Pressemitteilung
GLEICHE RECHTE FÜR FRAUEN IN DEN MITTELPUNKT DES WIEDERAUFBAUS IN AFGHANISTAN RÜCKEN
Köln
Dienstag, 11. Februar 2014, 14:47 Uhr

UNICEF ZUM INTERNATIONALEN FRAUENTAG AM 8. MÄRZ

Nur 18 Prozent der jungen Frauen können lesen und schreiben – UNICEF will 2,6 Millionen Mädchen in die Schule bringen

Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März weist UNICEF auf die anhaltende Benachteiligung von Mädchen und Frauen in Afghanistan hin. Trotz großer Fortschritte seit dem Ende der Taliban-Herrschaft wird Frauen der Zugang zu Bildung immer noch schwer gemacht. Nur 18 Prozent der Mädchen und Frauen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren können lesen und schreiben. 60 Prozent der Mädchen im Grundschulalter erhalten keinen Unterricht. „Diskriminierung prägt den Alltag der weiblichen Bevölkerung in Afghanistan“, sagte UNICEF-Geschäftsführerin Regine Stachelhaus. „Ihre Benachteiligung hat gravierende negative Folgen für das ganze Land. Gleiche Rechte und Bildungschancen für Mädchen und Frauen müssen in den Mittelpunkt des friedlichen Wiederaufbaus Afghanistans gestellt werden.“

Junge Frau in einem von UNICEF unterstützen Computer- und Bildungszentrum in Afghanistan. © UNICEF/Noornani

Junge Frau in einem von UNICEF unterstützen Computer- und Bildungszentrum in Afghanistan.
© UNICEF/Noorani

Derzeit besuchen in Afghanistan rund 66 Prozent der Jungen im Grundschulalter den Unterricht, bei den Mädchen liegt dieser Anteil bei nur 40 Prozent. UNICEF plant, in den folgenden drei Jahren zusätzlich 2,64 Millionen Mädchen den Schulbesuch zu ermöglichen. Damit wird der Anteil der Mädchen, die zur Schule gehen, in den nächsten Jahren um rund 20 Prozent erhöht. 2009 gingen insgesamt 6,8 Millionen Kinder zur Schule, davon waren 2,9 Millionen Mädchen.

UNICEF arbeitet gemeinsam mit dem Bildungsministerium daran, Schulen kinderfreundlich auszubauen - zum Beispiel mit separaten sanitären Einrichtungen für Mädchen und Jungen. Denn wenn getrennte Toiletten fehlen, ist dies ein Grund für Eltern, ihren Töchtern den Schulbesuch zu verbieten. Durch mehr Bildungsangebote in so genannten Alphabetisierungszentren soll zudem die Rate der 15-24-jährigen Frauen, die Lesen und Schreiben können, in drei Jahren um 50 Prozent erhöht werden.

Hilfe gegen Ausgrenzung und häusliche Gewalt – zwei Beispiele

Ein umfassendes Programm gegen Diskriminierung und häusliche Gewalt an Mädchen und Frauen hilft, die Lage der Mädchen und Frauen nachhaltig zu verbessern. Gemeinsam mit Partnern hat UNICEF in sechs Provinzen Jugendzentren ins Leben gerufen, in denen Mädchen die Gelegenheit haben zu lernen und sich untereinander auszutauschen. UNICEF fördert zudem Einrichtungen, in denen Opfer häuslicher Gewalt Unterstützung finden, und hilft bei der Ausbildung von Sozialarbeitern. Mädchen und Frauen erhalten dort medizinische und psychosoziale Hilfe sowie rechtlichen Beistand.In das Frauenzentrum im westafghanischen Herat beispielsweise kommen jeden Monat rund 50 Frauen. Die meisten bleiben mindestens sechs Monate lang dort. In dieser Zeit besuchen sie Bildungskurse, lernen Schneidern oder Teppichweben. Das Zentrum vermittelt ihnen auch Jobs als Reinigungskraft, Küchenhilfe oder Sekretärin. So haben sie eine Chance, ein kleines Einkommen zu erwirtschaften – und nach und nach selbstbewusster zu werden.

Das Jugendzentrum im ostafghanischen Jalalabad wurde 2007 eröffnet. Inzwischen kommen jeden Monat Hunderte junge Mädchen dorthin. UNICEF hat weibliche Betreuer rekrutiert, die dafür sorgen, dass die Mädchen zu Hause abgeholt und wieder zurückgebracht werden. Dies ist wichtig, weil viele Besucherinnen zu Hause mit großen Problemen zu kämpfen haben: „Meine Eltern haben mich einem Mann versprochen, der nicht Lesen und Schreiben kann“, erzählt ein 16-jähriges Mädchen, das im Zentrum lernt. „Die Besuche helfen mir, mich auszudrücken und eines Tages jemand zu sein.“ Die Leiterin des Zentrums, Daoud Noor Agha Zoag, ist optimistisch: „Die Mädchen hier sind aufgewacht. Sie sprechen offen über ihre Beziehungen und ihre beruflichen Pläne – vor zwei Jahren wäre das nie möglich gewesen.“

Spenden

Das UNICEF-Bildungsprogramm in Afghanistan wird mit Spendengeldern aus Deutschland unterstützt. UNICEF bittet dafür weiter um Spenden:

Spendenkonto 300.000Bank für Sozialwirtschaft: 370 205 00Stichwort: Afghanistan / BildungFür Interviews zur Situation in Afghanistan steht von Kabul aus die deutsche UNICEF-Mitarbeiterin Cornelia Walther zur Verfügung.

Gerne stellen wir Fotos zum Thema Mädchenbildung in Afghanistan zur Verfügung.Rückfragen

Bitte wenden Sie sich bei Rückfragen und Interviewwünschen an die UNICEF-Pressestelle.

Helga Kuhn

PRESSEKONTAKT

Helga Kuhn
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E-Mail: presse(at)unicef.de