Rudolf Drees - Pianist mit großem Herzen © Iris Göksaltik UNICEF-AG Frankfurt am Main

MIT EINEM KLAVIER FÜR DIE KINDER

Rudolf Drees seit mehr als zwanzig Jahren als Klavierspieler aktiv für Kinder in Not

Inmitten des zweiten Weltkrieges geschah etwas Unscheinbares, etwas, das in völligem Widerspruch zur zerstörerischen damaligen Zeit stattfand; denn es war etwas Gutes. Und es sollte den Weg bereiten für die Hilfe tausender bedürftiger Kinder Jahrzehnte später. - Großvater schenkt dem musikbegeisterten Achtjährigen Enkel Rudolf Drees ein Klavier.

Hinter diesem Geschenk verbirgt sich eine besondere Geschichte: Als junger Mann schlägt sich der Großvater mütterlicherseits, abgehauen aus seiner Heimat Italien, ohne Ausbildung, mit Gelegenheitsarbeiten als Maurer bis hoch nach Beckum, Nordrhein-Westfalen, durch. Dort erledigt er im Jahr 1942 einen Auftrag für einen hiesigen Musikartikelhändler. Als es um die Bezahlung geht, denkt der Großvater an seinen musikliebenden Enkel und kommt auf die Idee, dass er, statt Geld, ein Klavier zur Begleichung seiner Schulden fordern könnte. Da jedoch nur noch eines im Laden übrig ist, lehnt der Musikhändler zunächst ab. Glücklicherweise ist die Mutter des kleinen Rudolf aber mit dem Händler zur Schule gegangen und bewirkt, dass er dem Großvater, der überhaupt kein Klavier spielen kann, das Instrument doch aushändigt. Und so bekam Rudolf, in einem bescheidenen Elternhaus aufwachsend, ein Klavier geschenkt und spielt es seitdem mit Leidenschaft.


Mit einem Klavier für die Kinder © Nicholas Birthler Unicef-Arbeitsgruppe Frankfurt am Main

Nicholas Birthler interviewt Herrn Drees
© Nicholas Birthler Unicef-Gruppe Frankfurt am Main


1993, einundfünfzig Jahre später, spielt der mittlerweile gereifte und sich frisch in Rente befindliche Hobby-Klavierspieler im Main-Taunus-Zentrum Klavier und lernt dabei ehrenamtliche Mitarbeiter von UNICEF kennen, die zum Anlass des Weltkindertages vor Ort sind. Man kommt ins Gespräch und als Herr Drees später mal wieder Liederwünsche aus dem Publikum erfüllt, entwickelt er die Idee, künftig jede Erfüllung eines Wunsches mit einer Spende zu verbinden. Doch warum ausgerechnet für UNICEF?

Es gebe drei Gründe für seine Tätigkeit, verrät er: „Erstens, ich wollte mich als Rentner nützlich machen. Zweitens, ich mag Kinder und sie sind unsere Zukunft. Drittens, wenn man Kindern hilft, hilft man denen, die am wenigsten für ihr Unglück können.“

1934 wurde Herr Drees in Beckum, bei Münster, geboren und lebt seit mittlerweile fünfundfünfzig Jahren in Frankfurt. Seine Musik, eine Mischung aus Musical und Klassik, gefällt Alt und Jung. Während der Improvisation können jedoch alle möglichen Musikstile entstehen. Und wenn Kinder in der Nähe sind, dürfen sie gerne auch mal ran und es wird spontan eine Unterrichtseinheit in „Alle meine Entchen“ durchgeführt. Das allgemein am häufigsten gewünschte Lied hat jedoch nichts mit Entchen zu tun und ist nicht für Kinder, sondern „für Elise“ von Beethoven.

Zwei- bis dreimal jährlich spielt Herr Drees während des Urlaubs in seinem Stamm-Hotel im Schwarzwald abends für Hotelgäste. Doch nicht nur dort, auch zu anderen Gelegenheiten, wie beispielsweise letztes Jahr zum Weltkindertag, spielte er in einem Restaurant im Hochtaunus für den guten Zweck. Seine Zuhörer bitten Ihn gerne mal über seine geplante Zeit hinaus die wohltuenden Töne erklingen zu lassen. Auf diese Weise sind in mittlerweile über einundzwanzig Jahren genügend Spenden zusammengekommen um das Leid vieler tausend Kinder zu lindern.

Es ist wunderbar zu sehen, wie die Liebe zur Musik und der Spaß am Musizieren, gepaart mit Engagement und altruistischer Überzeugung, solche Früchte der Wohltätigkeit tragen. Wir danken Herrn Drees im Namen der Kinder sehr herzlich dafür und wünschen uns viele weitere Jahre voll von Klängen für das Herz und die Hilfe für andere!