Pressemitteilung
NEUE AUSSTELLUNG IN DER KUNSTKAMMER RAU
Köln/Remagen
Freitag, 23. Mai 2014, 11:07 Uhr

"LEIBHAFTIG.  DER MENSCHLICHE KÖRPER ZWISCHEN LUST UND SCHMERZ" 

Über die Jahrhunderte hinweg schildert die Kunst den Körper als Medium, an dem sich äußere wie innere Kräfte abzeichnen, die ihn aufbauen in der Lust oder auflösen im Schmerz. Nicht von ungefähr sind es die zerstörerischen Gewalten und Ereignisse des frühen 20. Jahrhunderts, die das Bild des menschlichen Körpers in Malerei und Skulptur bestimmen. Die Ausstellung in der Kunstkammer Rau ist Teil des aktuellen Themenjahrs »Menschliche Dimensionen«, mit dem das Museum verschiedene Ausstellungen programmatisch umklammert. Sie wird am 24. Mai 2014 feierlich von der UNICEF- Schirmherrin, Daniela Schadt, sowie der Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, eröffnet.

Historischer Ausgangspunkt der Ausstellung ist der 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs. Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck will die Schrecken jener ersten globalen Katastrophe allerdings nicht im großen Kriegs-Panorama erfahrbar machen, sondern mit Blick auf den Menschen selbst. 36 Skulpturen und Gemälde aus der Sammlung Rau für UNICEF, ergänzt durch hochkarätige Leihgaben internationaler Sammlungen, illustrieren den Körper in Lust und Schmerz im Wandel der letzten 2000 Jahre.

Nackt und nur mit der Keule bewaffnet, bezwingen antike athletische Heroen wie Herkules ihre Feinde. Aktiv stellen auch alttestamentarische Helden wie Judith und David ihren Körper zur Schau. Doch halten sie sich bedeckter und erringen ihre Siege mit Klugheit und Anmut. Christus und die Heiligen verkörpern dagegen den passiven Helden, der in seiner mutigen Opferbereitschaft Vorbild ist. Klaglos ertragen sie Kreuz und Folter und geben den Menschen Kraft, ihr Leid zu erdulden. Ihr irdischer Leib ist ihnen nur Hülle, die sie mit dem Tode abstreifen, um ins jenseitige Himmelreich einzugehen. Doch in ihren Knochen, den Reliquien, bleiben sie im Diesseits gegenwärtig. Die in ihnen verbliebene Kraft vermag sogar andere zu heilen. Aufklärung und anatomische Wissenschaft rücken mehr und mehr den säkularisierten Körper in die Öffentlichkeit. Und die Kunst des 19. Jahrhunderts feiert die Lust am Körper. Mit den Skulpturen von Berlinde de Bruyckere und dem gehäuteten Bartholomäus, einer vergoldeten Silberskulptur von Damien Hirst, wird einmal mehr deutlich, welche Dimension das Thema bis in die heutige Zeit hat: Mit der Geste eines römischen Imperators hebt der Heilige seine Marterwerkzeuge empor und trägt die ihm abgezogene Haut über der Schulter. Tortur und Tod sind besiegt. Triumphierend steht er vor uns.

UNICEF-Schirmherrin Daniela Schadt über die Ausstellung: »Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck stellt nun schon zum achten Mal aus dem Bestand der Sammlung Rau für UNICEF eine Schau zusammen, die die Kunst alter Meister aktuell erfahrbar macht und uns Heutige erreicht – und trägt so dazu bei, das Vermächtnis eines Humanisten, wie es Gustav Rau war, zu erfüllen, der Grenzen überwand, um den Kindern dieser Welt eine bessere Zukunft zu ermöglichen.«

Auch die Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, würdigt die Ausstellung: »Täter und Opfer, Leid und Qual der letzten 2000 Jahre erhalten hier in der Kunstkammer Rau berührend menschliche Dimensionen. Zusammen präsentiert mit den vielen hochkarätigen Leihgaben, vor allem auch aus unserem Bundesland, wird einmal mehr deutlich, welchen Schatz die Sammlung Rau für UNICEF in sich birgt.« Und Dr. Oliver Kornhoff, Direktor des Arp Museums Bahnhof Rolandseck, resümiert: »Wir freuen uns sehr über den Zuspruch zu unserer kommenden, für uns sehr programmatischen Ausstellung, der schon jetzt sichtbar wird. Helden und Märtyrer – sie finden beide ihre Bühne in dieser Ausstellung. Und sie eint, dass sie die Siege und Niederlagen der letzten 2000 Jahre auf den Menschen herunterbrechen. Unser Körper ist es, der zum Austragungsort innerer wie äußerer Kämpfe wird, der hier in Triumph, Verletzung und Zerstörung bloßgelegt wird.« 

Die Ausstellung wurde kuratiert von Dr. Susanne Blöcker. 

Informationen über das ausführliche Begleitprogramm zur Ausstellung finden Sie auf der Seite des Arp Museums.

Helga Kuhn

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