Pressemitteilung

UNICEF-FOTO DES JAHRES 2010: DER KRIEG HÖRT NIE AUF

Köln, 17. Dezember 2010

UNICEF-SCHIRMHERRIN BETTINA WULFF EHRT ED KASHI FÜR AUFNAHME AUS VIETNAM

Der US-amerikanische Fotograf Ed Kashi ist Sieger des internationalen Wettbewerbs „UNICEF-Foto des Jahres“. Sein Bild zeigt die neunjährige Nguyen Thi Ly aus dem vietnamesischen Da Nang. Ihr Gesicht ist gezeichnet durch die Spätfolgen eines Krieges, der vor 35 Jahren beendet wurde. Das Entlaubungsmittel „Agent Orange“ hat das Erbgut vieler Menschen geschädigt. Allein in Da Nang, einem ehemaligen Luftwaffenstützpunkt des US-Militärs, leben heute 16.000 Kinder mit Behinderungen aufgrund des Gifteinsatzes. Auch der zweite Preisträger des Wettbewerbs befasst sich mit den Auswirkungen des Krieges auf Kinder. Der Iraner Majid Saeedi hat Mädchen und Jungen in Afghanistan mit der Kamera begleitet. Der drittplatzierte GMB Akash aus Bangladesch macht auf die Situation von Mädchen aufmerksam, die als Prostituierte schlimme gesundheitliche Schäden in Kauf nehmen müssen. „Der UNICEF-Fotowettbewerb bringt uns mit großer Eindringlichkeit Kinderschicksale aus aller Welt nahe“, sagte UNICEF-Schirmherrin Bettina Wulff bei der Preisverleihung am Freitag in Berlin. „Das Foto des Jahres 2010 ist ein Appell gegen das Vergessen. Es zeigt uns eindrücklich, dass Kriege auch Jahre nach ihrer Beendigung noch furchtbare Folgen für Kinder haben“.

Ed Kashi (Agentur VII) ist der elfte Preisträger des seit dem Jahr 2000 weltweit ausgeschriebenen Wettbewerbs. „Kashi nutzt meisterlich starke Licht- und Schatteneffekte, um die Sehnsucht eines behinderten Mädchens nach einem normalen Leben zu unterstreichen“, begründete der Vorsitzende der Jury Klaus Honnef, Kunstwissenschaftler und Publizist, die Auswahl. Neben den ersten drei Preisträgern bestimmte die Jury sieben ehrenvolle Erwähnungen. In diesem Jahr hatten 113 von internationalen Experten nominierte Fotografen aus 33 Ländern insgesamt 1.263 Bilder eingereicht. Der Wettbewerb wird unterstützt von der Zeitschrift GEO im Verlag Gruner + Jahr AG & Co KG.

Das Siegerfoto: Kriegsfolgen, die vererbt werden

Das UNICEF-Foto des Jahres 2010 ist Teil einer Dokumentation über die Folgen von „Agent Orange“, die Ed Kashi im Juli 2010 in Da Nang fotografiert hat. Auf dem Flugplatz der 800.000 Einwohnerstadt wurde einstmals das Gift tonnenweise angeliefert und für Sprüheinsätze verteilt. Heute leben hier 56.000 Menschen mit Behinderungen aufgrund des Gifteinsatzes; 16.000 von ihnen sind Kinder. Im Mai 1975 wurde der Vietnamkrieg für beendet erklärt. Die USA zogen ihre Truppen ab, Nord- und Südvietnam vereinigten sich wieder zu einer Nation. Doch das in Agent Orange enthaltene Dioxin belastet die vietnamesische Bevölkerung bis heute. Krebserkrankungen, Immunschwäche und schwerste Missbildungen gehören zu den Spätfolgen. Mit seiner Fotoserie dokumentiert Kashi den Alltag von zwei Familien, die von der Organisation „Children of Vietnam“ Hilfe erhalten. „Ich glaube zutiefst an die Kraft stiller Bilder. Sie können die Einstellung von Menschen ändern“, sagt Kashi über seine Arbeit. Besonders am Herzen liegen ihm die kleinen „Kriegsveteranen“. Er will deutlich machen, dass unter einem Krieg auch Folgegenerationen zu leiden haben – ohne dass ein Ende abzusehen ist. UNICEF unterstützt vor allem mit Spendengeldern aus den USA Hilfsprogramme für behinderte Kinder in Vietnam. Sie sollen ein möglichst normales Leben führen können und vor Diskriminierung geschützt werden.

Afghanistan - die bitteren Auswirkungen des Bürgerkrieges

Zweiter Preisträger ist der Iraner Majid Saeedi (Getty Images). Sein Foto zeigt die sechsjährige Mina, die ihrer Freundin die künstliche Hand ihres Bruders Akram zum Spielen hinhält. Die Familie war vor den Kämpfen in ihrer Heimat Jalal Abad in das pakistanische Peschawar geflohen. Der heute achtjährige Akram sammelte dort schon als kleiner Junge Schrott auf einer Müllkippe, damit die Familie überleben konnte. Im Abfall fasste er ein stromführendes Kabel an, seine Hände und Arme mussten auf Grund der Verbrennungen amputiert werden. Inzwischen ist Akrams Familie nach Kabul zurückgekehrt, wo Akram mit Hilfe des Internationalen Roten Kreuzes Armprothesen erhielt. Die Bilder, die Majid Saeedi im Sommer 2010 aufnahm, halten die Selbstverständlichkeit und die spielerische Leichtigkeit fest, mit der Kinder die „Körper-Ersatzteile“ handhaben. Saeedi lebt selbst zurzeit in Afghanistan. Sein Eindruck ist: Die schreckliche Erkenntnis, ein Leben lang Schwerstbehinderter zu sein, kommt erst mit dem Älterwerden.

Bangladesch: Prostitution zerstört das Leben junger Mädchen

Der dritte Preis geht an GMB Akash aus Bangladesch (Panos Pictures). Er dokumentiert die Not oft blutjunger Prostituierter in seiner Heimat. Sein Erschrecken über die ausweglose Situation dieser Mädchen in den Bordellen in der Region Faridpur wuchs, als er erfuhr, was die Mädchen ihren Körpern antun müssen, um älter und attraktiver zu erscheinen. Sie nehmen oft täglich und über Jahre hinweg ein Steroid ein. Es führt zu Wasserablagerungen im Gewebe, die die Körper der jungen Mädchen üppiger und fülliger wirken lassen. In Ländern wie Bangladesch wird es auch Rindern eingeflößt, um wohlgenährt zu wirken. Vor allem aber ist es für Schwerkranke gedacht, die unter Arthritis, Asthma oder Allergien leiden.

Auch das Gesicht der 20-jährigen Yasmin ist durch das Steroid aufgedunsen. Sie lebt seit ihrer Kindheit in diesem Bordell – so wie ihre Mutter, die hier 30 Jahre lang als Prostituierte arbeitete.

Oradexon, so der Name des Mittels, ist billig und unkompliziert zu beschaffen. Dass sie ihre Gesundheit durch das Medikament schwer schädigen, müssen die Mädchen in Kauf nehmen. Der Fotograf Akash hofft, dass seine Fotos zu verstärkten Anstrengungen beitragen, um Kinder vor allen Formen sexueller Ausbeutung zu schützen.

Ehrenvolle Erwähnungen erhalten:

  • Leslie Alsheimer, USA, Freie Fotografin: Daseinsfreude, Uganda
  • Javier Arcenillas, Spanien, Freier Fotograf: Flüchtlinge aus Myanmar, Bangladesch
  • Christoph Gödan, Deutschland, Agentur Laif: Tapfere Wasserträger, Tansania
  • Rania Matar, Libanon/USA, Freie Fotografin: Pubertät - Auf der Suche nach dem neuen Ich
  • Fernando Moleres, Spanien, Freier Fotograf: Gnadenlose Justiz, Sierra Leone
  • Ed Ou, Kanada, Getty Images: Wenn Kinder kämpfen müssen, Somalia
  • Fara Phoebe Zetzsche, Studentin FH Hannover: Der Vermüllung zu Hause ausgeliefert

Der Wettbewerb „UNICEF-Foto des Jahres“

UNICEF zeichnet Fotos und Fotoreportagen aus, die Kinder und ihre Lebensumstände auf herausragende Weise dokumentieren. Eine Nominierung durch einen renommierten Fotoexperten ist Voraussetzung für die Teilnahme an dem Wettbewerb. Für das Siegerfoto gibt es als Anerkennung einen Fotoreportage-Auftrag für GEO. Über die Preisvergabe entschieden 2010 Prof. Klaus Honnef, Kunstwissenschaftler und Publizist, als Vorsitzender der Jury, Ruth Eichhorn, Leiterin der Bildredaktion GEO, Lutz Fischmann, Geschäftsführer Verband Freelens e.V. in Hamburg, Martin Gerten, dpa-Cheffotograf NRW, Christian-Matthias Pohlert, Leiter Ressort Bildredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und Reinhard Schlagintweit, Ehrenmitglied des Deutschen Komitees für UNICEF.

Die prämierten Bilder können im Zeitraum vom 17. Dezember bis 31. Dezember unter http://www.unicef.de/4images/ (Zugang auf Anfrage) heruntergeladen werden. Ein kostenloser Abdruck ist nur im Rahmen der Berichterstattung über die Preisverleihung „UNICEF-Foto des Jahres“ und mit den Urheberrechtsangaben der prämierten Fotografen möglich.
Rückfragen

Rückfragen bitte an die UNICEF-Pressestelle, Helga Kuhn, oder Angela Rupprecht, „UNICEF-Foto des Jahres“, 0173 / 5475351.


 

Helga Kuhn

PRESSEKONTAKT

Helga Kuhn
0221-93650-234
E-Mail: presse(at)unicef.de