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Somalia: Überschwemmungen und Finanzierungslücken drohen Hungerkrise zu verschärfen

Die Regierung Somalias und die Vereinten Nationen warnen vor einer weiteren Verschärfung der Hungerkrise im Land. Erwartete Überschwemmungen und Finanzierungslücken könnten dazu führen, dass noch mehr Menschen – insbesondere Kinder – von extremer Ernährungsunsicherheit und akuter Mangelernährung betroffen sind. 

Maida Abdullahi (18 Monate) wird im Krankenhaus in Mogadischu auf Mangelernährung untersucht.

Maida Abdullahi (18 Monate) wird im Krankenhaus in Mogadischu auf Mangelernährung untersucht.

© UNICEF/UN0910310/Sewunet

In Somalia droht sich die ohnehin dramatische Ernährungslage weiter zu verschärfen: Millionen Menschen leiden bereits unter Hunger. Laut der somalischen Regierung und den Vereinten Nationen könnten schwere Überschwemmungen im Zusammenhang mit dem erwarteten El Niño-Phänomen die akute Mangelernährung bei Kindern von Oktober bis Dezember 2026 weiter verschärfen.

Laut der jüngsten Analyse der Integrated Food Security Phase Classification (IPC)* werden zwischen Oktober und Dezember 2026 voraussichtlich 5,4 Millionen Menschen unter Hunger auf Krisenniveau oder schlimmer leiden. Für 1,5 Millionen Menschen wird eine akute Notlage oder eine noch höhere Krisenstufe prognostiziert. Von Juli 2026 bis Juni 2027 werden demnach 1,92 Millionen Kinder unter fünf Jahren wegen akuter Mangelernährung behandelt werden müssen. 433.000 von ihnen sind von der lebensbedrohlichsten Form betroffen: schwerer akuter Mangelernährung.

Rund 62 Prozent der Fälle akuter Mangelernährung betreffen die ländliche Bevölkerung. Für Binnenvertriebene in Belet Weyne und in manchen Camps für Vertriebene in Baidoa wird aufgrund der erwarteten Überschwemmungen eine extrem kritische Lage prognostiziert (IPC-Phase 5). Die Überschwemmungen könnten den Zugang zu wichtigen Hilfsangeboten erschweren.

Der Analyse zufolge hat sich die akute Mangelernährung im Distrikt Burhakaba in der Region Bay verbessert. Noch im April bestand dort das Risiko eine Hungersnot. Dazu beigetragen haben die Gu-Regenfälle und die ausgeweitete humanitäre Hilfe. In Baidoa, ebenfalls in der Region Bay, droht hingegen weiterhin eine Hungersnot. Die Einschätzung basiert auf Daten, die im April 2026 erhoben wurden. Für Oktober 2026 ist eine weitere Folgeerhebung geplant.

„Die humanitäre Lage in Somalia ist weiterhin dramatisch. Millionen Menschen sind durch Hunger und Mangelernährung akut gefährdet“, sagte George Conway, Humanitärer Koordinator für Somalia. „Die erwarteten Überschwemmungen infolge von El Niño werden die ohnehin fragilen Lebensgrundlagen weiter zerstören, besonders gefährdete Menschen vertreiben und das Krankheitsrisiko erhöhen. Wir rufen dringend zu zusätzlichen Maßnahmen und finanziellen Mitteln auf, um Menschenleben zu schützen, Präventionsmaßnahmen zu stärken und eine weitere Verschärfung der Krise zu verhindern.“

Das höchste Risiko für Überschwemmungen besteht von Oktober bis Dezember 2026. In dieser Zeit werden infolge von El Niño starke Regenfälle erwartet, die vor allem ländliche Gemeinden an Flüssen sowie landwirtschaftlich und von Viehzucht lebende Familien treffen dürften. Sie könnten Ernten und Viehbestände zerstören, den Zugang zu Märkten und Einkommensmöglichkeiten unterbrechen und neue Vertreibungen auslösen. Nach Angaben der somalischen Katastrophenschutzbehörde (SODMA) könnten 2,5 bis 3,5 Millionen Menschen von den Überschwemmungen betroffen sein. Rund eine Million Menschen könnten gezwungen sein, ihre landwirtschaftlich genutzten Flächen und Weidegebiete zu verlassen. Damit würde die Zahl der Menschen, die bereits unter akutem Hunger leiden, weiter steigen.

„Die zunehmende Ernährungsunsicherheit und Mangelernährung bereiten uns große Sorge, besonders mit Blick auf die möglichen Folgen des El Niño-Phänomens“, sagte Mohamuud Moallim Abdullahi, Leiter der somalischen Katastrophenschutzbehörde (SODMA). „Die Regierung arbeitet eng mit humanitären Partnern und den Behörden vor Ort zusammen, um die multiplen Krisen im Land zu bewältigen. Wir rufen alle Partner und Geber dazu auf, diese Bemühungen zu unterstützen, damit wir frühzeitig handeln, Leben und Lebensgrundlagen schützen und menschliches Leid verringern können.“

„Zwischen 2021 und 2025 hat UNICEF gemeinsam mit der somalischen Regierung und seinen Partnern mehr als 2,25 Millionen schwer mangelernährten Kindern eine Behandlung ermöglicht. Der schnelle Zugang zur Behandlung hat Leben gerettet und Kindern geholfen, wieder zu genesen und sich gut zu entwickeln“, sagte Sandra Lattouf, UNICEF-Leiterin in Somalia. „Doch wegen fehlender finanzieller Mittel geraten diese lebensrettenden Angebote zunehmend unter Druck. Wir brauchen dringend Unterstützung, damit die Behandlung bis zum Jahresende fortgesetzt werden kann und wichtige Ernährungshilfen besonders gefährdete Kinder und Gemeinden erreichen – bevor der Zugang noch schwieriger wird.“

Die Vereinten Nationen verstärken in Somalia ihre Hilfe in den Bereichen Ernährung, Gesundheit, Wasser- und Sanitärversorgung sowie Ernährungssicherung – insbesondere in den am stärksten gefährdeten Distrikten.

Service für die Redaktionen

Die vollständige Meldung in englischer Sprache steht hier zur Verfügung.

Die Integrated Food Security Phase Classification (IPC) ist eine Initiative mehrerer Partner zur Analyse und Einstufung von Ernährungskrisen. Regierungen, UN-Organisationen, Nichtregierungsorganisationen, zivilgesellschaftliche Organisationen und weitere Akteur*innen nutzen die IPC-Klassifikation und -Analysemethode, um das Ausmaß und den Schweregrad akuter und chronischer Ernährungsunsicherheit sowie akuter Mangelernährung nach international anerkannten wissenschaftlichen Standards zu bestimmen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Bild- und Videomaterialien stehen hier zur Verfügung.

Über UNICEF: Hilfe für Kinder seit 80 Jahren

Das UN-Kinderhilfswerk wurde vor 80 Jahren am 11. Dezember 1946 ins Leben gerufen, um Kindern im vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Europa zu helfen. Heute setzt sich UNICEF weltweit in über 190 Ländern für die Umsetzung der Rechte aller Kinder ein. Von der schnellen Nothilfe bis zu langfristigen Programmen hilft UNICEF, dass Mädchen und Jungen überall auf der Welt gesund und geschützt groß werden und ihre Fähigkeiten voll entfalten können.

Das Deutsche Komitee für UNICEF mit Sitz in Köln wurde 1953 als Verein gegründet und ist heute eine der wichtigsten Stützen der weltweiten UNICEF-Arbeit. In ganz Deutschland sind rund 7.000 ehrenamtliche Erwachsene und Jugendliche für UNICEF aktiv. Mit Programmen und politischer Arbeit trägt UNICEF Deutschland auch hierzulande zu einem besseren Verständnis der Rechte und der Belange von Kindern bei. Weitere Informationen: www.unicef.de.

Christine Kahmann
Sprecherin (Berlin) - Nothilfe & Internationale Themen