Kinder an die Macht_Unicef-Veranstaltung zum Tag der Kinderrechte_Flyer_25.11.2018

KINDER AN DIE MACHT! UNICEF-VERANSTALTUNG ZUM TAG DER KINDERRECHTE

Ein Abend voller Musik und Tanz, Lyrik und Poetry, Erfahrungsberichten und Wissensquiz sowie Gelegenheit zum Austausch und zum „Snacken“.

Ein Abend der besonderen Art: von (jungen) Erwachsenen, über Kinder und für (die) Kinder dieser Welt.

Anlässlich des Tages der UN-Kinderrechtskonventionen luden die UNICEF Hochschulgruppe Bielefeld (HSG) und die UNICEF-Arbeitsgruppe Bielefeld (AG) auch in diesem Jahr Freunde, Bekannte und Interessierte zu einem Abend der musikalischen und kulturellen Vielfalt ein. Gäste und UNICEF-Mitarbeiter durften sich am Sonntag, den 25. November 2018 auf ein abwechslungsreiches und buntes Programm in der Bürgerwache am Siegfriedplatz freuen.
Unter dem Motto „Kinder an die Macht – UNICEF-Veranstaltung zum Tag der Kinderrechte“ führten UNICEF-AG-Leiter Wolfgang Seidensticker und UNICEF-HSG-Leiterin Neele Dirkwinkel gemeinsam durch den Abend. Warum UNICEF und was hat es mit den Kinderrechten auf sich? bildeten den Anfang der Veranstaltung. An dieser Stelle sollen wesentliche Informationen dazu nicht unerwähnt bleiben:

Das Übereinkommen über die Rechte des Kindes der Vereinten Nationen (auch kurz UN-Kinderrechtskonventionen oder Kinderrechte genannt) trat im November 1989 in Kraft. Dieses Übereinkommen ist das wichtigste Menschenrechtsinstrumentarium für Kinder. Eine der wichtigsten Grundannahmen der UN-Kinderrechtskonventionen besteht darin, dass Kinder Träger eigener unveräußerlicher Rechte sind. Der Blick auf Kinder sollte sich mit den UN-Kinderrechtskonventionen (grundlegend) verändern. Zuvor wurden Kinder meist eher als Schutzbefohlene der Erwachsenen gesehen. Nur die Erwachsenen besaßen definierte und einklagbare Ansprüche und Rechte. Die UN-Kinderrechtskonventionen, bestehend aus 54 Artikeln, stellten einen neuen Denkansatz dar. Kinder haben seitdem das Recht auf eine eigene Identität (das unveräußerliche Recht auf einen eigenen Namen, eine eigene Kultur, Sprache und Religion), das Recht auf Pflege, Medizin, Nahrungsmittel und auf sauberes Trinkwasser, das Recht auf Bildung sowie auch das Recht vor Ausbeutung geschützt zu werden und bei Krieg und auf der Flucht besonderen Schutz zu erfahren. Am 20. November 1989 unterzeichneten 196 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen dieses besondere Abkommen. Die Kinderhilfsorganisation UNICEF engagiert sich seit ihrer Gründung im Dezember 1946 für die Belange und Lebenslagen von Kindern. Zunächst in Europa, um Kindern nach dem Zweiten Weltkrieg zu helfen, später und heute weltweit. Gemeinsam mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bildete die UN-Kinderrechtskonvention die Richtschnur für die Arbeit von UNICEF. Als internationales Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen setzt sich UNICEF in aller Welt dafür ein, dass die Kinderrechte für jedes Kind verwirklicht werden, unabhängig von seiner Hautfarbe, Religion oder Herkunft. Dort, wo Kinder in Not sind oder benachteiligt werden wie in  Kriegs- und Katastrophenregionen, bei Krankheiten, Hunger, Gewalt und Ausbeutung ist UNICEF aktiv. Weltweit in über 160 Ländern (und das hauptsächlich in Entwicklungsländern) – hilft UNICEF mit Programmen im Bereich Bildung, Nothilfe, Überleben, Kinderschutz, psychosoziale Betreuung und sauberes Wasser. An diesem Abend wurde auf die besondere Arbeit von UNICEF sowie auf die Lebenssituationen von Kindern in der ganzen Welt aufmerksam gemacht: eindrucksvoll, fröhlich, vergleichend, berührend und auch manchmal nachdenklich stimmend:

Nach kurzen einleitenden, warmherzigen Worten der Moderatoren folgte ein Bericht von Rodi Jatto, einem jungen Mann aus Syrien. Rodi flüchtete mit 14 Jahren aus seiner Heimat Syrien nach Deutschland, allein und ohne einen Schulabschluss. Einen Schulabschluss hat er bereits erfolgreich in Deutschland erworben und steht nun davor, eine Ausbildung zu beginnen. Rodi schilderte eindrücklich seine von Herausforderungen und bildungsbedingten Hürden geprägte Geschichte. Diese erhielt noch einmal besonderen Raum und Aufmerksamkeit: Rodi präsentierte am Ende seiner Erzählung zwei selbstkomponierte Musikstücke zum Thema „Flucht“ auf seiner Saz, einem traditionellen, langhalslauten Zupfinstrument. Seine Musik bewegt und lädt zum Innehalten, Nachdenken und Verweilen ein.
Auf lyrische Weise widmete sich auch Dieter Elbracht, UNICEF-AG-Mitglied, den Themen Flucht, Krieg und ihren Auswirkungen für Kinder. In seinen sieben selbstverfassten Gedichten sowie dazu gezeigten Bildern werden Alltag und Parallelleben von uns und von Kindern, denen es nicht so gut geht, porträtiert und gegenüberstellt: leise, laut, ausdrucksstark, intensiv, wortgewandt, sprachlich fesselnd, bewegend und vorstellbar. Die Zuhörer wurden angeregt über Alltägliches neu nachzudenken oder das selbstverständliche Vertraute mit unvertrauten, auch kritischen Augen zu betrachten. Anschließend verzauberte die 14-jährige Johanna Spintzik aus Bielefeld mit ihrer frischen, klangvollen Stimme und mit aus der eigenen Feder stammenden, englischen Liedern das Publikum an der Gitarre.

Neben den UNICEF-Arbeitsschwerpunkten wie Hungersnot, Armut, Schulbildung, Nothilfe und Schutz vor Kindergewalt und -ausbeutung beleuchtete der Abend auch ein weniger bekanntes Thema:
Maike Dittmann vom Mädchenhaus Bielefeld e.V. machte in ihrem Vortrag auf eine ganz andere in unserem Kulturkreis wenig vertraute Problematik aufmerksam: die weibliche Genitalverstümmelung. Weltweit, so eine Schätzung, sind ca. 200 Millionen Mädchen und junge Frauen genital beschnitten und jährlich erleiden ca. weitere 3 Millionen Mädchen dieses Schicksal. Mit Gespür und Einfühlungsvermögen vermittelte Maike Dittmann Informationen u.a. über Formen, Praktiken und Auswirkungen dieser menschenentwürdigen, teils religiös motivierten Praxis an jungen Mädchen und Frauen. Zugleich gelang es ihr, das so scheinbar unbekannte ferne Thema zu enttabuisieren. Einblicke und Informationen über die lokale und internationale Arbeit und Ziele von UNICEF durften an diesem Abend nicht fehlen. In Form von Kurzbeiträgen und -videos aus der weltweiten Projektarbeit zeigten die Moderatoren die Vielfalt, Arbeits- sowie Lebensweisen von Kindern und den unterstützenden Tätigkeiten von UNICEF auf.

In einer 15-minütigen Pause konnten sich die Gäste durch Kaffee und Kuchen stärken, dabei ihr neuerworbenes oder bereits bekanntes Wissen am UNICEF-Quiz-Glücksrad testen sowie sich austauschen. Khalil Naffissa, Vater einer geflüchteten Familie aus Syrien, nahm das Publikum anschließend auf seine persönliche Reise in das (Ein-)Leben in Deutschland mit. Gemeinsam mit seiner Frau und seinen Kindern floh er von Syrien über die Türkei und anschließend mit einem Boot über das Meer, „ein Todesritt“ so Khahil, weiter nach Europa bis nach Deutschland. „Nachdem ich in Syrien alles verloren hatte, musste ich alles wieder neu aufbauen (Kultur, Sprache)“, so Khahil. Er sagt voller Hoffnung und Dankbarkeit weiter: „Die schwerste Zeit haben wir mit Hilfe unserer deutschen Freunde überstanden.“ Und fügt hinzu: „So können wir wieder normal leben wie alle Deutschen.“

Unter dem Motto „Hip-Hop was sonst?“ brachte Kady Kone mit den jungen Tänzerinnen ihrer Tanzgruppe das Publikum die Welt des Hip Hop-Tanzes näher. Ausdrucksstarke, abwechslungsreiche, schnelle Choreografien wechselten zu schnell wechselnden Beats. Ann-Sophie Kleine-Beckel, Schülerin des Bielefelder Ehrenfeld Gymnasiums, forderte im Anschluss das Wissen der Gäste über Kinderrechte mit selbstkreierten Quizfragen heraus. Danach wurde es noch einmal laut und wieder leise, aber stets schnell:

Mit sorgfältig bedachten Worten
eröffneten die HSG-UNICEF-Mitglieder Eva und Julia die Poetry-Slamer-Pforten.
Mit ihren pointierten Worten, glassklaren Gedanken, transparenten Botschaften erinnerten sie uns – auf unterschiedliche Weise –
schnell und manchmal langsam und leise,
daran, dass wir in unserem schnelllebigen Leben
auch selbst einmal Kinder sind gewesen.

Ein Abend der besonderen Art, mit besonderen Programmpunkten von und für besondere Menschen unserer Gesellschaft: den Kindern.

Wir – die MitarbeiterInnen der UNICEF AG und der UNICEF HSG Bielefeld - möchten uns herzlich bei allen Gästen und Mitwirkenden sowie Helfern für Eure großartige Unterstützung bedanken. Wir hoffen sehr Euch bald bei einer UNICEF-Veranstaltung wiederzusehen, spätestens im November 2019.




Bild NW Kinderrechte Westfalenblatt_28Nov2018_Unicef_Bielefeld