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Neue SMART-Erhebung liefert aktuelle Einschätzung zur Ernährungssituation von Kindern und Müttern in den zugänglichen Gebieten des Gazastreifens

Gaza News: Najwa und ihr Sohn Omer erhalten Gläschen mit Babynahrung und therapeutische Spezialnahrung (RUTF).

Najwa und ihr Sohn Omer erhalten Gläschen mit Babynahrung und therapeutische Spezialnahrung (RUTF).

© UNICEF/UN0886832/El Baba

Eine neue Ernährungserhebung in den zugänglichen Gebieten des Gazastreifens zeigt ein komplexes Bild: Die Rate akuter Mangelernährung bei Kindern in der untersuchten Bevölkerung ist vergleichsweise gering. Gleichzeitig sind die Raten chronischer Mangelernährung (Wachstumsverzögerungen) bei Kindern besorgniserregend. Auch Mütter leiden unter Mangelernährung. Die Ernährung ist von geringer Qualität. Babys und Kleinkinder werden häufig nicht ausreichend und nicht altersgerecht ernährt. Zudem sind leiden viele Kinder unter Krankheiten.

Die akute Mangelernährung bei Kindern unter fünf Jahren war gering. Gleichzeitig waren 12,2 Prozent der Kinder unter fünf Jahren von chronischer Mangelernährung beziehungsweise Wachstumsverzögerungen betroffen. 4,0 Prozent waren übergewichtig. Dass in derselben Bevölkerung sowohl Wachstumsverzögerungen als auch akute Mangelernährung und Übergewicht vorkommen, deutet vor allem auf eine unzureichende Qualität der Ernährung hin – nicht allein auf eine zu geringe Menge an Nahrung. 73,0 Prozent der Kinder im Alter von sechs bis 23 Monaten hatten am Tag vor der Erhebung ungesunde Lebensmittel gegessen. Nur 22,4 Prozent erhielten eine ausreichend abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung. 37,1 Prozent der Kinder unter fünf Jahren hatten in den zwei Wochen vor der Erhebung Durchfall. Auch bei Mädchen und Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren wurde Mangelernährung festgestellt.

Die Erhebung wurde zwischen dem 31. Mai und dem 15. Juni 2026 durchgeführt. Ihr ging eine deutliche Ausweitung der humanitären Hilfe nach der Waffenruhe im Oktober 2025 voraus. In den Monaten vor der Waffenruhe – auch im August 2025, als die Integrated Food Security Phase Classification (IPC) eine Hungersnot im Gazastreifen feststellte – hatten gravierende Zugangsbeschränkungen und unterbrochene Lieferungen dazu geführt, dass die flächendeckende Zusatzernährung, ein wichtiges Mittel zur Vorbeugung akuter Mangelernährung, im Gazastreifen weitgehend eingestellt worden war. Einige Programme zur Diagnose und Behandlung von Mangelernährung liefen weiter. Die notwendigen Hilfsgüter und der Zugang, der erforderlich gewesen wäre. um Mangelernährung von Kindern von vornherein zu verhindern, erreichten sie jedoch nicht. Nach Beginn der Waffenruhe führte die Wiederaufnahme der Hilfslieferungen und des kommerziellen Warenverkehrs zu einem deutlichen Rückgang der Behandlungsaufnahmen wegen akuter Mangelernährung: Während im August 2025 noch fast 17.000 Kinder aufgenommen wurden, waren es im März 2026 weniger als 3.000.

„Die Ernährungssituation von Kindern verbessert sich, wenn humanitäre Hilfe und kommerzielle Waren sie erreichen – und verschlechtert sich ebenso schnell, wenn dies nicht der Fall ist. Die derzeitigen Verbesserungen sind fragil. Sie hängen von einem dauerhaften Zugang zu humanitärer Hilfe, ausreichender Finanzierung und funktionierenden Märkten ab. Ohne diese Voraussetzungen könnten die Fortschritte innerhalb weniger Monate rückgängig gemacht werden – und die Kinder würden erneut den höchsten Preis dafür zahlen“, sagte Edouard Beigbeder, UNICEF-Regionaldirektor für den Nahen Osten und Nordafrika.

Verschiedene Ernährungsindikatoren geben Aufschluss über unterschiedliche Aspekte der Ernährungssituation und bilden Entwicklungen über unterschiedlich lange Zeiträume ab. Akute Mangelernährung weist eher auf die jüngere Ernährungssituation hin, während Wachstumsverzögerungen die Ernährungs- und Gesundheitsbedingungen über einen längeren Zeitraum widerspiegeln. Deshalb sollten die Ergebnisse der Erhebung gemeinsam betrachtet werden. Die Gesamtsituation lässt sich nicht anhand eines einzelnen Indikators beurteilen.

„Akute Mangelernährung kann sich innerhalb weniger Wochen verbessern. Die weiterreichenden Schäden bleiben jedoch bestehen“, sagte Beigbeder. „Kinder brauchen sauberes Wasser, medizinische Versorgung sowie abwechslungsreiche und nahrhafte Lebensmittel – nicht nur genügend Kalorien zum Überleben.“

Die Erhebung ist für die zugänglichen Gebiete repräsentativ. Rund 17 Prozent der Bevölkerung des Gazastreifens – etwa 358.000 Menschen – konnten aufgrund von Zugangsbeschränkungen und Sicherheitsrisiken für die Erhebung nicht berücksichtigt werden.

UNICEF ruft auf zu einem dauerhaften und ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe – einschließlich Treibstoff –, zu einer kontinuierlichen Finanzierung von Ernährungs-, Gesundheits- sowie Wasser- und Sanitärversorgung und zu offenen Märkten, um Kinder vor einer erneuten Verschlechterung ihrer Lage zu schützen.

Service für die Redaktionen

Die SMART-Erhebung für Gaza sowie die Zusammenfassung stehen hier zur Verfügung: https://www.unicef.org/sop/reports/gaza-smart-survey-2026

* Die SMART-Erhebung zur Ernährungssituation im Gazastreifen wurde vom Nutrition Cluster für Palästina durchgeführt, welcher von UNICEF geleitet wird. Zwischen dem 31. Mai und dem 15. Juni 2026 wurden 1.335 Kinder im Alter von 0 bis 59 Monaten in 147 Untersuchungsgebieten gemessen.

Eine SMART-Erhebung ist eine Querschnittserhebung. Sie erfasst die Situation einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt und innerhalb eines kurzen Zeitraums. Sie liefert keine Informationen über die Bedingungen vor oder nach diesem Zeitraum. Daher kann sie frühere Entwicklungen nicht bewerten und ist weder als national repräsentative Statistik noch für internationale Vergleiche angelegt.

Über UNICEF: Hilfe für Kinder seit 80 Jahren

Das UN-Kinderhilfswerk wurde vor 80 Jahren am 11. Dezember 1946 ins Leben gerufen, um Kindern im vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Europa zu helfen. Heute setzt sich UNICEF weltweit in über 190 Ländern für die Umsetzung der Rechte aller Kinder ein. Von der schnellen Nothilfe bis zu langfristigen Programmen hilft UNICEF, dass Mädchen und Jungen überall auf der Welt gesund und geschützt groß werden und ihre Fähigkeiten voll entfalten können.

Das Deutsche Komitee für UNICEF mit Sitz in Köln wurde 1953 als Verein gegründet und ist heute eine der wichtigsten Stützen der weltweiten UNICEF-Arbeit. In ganz Deutschland sind rund 7.000 ehrenamtliche Erwachsene und Jugendliche für UNICEF aktiv. Mit Programmen und politischer Arbeit trägt UNICEF Deutschland auch hierzulande zu einem besseren Verständnis der Rechte und der Belange von Kindern bei. Weitere Informationen: www.unicef.de.

Christine Kahmann
Sprecherin (Berlin) - Nothilfe & Internationale Themen