UNICEF-Analyse: Jedes zehnte Schulkind weltweit war 2025 von klimabedingten Schulunterbrechungen betroffen
Stürme, Überschwemmungen und Hitzewellen sind die häufigsten Klimagefahren, die zu Schulschließungen, Unterrichtsausfällen und Unterbrechungen des Schulbetriebs führen
New York/Köln •

Sylva (11) vor seiner zerstörten Schule in Madagaskar. Aufgrund eines Zyklons im Mai 2026 konnte er nicht mehr zur Schule gehen.
© UNICEF/UN0865957/RamasomananaDer Unterricht von mehr als 171 Millionen Schülerinnen und Schülern weltweit war 2025 laut UNICEF durch Klimagefahren unterbrochen. Dies entspricht jedem zehnten Schulkind – vom Vorschulalter bis zur Oberstufe. Das zeigt die neue Analyse „Learning Interrupted: Global Snapshot of Climate-Related School Disruptions in 2025“, die UNICEF heute veröffentlicht hat. Darin werden Daten aus 106 Ländern oder Gebieten ausgewertet. Das Ergebnis: Klimabedingte Gefahrenereignisse wie Stürme, Überschwemmungen, Hitzewellen, Dürren und Waldbrände hatten für Millionen Schulkinder weltweit zur Folge, dass der Unterricht ausfiel, Schulen beschädigt wurden, zu Fernunterricht gewechselt wurde, Unterrichtszeiten verkürzt wurden, die Anwesenheitsquoten sanken und das Risiko des Schulabbruchs stieg.
„Für Millionen von Kindern bedeuten Klimaereignisse mehr als nur eine Unterrichtsunterbrechung“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Sie zerstören Schulen, reißen Familien aus ihrem Umfeld und drängen die verletzlichsten Kinder endgültig aus dem Klassenzimmer – insbesondere Mädchen.“
El-Niño-Bedingungen erhöhen das Risiko extremer Wetterereignisse
Der Analyse zufolge waren Stürme im vergangenen Jahr die häufigste Ursache für Schulunterbrechungen. Sie betrafen 109 Millionen Schülerinnen und Schüler weltweit. Von Überschwemmungen waren mindestens 70 Millionen Schülerinnen und Schüler betroffen. Hitzewellen unterbrachen den Schulbetrieb für etwa 50 Millionen Kinder und Jugendliche.
„Meine Schule liegt direkt an einem Bach. Wenn es Überschwemmungen gibt, steigt das Wasser und fließt in die Schule“, sagte die 16-jährige Taudibura Garo aus Papua-Neuguinea, wo die El-Niño-Bedingungen das Risiko extremer Wetterereignisse in den kommenden Monaten erhöhen dürften. „Normalerweise reicht das Wasser uns dann bis zu den Knien und überflutet die Latrinen. Dann wird es ungesund für uns, in der Schule zu bleiben und wir verpassen den Unterricht, den wir eigentlich haben sollten.“
Drei Viertel der Betroffenen leben in ärmeren Ländern
Zwar waren Schülerinnen und Schüler aller Einkommensstufen von Unterbrechungen betroffen, doch drei Viertel von ihnen leben in Ländern mit niedrigem und unterem mittleren Einkommen. Den Bildungssystemen in diesen Ländern fehlen oft die nötigen Ressourcen, um das Lernen während klimabedingter Notfälle sicherzustellen.
In Pakistan beispielsweise – einem der am stärksten betroffenen Länder in der Analyse – verzögerten schwere Monsunüberschwemmungen im August die Rückkehr in die Schule für mehr als 28 Millionen Schülerinnen und Schüler. Dies war eine der größten klimabedingten Bildungsunterbrechungen, die 2025 verzeichnet wurden.
40 Länder mehrfach von Schulunterbrechungen betroffen
Den Daten zufolge kam es in 40 Ländern im Laufe des Jahres zu mehreren Phasen klimabedingter Schulunterbrechungen. Madagaskar beispielsweise war mit Dürren, tropischen Wirbelstürmen und Überschwemmungen konfrontiert, von denen im Lauf des Jahres rund 280.000 Schulkinder betroffen waren. In Spanien waren mehr als 500.000 Schülerinnen und Schüler in der spanischen Region Valencia im März von Stürmen und im September dann vom posttropischen Zyklon Gabrielle betroffen. Für Tausende Schülerinnen und Schüler im restlichen Land führte extreme Hitze im Mai und Juni zu Unterrichtsausfällen und Sturm Alice beeinträchtigte den Schulbetrieb im Oktober.
Lernverluste und höhere Schulabbruchquoten können die Arbeitsproduktivität verringern, das Wirtschaftswachstum verlangsamen und die Armutsbekämpfung der Länder erschweren. Wenn nichts geschieht, liegt der potenzielle Verlust für die Schülerinnen und Schüler, die 2025 von klimabedingten Schulunterbrechungen betroffen waren, bei mindestens 200 Milliarden US-Dollar an Lebenseinkommen, so der Bericht.
Mädchen besonders vom Bildungsverlust betroffen
Wenn durch Klimaereignisse der Schulbetrieb unterbrochen werden muss oder Schulen schließen, sind Mädchen einem größeren Risiko ausgesetzt, die Schule abzubrechen. Schäden an Schulen und sanitären Einrichtungen, Vertreibung und der Verlust des Familieneinkommens können Mädchen zusätzliche Aufgaben bei der Betreuung im Haushalt und der Wasserbeschaffung aufbürden. Diese Belastung kann das Risiko von Kinderehen erhöhen, was es für Mädchen schwieriger macht, nach der Wiedereröffnung der Schulen in den Unterricht zurückzukehren.
Der Bericht hebt praktische Lösungen hervor, die schon jetzt dabei helfen, den Bildungsbetrieb vor Klimagefahren zu schützen. Dazu gehören: Klimaresilienz in die nationale Bildungsplanung einbeziehen, die Schulinfrastruktur stärken, kontinuierliches Lernen während und nach Unterbrechungen gewährleisten sowie Klimabildung in Lehrplänen verankern, so dass Kinder und Jugendliche mit den Fähigkeiten ausgestattet werden, die sie benötigen, um sich an eine sich verändernde Welt anzupassen.
UNICEF empfiehlt Maßnahmen für klimaresilientere Bildungssysteme
Aufbauend auf diesen bewährten Ansätzen fordert UNICEF Regierungen und Partner auf, ihre Anstrengungen zu verstärken und Bildung vor den schlimmsten Auswirkungen von Klimaereignissen zu schützen, indem sie:
- Bildungssysteme klimaresilienter machen, damit Kinder auch in Notlagen weiterlernen können.
- Mehr nationale und internationale Mittel für die Resilienz des Bildungswesens bereitstellen.
- In klimaresistente Bildungsinfrastruktur investieren, um Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte zu schützen.
- Kindern und Jugendlichen Wissen und Fähigkeiten für Resilienz und Klimaschutzmaßnahmen vermitteln.
- Klima- und Bildungsdatensysteme stärken, um Störungen besser vorherzusehen, darauf zu reagieren und sich davon zu erholen.
„Klimakatastrophen bedrohen das Leben und die Zukunft von Kindern“, sagte Russell. „Um Bildung für die Kinder von heute und für künftige Generationen zu schützen, müssen wir in Schulen und Bildungssysteme investieren, die so konzipiert sind, dass sie Klimaschocks standhalten.“
Service für Redaktionen
Länder, die 2025 von Klimaereignissen betroffen waren, wurden anhand der Emergency Events Database (EMDAT) und des ReliefWeb Disaster Archive ermittelt. Im Zusammenhang mit diesen Ereignissen wurden Schulunterbrechungen anhand von Lageberichten und Pressemitteilungen von UNICEF, der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC), dem Koordinierungszentrum für Nothilfe der Europäischen Kommission (ECHO Flash), dem Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (UN OCHA), ReliefWeb sowie weiteren Medienquellen verifiziert. Zu den wichtigsten Datenquellen zählen die UNICEF-Länderbüros und -Nationalkomitees, humanitäre Lageberichte von UNICEF, Flash-Updates von UN OCHA, Save the Children, der Bildungscluster, Bildungsministerien sowie das UNESCO-Institut für Statistik (UIS).
Der im Juni veröffentlichte UNICEF-Bericht „Children's Climate Risk Report 2026“ stellte fest, dass fast die Hälfte der Kinder weltweit (1,1 Milliarden) mindestens drei sich überschneidenden Klimagefahren ausgesetzt ist, die ihre Gesundheit, ihre Bildung und ihr Überleben bedrohen.
Unsere Pressemitteilung, eine deutsche Zusammenfassung und weitere Informationen zum „Children’s Climate Risk Report 2026 finden Sie hier.
Medienmaterialien sind hier verfügbar.
Über UNICEF: Hilfe für Kinder seit 80 Jahren
Das UN-Kinderhilfswerk wurde vor 80 Jahren am 11. Dezember 1946 ins Leben gerufen, um Kindern im vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Europa zu helfen. Heute setzt sich UNICEF weltweit in über 190 Ländern für die Umsetzung der Rechte aller Kinder ein. Von der schnellen Nothilfe bis zu langfristigen Programmen hilft UNICEF, dass Mädchen und Jungen überall auf der Welt gesund und geschützt groß werden und ihre Fähigkeiten voll entfalten können.
Das Deutsche Komitee für UNICEF mit Sitz in Köln wurde 1953 als Verein gegründet und ist heute eine der wichtigsten Stützen der weltweiten UNICEF-Arbeit. In ganz Deutschland sind rund 7.000 ehrenamtliche Erwachsene und Jugendliche für UNICEF aktiv. Mit Programmen und politischer Arbeit trägt UNICEF Deutschland auch hierzulande zu einem besseren Verständnis der Rechte und der Belange von Kindern bei. Weitere Informationen: www.unicef.de.