© UNICEF/UNI595608/StroischTeilnehmer und Globus in einem Teamkreis beim JugendFestival 2024.
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Was ist Rassismus?

Stell dir vor, in der Schule darf ein Kind nicht mitspielen, weil es eine andere Hautfarbe hat. So etwas tut weh – und es ist falsch. Man nennt das Rassismus. Wir erklären hier, woher Rassismus kommt und was wir selbst tun können, um Rassismus zu verhindern. 


von UNICEF-Redaktion

Das Wichtigste in Kürze

  • Rassismus bedeutet, dass Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer Sprache oder ihres Namens schlechter behandelt werden als andere.

  • Schon vor Hunderten von Jahren haben Menschen die Idee von unterschiedlichen Rassen benutzt, um andere Menschen zu unterdrücken.

  • Rassismus kommt auch in Deutschland vor – auf der Straße, in der Schule und im Alltag. Wir alle können etwas dagegen tun, wenn wir hinschauen und auf Ungerechtigkeit aufmerksam machen.

Rassismus einfach erklärt: Zwei Mädchen umarmen sich lachend.

Rassismus zu bekämpfen, bedeutet, sich für die Menschenrechte und auch Kinderrechte stark zu machen. Diese Rechte besagen, dass alle Menschen auf der Welt die gleichen Rechte haben sollen.

© UNICEF/UNI833158/Beguel

Was bedeutet Rassismus?

Rassismus nennt man es, wenn Menschen schlechter behandelt werden, weil sie zum Beispiel eine andere Hautfarbe haben, aus einem anderen Land kommen oder eine andere Sprache sprechen.

Das Wort „Rassismus“ kommt von „Rasse“. Du kennst den Begriff vielleicht von Haustieren wie Hunden oder Katzen – dort gibt es viele unterschiedliche Rassen. Bei Menschen ist das nicht so. Trotzdem waren einige Menschen vor langer Zeit überzeugt, dass man auch Menschen in verschiedene Rassen einteilen kann. Und einige dieser Rassen sollten angeblich besser oder stärker sein als andere.

Heute wissen wir: Das stimmt nicht. Man hat die Gene von Menschen untersucht und festgestellt, dass alle Menschen gleich sind. Trotzdem gibt es auch heute noch an vielen Orten auf der Welt Rassismus und Ungerechtigkeit.

Woher kommt Rassismus?

  • Rassismus gibt es schon sehr lange. Die Idee von unterschiedlichen Menschenrassen kam auf, als europäische Schiffe zum ersten Mal nach Afrika und Südamerika fuhren.

  • Die Seefahrer nahmen den Menschen, die dort lebten, ihr Land weg und vertrieben sie oder zwangen sie zur Arbeit als Sklaven und Sklavinnen.

  • Viele Menschen zu dieser Zeit glaubten die Idee von den unterschiedlichen Menschenrassen. Einige Gelehrte waren überzeugt, dass die weißen Menschen, die die Einheimischen vertrieben hatten, stärker sind und deshalb mehr Rechte haben.

  • Heute wissen wir, dass Menschen zwar unterschiedlich aussehen können, aber alle die gleichen Gene haben. Es gibt also keine unterschiedlichen Menschenrassen.

  • Trotzdem hat die Idee von den stärkeren und schwächeren Rassen im Laufe der Zeit existiert und immer wieder zu großem Leid geführt.

  • Auch heute noch gibt es in vielen Ländern Rassismus. Manchmal werden bestimmte Gruppen oder ganze Völker bewusst unterdrückt, manchmal werden nur einzelne Menschen und nur in bestimmten Situationen ausgegrenzt. Falsch ist Rassismus aber in jedem Fall!

Rassismus einfach erklärt: Kinder und Erwachsene in UNICEF-Shirts tanzen

Ganz gleich, welche Hautfarbe, welche Herkunft und welche Sprache: Niemand darf Nachteile haben, weil er anders aussieht oder spricht als andere.

© UNICEF/UNI922392/Sufari

Beispiele: Was für Rassismus gibt es?

Rassismus kann überall vorkommen – quasi überall dort, wo Menschen zusammenleben. Es ist wichtig zu wissen: Rassismus ist von Menschen gemacht, er ist nicht natürlich. Rassismus kommt also auch bei uns in Deutschland vor – im Alltag, aber auch in Behörden, in der Schule und anderen Orten.

Alltagsrassismus

Alltagsrassismus nennt man es, wenn wir Menschen anders einschätzen, weil sie anders aussehen oder einen anderen Namen haben. Manchmal merken wir vielleicht gar nicht sofort, dass das Rassismus ist. Zum Beispiel, wenn wir ein Kind mit einer anderen Hautfarbe als erstes fragen „Woher kommst du?“ oder wenn wir ihm sagen: „Du kannst nicht mitspielen, du kannst ja gar kein Deutsch.“

Alltagsrassismus bedeutet also, im Voraus über jemanden zu urteilen, ohne sie oder ihn zu kennen. Für den anderen Menschen ist das sehr verletzend, nur auf eine bestimmte Weise gesehen zu werden.

Institutioneller Rassismus

Institutioneller Rassismus heißt, dass Menschen in der Schule, in Behörden oder auch von der Polizei schlechter behandelt werden, weil sie eine bestimmte Hautfarbe haben oder aus einem anderen Land kommen. Das kann zum Beispiel sein:

  • Ein Kind mit einem nicht-deutschen Namen bekommt in der Schule schlechtere Noten, obwohl es genauso gut ist wie andere.

  • Eine Schülerin mit Kopftuch wird seltener drangenommen, obwohl sie sich meldet.

  • Ein Mensch muss sehr lange auf eine Arztbehandlung warten, weil er oder sie anders aussieht oder sich nicht gut verständigen kann.

  • Ein Mensch mit dunkler Hautfarbe wird von der Polizei kontrolliert, andere Menschen aus der gleichen Gruppe aber nicht.

Institutioneller Rassismus ist unfair, weil die Regeln manchen Menschen von vornherein Steine in den Weg legen – auch wenn niemand absichtlich gemein sein will.

Struktureller Rassismus

Manchmal ist Rassismus sogar im politischen System eines Landes verankert. Das nennt man strukturellen Rassismus. Er führt dazu, dass Menschen mit anderer Hautfarbe oder Herkunft in dem Land grundsätzlich schlechter behandelt werden und weniger Chancen haben.

In Südafrika war das zur Zeit der Apartheid besonders deutlich: Schwarze Menschen durften viele Berufe nicht ausüben, nicht die gleichen Schulen und Universitäten besuchen wie weiße Menschen und wurden vom Rest der Gesellschaft getrennt. Das war ungerecht und viele Menschen kämpften dagegen. Auch heute gibt es viele Länder, in denen bestimmte Gruppen wegen ihrer Herkunft nur in bestimmten Wohnvierteln leben dürfen, weniger verdienen oder schlechtere Chancen in der Schule haben – selbst, wenn sie sich genauso anstrengen wie andere.

Info
Ist Rassismus und Diskriminierung das gleiche?

Diskriminierung nennt man alle Fälle, in denen bestimmte Menschen schlechter behandelt werden als andere. Es gibt viele Situationen, in denen Menschen diskriminiert werden. Zum Beispiel weil jemand arm ist, weil sie ein Mädchen ist, eine Behinderung hat oder alt ist.  

Rassismus ist auch eine Form von Diskriminierung. Rassismus nennt man es aber immer dann, wenn Menschen schlechter behandelt werden, weil sie eine andere Hautfarbe haben oder als „fremd“ angesehen werden. 

Jeder Mensch denkt manchmal automatisch, dass manche Leute „anders“ oder „besonders“ sind. Das passiert ganz natürlich durch unsere Erziehung, die Schule, unsere Familie oder das Umfeld, in dem wir aufwachsen. Man nennt das “natürlichen Bias”. Wenn wir das erkennen, können wir mehr darauf achten und fairer zu allen Menschen sein.

Rassismus ist gegen die Menschenrechte

In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist aufgeschrieben, dass alle Menschen auf der Welt von Geburt an die gleichen Rechte haben – die Menschenrechte. Dahinter steckt eine wichtiger Grundsatz: Jeder Mensch ist gleich viel wert. Das nennt man Menschenwürde. Auch in der UN-Kinderrechtskonvention steht in Artikel 2 zu Gleichbehandlung und dem Diskriminierungsverbot, dass alle Kinder gleich viel wert sind. Jedes Kind zählt. Jedes Kind ist wichtig. Und jedes Kind ist gleich viel wert.

Rassismus lebt von der Idee, dass einige Menschen nicht so gut sind wie andere, und dass sie deshalb anders behandelt werden sollen. Das widerspricht der Menschenwürde und den Menschen- und Kinderrechten. Außerdem ist es sehr ungerecht.

Auch wenn die Menschenrechte für alle Menschen gelten, gibt es für Kinder spezielle Kinderrechte. Das liegt daran, dass Kinder besonders schutzbedürftig sind. Auch in den Kinderrechten steht, dass kein Kind schlechter behandelt werden darf, weil es anders aussieht oder eine andere Sprache spricht. Hier erklären wir die Kinderrechte in einfacher Sprache.

Welche Folgen hat Rassismus für Menschen?

Rassismus ist schlimm für die, die ihn erleben. Er schadet aber auch dem Zusammenhalt der Menschen in einer Stadt oder einem Land.

  • Menschen, die Rassismus erleben, leiden oft ein Leben lang unter der Erfahrung. Viele verlieren das Vertrauen und auch ihr Selbstbewusstsein, denn sie trauen sich weniger zu, wenn sie immer wieder ungerecht behandelt werden.

  • Kinder können Rassismus oft nicht verstehen. Es macht ihnen Angst, wenn sie oder ihre Eltern beschimpft werden oder wenn man sie ungerecht behandelt.

  • Rassismus führt dazu, dass einige Menschen weniger Chancen bekommen. Sie werden in der Schule weniger unterstützt oder haben es schwerer, einen guten Job oder eine Wohnung zu finden. Oft müssen sie sich viel mehr anstrengen als andere, um das Gleiche zu erreichen.

  • Ausgrenzung und Ungerechtigkeit kann Menschen müde, traurig und sogar krank machen. Wenn diese Menschen außerdem weniger Geld haben oder hart arbeiten müssen, wird es für sie noch schwerer, gesund zu bleiben.

Rassismus einfach erklärt: Ein Junge im UNICEF-Shirt mit einem Megafon in der Hand.

Manchmal ist es gar nicht so leicht, etwas zu sagen, wenn du Rassismus bemerkt. Aber je lauter und entschlossener wir uns gegen Ungerechtigkeit wehren, desto eher können wir etwas verändern.

© UNICEF/UNI595827/Stroisch

Was kann jede und jeder von uns gegen Rassismus tun?

Rassismus gibt es auch in Deutschland. Wenn du Rassismus erkennst, kannst du etwas tun und dich für mehr Gerechtigkeit stark machen.

  • Schau nicht weg, wenn ein anderer Mensch ausgegrenzt, ausgelacht oder geärgert wird. Wenn du dich traust, kannst du etwas sagen – oder du holst dir Unterstützung von Erwachsenen oder Freund*innen.

  • Hör zu, wenn Menschen von Ausgrenzung erzählen, denn darüber offen zu sprechen hilft ungemein. Achte dabei auf dich und was das Gehörte mit dir macht und auch du kannst darüber mit Erwachsenen oder Freund*innen sprechen, wenn dich das belastet.

  • Sprich darüber, wenn du gesehen hast, wie jemand ungerecht behandelt wird. Du kannst auch mit anderen über Alltagsrassismus sprechen, sodass ihr Rassismus in bestimmten Situationen besser erkennt. Sich auszutauschen ist auch ein Weg, gegen Rassismus vorzugehen.

  • Unterstütze Organisationen für Menschen- und Kinderrechte, zum Beispiel UNICEF, und mach bei Aktionen gegen Rassismus wie Stand up, speak out mit, die UNICEF für Kinder und Jugendliche deutschlandweit organisiert.

Aktiv gegen Rassismus und für Kinderrechte mit UNICEF

Du willst dich gemeinsam mit anderen gegen Rassismus und für die Kinderrechte weltweit stark machen? Bei UNICEF Youth kannst du aktiv werden: Werde Teil einer UNICEF-Gruppe in deiner Nähe oder plane selbst Aktionen, um zu zeigen, dass alle Menschen auf der Welt gleich viel wert sind. Wir freuen uns auf dich!

Fazit: Hinschauen, damit Rassismus keine Chance hat

Weiße Menschen erleben Rassismus nur selten am eigenen Leib. Darum fällt es uns in Deutschland manchmal schwer, Rassismus im Alltag zu erkennen. Aber schon ganz kleine Dinge können Rassismus sein: Etwa, wenn du automatisch denkst, jemand spricht nicht gut Deutsch, weil er oder sie eine dunkle Hautfarbe hat. Wenn wir etwas gegen Rassismus tun wollen, müssen wir also nicht nur bei anderen genau hinschauen, sondern auch bei uns selbst. Aber es lohnt sich: Wenn wir alle mehr über Rassismus wissen und gemeinsam weiter darauf aufmerksam machen, können wir helfen, die Welt ein bisschen gerechter zu machen.

Autor*in UNICEF Redaktion

Diesen Artikel hat das Team der UNICEF-Redaktion für Sie recherchiert und verfasst.