DAS KINDERRECHT AUF ÜBERLEBEN UND ENTWICKLUNG

Zusammenfassung des Beitrags von Nicholas Alipui, Programmdirektor UNICEF New York

Die Kinderrechtskonvention verbindet zivile, politische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Rechte der Kinder. Sie hat dazu beigetragen, diese auf die globale Tagesordnung zu setzen. Durch Impfungen, Antibiotika zur Behandlung von Lungenentzündung, Malariaprävention, Durchfallbehandlung mit Zucker-Salz-Lösung, Aufklärungskampagnen gegen Aids und die Behandlung HIV-Infizierter, Beratung zur kindlichen Entwicklung sowie bessere Ernährung konnten die Überlebenschancen der Kinder enorm verbessert werden.

UNICEF-Report: Recht auf Überleben und Entwicklung

Heute erleben mehr Kinder ihren fünften Geburtstag als jemals zuvor 
© UNICEF

Als die UN-Kinderrechtskonvention 1989 verabschiedet wurde, starben jährlich über 12,6 Millionen Kinder an vermeidbaren Krankheiten. Knapp 25 Jahre später ist diese Zahl deutlich gesunken, auf 6,6 Millionen. Diese Entwicklung ist ein großer Erfolg – auch wenn jeder Todesfall daran erinnert, dass wir noch weit davon entfernt sind, das Recht auf Gesundheit für jedes Kind weltweit zu verwirklichen.

So sind beispielsweise die Todesfälle durch Masern von schätzungsweise 500.000 im Jahr 2000 auf 100.000 im Jahr 2012 gesunken. Die durchfallbedingten Todesfälle sind im letzten Jahrzehnt um mehr als ein Drittel zurückgegangen – von 1,2 Millionen im Jahr 2000 auf rund 700000. Malariaprävention hat in den letzten zehn Jahren weltweit rund einer Million Kinder das Leben gerettet. Ähnliche Entwicklungen gibt es in den Bereichen Ernährung, Wasser und Sanitärversorgung sowie HIV/Aids. Mit Hilfe bewährter Lösungen und durch globale und nationale Bemühungen haben seit 1990 rund 90 Millionen Kinder überlebt, die sonst gestorben wären.

Herausforderungen

Doch die beeindruckenden Fortschritte kommen noch lange nicht bei jedem Kind an:

Ungleiche Verteilung des Fortschritts
Das Sterblichkeitsrisiko für Kinder unter fünf Jahren hängt bis heute davon ab, wo ein Kind zur Welt kommt. Und die ärmsten und am stärksten ausgeschlossenen Bevölkerungsgruppen tragen ein überproportional großes Krankheitsrisiko.

Zu wenige Investitionen für die ärmsten Familien
Für die ersten Lebensjahre steht nur ein Bruchteil der Mittel im Gesundheitsbereich zur Verfügung – obwohl diese Maßnahmen nachweislich enorme Wirkung haben. Auch für die Wasser- und Sanitärversorgung der ärmsten Menschen fehlen ausreichende Investitionen.

Mangel- und Unterernährung gefährden die gesamte Entwicklung
Waren 1990 rund 25 Prozent aller Kinder untergewichtig, sind es heute 16 Prozent. Dieser Fortschritt verdeckt jedoch eine anderes Problem: Der Anteil der Kinder, die aufgrund von Mangel- und Unterernährung in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung zurückgeblieben sind, sank zwischen 1990 und 2011 lediglich von 40 auf 26 Prozent. Dies sind heute weltweit 165 Millionen Kinder. Eine stille Tragödie, die oft übersehen wird.

Konflikte und Instabilität
Im Zusammenhang mit Krisen kommt es immer wieder zu Rückschlägen. So könnte die Kinderlähmung durch Impfungen längst ausgerottet werden. Doch neue Ausbrüche in Krisenregionen wie in Syrien und am Horn von Afrika, geringe Impfraten in schwer erreichbaren Gebieten sowie eine wachsende Impffeindlichkeit in einzelnen Regionen der Erde machen deutlich: Die Fortschritte der Vergangenheit sind nicht gesichert. Acht der zehn Länder mit der höchsten Kindersterblichkeit sind Konfliktländer oder so genannte »fragile Staaten«.

Der Fortschritt ist zu langsam
Jedes Jahr steigt zwar die Zahl der geretteten Mädchen und Jungen. Doch beim derzeitigen Tempo und ohne gleichzeitige Ausrichtung der Strategien auf die am stärksten Bedürftigen wird das Millenniums-Entwicklungsziel 4 nicht vor 2028 erreicht – erst 13 Jahre nach Ablauf der Frist, die Kindersterblichkeit von unter Fünfjährigen um zwei Drittel zu senken. Das bedeutet, dass zwischen 2015 und 2028 weitere 35 Millionen Kinder an vermeidbaren Krankheiten sterben werden. Diese Aussicht ist inakzeptabel!

UNICEF-REPORT 2014