Pressemitteilung
NUR JEDES DRITTE BABY WIRD VOR AIDS GESCHÜTZT
Köln
Montag, 10. Februar 2014, 16:18 Uhr

NEUER WELTWEITER BERICHT ZU KINDERN UND AIDS

UNICEF: Finanzkrise darf AIDS-Programme nicht gefährden

Zum Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember ruft UNICEF dazu auf, Kinder und Jugendliche weltweit besser vor HIV und AIDS zu schützen. Noch immer wird nur jedes dritte Baby von HIV-infizierten Müttern vor einer Übertragung des Virus geschützt – im Süden Afrikas sogar nur jedes zehnte Kind. Nach einem neuen weltweiten Bericht gab es in den vergangenen vier Jahren jedoch wichtige Fortschritte für die von der Epidemie betroffenen Mädchen und Jungen. Inzwischen werden 38 Prozent der Kinder, die AIDS-Medikamente brauchen, versorgt. Das geht aus dem Bericht „Kinder und AIDS“ hervor, der heute von UNICEF, UNAIDS, Weltgesundheitsorganisation und dem UN-Bevölkerungsfonds in New York, Genf, Barcelona und in Köln veröffentlicht wird.

"Es ist zu befürchten, dass die weltweite Wirtschaftskrise die Auswirkungen der AIDS-Epidemie auf Kinder und Jugendliche in Entwicklungsländern verschärft“, sagte die Geschäftsführerin von UNICEF Deutschland, Regine Stachelhaus. „Die am stärksten betroffenen Länder sind bis heute nicht in der Lage, die AIDS-Epidemie aus eigener Kraft wirksam zu bekämpfen."

„Weltweit erhalten 45 Prozent der HIV-infizierten Schwangeren Medikamente, um eine Übertragung des Virus auf ihr Baby zu verhindern. Das ist ein Anstieg von fast 200 Prozent im Vergleich zu 2005“, sagte UNICEF-Direktorin Ann Veneman. „In Ländern wie Nigeria, wo weltweit 15 Prozent aller schwangeren Frauen mit HIV leben, muss die Versorgung jedoch dringend verbessert werden“. In Nigeria werden bislang nur zehn Prozent aller Schwangeren auf HIV getestet. 90 Prozent der HIV-positiven Frauen haben keinen Zugang zu Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten. In den ebenfalls stark betroffenen Ländern Botswana und Namibia dagegen werden bereits mehr als 90 Prozent der Schwangeren behandelt, um eine Übertragung des HI-Virus zu verhindern.

Trotz Fortschritten bleibt die Mehrheit der Kinder unversorgt

Der Bericht zeigt in einigen Bereichen deutliche Fortschritte auf. So stieg der Anteil der erkrankten Kinder, die behandelt werden, deutlich - um fast 40 Prozent in einem Jahr. Doch noch immer werden Kinder seltener behandelt als Erwachsene, die Mehrheit der gefährdeten oder erkrankten Kinder bleibt unversorgt.

In den Schwellen- und Entwicklungsländern erhielten im Jahr 2008 durchschnittlich 32 Prozent der Neugeborenen einer HIV-infizierten Mutter eine prophylaktische Behandlung nach der Geburt. 2006 lag der Anteil bei nur 18 Prozent. Im Süden Afrikas erhält bis heute sogar nur jedes zehnte Kind eine solche Behandlung. HIV-Infektionen werden dort oft nicht erkannt und infizierte Kinder nicht behandelt.

275.700 der weltweit etwa 730.000 Kinder, die auf antiretrovirale Medikamente angewiesen sind, wurden 2008 versorgt. Im Jahr 2005 erhielten nur 75.000 AIDS-kranke Kinder eine solche Behandlung. Im Jahr 2008 starben 280.000 Kinder an den Folgen von AIDS. 2,1 Millionen Kinder leben derzeit mit dem tödlichen Virus. Schätzungsweise 17,5 Millionen Kinder haben einen oder beide Elternteile durch AIDS verloren. Etwa 430.000 Kinder unter 15 Jahren infizierten sich im vergangenen Jahr neu mit HIV.

In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen sind schätzungsweise 4,9 Millionen junge Menschen mit HIV infiziert. Vor allem Mädchen in Afrika südlich der Sahara sind gefährdet sich anzustecken; sie sind von fast 75 Prozent aller Neuansteckungen unter jungen Menschen betroffen. Neben mangelhaften Gesundheits- und Sozialsystemen begünstigen sexuelle Gewalt und Diskriminierung von Frauen die Ausbreitung des Virus.

Finanzkrise gefährdet AIDS-Programme

Der UNICEF-Bericht zeigt auf, dass die Hälfte der Neuansteckungen verhindert werden könnte, wenn die in den letzten Jahren ins Leben gerufenen Aufklärungs- und Präventionsprogramme ausgebaut würden. Doch obwohl heute wesentlich mehr Mittel bereit stehen als noch vor wenigen Jahren, ist die Finanzierung der AIDS-Programme nicht annähernd gedeckt. Insgesamt müssten ab dem Jahr 2010 rund 25 Milliarden US-Dollar aufgewendet werden. Im Jahr 2008 standen jedoch weniger als 14 Milliarden US-Dollar zur Verfügung. Mehr als die Hälfte dieser Mittel leisteten die Entwicklungsländer selbst; ein Drittel kam aus bilateraler Entwicklungshilfe, 12 Prozent aus multilateraler Entwicklungshilfe und fünf Prozent aus der Privatwirtschaft. Vor dem Hintergrund der globalen Finanzkrise befürchtet UNICEF eine massive Kürzung der Mittel für den Kampf gegen AIDS.

Der UNICEF-Bericht schlüsselt detailliert auf, wozu die Gelder gebraucht werden: 605 Millionen US-Dollar sind nötig, um 80 Prozent der HIV-infizierten Schwangeren zu behandeln und so die Ansteckung des Kindes zu verhindern. 649 Millionen US-Dollar werden gebraucht, um HIV-infizierte Kinder unter 15 Jahren mit antiretroviralen Medikamenten zu versorgen. Präventions- und Aufklärungsprogramme für Jugendliche müssten mit 1,4 Milliarden US-Dollar, Präventionsprogramme gegen Gewalt an Frauen mit 326 Millionen US-Dollar finanziert werden. 2,5 Milliarden US-Dollar werden veranschlagt, um Kinder zu unterstützen, die durch AIDS zu Waisen geworden sind.

Die UNICEF-Kampagne gegen AIDS

Im November 2005 startete UNICEF die weltweite Kampagne „Gemeinsam für Kinder – gemeinsam gegen AIDS“. In Deutschland unterstützen mehr als 722.000 Bundesbürger die Kampagne mit ihrer Unterschrift; Tausende haben dafür gespendet.

So helfen die deutschen Spenden

Mit Spenden aus Deutschland unterstützt UNICEF Programme für von AIDS betroffene Kinder in zwölf Ländern: So konnten die Angebote für HIV-positive Kinder und Schwangere in Mosambik ausgebaut werden. Für 16 Krankenhäuser stellte UNICEF medizinische Ausstattung und Medikamente bereit. In Sambia hat UNICEF mit deutschen Spenden die ersten beiden mobilen HIV-Teststationen eingerichtet. In Malawi wurden zusätzliche Tageskrippen und Kinderzentren für Waisen eingerichtet. In Kambodscha schulte UNICEF Tausende Mönche in der Sozialarbeit mit von AIDS betroffenen Familien. UNICEF half in der Ukraine und Haiti, speziell Straßenkinder vor der AIDS-Gefahr zu schützen. Auch in Namibia, Simbabwe, Uganda und Burundi sowie in Indien und Moldawien waren die deutschen Spenden für die UNICEF-Arbeit eine wichtige Unterstützung.

Den englischsprachigen UNICEF-Bericht „Children and AIDS – Fourth Stocktaking Report, 2009“ erhalten Sie hier

Mehr zum Thema Aids unter UNICEF-Themen Aids und www.uniteforchildren.org

Bei Rückfragen und Interviewwünschen wenden Sie sich bitte an die UNICEF-Pressestelle.

Helga Kuhn

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