DAS RECHT AUF BETEILIGUNG VON KINDERN UND JUGENDLICHEN

Zusammenfassung des Beitrags von Ahmad Alhendawi, UN-Sonderbeauftragter für Jugend und Ravi Karkara, UN-Kooperationsgruppe zu Jugendentwicklung

Die Welt war nie jünger als heute. Junge Menschen zwischen 12 und 24 Jahren stellen heute rund 23 Prozent der Weltbevölkerung. Das entspricht in etwa 1,6 Milliarden Menschen. Insbesondere der Raum Asien und Pazifik und der afrikanischen Kontinent sind jung: Dort leben 60 bzw. 18 Prozent der Heranwachsenden weltweit, insgesamt 1,2 Milliarden Menschen.

Ihr Leben unterscheidet sich dramatisch von dem früherer Generationen. Es findet hauptsächlich in Städten statt. Im Vergleich zu vor 20 Jahren sind junge Menschen heute gesünder, und es ist wahrscheinlicher, dass sie in ihrer Jugend zur Schule gehen und später zu arbeiten beginnen, heiraten und Kinder bekommen. Der Zugang zu wirtschaftlichen, natürlichen, politischen und sozialen Ressourcen ist jedoch für Heranwachsende in aller Welt noch immer eine Herausforderung.

Obwohl Beteiligung eines der Grundprinzipien der UN-Kinderrechtskonvention ist, wird ihr im Normalfall weniger Bedeutung beigemessen. Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen scheint kontroverser, komplizierter und schwieriger umzusetzen als Maßnahmen für Überleben, Entwicklung und Schutz.

Dabei können Jungen und Mädchen hier lebenspraktische Fähigkeiten und Wissen erwerben sowie aktiv werden, um zum Beispiel Missbrauch und Ausbeutung vorzubeugen und zu bekämpfen. Kinder und Jugendliche einzubeziehen ist auch unerlässlich um zu gewährleisten, dass Maßnahmen zum Überleben, zur Entwicklung und zum Schutz von Kindern ausreichend und angemessen sind.

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Eine wirksame und sinnvolle Beteiligung hängt von vielen Faktoren ab: von den Entwicklungsmöglichkeiten des Kindes, der Bereitschaft der Eltern und anderer Erwachsener zum Dialog sowie von sicheren Orten in Familie, Gemeinde und Gesellschaft, die einen solchen Dialog ermöglichen.

Auch müssen Alter und Reife der Kinder und Jugendlichen berücksichtigt werden. Sie sollten nicht unter Druck gesetzt, eingeschränkt oder auf eine Weise beeinflusst werden, die sie daran hindert, ihre Meinung frei zum Ausdruck zu bringen oder die ihnen das Gefühl gibt, manipuliert worden zu sein.

In den meisten Ländern sind Menschen unter 18 Jahren weder auf nationaler noch auf lokaler Ebene wahlberechtigt. Deshalb haben sie normalerweise keinen Einfluss auf Entscheidungsprozesse. Kinder, die am politischen Prozess teilhaben, gelten darin oftmals eher als rein technisch Beteiligte, die wichtige Informationen liefern können, denn als Akteure mit eigenen Rechten und Interessen.

Seit dem Inkrafttreten der Kinderrechtskonvention gibt es aber immer mehr Initiativen zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Ein erster Höhepunkt dieser Entwicklung war der Weltkindergipfel der UN-Generalversammlung im Jahr 2002. Mit Hilfe von Jugendorganisationen und Netzwerken erweitern immer mehr Kinder und Jugendliche ihre Fähigkeiten zu Beteiligung und Zusammenarbeit.

Junge Menschen als Schlüsselressource erkennen

Die Beteiligung junger Menschen ist nicht allein eine Antwort auf die demografische Entwicklung. Vielmehr sollten Jugendliche nicht länger als Problem, sondern als Schlüsselressource zur Gestaltung der Zukunft angesehen werden.

Wir sollten aufhören, junge Menschen allein als Träger von Rechten, sondern auch als Träger von Verantwortung zu betrachten. Deshalb reicht es nicht aus, sie mit relevanten, diversitäts- und jugendgerecht aufbereiteten Informationen zu versorgen. Wir müssen Möglichkeiten und Strukturen schaffen, über die junge Menschen sich am politischen und öffentlichen Leben beteiligen und ihre Rechte einfordern können.

  • Jugendliche müssen über ihr Recht auf freie Meinungsäußerung und auf die Beteiligung an sie betreffenden Entscheidungsprozessen informiert und dazu angehalten und ermutigt werden.
  • Sie brauchen Unterstützung dabei, jugendgeführte Organisationen und Netzwerke zu gründen und aufrechtzuerhalten.
  • Regierungen müssen genügend Mitarbeiter und Fachleute für die Arbeit an Jugendthemen auf lokaler, subnationaler und nationaler Ebene bereitstellen, beispielsweise in Ministerien.
  • Investitionen sind notwendig – zum Beispiel in Lehrpläne mit Schwerpunkt auf Menschenrechten und Beteiligung an weiterführenden Schulen und Universitäten.
  • Besondere Anstrengungen sollten dabei unternommen werden, um die Beteiligung Jugendlicher aus den am stärksten marginalisierten Gruppen zu fördern, beispielsweise indigene Gruppen und Minderheiten, Migranten, Menschen aus schwer zugänglichen Gemeinden, Menschen mit Behinderung und HIV/Aids-Patienten.
  • Jugendliche können sich auf unterschiedliche Art und Weise an der Zivilgesellschaft beteiligen, zum Beispiel durch Freiwilligenarbeit, gemeinnützige Tätigkeiten und Lernen durch Engagement (»Service Learning«). Jugendliche können in Jugendausschüssen der Lokalbehörden mitwirken oder an Schulen und Universitäten Clubs bilden. Oder sie können in Online-Diskussionsforen Ideen austauschen.
  • In einigen Ländern spielen nationale Jugendräte – sozusagen Dachverbände für jugendgeführte Organisationen – bereits eine wichtige Rolle bei Entscheidungen zu jugendrelevanten Themen.

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