DER TRAUM VON DER GERECHTIGKEIT

10. April 2018 von Christian Schneider 1 Kommentar

UNICEF-Schirmherrin Elke Büdenbender trifft in Indien auf junge Heldinnen und Helden der Kinderrechte. Sie erfährt, wie Kinder sich auch unter den schwierigsten Umständen dafür einsetzen, das Leben für andere Kinder ein wenig sicherer und besser zu machen.

Indien: UNICEF-Schirmherrin Elke Büdenbender wird in Chennai feierlich begrüßt

© UNICEF/UN0198683

Vor uns sitzen 50 Kinder. 50 Jungen und Mädchen von unglaublichen 448 Millionen Jungen und Mädchen, die an diesem Tag in Indien aufgewacht sind. 50 der Millionen Jungen und Mädchen, deren Familien bei allen Fortschritten in dieser aufstrebenden, großen Nation noch immer Tag für Tag gegen bittere Armut kämpfen. Vermutlich jedes der 50 Kinder vor uns könnte uns eine kurze Lebensgeschichte voller Härte, voller Entbehrungen, voller Sorge erzählen.

Doch Gowsalya, Chandrika, Arunkumar und all die anderen in den Holzbänken dieses Klassenraums in Chennai haben eine andere, starke Botschaft für Elke Büdenbender, die während des Staatsbesuchs des Bundespräsidenten in Indien als UNICEF-Schirmherrin zu ihnen gekommen ist. Denn jedes einzelne der Kinder aus dem „Sangam“, einem Treff von jungen Aktivisten in der Metropole an der indischen Ostküste, setzt sich für die Kinderrechte anderer Kinder ein. Und das mit Hingabe und Überzeugung.

Junge Heldinnen und Helden für Kinderrechte

Kraftvoll sprechen sie ins Mikrofon, können gar nicht abwarten, der „First Lady“ aus Deutschland von ihrem Einsatz, von ihren Plänen und ihren Träumen zu berichten. Mit fester Stimme erklärt die 16-jährige Chandrika, wie sie aufgrund der Krankheit ihrer Eltern die Schule verlassen und stattdessen arbeiten musste. Und berichtet dann, wie die Altersgenossen aus der Gruppe mitgeholfen haben, dass die Eltern wieder Arbeit fanden – und sie wieder in die Schule gehen konnte.

Ein anderes Mädchen berichtet, wie die aufmerksamen Kinder und Jugendlichen einen acht Jahre alten Jungen gerettet haben, der Opfer von sexuellem Missbrauch wurde. Sie informierten Erwachsene aus der Gemeinde, der Täter wurde inzwischen verhaftet.

Kinder setzen sich gegen Kinderheirat ein

Stakkatoartig rufen die Jungen und Mädchen die Geschichten aus ihrem Einsatz für andere Kinder auf. Wir hören, wie eine Zwölfjährige, die beide Eltern verlor und nun bei Onkel und Tante aufwächst, gegen die Kinderheirat der älteren Schwester aufstand: „Unsere Sangam-Gruppe hatte schon zwei Kinderheiraten mit einem Anruf bei der Kinderhotline 1098 verhindert. Diese Erfahrung hat mir geholfen, die zu frühe Heirat meiner eigenen Schwester zu verhindern.“

Der Anteil der Kinderehen in Indien ist zwar von fast 50 Prozent im Jahr 2006 in zehn Jahren auf landesweit 27 Prozent gesunken. Doch noch immer, schätzt unser UNICEF-Team in Indien, werden damit im Jahr etwa 1,5 Millionen Mädchen verheiratet, obwohl sie noch keine 18 Jahre alt sind – mit allen damit verbundenen gesundheitlichen Risiken und den schwerwiegenden Folgen für ihre weitere Entwicklung.

Zweimal im Monat treffen sich die Kinder und Jugendlichen, um gemeinsam Lösungen für Kinder in ihrer Nachbarschaft zu suchen, die in Gefahr sind oder deren Rechte verletzt werden.

Indien: Eine Jugendliche aus dem "Sangam" schildert ihre Erlebnisse

© José Giribás

UNICEF Indien unterstützt die Arbeit der Organisation „Arunodhaya Zentrum für Straßenkinder und arbeitende Kinder“, die das Forum der Kinder begleitet und so zugleich den Kinderschutz wie auch die aktive Teilhabe von jungen Menschen an der Verbesserung der Zustände in ihren Gemeinden fördert.

Der Mut, niemals mit dem Träumen aufzuhören

Niemanden im Raum lässt unberührt, wie sehr die Kinder für die Gerechtigkeit brennen, wie gut ihnen das gemeinsame Eintreten gegen Gewalt, gegen Missbrauch, Ausbeutung und andere Kinderrechtsverletzungen tut. Jedes einzelne Kind bebt vor Engagement und teilt begeistert seine Träume: Ärzte wollen die einen werden und sich – aber kostenlos - für die Menschen in ihrer Nachbarschaft einsetzen. Andere wollen als Lehrer in ihre Gemeinde zurückkehren, „damit endlich alle lernen können.“ Ein Junge wünscht sich sehnlich, künftig als Polizist andere Kinder vor Gewalt zu schützen. Kinder kommen nicht von ungefähr auf solche Träume.

Es ist eine bewegende Begegnung in dem Klassenzimmer von Chennai. Die Kinder breiten ihre Geschichten aus und treffen auf eine UNICEF-Schirmherrin, die sie ernst nimmt, die zuhört und sich einfühlt, die sehr beeindruckt ist, wie Kinder zu jungen Heldinnen und Helden für andere Kinder werden. Und die eine wichtige Botschaft von ihnen mitnimmt:

„Ich habe von euch gelernt, dass ihr selbst unter den schwierigsten Umständen den Mut habt zu träumen. Das ist großartig. Und hört bitte nicht auf damit.“ 

KOMMENTARE

  • 13. April 2018 11:32 Uhr

    Anrührende Texte und Bilder. Danke dafür. Die Gesichter der Kinder sind voll Lebendigkeit und drücken Hoffnung für Ihre eigene Zukunft aus, sie haben erfahren dürfen, dass sie gehört werden, dass ihr Engagement etwas bewirkt hat , dass der Einsatz für besonders benachteiligte Kinder von Erfolg gekrönt war. Sie werden die Erfahrung, die Spitze des UNICEF Teams aus Deutschland so anteilnehmend und offen angetroffen zu haben, als einen wertvollen Schatz mit in ihr weiteres Leben nehmen und sich bestätigt finden in ihrem Wirken für eine bessere Welt. Solches gemeinsames Wollen und Tun verbindet uns UNICEFler grenzenlos und baut Brücken über manchen Abgrund hinweg

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