
Kinder im Ostkongo: Konflikt prägt Aufwachsen einer ganzen Generation
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo leiden Kinder unter anhaltender Gewalt: Millionen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, viele verlieren ihre Familien, haben keinen Zugang zu Schule, Nahrung oder sauberem Wasser. In diesem Blog schauen wir auf die Lage der Kinder, erklären Hintergründe und zeigen, wie UNICEF vor Ort hilft.
von Susanne Stocker
Vergessene Krise gefährdet Millionen Kinder im Ostkongo
Die Demokratische Republik Kongo sieht sich einer dramatischen humanitären Krise gegenüber, die allerdings kaum Beachtung findet. Fast 15 Millionen Menschen, davon acht Millionen Kinder, benötigen 2026 humanitäre Hilfe. Insbesondere die östlichen Regionen des Landes befinden sich in einer katastrophalen Lage. 2025 eskalierte dort die Gewalt durch bewaffnete Gruppen massiv und trieb fast drei Millionen Menschen neu in die Flucht. Gezielte Angriffe auf die Zivilbevölkerung, auf Schulen, Flüchtlingscamps oder Gesundheitseinrichtungen werden regelmäßig verübt.
Vor allem Kinder in den Provinzen Ituri, Nord- und Süd-Kivu, aber auch Tanganyika sind der Situation oft schutzlos ausgeliefert und die Leidtragenden dieses Konflikts: Sie leben unter sich immer weiter verschlechternden Bedingungen, ohne ausreichend Trinkwasser oder Nahrung und sind sich schnell verbreitenden Krankheiten ausgesetzt. Kinder sind ständig in der Gefahr von bewaffneten Gruppen zwangsrekrutiert zu werden und vor allem Mädchen einem hohen Risiko für sexualisierte Gewalt oder anderen Missbrauch ausgeliefert. Auf der Flucht und im Chaos des Konflikts verlieren viele ihre Angehörigen, an einen Schulbesuch ist nicht zu denken.
Fakten im Überblick
- Eskalierende Gewalt zwischen bewaffneten Gruppen und der Armee hat eine der schwerwiegendsten humanitären Krisen der Welt ausgelöst.
- Kinder sind drei sich überschneidenden extremen Schutzrisiken ausgesetzt: Rekrutierung und Einsatz durch bewaffnete Akteure, sexualisierte Gewalt sowie die Trennung von der Familie.
- Acht Millionen Kinder benötigen humanitäre Hilfe.
- Über fünf Millionen Menschen sind im Land vertrieben, davon fast vier Millionen Kinder.
Drastische Einschnitte der Mittel für humanitäre Hilfe sowie der eingeschränkte Zugang für Hilfskräfte in der Region verschlimmern die Lebensbedingungen für Kinder und Familien zusätzlich. Gerade für Kinder auf der Flucht und ohne ausreichende Schutzstrukturen steigt das Risiko schwerer Kinderrechtsverletzungen, wie Tötungen und Verstümmelungen, sexualisierte Gewalt oder Angriffe auf Schulen.

Masika Mukize sitzt mit ihren Kindern vor ihrer provisorischen Unterkunft in Goma, Provinz Nord-Kivu. Sie lebte mit ihrer Familie zunächst im Camp für Vertriebene in Kanyaruchinya, bevor sie vor erneuten Kämpfen nach Goma floh.
© UNICEF/UNI731752/Benekire2025 verifizierten die Vereinten Nationen 4.114 solcher schweren Kinderrechtsverletzungen. 918 Kinder wurden getötet oder verstümmelt, mehr als doppelt so viele wie 2024. Damit gehört die Demokratische Republik Kongo zu den Ländern, in denen weltweit die meisten Verletzungen festgestellt wurden. Doch wie konnte es zu so einer katastrophalen Lage kommen? Und warum geschieht diese Katastrophe ohne große internationale Aufmerksamkeit zu erregen?
Der Konflikt im Ostkongo: Hintergründe einer vergessenen Krise
Seitdem die heutige Demokratische Republik Kongo im Jahr 1960 als ehemaliger Kolonialstaat von Belgien unabhängig wurde, kommt es immer wieder zu Kriegen und gewaltsamen Auseinandersetzungen. Nicht nur Armee und zahlreiche inländische bewaffnete Gruppen kämpfen um Einfluss und Macht – auch bewaffnete Gruppen aus den Nachbarländern Ruanda und Uganda versuchen in den Grenzgebieten ihre Position zu stärken. Der Osten ist dabei von besonderem Interesse, denn er ist reich an Rohstoffen wie Kobalt, Gold und Coltan. Rohstoffe, die unverzichtbar für die Weltwirtschaft sind und beispielsweise für Laptops, Batterien oder Smartphones benötigt werden. Für Kobalt und Coltan ist die Demokratische Republik Kongo der größte Exporteur.
Doch trotz seiner Rohstoffe zählt das Land zu den ärmsten der Welt und Kinder tragen die größte Last. Die jahrzehntelangen Konflikte haben große Teile der Bevölkerung in bittere Armut und höchste Not getrieben, viele haben keinen Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung, Bildung und anderen lebenswichtigen Dienstleistungen. Kinderarbeit in den Rohstoffminen gehört zum ausweglosen Alltag vieler Familien.

Februar 2025: Familien fliehen vor der massiven Gewalt im Osten der Demokratischen Republik Kongo.
© UNICEF/UNI742817/BenekireDurch das massive Vordringen der bewaffneten Gruppe M23 verschlechterte sich die humanitäre Situation im Ostkongo 2025 rapide. Neben ständig neuen Vertreibungswellen kollabierte das Gesundheitssystem, was zu einem rasanten Anstieg von Krankheiten führte. Mpox und Masern verbreiteten sich ebenso ungehindert wie Cholera. Im vergangenen Jahr kämpften die Menschen in der Demokratischen Republik Kongo mit der schwersten Choleraepidemie seit 25 Jahren: über 71.000 Verdachtsfälle und mehr als 2.000 Tote. Kinder tragen auch hier das höchste Risiko zu erkranken, da sie durch schlechte Wasser- und Nahrungsversorgung sowie mangelhafte sanitäre und hygienische Bedingungen geschwächt und anfälliger für Krankheiten werden.
Seit Mai 2026 bringt zudem der 17. Ebola-Ausbruch im Osten der DR Kongo Kinder in tödliche Gefahr. UNICEF sowie lokale und internationale Hilfskräfte versuchen den schweren Ausbruch einzudämmen und Kinder zu schützen, deren Sterberisiko fast doppelt so hoch ist wie bei Erwachsenen. Der Konflikt und viele Fehlinformationen behindern jedoch die Arbeit der Helfenden, wodurch das Virus sich rasch verbreiten kann und bereits Hunderte Tote gefordert hat.
Warum werden Krisen „vergessen“?
- Komplexe, langanhaltende Konflikte
- „Nachrichtenmüdigkeit“ bei Dauerkrisen
- Keine geopolitische Relevanz
- Folge: die humanitäre Lage eskaliert schleichend
Aber warum wissen wir so wenig über die Situation im Osten der Demokratischen Republik Kongo, wenn dort Millionen Kinder täglich um ihr Überleben fürchten? Häufig ist es so, dass gerade lang andauernde humanitäre Notlagen aus dem Fokus der Medien verschwinden und die internationale Aufmerksamkeit weit hinter dem Ausmaß der Krise zurückbleibt. Sie werden durch aktuellere Nachrichten und Schlagzeilen verdrängt und zu sogenannten „vergessenen Krisen“.
Die Konsequenz: Humanitäre Hilfe für solche Länder ist oft dramatisch unterfinanziert. Mit direkten Folgen für Kinder, die kein regelmäßiges Essen oder Zugang zu sauberem Wasser bekommen, ihrer Bildungschancen beraubt werden und Schutz vor Gewalt oder Ausbeutung verlieren.
In diesem Blog blicken wir deswegen genau auf die Lage der Kinder, zeigen, welchen konkreten Gefahren sie ausgesetzt sind und wie UNICEF vor Ort hilft.

Ein Kind wird in einem Gesundheitszentrum in Goma, Nord-Kivu behandelt. Anfang 2025 wurde Goma durch die M23 angegriffen und war zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Es kam zu schweren Kinderrechtsverletzungen, Tausende Menschen wurden verletzt und getötet.
© UNICEF/UNI878339/BenekireOstkongo: Millionen Kinder auf der Flucht im eigenen Land
Rund sechs Millionen Menschen sind in der Demokratischen Republik Kongo vertrieben – eine der größten Fluchtbewegungen auf dem afrikanischen Kontinent. Besonders dramatisch ist, dass davon fast vier Millionen Kinder betroffen sind. Sie stellen den mit Abstand größten Teil der Binnenflüchtlinge dar und sind immensen Risiken ausgesetzt. Viele Familien mussten bereits mehrfach fliehen, da die brutale Gewalt sich immer wieder in neue Gebiete verlagert. Wie schwer die Gewaltausbrüche sind, zeigt, dass seit der Eskalation im Januar 2025 weitere 2,7 Millionen Menschen in die Flucht getrieben wurden.
Kinder auf der Flucht sind verschiedenen Gefahren ausgesetzt. Im Chaos der Gewalt und Vertreibung kommt es häufig vor, dass sie von ihren Angehörigen getrennt oder diese sogar getötet werden. Das Erlebte, wie brutale Übergriffe, Missbrauch oder der Verlust von Familienmitgliedern, hinterlässt schwere psychische Traumata. Auch ist die Versorgung mit Trinkwasser und ausreichend Lebensmitteln auf der Flucht selten gewährleistet. Mangelernährung und Erkrankungen, die durch verschmutztes Wasser und schlechte hygienische Bedingungen befeuert werden, haben so leichtes Spiel und schwächen die Kinder zusätzlich. Im Osten der DR Kongo haben weniger als 30 Prozent der Bevölkerung Zugang zu sicherem Wasser.

Ferdinah (7) und seine ältere Schwester Armina (16) holen Wasser an einem See in Nord-Kivu. Durch die schweren Kämpfe 2025 war die Wasserversorgung nicht mehr sichergestellt und sie mussten weite Distanzen auf sich nehmen.
© UNICEF/UNI862227/UshindiKinder, die ohne Begleitung unterwegs sind oder in Camps für Geflüchtete leben, sind besonders gefährdet, ausgebeutet oder als Kindersoldat*innen rekrutiert zu werden. Vertriebenenlager bieten wenig Schutzstrukturen, sind oftmals überfüllt und nur mit unzureichenden sanitären Einrichtungen oder Gesundheitsversorgung ausgestattet. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, sich mit beispielsweise Durchfallerkrankungen oder Masern anzustecken. Gleichzeitig ist die Krise im Ostkongo auch eine Bildungskrise – Millionen Kindern wird ihr Recht zu Lernen verwehrt.
Kindersoldat*innen im Ostkongo: Zwangsrekrutierung bringt Kinder in Lebensgefahr
„Als ich in mein Dorf zurückkam, hatten meine Freund*innen Angst vor mir. Sie dachten, ich sei gewalttätig geworden – und ganz falsch war das nicht“, erzählt Charles (16, Name geändert), der 2024 von einer bewaffneten Gruppe in Süd-Kivu entführt wurde. „Aber dank der Unterstützung bin ich ruhig und respektvoll geworden, ich spiele wieder mit meinen Freund*innen und gehe zur Schule.“ Charles bekommt psychosoziale Unterstützung, um das Erlebte zu verarbeiten. Mittlerweile geht es ihm besser. „Ich bin gerne mit meinen Freund*innen zusammen. Ihre Gegenwart hilft mir, mich wie ein Kind zu fühlen – frei und glücklich.“

Charles (16, Name geändert) sitzt im Hof seiner Schule in Süd-Kivu.
© UNICEF/UNI936477/Mirindi JohnsonSo wie Charles geht es vielen Kindern in der Demokratischen Republik Kongo. 2025 wurden fast 1.400 Jungen und Mädchen von bewaffneten Gruppen rekrutiert, Hunderte mussten auch an Kampfeinsätzen teilnehmen. Meistens werden sie gewaltsam rekrutiert, indem sie etwa bei alltäglichen Aufgaben überfallen und entführt werden.
Charles beispielsweise hütete gerade Ziegen, als er mit Waffengewalt gezwungen wurde, sich einer bewaffneten Gruppe anzuschließen. Naomie (14, Name geändert) sammelte Feuerholz, als sie von bewaffneten Männern überrascht wurde. Nach einem Monat konnte sie mit anderen Kindern befreit werden und zu ihrer Familie zurückkehren. „Anfangs hatten andere Kinder Angst vor uns. Ich fühlte mich isoliert. Alle im Dorf sahen in mir ein gefährliches Mädchen“, sagt sie. „Aber meine Familie gab mir die Kraft zu glauben, dass alles besser werden würde.“

Naomie (14, Name geändert) mit ihren Freundinnen im Klassenzimmer einer Schule in Süd-Kivu.
© UNICEF/UNI893559/Mirindi JohnsonIn der Demokratischen Republik Kongo gibt es wahrscheinlich weltweit die meisten Kindersoldat*innen und Zwangsrekrutierung von Kindern durch bewaffnete Gruppen ist im Ostkongo systematisch verbreitet. Die Mädchen und Jungen werden für verschiedene Aufgaben eingesetzt: vom Kochen über Einsätze als Kundschafter*innen und Träger*innen bis hin zu aktiven Kampfeinsätzen, bei denen sie auch andere verletzen oder sogar töten müssen.
Mädchen sind zudem häufig sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Durch ungewollte Schwangerschaften sind sie nicht selten einem weiteren Stigma ausgeliefert. Auf der Flucht und in Lagern steigt das Rekrutierungsrisiko zum einen, weil familiärer und staatlicher Schutz fehlt, zum anderen, weil die Gruppen Kinder mit falschen Versprechen in ihren Dienst locken.
Was passiert mit ehemaligen Kindersoldat*innen?
- Rückkehr ins zivile Leben: UNICEF hilft dabei, Kinder und Jugendliche aus den Händen von bewaffneten Gruppen zu befreien, um sich ein neues Leben aufzubauen.
- Psychosoziale Hilfe: Gemeinsam mit lokalen Organisationen verschaffen wir Kindern psychosoziale Hilfe, um das Erlebte zu verarbeiten. Wir prüfen, ob sie direkt zu ihren Familien zurückkehren können oder zunächst in einer Pflegefamilie untergebracht werden.
- Hilfe für Mädchen: Gemeinsam mit Fachkräften versorgen wir Mädchen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben. Sie erhalten medizinische und psychologische Unterstützung sowie Hilfe bei der Berufsausbildung.
- Bildung und Perspektiven: Wir setzen uns dafür ein, dass Kinder und Jugendliche zurück in den Schulunterricht finden oder eine Ausbildung absolvieren. Dies schützt sie zusätzlich vor erneuter Rekrutierung.
Die Rückkehr von Kindern, die von Armeen oder bewaffneten Gruppen rekrutiert und eingesetzt wurden, in ein ziviles Leben ist komplex. Durch die Erlebnisse werden sie häufig traumatisiert, nicht selten haben ihre Heimatgemeinden oder sogar Familien Vorbehalte, sie wieder aufzunehmen. In Übergangszentren versucht UNICEF, die soziale Reintegration für Kinder und Jugendliche bestmöglich zu begleiten. Trotz der enormen Herausforderungen ist es uns gemeinsam mit Partnern gelungen, 2025 über 5.300 Kinder zu unterstützen, die mit Konfliktparteien im Osten des Landes verbunden waren. Doch der Rückgang der Finanzierung, der Abbau der UN-Friedensmission und erhebliche Zugangsschwierigkeiten für humanitäre Hilfe setzen die Programme unter Druck – mit verheerenden Folgen für Kinder.
UNICEF unterstützt Wiedereingliederungsprogramme für ehemalige Kindersoldat*innen. Sie können viel bewirken: Helfen Sie Kindersoldat*innen mit Ihrer Spende.
Der Konflikt im Ostkongo hindert Hunderttausende Kinder an Schulbesuch
Davina (7, Bild unten) hält stolz ihre neuen Mathematikunterlagen in der Hand. Ihre Grundschule musste aufgrund der Kämpfe im Nord-Kivu im vergangenen Jahr schließen. Nun kann das Mädchen gemeinsam mit ihren Mitschüler*innen wieder lernen. Schulen, die sichere Orte für Kinder jeden Alters sein sollten, werden immer wieder zum direkten Ziel von Angriffen – 2025 mehr als 80-mal.
4.420 Schulen waren in den Regionen Nord- und Süd-Kivu sowie Ituri vom Konflikt betroffen, mehr als 2.100 bleiben geschlossen (Stand: 30. April 2026). Für Millionen Kinder in diesen Regionen im Ostkongo bedeutet das, dass sie ihre Bildung nicht fortsetzen können oder diese immer wieder unterbrochen wird. Der Großteil der Schulen musste aufgrund der schwierigen Sicherheitslage und wiederholter Kämpfe schließen. Viele dienen aber auch als Notunterkunft, werden von bewaffneten Gruppen besetzt oder sind direkten Attacken und Zerstörung ausgesetzt.

Viele Schulen im Osten des Kongos wurden durch die schweren Kämpfe beschädigt oder zerstört. Auch die Muningi Grundschule von Davina (7). Sie, 1.300 Schulkinder und Lehrkräfte konnten unter anderem mit Schulmaterialien versorgt werden.
© UNICEF/UNI786497/UshindiGleichzeitig fliehen aber natürlich auch Lehrkräfte vor dem Konflikt im Ostkongo und können ihren Unterricht oft monatelang nicht fortsetzen. Kinder, die selbst auf der Flucht sind oder in Camps für Vertriebene leben, haben selten Zugang zu formaler Bildung. Die Folgen für Mädchen und Jungen sind verheerend: Sie haben mit großen Bildungsrückständen zu kämpfen, häufig kehren sie nicht wieder in Schulen zurück und haben schlechtere Chancen, später ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Zusätzlich bieten Schulen Struktur und Sicherheit – essenziell in Zeiten der Perspektivlosigkeit inmitten des Konflikts.
UNICEF unterstützt Kinder im Osten der DR Kongo mit formalen und nicht-formalen Bildungsangeboten. In Camps für Binnenflüchtlinge richten wir beispielsweise temporäre Lernräume ein, damit Kinder wieder an Unterricht teilnehmen können. Wir unterstützen aber auch die Lehrkräfte vor Ort, verteilen Lernmaterialien und leisten psychosoziale Hilfe.
Fehlende Versorgung: Was Kinder im Ostkongo jetzt dringend brauchen
Millionen Kinder im Ostkongo benötigen insbesondere zwei Dinge: Dass der Konflikt endet und die Welt nicht mehr wegsieht. Kinder wie Charles, Naomie und Davina sind es, auf deren Rücken der brutale Konflikt ausgetragen wird. Deren Leben und Zukunft täglich auf dem Spiel steht. Um Kinder wie sie zu schützen, müssen die Finanzierung für humanitäre Hilfe in der Demokratischen Republik Kongo gesichert sein, Hilfskräfte uneingeschränkten, sicheren Zugang erhalten und Angriffe auf Kinder und Familien aufhören.

Ein Kind spielt an einem von UNICEF unterstützen kinderfreundlichen Ort in Nord-Kivu Fußball.
© UNICEF/UNI779722/BenekireUNICEF rechnet damit, dass 2026 schätzungsweise mehr als fünf Millionen Kinder unter fünf Jahren an Mangelernährung leiden werden – besonders stark zeigt sich die Verschlechterung der Ernährungssituation in den Konfliktregionen. Die weitgehend zerstörte Gesundheitsinfrastruktur macht die Behandlung sowohl gegen Mangelernährung als auch weitere Erkrankungen wie Masern und Mpox zu einer großen Herausforderung für die Mitarbeitenden. 40-mal wurden im vergangenen Jahr Gesundheitseinrichtungen sogar direkt angegriffen. Seit Mai 2026 bringt zudem ein erneuter Ebola-Ausbruch in der Region Kinder in tödliche Gefahr. Expert*innen befürchten, dass sich die aktuelle Epidemie zur schwersten seit 2018 entwickeln könnte und für Kinder extrem gefährlich ist. Kinder im Osten der DR Kongo können nicht warten. Sie brauchen jetzt unsere Hilfe.
UNICEF im Ostkongo – Schutz für eine vergessene Generation
UNICEF ist seit vielen Jahrzehnten in der Demokratischen Republik Kongo im Einsatz. Trotz der immensen Herausforderungen konnten wir gemeinsam mit Partnern und lokalen Organisationen im vergangenen Jahr beispielsweise zwei Millionen Kinder gegen Masern impfen, rund 370.000 Kinder gegen Mangelernährung behandeln und mehr als 36.000 Kinder mit Bildungsangeboten unterstützen. Ein besonderer Fokus unserer Hilfe lag zudem auf Unterstützung für Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben. Auch 2026 bleiben wir an der Seite der Kinder im Ostkongo. Wir unterstützen sie beispielsweise mit:
- Wasser & Hygiene: Mehr als fünf Millionen Menschen benötigen sauberes Wasser und Zugang zu sanitären Einrichtungen. Wir unterstützen mit Wasserstellen, Händewaschstationen und Hygiene-Hilfsgütern.
- Kinderschutz: Wir identifizieren unbegleitete Kinder, die ihre Familien verloren haben, stellen ihnen psychologische Hilfe zur Verfügung und sorgen für eine Wiedervereinigung. Gleichzeitig schützen wir Kinder vor Ausbeutung, Missbrauch und Zwangsrekrutierung.
- Gesundheitshilfe: Wir behandeln Kinder gegen Mangelernährung, führen Impfkampagnen durch und versuchen Kinder vor dem lebensgefährlichen Ebolavirus zu schützen.

Bild 1 von 5 | Kinderfreundliche Orte wie dieser in Shasha, Nord-Kivu, sind sichere Anlaufstellen für Kinder in Krisen- und Konfliktländern. Dort erhalten sie psychosoziale Betreuung, können spielen, lernen und einfach nur Kind sein.
© UNICEF/UNI870914/Benekire
Bild 2 von 5 | Esther Munyerenkana (links) ist eine psychosoziale Beraterin in Bukavu, Süd-Kivu. Sie unterstützt Frauen wie Happy (18, Name geändert), die von bewaffneten Männern vergewaltigt wurde und medizinische sowie psychologische Unterstützung benötigte.
© UNICEF/UNI913622/Mirindi Johnson
Bild 3 von 5 | Das Gesundheitszentrum in Shasha, Nord-Kivu, musste aufgrund der eskalierenden Gewalt für ein Jahr schließen. Mit der Hilfe von UNICEF konnte es wieder geöffnet werden und behandelt nun Kinder beispielsweise gegen Mangelernährung.
© UNICEF/UNI870994/Benekire
Bild 4 von 5 | Gabriella (8) und Esther (9) können endlich wieder zur Schule gehen! „Ich hoffe, wir erleben ein ruhiges Jahr ohne Unterbrechungen wie im letzten Jahr, damit wir gut lernen und auch Spaß haben können“, erzählt Gabriella. Durch die Unterstützung von UNICEF konnte ihre Schule in Bukavu, Süd-Kivu wieder öffnen.
© UNICEF/UNI858270/Mirindi Johnson
Bild 5 von 5 | Auch Aufklärung und Prävention sind ein wichtiger Teil der Arbeit von UNICEF und unseren Partnern in der DR Kongo. Emilie Mapera erklärt Kindern und Frauen in Süd-Kivu, wie sie sich vor Cholera und anderen Krankheiten schützen können, die durch verunreinigtes Wasser verursacht werden.
© UNICEF/UNI833319/Mirindi Johnson
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Häufige Fragen und Antworten zur Lage im Ostkongo
Die Demokratische Republik Kongo ist seit Jahrzehnten von Konflikten geprägt. Besonders im rohstoffreichen Osten kämpfen verschiedene Akteure um Macht und den Zugang zu wertvollen Ressourcen wie Kobalt und Coltan. Trotz dieses Reichtums lebt ein großer Teil der Bevölkerung in extremer Armut – Kinder leiden unter fehlender Bildung, mangelnder Gesundheitsversorgung, Gewalt und Ausbeutung, wie Kinderarbeit in Minen oder Zwangsrekrutierung für bewaffnete Gruppen.
2025 verschärfte die Offensive der bewaffneten Gruppe M23 die humanitäre Krise drastisch: Millionen Menschen wurden vertrieben, Krankheiten wie Cholera, Masern und Mpox breiteten sich rasant aus. Dennoch bleibt die Krise international weitgehend unbeachtet. Als „vergessene Krise“ erhält sie zu wenig Aufmerksamkeit und Hilfe – mit gravierenden Folgen für Kinder, denen es an Nahrung, sauberem Wasser, Schutz und Perspektiven fehlt.
Kinder im Ostkongo sind besonders gefährdet, weil sie mitten in einem langjährigen bewaffneten Konflikt aufwachsen. Brutale Gewalt, Armut, oft mehrfache Vertreibung und der Zusammenbruch wichtiger Schutzsysteme sind an der Tagesordnung. Viele Familien haben keinen Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser, Gesundheitsversorgung oder Bildung. Kinder sind großen Risiken wie Krankheiten, Mangelernährung und Gewalt schutzlos ausgeliefert.
Gleichzeitig werden Kinder gezielt von bewaffneten Gruppen ausgebeutet: Sie werden zwangsrekrutiert, als Kindersoldat*innen eingesetzt oder Opfer sexualisierter Gewalt. Vor allem auf der Flucht oder in überfüllten Lagern fehlt ihnen der Schutz durch Familie, Schule oder staatliche Strukturen. Mädchen und Jungen tragen deshalb die schwersten Folgen des gewaltvollen Konflikts im Ostkongo.
In der Demokratischen Republik Kongo, und insbesondere in den Konfliktregionen im Osten, werden jedes Jahr Hunderte Kinder von bewaffneten Gruppen zwangsrekrutiert – oft mitten aus ihrem Alltag heraus. Jungen und Mädchen werden entführt und als Kämpfer*innen, Träger*innen, Kundschafter*innen oder für andere Aufgaben eingesetzt. Viele erleben extreme Gewalt, Mädchen sind zusätzlich häufig sexualisierten Übergriffen ausgesetzt. Besonders auf der Flucht und in Flüchtlingslagern steigt das Risiko, von bewaffneten Gruppen angeworben oder verschleppt zu werden.
Die Rückkehr ins zivile Leben ist für ehemalige Kindersoldat*innen oft schwierig, da viele traumatisiert sind und Ausgrenzung erfahren. UNICEF und lokale Partner unterstützen die Kinder mit psychosozialer Betreuung, medizinischer Hilfe sowie Bildungs- und Ausbildungsangeboten, um ihnen Schutz und neue Perspektiven zu geben. Trotz großer Herausforderungen konnten 2025 mehr als 5.300 betroffene Kinder im Ostkongo unterstützt werden.
UNICEF unterstützt gemeinsam mit Partnern und lokalen Organisationen Kinder im Ostkongo mit Bildungs-, Gesundheits- und Schutzprogrammen, um ihnen trotz Konflikt und Vertreibung Sicherheit und Perspektiven zu geben. In Flüchtlingscamps werden temporäre Lernräume eingerichtet, Lehrkräfte unterstützt und Lernmaterialien verteilt. Zudem erhalten Kinder psychosoziale Hilfe, Schutz vor Ausbeutung und Unterstützung bei der Familienzusammenführung.
Gleichzeitig versorgt UNICEF Kinder und Familien mit sauberem Wasser, Hygieneartikeln und medizinischer Hilfe. Impfkampagnen, die Behandlung von Mangelernährung sowie Maßnahmen gegen Krankheiten wie Masern, Mpox und Ebola gehören zu den dringendsten Aufgaben. Trotz der schwierigen Lage konnten zuletzt Millionen Kinder medizinisch versorgt und Zehntausende mit Bildungsangeboten erreicht werden.
Susanne Stocker ist freie Mitarbeiterin von UNICEF Deutschland und schreibt zu aktuellen UNICEF-Themen.