Nähen bis zum Umfallen

GEMEINSAM STARK: UNICEF UND GREENPEACE SETZEN SIGNAL FÜR BESSERE ARBEITSBEDINGUNGEN IN DER TEXTILWIRTSCHAFT

Am diesjährigen internationalen Tag des fairen Handels hat das Berliner Aktionsteam von UNICEF gemeinsam mit Greenpeace Berlin für viel Aufmerksamkeit gesorgt: Unter dem Motto „Nähen bis zum Umfallen – Wie viel Leid bringt dein Kleid“ wurde der Berliner Alexanderplatz am 12. Mai 2018 kurzzeitig in eine Schaubühne für menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und verantwortungslosen Konsum verwandelt. 

Die Aktion sollte einmal mehr zum Ausdruck bringen, was UNICEF und Greenpeace schon lange einfordern: Faire Arbeitsbedingungen in allen Geschäftsbereichen großer Modeunternehmen, die Abschaffung von ausbeuterischer Kinderarbeit, einen verantwortungsbewussten Konsum der Gesellschaft sowie den Einsatzverzicht von giftigen Chemiesubstanzen in der Textil- und Schuhproduktion.

Die Inszenierung auf dem Berliner Alexanderplatz – inmitten von Größen der Fast-Fashion-Industrie – sorgte für neugierige und interessierte, vereinzelt auch schockierte Blicke bei den Passanten. In wiederholenden Schauspiel-Sequenzen wurden Mitglieder von UNICEF Berlin und Greenpeace Berlin zu Näherinnen und Nähern, die in Akkordarbeit und bis hin zur körperlichen Erschöpfung Kleidung herstellten; andere Mitglieder traten als Konsumenten auf, die sich selbst von den am Boden liegenden Personen in ihrem Einkaufstreiben nicht stören ließen. Schilder und Einkaufstüten zeigten verschriftlichte Zitate und Aufdrucke, die den Missstand in der Textilindustrie weiterhin verdeutlichen sollten. 

Schätzungen zufolge müssen weltweit rund 168 Millionen Kinder und Jugendliche unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten – so auch in der Baumwollindustrie, die allein in Indien etwa 220.000 Kinder unter 14 Jahren beschäftigt. Auch deutsche Unternehmen sind immer wieder an Menschenrechtsverletzungen sowie finanzieller Ausbeutung im Ausland beteiligt oder profitierten davon. Jedoch liegt die Verantwortung hierfür nicht nur allein bei den Unternehmen oder der großen Weltpolitik – sie beginnt bereits bei jedem Einzelnen. Verantwortungs- und Trendbewusstsein müssen einander nicht ausschließen und jede individuelle Entscheidung gegen leichtfertigen Konsum führt langfristig zu sozial- und umweltverträglichen Produktionsweisen sowie dem Schutz von Kinder-, Menschen- und Arbeitsrechten in Entwicklungsländern. 

Vanessa Costanzo