Nach den Erdbeben in Venezuela: „Kinder haben alles verloren“
Die schweren Erdbeben vom 24. Juni haben in Venezuela eine humanitäre Katastrophe ausgelöst, deren Ausmaß sich mit jedem weiteren Tag deutlicher zeigt. In den betroffenen Gebieten sind rund 1,8 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, darunter 680.000 Kinder. UNICEF-Teams sind rund um die Uhr im Einsatz, um lebensrettende Hilfe für Kinder und Familien zu leisten.
+++ Update 29. Juni 2026, 16:15 Uhr +++
„Meine Familie und ich waren in unserem Apartment in Caracas, als plötzlich die Erde bebte. Meine beiden kleinen Kinder, meine Frau und auch ich hatten große Angst, weil wir befürchteten, unter den Trümmern verschüttet zu werden. Wir wissen bereits, dass im Land viele Hundert Menschen ums Leben gekommen sind, Tausende verletzt wurden und Zehntausende noch immer vermisst werden. Häuser, Schulen und Krankenhäuser sind zerstört. Viele Kinder haben von einem Moment auf den anderen ihr Zuhause verloren“, berichtet Gabriel Vockel, stellv. Leiter von UNICEF in Venezuela.

Gabriel Vockel, stellv. Leiter von UNICEF in Venezuela vor einem Haus, das durch die Erdbeben zerstört wurde.
© UNICEFSeitdem koordiniert der Deutsche gemeinsam mit dem UNICEF-Team vor Ort unermüdlich die Hilfe für Kinder vor Ort. Weniger als 24 Stunden nach den Erdbeben brachte UNICEF ergänzend zu den vorhandenen Beständen in der Region weitere Hilfsgüter aus seinen Warenlagern in Panama und Dänemark auf den Weg - darunter medizinisches Material, Wasser- und Hygieneartikel, Zelte und Rollstühle für rund 100.000 Menschen.
Gemeinsam mit dem UNICEF-Team ist er gestern nach La Guaira gereist, um sich in einem der am schwersten betroffenen, noch immer schwer zugänglichen Gebiete ein Bild von der Lage zu machen und zusätzliche Hilfe auf den Weg zu bringen. Im folgenden Video berichtet Gabriel Vockel von vor Ort über die Situation und die Nothilfe.
In Notfällen wie diesem zählt jede Minute. Auf die schwere Erdbebenkatastrophe darf nicht noch eine weitere Katastrophe durch Krankheiten, fehlendes Trinkwasser und unzureichende medizinische Versorgung folgen.
UNICEF Deutschland ruft zu Spenden für die Kinder in Venezuela auf
UNICEF ruft dringend zu Spenden auf: www.unicef.de
Deutsches Komitee für UNICEF e.V.
SozialBank Köln
DE57 3702 0500 0000 3000 00
BFSWDE33XXX
Stichwort: Erdbeben Venezuela
» Unser deutscher Kollege Gabriel Vockel, stellv. Leiter der UNICEF-Programme in Venezuela, steht für Interviews aus Caracas zur Verfügung.
» Bild- und Videomaterialien stehen hier für die Berichterstattung zur Verfügung.
+++ Update 28. Juni 2026, 10:00 Uhr +++
Nach Erdbeben in Venezuela: Rund 680.000 Kinder benötigen humanitäre Hilfe
Laut UNICEF sind nach den Erdbeben vom 24. Juni in Venezuela 1,8 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, darunter 680.000 Kinder. Innerhalb einer Minute erschütterten zwei Beben der Stärke 7,2 und 7,5 das Land – das schwerste seismische Ereignis seit über 100 Jahren. Nach ersten Satellitenanalysen ist in Catia La Mar im Bundesstaat La Guaira fast ein Drittel der Gebäude beschädigt. Die Region gehört zu den am schwersten betroffenen Gebieten.

Am 26. Juni 2026 durchsuchen Gruppen in La Guaira, Venezuela, Trümmer, nachdem zwei schwere Erdbeben am 24. Juni zum Einsturz von Wohnhäusern und Gebäuden geführt haben. Tausende Menschen gelten noch als vermisst, und viele suchen möglicherweise noch nach Angehörigen, die unter den Trümmern begraben sind.
© UNICEF/UN0876806/Rosali HernandezDie Not wird immer deutlicher
„Das Ausmaß der Not wird immer deutlicher“, sagte Manuel Rodriguez Pumarol, Leiter von UNICEF in Venezuela. „Die Krankenhäuser und ihr Personal arbeiten weit über ihre Kapazitäten hinaus. Tausende Kinder haben keinen verlässlichen Zugang zu sicherem Trinkwasser, und viele Schulen wurden beschädigt. UNICEF weitet die humanitäre Hilfe für Kinder und Familien gemeinsam mit der venezolanischen Regierung und seinen Partnern weiter aus. Damit diese Unterstützung in den kommenden Wochen aufrechterhalten werden kann, sind zusätzliche finanzielle Mittel dringend erforderlich.“

Manuel Rodríguez Pumarol, Leiter von UNICEF in Venezuela und sein Team besuchen am 28. Juni drei Notunterkünfte im Bundesstaat La Guaira in Venezuela. Das Team ermittelte den dringenden Bedarf der betroffenen Familien, insbesondere von Kindern und Müttern.
© UNICEF/UN0876936/Schulen und Krankenhäuser stark betroffen
In den Bundesstaaten La Guaira, Caracas, Carabobo, Aragua und Falcón wurden zahlreiche Krankenhäuser schwer beschädigt. Einige Einrichtungen arbeiten am Limit, wodurch die Versorgung von Kindern und schwangeren Frauen beeinträchtigt ist. Vorläufigen Angaben zufolge wurden allein im Hauptstadtbezirk 432 Schulen beschädigt – mehr als ein Drittel aller Schulen dort. Dadurch wird der Zugang vieler Kinder zu Bildung unterbrochen. Wenn weitere Gebiete erfasst sind, dürfte die Zahl der betroffenen Schulen noch deutlich steigen. Unbeschädigte Schulen werden von den Behörden vorübergehend als Unterkünfte für vertriebene Familien genutzt.
UNICEF weitet Nothilfe aus
Gemeinsam mit der venezolanischen Regierung, den Vereinten Nationen und weiteren humanitären Partnern hat UNICEF seine Nothilfe ausgeweitet, zusätzliches Personal entsandt und Hilfsgüter mobilisiert. Damit sollen schätzungsweise 650.000 Menschen erreicht werden, darunter 234.000 Kinder. Die Hilfe umfasst die Bereiche Gesundheit, Ernährung, Wasser- und Sanitärversorgung, Kinderschutz und Bildung.
Gestern traf in Valencia ein erster UNICEF-Hilfsflug aus dem regionalen UNICEF-Lager in Panama ein. An Bord waren 20 Tonnen medizinischer Hilfsgüter, Wasser- und Hygieneartikel sowie Zelte. Ein zweiter Hilfsflug aus dem globalen UNICEF-Logistikzentrum in Kopenhagen wird in den kommenden Tagen folgen. Zusammen sollen beide Lieferungen mehr als 100.000 Menschen erreichen.

Bereits am 27. Juni traf eine UNICEF-Luftfrachtlieferung mit 20 Tonnen medizinischen Hilfsgütern, Wasser und Hygieneartikeln in Venezuela ein.
© UNICEF/UN0876827/UNICEF benötigt für die Nothilfe nach den Erdbeben 52 Millionen US-Dollar. Insgesamt beläuft sich der UNICEF-Nothilfeaufruf für Venezuela in diesem Jahr auf 137,6 Millionen US-Dollar. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen ruft dringend zu Spenden auf, um die Hilfe in den kommenden Wochen fortzusetzen.
Über UNICEF: Hilfe für Kinder seit 80 Jahren
Das UN-Kinderhilfswerk wurde vor 80 Jahren am 11. Dezember 1946 ins Leben gerufen, um Kindern im vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Europa zu helfen. Heute setzt sich UNICEF weltweit in über 190 Ländern für die Umsetzung der Rechte aller Kinder ein. Von der schnellen Nothilfe bis zu langfristigen Programmen hilft UNICEF, dass Mädchen und Jungen überall auf der Welt gesund und geschützt groß werden und ihre Fähigkeiten voll entfalten können.
Das Deutsche Komitee für UNICEF mit Sitz in Köln wurde 1953 als Verein gegründet und ist heute eine der wichtigsten Stützen der weltweiten UNICEF-Arbeit. In ganz Deutschland sind rund 7.000 ehrenamtliche Erwachsene und Jugendliche für UNICEF aktiv. Mit Programmen und politischer Arbeit trägt UNICEF Deutschland auch hierzulande zu einem besseren Verständnis der Rechte und der Belange von Kindern bei. Weitere Informationen: www.unicef.de.