Tansania: Zwei Babys sitzen unter einem Moskitonetz © MHallahan/Sumitomo Chemical

„WIR SIND DEN KINDERN VERPFLICHTET“

Ein Gespräch mit Sam Bickel, in der UNICEF-Zentrale in New York verantwortlich für Evaluation

Weshalb nutzt UNICEF Evaluation?

Evaluation sagt uns, ob wir die richtigen Dinge tun, ob wir sie richtig tun, warum es zu Veränderungen kommt oder nicht und welche Anpassungen wir vornehmen müssen. Evaluation sorgt dafür, dass UNICEF zeitnahe, strategisch fokussierte und objektive Informationen über die Wirkung der Arbeit hat. Evaluation trägt zu ergebnisorientiertem Management bei, einem wichtigen Prinzip der UNICEF-Arbeit. Bildlich gesprochen: Wir fahren mit offenen Augen statt blind.

Was bedeutet ergebnisorientiertes Management?

Ergebnisorientiertes Management stellt sicher, dass Kinder, ihre Familien und Gemeinden von Programmen profitieren, die auf einem tiefen Verständnis ihres Lebens beruhen, die konkrete und realistische Ziele haben, in denen Ressourcen gezielt eingesetzt werden und deren Ergebnisse – und mögliche Schwierigkeiten – wir laufend überprüfen. Es heißt zu verstehen, wer zum Thema was tut, auf welcher Basis Regierungen Entscheidungen treffen – und warum bewährte Lösungen manchmal auch nicht funktionieren.

Es bedeutet auch, nicht zu glauben, wir seien allein auf der Welt. Gemeinsame Planung macht uns stärker. Gerade innerhalb der Vereinten Nationen arbeitet UNICEF in jedem Land eng zusammen – zum Beispiel mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem Welternährungsprogramm (WFP) oder dem Entwicklungsprogramm (UNDP).

Wie ist die Evaluation bei UNICEF organisiert?

Über 200 Mitarbeiter kümmern sich weltweit speziell um Evaluation, überwiegend in den Länderbüros. Zudem muss jeder Programmmitarbeiter evaluieren. Die zentrale Evaluationsabteilung in New York gibt dafür die Richtung vor – sie entwickelt Standards für Ausschreibungen, für Berichte, für Methoden sowie ethische Richtlinien zum Beispiel für Interviews mit Kindern.

Afghanistan: Eine Gruppe Mädchen beim Schulunterricht © UNICEF Afghanistan/2007/ Phuong Nguyen

Afghanistan: UNICEF fördert die Mädchenbildung. Regelmäßige Befragungen stellen sicher, dass das Bildungsprogramm die Mädchen auch wirklich erreicht.
© UNICEF Afghanistan/2007/ Phuong Nguyen

Wie oft und was evaluiert UNICEF?

Im Schnitt führt ein UNICEF-Büro knapp zwei Evaluationen sowie fünf Studien und Umfragen pro Jahr durch. Innerhalb des meist fünfjährigen Länderprogramms muss jeder Schwerpunkt – zum Beispiel das Gesundheitsprogramm – mindestens einmal auf den Prüfstand, meist nach der Hälfte des Programmzyklus. So kann UNICEF auf Basis umfassender Daten und gemeinsam mit den Partnern Anpassungen vornehmen. Die Länderbüros erheben umfassende Daten auf Dorf- und Gemeindeebene. Alle Evaluationen sind für die Länderbüros über eine globale Datenbank einsehbar.

Ein aktuelles Beispiel?

In der Demokratischen Republik Kongo hat UNICEF geholfen, 1,6 Millionen Binnenvertriebene mit Wasser, Schutzmaterialien, Medikamenten und mehr zu versorgen. Eine Evaluation hat hier belegt, dass die Hilfe die Menschen umfassend erreichte und die Grundversorgung sehr effizient sicherstellte. Sie zeigte uns aber auch, dass wir die Hilfe noch verbessern und bereits den Wiederaufbau vorbereiten konnten: So erhalten Familien, die in ihre Dörfer zurückkehren, jetzt auch Ackerwerkzeuge und Saatgut.

Welche Indikatoren erhebt UNICEF?

Wir sprechen von quantitativen Indikatoren, wenn wir große Datenmengen auswerten oder wenn Zählungen und Messungen uns Ergebnisse liefern. Für den Erfolg von Malaria-Programmen gibt es zwei einfache, quantitative Indikatoren: die Verteilung und Nutzung von Moskitonetzen und die Zahl der Malaria-Fälle in den Krankenhäusern. Interviews oder Gruppendiskussionen liefern qualitative Ergebnisse – nicht messbare, aber doch sehr reale Wahrnehmungen der Menschen. So fragen wir Schülerinnen und Schüler, wie „kinderfreundlich“ ihre Schule ist – wie sicher sie sich zum Beispiel auf dem Schulweg fühlen.

Was tun Sie, um ehrliche Antworten zu erhalten?

Vertrauen ist wichtig – besonders wenn es zum Beispiel darum geht, Opfer von Missbrauch zu erreichen. Wir müssen dazu eng mit den Gemeinden zusammenarbeiten. Zum Evaluationsteam gehören immer einheimische Experten, die die lokale Sprache sprechen. Auch Vertraulichkeit und Beteiligung an der Vorbereitung helfen, Ängste zu nehmen. Und: Wir fragen stets nach positiven und negativen Folgen. Beteiligung stärkt auch den Zusammenhalt, hilft den Menschen, Ergebnisse zu akzeptieren und gemeinsam zu handeln.

Wie stellt UNICEF sicher, dass die Evaluation unabhängig geschieht?

Die Richtlinien von UNICEF geben vor, dass die Evaluation unabhängig sein muss. Die meisten im Monitoring und der Evaluation tätigen Mitarbeiter im Feld berichten direkt an das Management und nicht an ihre Programm- Kollegen. Unser Team berichtet direkt an den Exekutivdirektor. Festgelegte Prozesse stellen eine unabhängige Beurteilung sicher. Genau wie jede andere UNICEF-Abteilung werden wir laufend intern überprüft. In den letzten Jahren gab es zusätzlich eine große Auditierung externer UN-Auditoren – speziell zum Thema Evaluation.

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