Statement

Bundeshaushalt 2027: Kürzungen bei weltweiter Hilfe haben fatale Folgen für Kinder, jetzt und in Zukunft

Statement von Christian Schneider, Geschäftsführer UNICEF Deutschland

„Die Pläne zum Bundeshaushalt 2027 offenbaren einen Widerspruch: Heute wachsen so viele Kinder wie noch nie in Kriegen und Konflikten auf – fast jedes fünfte Kind weltweit. Dennoch sollen die Mittel aus Deutschland für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit weiter sinken, die zu langfristiger Stabilität, Sicherheit und Frieden beitragen können, in den Krisenregionen und weit darüber hinaus.

So sind im Haushaltsentwurf für 2027 lediglich 0,08 Prozent des Gesamthaushalts für Investitionen in die Stabilisierung in Krisenregionen im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit veranschlagt – eine drastische Kürzung. Gleichzeitig zeigen die Bundesbürgerinnen und Bundesbürger und deutsche Unternehmen mit ihrer auch in wirtschaftlich fordernden Zeiten anhaltenden Unterstützung für UNICEF und andere Organisationen, wie wichtig ihnen der Einsatz ist – das sollte die Politik anerkennen.

Bei Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe zu sparen, hat sehr konkrete, fatale Folgen für Kinder und damit für die Zukunft der jungen Generation wie ganzer Gesellschaften. So steigt unter anderem in Somalia und Afghanistan schon jetzt die Zahl schwer mangelernährter Kinder, weil Gesundheitseinrichtungen schließen mussten. Aufgrund der weltweiten Budgetkürzungen droht die Kindersterblichkeit erstmals seit Jahrzehnten wieder anzusteigen. Millionen Kinder könnten ihrer Chance auf Bildung beraubt werden.

Was jetzt wichtig ist: Deutschland muss weiter an der Seite der Kinder weltweit stehen und sich mit weitsichtigen Entscheidungen und zielgerichteten Investitionen für eine bessere Zukunft einsetzen, von der alle profitieren. Wir appellieren an die Abgeordneten des Deutschen Bundestags, sich im parlamentarischen Verfahren zum Bundeshaushalt 2027 für eine deutliche Erhöhung der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und Stabilität in fragilen Kontexten sowie für humanitäre Hilfe einzusetzen.“

Hintergrund

Der aktuelle Haushaltsentwurf der Bundesregierung wird aus Sicht von UNICEF Deutschland den Auswirkungen der gegenwärtigen globalen Krisen auf Kinder und Familien weltweit nicht gerecht. Bei der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit soll massiv gekürzt werden — dort, wo es um Stabilität, Sicherheit und das Überleben von Kindern und Familien in fragilen Krisenlagen geht.

Besonders alarmierend: Gerade Mittel für Krisenbewältigung und Wiederaufbau sollen deutlich sinken – um 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch der Kernbeitrag für UNICEF, der eine schnelle Hilfe auch in jenen Krisenregionen ermöglicht, die nur wenig Aufmerksamkeit erhalten, wurde über die vergangenen Jahre wiederholt stark gekürzt.

Zugleich sind für humanitäre Hilfe im Jahr 2027 nur 1,05 Milliarden Euro vorgesehen — das entspricht gerade einmal 0,19 Prozent des Gesamthaushalts. Nachdem die Mittel im vergangenen Haushaltsjahr bereits um die Hälfte gekürzt wurden, bliebe die Finanzierung humanitärer Hilfe damit auf niedrigem Niveau.

Weitere Informationen: https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/investition-entwicklungszusammenarbeit

Über UNICEF: Hilfe für Kinder seit 80 Jahren

Das UN-Kinderhilfswerk wurde vor 80 Jahren am 11. Dezember 1946 ins Leben gerufen, um Kindern im vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Europa zu helfen. Heute setzt sich UNICEF weltweit in über 190 Ländern für die Umsetzung der Rechte aller Kinder ein. Von der schnellen Nothilfe bis zu langfristigen Programmen hilft UNICEF, dass Mädchen und Jungen überall auf der Welt gesund und geschützt groß werden und ihre Fähigkeiten voll entfalten können.

Das Deutsche Komitee für UNICEF mit Sitz in Köln wurde 1953 als Verein gegründet und ist heute eine der wichtigsten Stützen der weltweiten UNICEF-Arbeit. In ganz Deutschland sind rund 7.000 ehrenamtliche Erwachsene und Jugendliche für UNICEF aktiv. Mit Programmen und politischer Arbeit trägt UNICEF Deutschland auch hierzulande zu einem besseren Verständnis der Rechte und der Belange von Kindern bei. Weitere Informationen: www.unicef.de.

Ninja Charbonneau
Abteilungsleiterin Presse/Sprecherin