Pressemitteilung
UNICEF ZU KINDESMISSHANDLUNGEN
Köln
Donnerstag, 5. September 2013, 14:16 Uhr

STATEMENT VON GESCHÄFTSFÜHRER CHRISTIAN SCHNEIDER

„Den meisten Eltern in Deutschland wollen heute ihre Kinder ohne Gewalt erziehen. Dennoch sind Vernachlässigung und Gewalt in vielen Familien ein Problem. Die Zahl der Inobhutnahmen durch Jugendämter steigt seit Jahren deutlich. Im Jahr 2010 waren es über 36.000 Kinder.

Todesfälle aufgrund von Misshandlungen sind glücklicherweise selten. Trotzdem geht der Bund Deutscher Kriminalbeamter auf der Basis der Kriminalstatistik von 152 Fällen in 2009 aus. Das wären nahezu drei Todesfälle durch Vernachlässigung und Gewalt pro Woche. Das bestätigt frühere UNICEF-Untersuchungen.

Es gibt viele erfolgreiche Initiativen in Deutschland, um bedrohte Kinder rechtzeitig zu identifizieren und die Situation in den Familien zu stabilisieren. Das neue Kinderschutzgesetz schreibt auch eine stärkere Vernetzung zwischen Ärzten, Hebammen, Kindergärten und Schulen mit den Jugendämtern fest. Das ist sehr zu begrüßen, ebenso wie der Schwerpunkt auf Prävention.

Tatsächlich scheitert wirksame Prävention aber oftmals an Überlastung, Fehleinschätzungen und fehlenden Informationen bei den Behörden. Wissen, Erfahrung und Zeit sind notwendig, um Gefahrenzeichen rechtzeitig zu erkennen. Die Standards sind aber von Ort zu Ort unterschiedlich.

Pflegefamilien bedeuten für die betroffenen Kinder menschliche Nähe und Verlässlichkeit. Deshalb ist dieser Weg meist besser als eine Heimunterbringung. Das ist UNICEF-Erfahrung aus vielen Ländern. Diese Familien müssen aber sehr gut ausgewählt, begleitet und unterstützt werden. Sie leisten einen unschätzbaren Beitrag für die Kinder und die Gesellschaft.“

Rudi Tarneden

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Rudi Tarneden
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