HÖRT UNS ZU!
Donnerstag, 23. Januar 2014, 11:27 Uhr
von Kerstin Bücker | 0 Kommentare

STIMMEN VOM NEUJAHRSGESPRÄCH IN SCHLOSS BELLEVUE

„Die Erwachsenen sollen uns Jugendlichen einfach zuhören und uns ernst nehmen!“ Beim Neujahrsgespräch in Schloss Bellevue hatte die 14-jährige Lisa-Marie Staks klare Vorstellungen, was ihr wichtig ist. Sie berichtete von Klassenkameraden, die zu Hause kaum Aufmerksamkeit bekommen und schließlich selbst jeden Respekt verlieren – aber auch von ihrem Willen, ihre Schule in Berlin-Moabit gut abzuschließen und später einen Laden aufzumachen.

Auf Einladung von UNICEF-Schirmherrin Daniela Schadt

Zum traditionellen Neujahrsgespräch hatte UNICEF-Schirmherrin Daniela Schadt eingeladen – unter dem Titel „Kein Kind darf zurückbleiben!“ Gemeinsam mit UNICEF trat sie dafür ein, dass kein Mädchen und kein Junge von der sozialen Entwicklung abgehängt wird: „Jedes Kind und jeder Jugendliche braucht eine zweite und wenn nötig auch eine dritte oder vierte Chance“, so Daniela Schadt beim Neujahrsgespräch. „Und das nicht nur aus ökonomischen Gründen: Wir sind es den Jugendlichen, diese Gesellschaft ist es sich selbst schuldig!“

Doch was muss passieren, damit genau das gelingt? Claudia Lukat berichtete, wie die Initiative „Kinder beflügeln“ Kinder in sozialen Brennpunkten Kulturerlebnisse ermöglicht – zum Beispiel LeseAbenteuer oder Museumsbesuche als KulturPilot. Professor Hans Bertram von der Humboldt-Universität stützte die Kultur einer zweiten oder dritten Chance. Längsschnittuntersuchungen zeigten, dass benachteiligte Kinder und junge Erwachsene Defizite aufholen können – wenn sie genug Unterstützung erhalten.

UNICEF-Schirmherrin Daniela Schadt

UNICEF-Schirmherrin Daniela Schadt mit den Teilnehmern des Neujahrsgesprächs in Schloss Bellevue: Lisa-Marie Staks, Schülerin in Berlin-Moabit; Prof. Hans Bertram, Humboldt-Universtität Berlin; Sebastian Krumbiegel, Sänger der „Prinzen“; Dr. Jürgen Heraeus, Vorstandsvorsitzender UNICEF Deutschland; Daniela Schadt, UNICEF-Schirmherrin; Anne Gesthuysen, Moderation; Claudia Lukat, Initiative „Kinder beflügeln“, Dr. Petra Roth, ehemalige Präsidentin des Deutschen Städtetags (Uwe Hück, Porsche AG, kam zur Diskussion dazu).
© Bundesregierung / Matthias Ferdinand Döring

Kinderarmut in Deutschland bekämpfen

„Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen – dieser Satz stimmt einfach“, so Prof. Bertram. „Wir brauchen neue Zwischenwelten zwischen Familie und Schule, damit Kinder, die herausfallen, aufgefangen werden – die Eltern allein können das oft nicht leisten.“ So sind in Deutschland Kinder von Alleinerziehenden seit Jahrzehnten am stärksten von relativer Armut betroffen. UNICEF fordert, in der neuen Legislaturperiode den Anteil von Kindern, die lange Zeit in Armut aufwachsen, zu halbieren.

Denn relative Armut hat Folgen: Kinder aus benachteiligten Familien treiben zum Beispiel weniger Sport, schauen mehr fern und rauchen. Sie haben oft ein geringes Selbstwertgefühl und schlechtere Chancen in Schule und Ausbildung. Immer mehr Kinder wachsen heute in Städten auf, darauf müssen die Kommunen reagieren und brauchen dafür Unterstützung - so Petra Roth ein, ehemalige Oberbürgermeisterin von Frankfurt und ehemalige Präsidentin des Deutschen Städtetags.

„Es geht um Respekt – ich sage Jugendlichen immer: Was Du einforderst, musst Du auch tun“, sagte Uwe Hück, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Porsche AG, in der Diskussion. „Dazu gehört auch Disziplin. Denn das T-Shirt schwitzt nicht von alleine!“ brachte es das ehemalige Heimkind, der bei Porsche als Lackierer begann und sich ehrenamtlich als Sporttrainer engagiert, auf den Punkt. Hück unterstützte die UNICEF-Forderung nach Mut und Entschlossenheit für die Rechte der Kinder und rief die Politiker auf, mehr ihrem Herzen zu folgen: „Moses ist auch nicht auf Basis einer Umfrage durchs Rote Meer gegangen!“

25 Jahre Kinderrechte

Das Neujahrsgespräch, musikalisch begleitet von Sebastian Krumbiegel, Sänger der „Prinzen“, war der Auftakt zu zahlreichen Aktionen anlässlich des 25. Geburtstags der UN-Kinderrechtskonvention. Das weltweit für alle Kinder gültige Dokument wurde am 20. November 1989 verabschiedet. UNICEF will die Kinderrechtskonvention in jedem Land der Erde verwirklichen, auch in Deutschland. Dazu gehören das Recht auf Überleben, Bildung und Schutz - aber auch auf Mitsprache und Beteiligung. Wie Lisa-Marie aus Berlin es sagen würde: „Hört uns einfach mal zu!“

Weitere Informationen zum Geburtstagsjahr der Kinderrechte finden Sie auf der Sonderseite 25 Jahre Kinderrechte

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