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HAITI: EINS VON DREI KINDERN BENÖTIGT HUMANITÄRE HILFE
Port-au-Prince/Genf/Köln
Freitag, 9. Juli 2021, 13:00 Uhr

UNICEF IST ALARMIERT ÜBER DIE DESOLATE HUMANITÄRE SITUATION VON KINDERN UND FAMILIEN 

Haiti: Ein kleines Mädchen in Port-au-Prince.

© UNICEF/UN0469221/Moreno Gonzalez

Rund ein Drittel der Kinder in Haiti - mindestens 1,5 Millionen - sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Zu den Gründen zählen zunehmende Gewalt, der eingeschränkte Zugang zu sauberem Wasser, Gesundheitsversorgung und Nahrungsmitteln, die pandemiebedingte Unterbrechung von Bildungs- und Hilfsangeboten sowie Wirbelstürme.

UNICEF ist zutiefst besorgt, dass steigende Gewalt und Unsicherheit in Folge der Ermordung des haitianischen Präsidenten die humanitäre Arbeit unserer Teams vor Ort und ihre Fähigkeit, die am meisten gefährdeten Kinder und Familien zu erreichen, vor große Herausforderung stellen könnte.

UNICEF verfügt zwar über lebensrettende Hilfsgüter in Haiti, aber anhaltende Gewalt und Instabilität könnten die Lieferung und den Nachschub an lebenswichtigen Gütern für Kinder verhindern.

„Dies ist die schlimmste humanitäre Krise, die das Land in den letzten Jahren erlebt hat, und sie verschlimmert sich Woche für Woche", sagte Bruno Maes, UNICEF-Landesdirektor in Haiti. „Das Überleben vieler Kinder hängt von humanitärer Hilfe und lebensnotwendigen Hilfsgütern wie Impfstoffen, Spritzen, Medikamenten und therapeutischer Nahrung ab. Wenn es zu Kämpfen zwischen Banden auf der Straße kommt und es zum Schusswechsel kommt, ist es schwierig, die am meisten gefährdeten Familien mit lebenswichtigen Hilfsgütern zu erreichen. Wenn humanitären Organisationen kein sicherer Zugang gewährt wird, werden Tausende von Kindern wenig bis gar keine Hilfe erhalten."

UNICEF ist alarmiert über die desolate humanitäre Situation von Kindern und Familien in Haiti, die sich seit Beginn dieses Jahres rapide verschlechtert hat. Allein in den ersten drei Monaten des Jahres 2021 ist die Zahl schwer mangelernährter Kinder, die Hilfe in Gesundheitseinrichtungen suchten, um 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Seit Anfang Juni ist es in einigen Stadtgebieten der Hauptstadt Port-au-Prince zu neuen Zusammenstößen zwischen rivalisierenden bewaffneten Banden gekommen, in deren Folge Hunderte von Häusern niedergebrannt oder beschädigt wurden. Mehr als 15.000 Frauen und Kinder mussten aufgrund der Gewalt in und um Port-au-Prince ihr Zuhause verlassen, 80 Prozent von ihnen allein in den letzten vier Wochen.

Der jüngste Ausbruch der Gewalt findet vor dem Hintergrund steigender Covid-19-Fallzahlen statt. Ende Juni wurden mehr als 18.500 bestätigte COVID-19-Fälle und 425 Todesfälle gemeldet. Die wichtigsten Krankenhäuser zur Behandlung von Covid-19 sind überlastet und verzeichnen einen Mangel an Sauerstoff. Manche Patienten sterben, weil Krankenwagen sie wegen der Bandengewalt nicht mit Sauerstoff und Notversorgung erreichen können.

„Haiti ist das einzige Land in der westlichen Hemisphäre, in dem noch keine einzige Dosis des COVID-19-Impfstoffs angekommen ist. Das ist inakzeptabel", sagte Bruno Maes. „Die Bandengewalt in und um Port-au-Prince wird die Ankunft der Covid-19-Impfstoffe wahrscheinlich weiter verzögern und ihre Verteilung erschweren. Vor dem Hintergrund steigender Fallzahlen bedroht jeder weitere Tag ohne Impfstoff Hunderte von Leben."

UNICEF wird die Verteilung, den Transport und die Lagerung von Covid-19-Impfstoffen in Haiti unterstützen. In den vergangenen drei Jahren hat UNICEF in Haiti über 920 Solarkühlschränke installiert, um die Kühlkette vor allem in abgelegenen Gebieten mit unzuverlässiger Stromversorgung zu stärken. Insgesamt hat UNICEF 96 Prozent aller haitianischen Gesundheitseinrichtungen mit Solarkühlschränken ausgestattet.

Zunehmende Bandenkriminalität und wachsende Unsicherheit erschweren die humanitären Hilfe in den Außenbezirken von Port-au-Prince. UNICEF verstärkt daher seine Bemühungen, die Logistik zu verbessern und alternative Routen in Betracht zu ziehen, um Kinder in Not zu erreichen.

UNICEF fordert ein Ende der Bandengewalt und sicheren humanitären Zugang, um Kinder und ihre Familien in den am stärksten betroffenen Gebieten von Port-au-Prince mit humanitärer Hilfe zu erreichen.  

Im Jahr 2021 benötigt UNICEF für seine Hilfe in Haiti 48,9 Millionen US-Dollar. Lediglich 31 Prozent davon sind derzeit finanziert.

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Chrisitine Kahmann, UNICEF Deutschland

CHRISTINE KAHMANN

Pressesprecherin - Aktuelle Themen, Nothilfe
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