Helmand im Süden Afghanistans besucht. Die Ernährungsdienste stehen dort unter enormem Druck“, sagte Cobi Rietveld, Landesdirektorin von Aktion gegen den Hunger in Afghanistan. „Die Behandlung schwerer Mangelernährung rettet das Leben von Kindern und bleibt unverzichtbar. Wir dürfen jedoch nicht warten, bis ein Kind um sein Leben kämpft, bevor wir handeln. Echter Erfolg zeigt sich daran, wie vielen Kindern wir eine schwere Mangelernährung von vornherein ersparen können. Das ist der Weg zu einer gesünderen Zukunft für die Kinder in Afghanistan.“

Service für die Redaktionen

Gerne vermitteln wir Gespräche mit unserem deutschsprachigen Kollegen Daniel Timme in Afghanistan.

Christine Kahmann
Sprecherin (Berlin) - Nothilfe & Internationale Themen