KINDER OHNE PAPIERE

17. April 2012 von Beatrix Hell 0 Kommentare

„Wenn ein Kind keine Geburtsurkunde hat, wird es seiner Zukunft beraubt. Es lebt unsichtbar wie ein Geist.“

So beschreibt die internationale Musikerin und UNICEF-Botschafterin Angélique Kidjo die Bedeutung der Geburtsurkunde. Sie hat gerade ihre Heimat Benin besucht und macht sich stark für die Registrierung aller Kinder bei der Geburt. Aus gutem Grund: In Benin ist fast die Hälfte der Kinder nicht registriert.

Angelique Kidjo in einem Krankenhaus in Uganda. ©UNICEF/ HQ06-2031/Olivier Asselin

UNICEF-Botschafterin Angelique Kidjo in einem Krankenhaus in Uganda.
© UNICEF/ HQ06-2031/Olivier Asselin

Wer in Deutschland ein Kind bekommt, muss es innerhalb einer Woche bei den Behörden anmelden. Aber was in Deutschland selbstverständlich ist, gilt noch lange nicht für alle Kinder auf der Welt. Viele Mädchen und Jungen in armen Ländern des Südens wie etwa in Benin sind nicht registriert, sie besitzen keinen offiziellen Geburtsnachweis.

„Unsichtbar wie ein Geist“

Ohne ein offizielles Dokument sind häufig der Schulbesuch, die medizinische Versorgung oder soziale Unterstützung gefährdet oder werden ganz verwehrt. Die Möglichkeit zu heiraten, eigenes Land zu besitzen oder zu wählen – diese Bürgerrechte sind fast überall auf der Welt an eine Geburtsurkunde gebunden. Nicht gemeldete Kinder haben also de facto keine Bürgerrechte und sind Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen wehrlos ausgeliefert. Dies betrifft vor allem Kinder aus armen Familien, aus ethnischen Minderheiten oder entlegenen Gebieten.

In Benin entbinden zwar mittlerweile 80 Prozent aller Frauen in Gesundheitszentren und könnten dort ihre Neugeborenen auch innerhalb von zehn Tagen kostenlos anmelden. Aber ihre Kinder erhalten traditionell erst nach acht Tagen ihren Namen. Dann sind die Mütter in der Regel wieder in ihre Dörfer zurückgekehrt. Nach Ablauf der Frist kostet eine Geburtsurkunde umgerechnet rund 28 Euro – eine horrende Summe für eine arme Familie.

Unbürokratische Erfassung ermöglichen

Angélique Kidjo hat die Regierung ihrer Heimat aufgefordert, die Geburtenregistrierung zu vereinfachen und den Kindern nicht ihre Rechte vorzuenthalten. UNICEF setzt sich in Benin wie auch in anderen Ländern für eine unbürokratische Erfassung aller Neugeborenen ein. Freiwillige Helfer in den Dörfern informieren die Familien über die Wichtigkeit der Dokumente. UNICEF und seine Partner helfen zudem besonders benachteiligten Kindern, die wichtigen Dokumente zu bekommen, damit sie zur Schule gehen und eine Ausbildung machen können.

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