Pressemitteilung

Mangelernährung in Somalia nimmt zu: UNICEF-Exekutivdirektorin ruft zu Unterstützung auf

Steigende Treibstoffkosten und Lieferunterbrechungen infolge des Krieges im Nahen Osten drohen die Lage der Kinder in Somalia zu verschärfen – viele leiden bereits unter Dürre, Konflikt und globalen Mittelkürzungen

Somalia: UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell spricht mit einem Kind.

UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell spricht mit einem Kind während ihres Besuchs in Dollow, Somalia.

© UNICEF/UNI967435/Tesfaye

Rund zwei Millionen Kinder in Somalia sind von akuter Mangelernährung bedroht. Die humanitäre Lage verschlechtert sich weiter, während mehrere Krisen gleichzeitig eskalieren, warnte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell zum Abschluss ihres Besuchs im Land. Dürre, Konflikte, Vertreibung und die Kürzung weltweiter finanzieller Mittel setzen Familien und ihre Grundversorgung zunehmend unter Druck.

Die eskalierende Krise im Nahen Osten verschärft die Situation zusätzlich: Unterbrechungen in globalen Lieferketten haben gravierende Folgen für Somalia. Der Transport von Lebensmitteln, Medikamenten, Treibstoff und Wasser wird teurer. Das trifft Familien ebenso wie humanitäre Partner, die bereits jetzt akute Bedarfe decken müssen. Weil Somalia stark auf Importe angewiesen ist, steigen die Preise rasant. In dürrebetroffenen Regionen haben sich die Wasserkosten bereits mehr als verdoppelt: Wasser wird immer knapper und Treibstoff für die Lieferung wird unbezahlbar.

Wasserknappheit bleibt einer der wichtigsten Treiber der Krise. Flüsse trocknen aus, Brunnen versiegen und lokale Wasserquellen werden immer unzuverlässiger – Familien sehen sich dadurch in alarmierendem Tempo zur Flucht gezwungen. Krankheitsausbrüche, der Verlust von Lebensgrundlagen und wachsende Ernährungsunsicherheit verschärfen die Lage zusätzlich, besonders dort, wo humanitäre Hilfe wegen Finanzierungslücken zurückgeht.

„Eine der erschütterndsten Erfahrungen dieses Besuchs war es, Bett um Bett mit mangelernährten Kindern zu sehen – und besorgten Müttern zu begegnen, die hoffen, dass ihre Kinder überleben“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell im Anschluss an ihre Begegnungen mit Familien in Dollow. „Die Menschen zeigen unglaubliche Resilienz. Aber sie brauchen jetzt mehr Unterstützung – denn alle Warnsignale stehen auf Rot, auch wegen der Folgewirkungen des Krieges im Nahen Osten.“

UNICEF-Hilfsgüter im Wert von 15,7 Millionen US-Dollar sind bereits auf dem Weg nach Somalia oder werden für den Transport vorbereitet – darunter therapeutische Nahrung zur Behandlung mangelernährter Kinder, Impfstoffe sowie Moskitonetze zum Schutz vor Malaria. Sollte sich die Lage im Nahen Osten nicht beruhigen, drohen Verzögerungen und zusätzliche Kosten für diese Lieferungen.

Im vergangenen Jahr mussten wegen unzureichender Finanzierung bereits mehr als 400 Gesundheits- und Ernährungseinrichtungen schließen – darunter mehr als 125 Zentren, die lebenswichtige Behandlungsmöglichkeiten für Mangelernährung anbieten. Ohne sofortige Unterstützung könnten in den kommenden Monaten weitere Einrichtungen folgen, viele davon in Bezirken mit der höchsten Ernährungs- und Nahrungsmittelunsicherheit. Das hätte gravierende Folgen: Schwangere blieben ohne Versorgung, Kinder erhielten keine Impfungen – und schwer mangelernährte Kinder keine lebensrettende Behandlung.

Bereits vor den jüngsten Entwicklungen waren rund drei Millionen Kinder in Somalia dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Im vergangenen Monat warnten UN-Organisationen und die Regierung, dass eine sich verschärfende Dürre infolge ausbleibender Regenfälle – die Viehbestände und Ernten stark dezimiert hat – bis Ende dieses Monats fast 6,5 Millionen Menschen in Somalia in Ernährungsunsicherheit auf Krisenniveau treiben könnte. Bis Ende des Jahres droht mehr als 1,8 Millionen Kinder unter fünf Jahren akute Mangelernährung.

Während ihres Besuchs in Somalia sprach Russell in dem dürrebetroffenen Ort Dollow im Gliedstaat Jubaland mit einigen der am stärksten betroffenen Familien – darunter Habiba, eine Mutter, die durch die Dürre ihr Vieh und ihre Ernte verloren hat. Um Behandlung für ihre mangelernährten Kinder zu erhalten, war sie sieben Tage zu Fuß unterwegs, bis sie Dollow erreichte.

Über unmittelbare humanitäre Hilfsmaßnahmen hinaus trägt UNICEF gemeinsam mit Partnern dazu bei, längerfristige Lösungen auszuweiten: Investitionen in Wassersysteme, Ernährung, soziale Sicherung und Widerstandsfähigkeit sollen Gemeinden helfen, wiederkehrenden Klimaschocks besser standzuhalten.

„Für die Kinder in Somalia zählt im Hinblick auf die Bereitstellung lebensrettender Hilfe jeder Dollar und jede Minute“, sagte Russell. „Was Kinder in Somalia – wie überall – am dringendsten brauchen, sind Frieden, Schutz und ein sicherer Zugang zu grundlegenden Diensten. Dann können die Kinder von heute zu Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften und Lehrkräften werden, die ihre Gemeinden und das Land stärken.“

UNICEF benötigt in diesem Jahr 121 Millionen US-Dollar, um Kindern und Familien in Somalia zu helfen. Bislang sind weniger als 20 Millionen US-Dollar eingegangen.

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Christine Kahmann
Sprecherin (Berlin) - Nothilfe & Internationale Themen