Pressemitteilung

Darfur: Not der Kinder größer als vor 20 Jahren, aber globaler Aufschrei bleibt aus

UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Darfur: Gewalt, Hunger und Vertreibung prägen erneut die Kindheit in einer der am schwersten betroffenen Konfliktregionen Sudans / Seit April 2024 mehr als 1.500 schwere Kinderrechtsverletzungen dokumentiert

© UNICEF/UNI235957/Noorani
© UNICEF/UNI235957/Noorani



Zwanzig Jahre, nachdem die Gräueltaten in Darfur die Welt aufgerüttelt haben – als Gewalt ganze Gemeinschaften zerstörte und Millionen Menschen in Sudan in die Flucht trieb – sind Kinder in der Region erneut in einer katastrophalen Krise gefangen. Doch es gibt kaum internationale Aufmerksamkeit und weniger Hilfe, warnt UNICEF in seinem heute veröffentlichten Bericht zur Lage der Kinder in Darfur.

Ausmaß der Not größer als vor zwanzig Jahren

Der Bericht „Darfur: 20 Jahre später – Kinder in Gefahr" verdeutlicht, wie der grausame Konflikt im Sudan erneut großflächige Gewalt, Massenvertreibung, akuten Hunger und schwere Verletzungen der Kinderrechte in ganz Darfur ausgelöst hat. Wie vor zwanzig Jahren werden Häuser niedergebrannt, Märkte angegriffen, Schulen und Gesundheitseinrichtungen beschädigt oder zerstört, und Familien zur Flucht gezwungen – doch das Ausmaß der Not ist heute noch größer. Und der weltweite Aufschrei weitaus verhaltener.

In ganz Darfur zahlen Kinder den höchsten Preis für diesen Konflikt. Viele haben keinen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig leiden immer mehr Kinder unter schwerer, lebensbedrohlicher Mangelernährung und Krankheiten sowie Gewalt durch Streitkräfte und bewaffnete Gruppen. Millionen Kinder wurden aus ihrem Zuhause vertrieben – viele flohen über Grenzen hinweg, vor allem in den Osten des Tschad, wo die ohnehin überlastete Versorgungsstrukturen die vielen Ankommenden kaum versorgen können.

Der aktuelle Bericht zieht deutliche Parallelen zwischen der heutigen Situation und dem ersten UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Darfur aus dem Jahr 2005. Damals mobilisierte ein weltweiter Aufschrei umfangreiche Hilfe. Zwanzig Jahre später sind die Bedarfe der Kinder in Ausmaß und Komplexität gewachsen – doch Finanzierungslücken, eingeschränkter Zugang, die veränderte Art der Kriegsführung und mangelnde internationale Aufmerksamkeit schränken die Möglichkeiten lebensrettender Hilfe erheblich ein.

„Vor zwanzig Jahren vereinte sich die Welt in einem Aufschrei über die Not der Kinder in Darfur. Heute erlebt eine neue Generation entsetzliche Gewalt, Hunger und Terror", sagt UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Wir können nicht zulassen, dass sich die Geschichte wiederholt. Kinder in Darfur brauchen Schutz, und humanitäre Hilfe muss sie dauerhaft erreichen können. Die Konfliktparteien müssen diesen Krieg beenden."

In Al-Faschir und anderen Orten im Norden Darfurs haben anhaltende Kämpfe sowie die Belagerung von Städten und Gemeinden viele Familien von Nahrung, sauberem Wasser und medizinischer Versorgung abgeschnitten und viele zur Flucht in bereits überfüllte Regionen gezwungen. Lebenswichtige Infrastruktur wird beschädigt oder zerstört – Hungersnot, Krankheiten und der Zusammenbruch der Lebensgrundlagen sind die Folge.

Kinder sind zudem einer alarmierenden Eskalation extremer Gewalt ausgesetzt. Nirgendwo sind die Auswirkungen gravierender als in Al-Faschir: Seit April 2024 wurden dort mehr als 1.500 schwere Kinderrechtsverletzungen* verifiziert, die Konfliktparteien zugeschrieben werden – darunter die Tötung und Verstümmelung von mehr als 1.300 Kindern, vielfach durch Sprengwaffen und Drohnen, sowie sexualisierte Gewalt, Entführungen und die Rekrutierung und der Einsatz von Kindern durch bewaffnete Gruppen. Diese erschreckenden Zahlen spiegeln das wahre Ausmaß der Gräueltaten mit großer Wahrscheinlichkeit nicht vollständig wider – ähnliche Muster zeigen sich auch in anderen Teilen des Landes.

Im gesamten Sudan haben die Vereinten Nationen mehr als 5.700 schwere Kinderrechtsverletzungen durch Konfliktparteien in ganz Sudan verifiziert – mindestens 5.100 Kinder sind betroffen, mehr als 4.300 wurden getötet oder verstümmelt. Die Lage verschlechtert sich weiter: Allein in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 wurden mindestens 160 Kinder getötet und 85 verletzt – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Trotz enormer Herausforderungen leisten UNICEF und seine Partner weiterhin lebensrettende Hilfe in Darfur, dem restlichen Sudan und den Nachbarländern: Sie ermöglichen Zugang zu Bildung, sauberem Wasser und sanitärer Versorgung, behandeln Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung, unterstützen mobile Gesundheitsteams, bieten psychosoziale Unterstützung an und schaffen sichere Orte für Kinder.

Der Bericht warnt jedoch, dass humanitäre Hilfe durch Unsicherheit, bürokratische Hindernisse und Finanzierungslücken nach wie vor erheblich eingeschränkt wird – und viele Kinder in den gefährlichsten Momenten ohne Unterstützung lässt.

UNICEF ruft die Konfliktparteien dazu auf, das Völkerrecht einzuhalten und die Zivilbevölkerung – insbesondere Kinder – zu schützen, sicheren und ungehinderten humanitären Zugang zu gewährleisten sowie schwere Kinderrechtsverletzungen zu beenden und zu verhindern. Darüber hinaus appelliert UNICEF an Geberländer, flexible und mehrjährige Mittel bereitzustellen, um lebensrettende Programme aufrechtzuerhalten und Kinder zu unterstützen, die durch grenzüberschreitende Vertreibung betroffen sind.

Service für die Redaktionen

Für Interviews steht der UNICEF Deutschland-Geschäftsführer Christian Schneider sowie das UNICEF-Team im Sudan gerne zur Verfügung.

Der UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Darfur, einschließlich Zitaten von Kindern und UNICEF-Helfer*innen, steht hier zur Verfügung.

Bild- und Videomaterialien stehen hier zur Verfügung.

*Zu den schweren Kinderrechtsverletzungen gehören: Tötung und Verstümmelung; Entführung; Rekrutierung und Einsatz von Kindern; Vergewaltigung und andere Formen sexualisierter Gewalt; Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser sowie die Verweigerung humanitären Zugangs.

Christine Kahmann
Sprecherin (Berlin) - Nothilfe & Internationale Themen