Pressemitteilung

JEDES VIERTE KIND LEIDET UNTER "VERSTECKTEM HUNGER"

Köln, 15. April 2013

UNICEF-BERICHT ÜBER WELTWEITE ERNÄHRUNGSSITUATION VON KINDERN

UNICEF ruft zu verstärktem Einsatz gegen chronische Unterernährung bei Kindern auf. Jedes vierte Kind unter fünf Jahren weltweit leidet laut des neuen UNICEF-Berichts zur weltweiten Ernährungssituation von Kindern unter verstecktem Hunger – und wird damit für sein gesamtes weiteres Leben geschädigt. Den Bericht „Improving Child Nutrition. The achievable imperative for global progress“ stellt UNICEF heute Abend auf der Internationalen Konferenz zu Hunger, Ernährung und Klimagerechtigkeit in Dublin vor.

Eine Frau stillt ihr Baby in einem kleinen Ort in Niger.

© UNICEF/NYHQ2010-3072/Pirozzi

Demnach sind 165 Millionen Kinder als Folge von chronischer Unterernährung in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung beeinträchtigt (englisch: „stunted“). Chronische Unterernährung gilt als „versteckter Hunger“, weil die Folgen weniger deutlich sichtbar sind als bei akuten Hungerkatastrophen. Die Kinder sind zu klein für ihr Alter, aber auch die Entwicklung des Gehirns und damit der kognitiven Fähigkeiten ist häufig für immer beeinträchtigt: Der Rückstand in den entscheidenden ersten 1.000 Tagen im Mutterleib und bis zum zweiten Geburtstag lässt sich meist nicht wieder aufholen.

„Unterentwicklung vernichtet das Potential von Kindern und vereitelt Chancen für die Entwicklung eines Landes“, sagte UNICEF-Exekutivdirektor Anthony Lake bei der Vorstellung des Berichts. „Die gute Nachricht ist: Wir wissen, was wirkt. Der UNICEF-Bericht zeigt, dass so unterschiedliche Länder wie Äthiopien, Haiti, Peru oder Ruanda mit gezielten Programmen für bessere Ernährung von Kindern bereits große Fortschritte erreicht haben.“

Drei Viertel der unterentwickelten Kinder leben in Südasien oder im südlichen Afrika. Kinder aus armen Familien sind doppelt so häufig betroffen, ebenso sind die Gefahren für Kinder in ländlichen Gebieten größer als für Kinder in Städten.

Ursachen für chronische Unterernährung sind zu wenig Nährstoffe sowie häufige Krankheiten, die die Kinder weiter schwächen.

Für jeden dritten Todesfall bei Kleinkindern ist Mangelernährung mitverantwortlich. Betroffene Mädchen und Jungen werden öfter krank. Sie gehen seltener zur Schule und ihre Leistungsfähigkeit ist reduziert.

Damit haben die Kinder weniger Chancen, dem Kreislauf der Armut zu entkommen: Im späteren Berufsleben verdienen sie durchschnittlich 22 Prozent weniger Geld als ihre Altersgenossen, die als Kind ausreichend ernährt wurden.

Fortschritte im Kampf gegen "versteckten Hunger"

Der UNICEF-Bericht zeigt auch, dass in den vergangenen Jahren gute Fortschritte im Kampf gegen versteckten Hunger und andere Formen der Mangelernährung erreicht wurden. In Indien leben mit 61 Millionen die meisten unterentwickelten Kinder. Dort konnte im Bundesstaat Maharaschtra der Anteil der betroffenen Kinder von 39 Prozent in 2005/ 2006 auf 23 Prozent in 2012 gesenkt werden. In Peru sank der Anteil zwischen 2006 und 2011 von 30 auf 20 Prozent, in Äthiopien von 57 Prozent (2000) auf 44 Prozent (2011).

Erfolgreich sind laut UNICEF Länder, die gezielt in die Ernährung und Gesundheit von Müttern und Kindern investieren. UNICEF stärkt die Gesundheitssysteme nachhaltig durch die Ausstattung von Krankenhäusern und die Ausbildung von Hebammen und Helfern. UNICEF verteilt weltweit große Mengen Zusatznährstoffe wie Vitamine und Mineralien an schwangere Frauen und Kinder und berät Mütter über die Vorteile des Stillens und die richtige Beikost für Kleinkinder.

Fakten zur Ernährungssituation der Kinder weltweit

  • Untergewicht: 101 Millionen Kleinkinder waren 2011 untergewichtig, das sind 16 Prozent der Kinder unter 5 Jahren. Seit 1990 ist die Zahl der untergewichtigen Kinder um 37 Prozent zurückgegangen.
  • Unterentwicklung: 165 Millionen Kinder sind unterentwickelt (stunted), ein Rückgang um 36 Prozent in den letzten 20 Jahren, aber immer noch weltweit jedes vierte Kleinkind. Drei Viertel der unterentwickelten Kinder leben in Südafrika oder im südlichen Asien.
  • Mangelernährung: 52 Millionen Kinder unter 5 sind mangelernährt (1990 waren es 58 Millionen). Mehr als 29 Millionen Kinder leiden unter der schweren Form der Mangelernährung. Ein Drittel aller Todesfälle bei Kleinkindern geht auf Mangelernährung zurück.
  • Zu geringes Gewicht bei der Geburt: Mehr als 20 Millionen Kinder (15 %) wurden 2011 mit zu geringem Gewicht geboren – ein Drittel davon in Indien. Zwischen 60 und 80 Prozent der Todesfälle bei Neugeborenen passieren bei Babys mit geringem Geburtsgewicht. Als zu gering ist ein Geburtsgewicht unter 2.500 Gramm definiert.
  • Übergewicht: 43 Millionen Kinder unter 5 weltweit sind übergewichtig. Mehr als zwei Drittel von ihnen leben in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen.

So hilft UNICEF:

Das Ziel von UNICEF und seinen Partnern ist es, bis 2025 die Zahl der unterentwickelten Kinder um 40 Prozent zu reduzieren – und damit 70 Millionen Kinder zu schützen. Folgende Maßnahmen stehen im Vordergrund:

  • Ernährung von Müttern: UNICEF stellt Zusatznährstoffe wie Vitamin A und Folsäure zur Verfügung
  • Ernährung von Babys und Kleinkindern: UNICEF setzt sich für das Stillen mit Muttermilch ein und informiert Mütter über die richtige Beikost. Die Kinder erhalten Nährstoffe, um sie vor Mangelernährung zu schützen.
  • Nothilfesituationen (z. B nach einem Erdbeben oder einer schweren Dürre): Mitarbeiter von UNICEF und Partnern untersuchen und behandeln akut mangelernährte Kinder. 2011 hat UNICEF 27.000 Tonnen lebensrettende therapeutische Zusatznahrung bereitgestellt – rund 80 Prozent der weltweit eingesetzten Zusatznahrung.
  • Aufbau von Infrastruktur und Versorgung mit Hilfsmitteln: UNICEF versorgt Familien mit sauberem Trinkwasser, Latrinen und informiert sie über Hygiene. Impfungen und Moskitonetze schützen vor gefährlichen Krankheiten. UNICEF unterstützt auch den Bau und die Ausstattung von Gesundheitsstationen und die Ausbildung von Hebammen und Gesundheitshelfern. Denn die Gesundheit der Mütter und Kinder ist ebenso entscheidend für ihr Wachstum und ihre Entwicklung wie Nahrung.

 

Service

Bildmaterial stellen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Mehr über die UNICEF-Projektarbeit zum Thema Ernährung finden Sie auf www.unicef.de/ernaehrung 

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