
Was tun gegen Rassismus? Fünf Wege, damit umzugehen
Rassismus begegnet uns immer wieder im Alltag. Wir alle kennen Situationen, in denen wir eigentlich einschreiten möchten – aber wir wissen nicht, wie. Deshalb ist es uns von UNICEF wichtig, Ihnen fünf einfache Tipps mitzugeben, wie Sie im Alltag mit Rassismus umgehen können.
von UNICEF-Redaktion
Das Wichtigste in Kürze
- Rassismus ist in unserem Alltag überall präsent. Aber vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass sie sich von Vorurteilen beeinflussen lassen oder bei rassistischen Äußerungen weghören.
- Jede und jeder von uns kann Diskriminierung und Ungerechtigkeit bekämpfen, indem wir hinschauen und uns zu Vorfällen äußern.
- Das Recht, nicht diskriminiert zu werden, ist ein Kinderrecht. UNICEF setzt sich seit 80 Jahren dafür ein, dass dieses Kinderrecht überall auf der Welt umgesetzt wird.
Fünf Tipps, wie Sie Rassismus im Alltag wirksam begegnen
Rassismus kann bei Kindern tiefe Narben in der Psyche hinterlassen. Diskriminierung, Gewalt und Ungerechtigkeit verunsichern ganze Gesellschaften und verursachen bleibende Traumata bei betroffenen Kindern und ihren Familien.
Menschen auf der ganzen Welt möchten das verhindern und mehr Bewusstsein für Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten schaffen. Sie fordern ein Ende von Diskriminierung, Hass und Gewalt, mit denen Menschen in jeder Gesellschaft seit Generationen konfrontiert sind. So können auch Sie dazu beitragen:
1. Menschen, die Diskriminierung erfahren, zuhören – und ihre Geschichten teilen
Viele Menschen erleben tagtäglich Rassismus in den unterschiedlichsten Formen. Hören Sie genau hin, wenn diese Menschen von ihren Erfahrungen erzählen. Zuhören braucht keinen Mut und keine besonderen Fähigkeiten – aber Sie können die Geschichten von Betroffenen teilen: mit ihren Freunden, mit der Familie oder mit Arbeitskolleg*innen. Erinnern wir uns daran, dass wir jeden Tag selbst die Wahl treffen, Solidarität zu zeigen oder zu schweigen.
2. Rassismus nicht ignorieren, sondern dagegenhalten – im Alltag und online
Hassreden, sogenannte „Hate Speeches“, nehmen in beunruhigendem Maße zu – überall auf der Welt und in fast allen Medien. Vielen fällt es schwer, klar und deutlich dagegenzuhalten. Aber Schweigen ist keine neutrale Option. Wenn Sie online oder in der Presse Passagen lesen, die Vorurteile aufgreifen, reagieren Sie: Nutzen Sie die Meldefunktion auf Onlineplattformen, um auf unangebrachte Kommentare hinzuweisen oder verfassen Sie sachliche Gegenkommentare.
Wenn Sie hören, dass jemand abfällige Kommentare macht oder einen rassistischen Witz erzählt, sprechen Sie es an: Erklären Sie ruhig und sachlich, dass Stereotype nicht harmlos oder lustig sind. Leben Sie auch Kindern vor, dass man bei Hass und Demütigungen nicht wegschauen darf, sondern klare Haltung zeigen sollte.
- Melden: Fast alle Foren oder Online-Plattformen haben einfache Meldefunktionen, um die Betreiber auf beleidigende oder diskriminierende Kommentare aufmerksam zu machen.
- Widersprechen: Verfassen Sie einen sachlichen Gegenkommentar und weisen Sie darauf hin, wenn eine Bemerkung diskriminierend oder herabwürdigend ist.
- Dokumentieren: Dokumentieren Sie Drohungen oder menschenfeindliche Äußerungen mit Screenshots, falls Anzeige gegen die Verfasser*innen erstattet werden soll.
- Blockieren: Wenn sich die Kommentare gegen Sie selbst richten, blockieren Sie die Verfasser und melden Sie sie auf der jeweiligen Plattform.
3. Zivilcourage zeigen und einschreiten, wenn es für Sie sicher ist
Wenn Sie sehen, dass jemand belästigt oder körperlich angegriffen wird, dann versuchen Sie zu helfen, wenn Sie sich damit nicht selbst in Gefahr begeben:
- Oft reicht es schon, wenn Sie sich durch Ihre Anwesenheit als Zeug*in bemerkbar machen.
- Lenken Sie von der Situation ab, indem Sie Blickkontakt zur betroffenen Person aufnehmen und sie direkt ansprechen.
- Fragen Sie, ob Sie helfen können und sprechen Sie auch umstehende Personen direkt an – wenn Sie gemeinsam handeln, lassen sich unangenehme Situationen oft entschärfen.
- Wenn körperliche Gewalt im Spiel ist oder wenn die Täter in der Überzahl sind, sollten Sie die Polizei verständigen und in der Nähe bleiben.
Alle Menschen verdienen es, mit Würde, Respekt und Menschlichkeit behandelt zu werden. Wenn in der Öffentlichkeit Zivilcourage und Solidarität gelebt wird, verlieren Rassisten und Hassredner ihre Macht.

Jede und jeder von uns kann hinschauen und reagieren, wenn Menschen in unserem Umfeld Rassismus oder Diskriminierung ausgesetzt sind.
© UNICEF/UNI729050/Stroisch4. Kindern Gerechtigkeit, Respekt und Menschenrechte nahebringen
Vorurteile und Hass sind nicht angeboren. Sie sind erlernte und sozialisierte Verhaltensweisen, die Kinder von engen Bezugspersonen übernehmen. Das muss kein offener Rassismus sein – oft sind es unbewusste Ängste oder Vorurteile, die wir auf unsere Kinder übertragen.
Die gute Nachricht ist: Genauso, wie Kinder Vorurteile lernen, können sie sie auch wieder „verlernen“. Sprechen Sie mit Ihren Kindern über Rassismus und was der Begriff eigentlich bedeutet. Erklären Sie, dass jeder Mensch das Recht hat, sich sicher und wertgeschätzt zu fühlen und fair behandelt zu werden. Und gehen Sie mit gutem Beispiel voran: Wenn wir gegen Alltagsdiskriminierung vorgehen wollen, müssen wir offen sprechen und in unserem täglichen Leben aufmerksam sein.
Kein Mensch wird mit Hass auf andere geboren
Das Recht, nicht diskriminiert zu werden, ist in Artikel 2 der UN-Kinderrechtskonvention festgehalten. Diese Kinderrechte gelten für alle Kinder unter 18 Jahren auf der ganzen Welt. Egal, wer sie sind, wo sie leben, woher sie kommen, welche Hautfarbe sie haben, welche Sprache sie sprechen, welche Religion sie haben, welchem Geschlecht sie sich zuordnen, in welcher Kultur sie leben, ob sie eine Behinderung haben, ob sie reich oder arm sind. Keinem Kind darf irgendeines der beschlossenen Rechte weggenommen oder vorenthalten werden.
Hier finden Sie vielfältige Lernmaterialien zum Download, um mit Kindern über Rassismus zu sprechen.
5. Menschenrechtsorganisationen unterstützen, um langfristige Veränderung zu bewirken
Im Alltag begegnen Sie Rassismus und Diskriminierung im Alltag am besten, indem Sie klar und sachlich darauf hinweisen. Bei strukturellem und institutionellem Rassismus reicht das nicht aus. Dort wo Diskriminierung in der Gesellschaft oder in bestimmten Institutionen verankert ist, müssen wir eine langfristige Änderung bewirken.
Das geht zum Beispiel, indem Sie wählen gehen, sich für lokale Initiativen engagieren oder Menschenrechtsorganisationen wie UNICEF unterstützen. Denn systemischer Rassismus und die Frage, wie Kinder Gewalt gegen Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund verinnerlichen, ist ein Kinderrechtsthema. Darum macht sich UNICEF seit seiner Gründung vor 80 Jahren unermüdlich für die Rechte der Kinder stark und setzt sich dafür ein, dass alle Kinder in einer sicheren und gesunden Umgebung aufwachsen.
Kinder, die Diskriminierung, Rassismus und Gewalt erleben, brauchen unsere Unterstützung – gestern, heute und morgen. Wir verurteilen Rassismus in jeder Form.
• Der Verein Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland organisiert Kampagnen, Fortbildungen, Veranstaltungen und Workshopsg egen Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt.
• Das Netzwerk Schule ohne Rassismus setzt sich an 5.000 Schulen deutschlandweit aktiv gegen Diskriminierung ein.
• Die Amadeu Antonio Stiftung setzt sich seit knapp 30 Jahren mit Informationen, Kampagnen und Aktionen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus ein.
Handeln gegen Rassismus ist lernbar!
Es braucht keine besonderen Fähigkeiten, um sich aktiv gegen Rassismus einzusetzen. Alles, was es braucht, ist etwas Aufmerksamkeit im Alltag und ein Bewusstsein dafür, dass alle Menschen Respekt und Fairness verdienen. Wenn jede und jeder von uns Haltung zeigt und auf problematische Äußerungen oder Handlungen hinweist, haben Rassismus und Diskriminierung immer weniger Chancen im Alltag.
Selbst aktiv werden: So unterstützten Sie UNICEF beim Kampf gegen Rassismus
Wir von UNICEF setzen uns mit verschiedenen Aktionen gegen Rassismus und für Vielfalt und Gleichberechtigung ein. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern in ganz Deutschland machen wir uns stark für den Schutz von Kindern vor Gewalt, Diskriminierung und Ungerechtigkeit. Machen auch Sie mit – bei einzelnen Aktionen oder als Teil einer UNICEF-Gruppe in Ihrer Nähe
Mit UNICEF Youth engagieren sich Kinder und Jugendliche in Teams in ganz Deutschland mit regelmäßigen Aktionen in ganz Deutschland für Kinderrechte und für eine bessere Zukunft von Kindern.
Häufige Fragen und Antworten zum Umgang mit Rassismus
Sprechen Sie Äußerungen oder andere Vorfälle ruhig und möglichst sachlich an. Vermeiden Sie Schuldzuweisungen und versuchen Sie zu erklären, warum eine Bemerkung unangebracht oder beleidigend war.
In Foren, auf Plattformen und Social Media gibt es meist eine Meldefunktion, mit der Sie Inhalte oder Nutzer*innen melden können. Wenn sich rassistische Kommentare gegen Sie selbst richten, können Sie den/die Absender*in blockieren und ihn oder sie ebenfalls melden. Dokumentieren Sie die Beleidigungen mit Screenshots. Sie können auch sachliche Gegenkommentare verfassen und den/die Absender*in auf das Fehlverhalten hinweisen.
- Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) berät Betroffene telefonisch und per E-Mail zu ihren Rechten bei Diskriminierung.
- Der VBRG (Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt e. V.) berät und verwaltet einen Opferhilfefonds, der schnelle, unbürokratische Hilfe für Betroffene bietet.
- In den einzelnen Bundesländern gibt es regionale Beratungs- und Meldestellen, die bei Fällen von Diskriminierung und Rassismus unterstützen und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen.
Diesen Artikel hat das Team der UNICEF-Redaktion für Sie recherchiert und verfasst.