Pressemitteilung

UNICEF: Seit 2021 wird mehr als 2,6 Millionen Mädchen in Afghanistan der Zugang zu weiterführenden Schulen verwehrt

Deutscher UNICEF-Sprecher steht für Interviews aus Kabul zur Verfügung 

Afghanistan: Ein Mädchen liest zuhause alleine ein Buch.
© UNICEF/UN0904364/Azizi

Mehr als 2,6 Millionen Mädchen in Afghanistan wird laut UNICEF der Zugang zu Sekundarbildung verwehrt, seit die De-facto-Regierung vor fünf Jahren die Macht übernommen hat. Afghanistan ist damit weiterhin das einzige Land weltweit, in dem Mädchen und Frauen von weiterführender und höherer Bildung ausgeschlossen sind.

Mädchen ist seit September 2021 formale Bildung ab der siebten Klasse verwehrt, Frauen sind seit Dezember 2022 von Universitäten ausgeschlossen.

„Fünf Jahre mögen in der Geschichte eines Landes kurz erscheinen, doch im Leben eines Mädchens sind sie eine prägende Zeit“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Ein Klassenzimmer ist mehr als ein Ort des Lernens. Es gibt jungen Menschen eine Stimme und die Möglichkeit, ihr volles Potenzial zu entfalten. Und es schützt vor Kinderarbeit, früher Verheiratung sowie Gewalt und Missbrauch. Als die Schulen geschlossen wurden, fiel dieser Schutz weg – in einer Zeit, in der Mädchen ihn am dringendsten brauchten.“

Mädchen, die nicht zur Schule gehen, sind erhöhten Schutzrisiken ausgesetzt, darunter Kinderarbeit, Missbrauch, frühe Verheiratung und geschlechtsspezifische Gewalt. Diese Risiken steigen mit Armut und Vertreibung – beides ist in Afghanistan weit verbreitet. Seit 2023 sind mehr als 2,7 Millionen Menschen aus dem Iran und Pakistan zurückgekehrt, darunter 60 Prozent Kinder und Jugendliche.

Die Auswirkungen reichen über die direkt betroffenen Mädchen hinaus. Die im April 2026 veröffentlichte UNICEF-Analyse The Cost of Inaction on Girls' Education and Women's Labour Force Participation in Afghanistan zeigt, dass Afghanistan bis 2030 bis zu 20.000 Lehrerinnen und 5.400 weibliche Gesundheitsfachkräfte verlieren könnte. Die Zahl der Lehrerinnen in der Grundbildung ist bereits um mehr als neun Prozent zurückgegangen – von knapp 73.000 im Jahr 2022 auf rund 66.000 im Jahr 2024. Auch der Frauenanteil im öffentlichen Dienst sank zwischen 2023 und 2025 von 21 Prozent auf 17,7 Prozent.

Dieselbe Analyse zeigt, dass die Einschränkungen der Bildungschancen von Mädchen und der Erwerbstätigkeit von Frauen Afghanistan jedes Jahr 84 Millionen US-Dollar an Wirtschaftsleistung kosten. Mit jedem Jahr, in dem die Beschränkungen fortbestehen, nehmen auch die Verluste zu. Die Folgen reichen zudem bis in die nächste Generation. Je höher der Anteil von Müttern ohne Bildung, desto größer ist für ihre Kinder das Risiko von niedrigem Geburtsgewicht, unzureichendem Impfschutz und Wachstumsverzögerungen. Dadurch gerät ein ohnehin stark belastetes Gesundheitssystem zusätzlich unter Druck.

Trotz der Einschränkungen setzt UNICEF seine Unterstützung im Bereich Bildung in Afghanistan fort. 2025 erhielten über 3,7 Millionen Kinder in öffentlichen Schulen Unterstützung im Bildungsbereich, 442.000 Kinder nahmen an gemeindebasierten Lernangeboten teil, 66 Prozent davon Mädchen. Zudem wurden 232 Schulen neu gebaut oder instand gesetzt.

„UNICEF fordert die De-facto-Behörden auf, die Bildungsbeschränkungen aufzuheben und allen Mädchen und Frauen die sofortige Rückkehr in Schulen und Universitäten zu ermöglichen“, sagte Russell und schloss sich damit dem Aufruf des UN-Generalsekretärs an, die Aussetzung der Bildung für Mädchen in Afghanistan zu beenden. „UNICEF und seine Partner stehen bereit, die Wiederöffnung der Schulen zu unterstützen, damit jedes Mädchen sicher zurückkehren kann. Ein Land kann sich nicht entwickeln, wenn die Hälfte der jungen Menschen zurückgehalten wird. Afghanistans Zukunft wartet vor den Klassenzimmern darauf, wieder hineingelassen zu werden.“

Service für Redaktionen:

Gerne vermitteln wir Interviews mit unserem deutschsprachigen Mitarbeiter in Kabul.

Die Analyse “The Cost of Inaction on Girls' Education and Women's Labour Force Participation in Afghanistan” steht hier zur Verfügung.

Bild- und Videomaterialien stehen hier zur Verfügung.

Christine Kahmann
Sprecherin (Berlin) - Nothilfe & Internationale Themen