"WASSER WIRKT": EVA PADBERG IN KAMBODSCHA

TAG 1: GESUNDHEITSZENTRUM IM ARMENVIERTEL

Direkt nach der Ankunft in Kambodscha geht es kurz zum Hotel und dann weiter mit dem Auto in die Siedlung Stunt Meanchey, einem Vorort der Hauptstadt Phnom Penh. Ich tauche direkt ab in eine andere Welt, eine Welt, die weit entfernt ist von allem, was wir als normal empfinden. Wenn man es genau nimmt, ist das Armenviertel eigentlich eine Müllhalde. Die Familien, die dort leben, verdienen durch den Verkauf von gesammeltem und vorsortiertem Müll ihren Unterhalt, alles was übrig bleibt, bleibt liegen. Mehr als 1.400 Familien leben auf oder in unmittelbarer Nähe der Müllhalde, ohne direkten Wasseranschluss oder Latrinen.

Kambodscha: Drei Mädchen in der Siedlung Stunt Meanchey (© UNICEF Deutschland/Claudia Berger)

Drei Mädchen in der Siedlung Stunt Meanchey.
© UNICEF Deutschland/Claudia Berger

Versorgung für Schwangere und Babys mitten im Armenviertel

Hinter jeder Kurve, um die wir fahren, türmt sich der Müll noch höher, zerfetzte Plastiktüten und Flaschen bedecken fast den ganzen Boden und schließlich, als die Straße fast zu eng wird um sie zu passieren und es verwahrloster kaum noch geht, kommen wir an. Dort, in einem der ärmsten Armenvietel von Kambodscha, unterstützt UNICEF ein Gesundheitszentrum, welches sich vor allem um schwangere Frauen und die gesundheitliche Versorgung von Babys kümmert.

Kambodscha: Eva Padberg mit der taubstummen Sok Lang (© UNICEF Deutschland/Claudia Berger)

In der Siedlung Stung Meanchey lernte Eva Padberg die taubstumme Sok Lang kennen.
© UNICEF Deutschland/Claudia Berger

Alle drei Monate gibt es einen Tag, an dem Impfungen für Neugeborene und Kleinkinder durchgeführt werden. Die Mütter werden beraten, wie sie sich im Fall von Krankheiten etc. verhalten sollen und wie sie sich und ihre Kinder gesund ernähren können.

Sineth: „Hauptsache, das Baby ist gesund“

Ich treffe Sineth, 17 Jahre. Sie erwartet in zehn Tagen ihr erstes Baby. Sieben Jahre ging sie zur Schule, mit 16 hat sie geheiratet.

Sie ist eine winzige Person und der Arzt, der uns bei dem Besuch begleitet, erklärt, dass es deshalb zu Komplikationen bei der Geburt kommen kann: "Ich habe ein bisschen Angst vor der Geburt, ich möchte mein Kind im Krankenhaus bekommen“, sagt Sineth. „Mir ist egal, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, Hauptsache, das Baby ist gesund."

Im Zentrum bekommt sie alle praktischen Informationen zur Geburt und Beratung über den Umgang mit ihrem Baby, zum Beispiel, dass Stillen und Hautkontakt sehr wichtig sind.

Kambodscha: Eva Padberg im Gespräch mit schwangeren Frau (© UNICEF Deutschland/Claudia Berger)

Eva Padberg unterhält sich mit Sineth über die bevorstehende Geburt.
© UNICEF Deutschland/Claudia Berger

Fliegende Toiletten

Da das Gesundheitszentrum sehr zentral im Armenviertel von Stunt Meanchey liegt, was es für die Einwohner leicht erreichbar macht, mache ich noch einen Rundgang durch die umliegenden "Straßen".

Ich frage eine paar Frauen, die am Straßenrand Eis verkaufen, was mir angesichts der großen Armut ein wenig bizarr erscheint, ob es denn hier einen Wasseranschluss gibt oder Toiletten. Eine zentrale Wasserstelle gibt es, ja, aber Toiletten oder Latrinen? Nein. Ob sie denn gern Toiletten hätten, möchte ich wissen. „Nein, wozu denn? Wir haben hier die "flying toilets". Wir machen unser Geschäft in eine Plastiktüte und dann ab damit auf die Wiese oder ins Gebüsch", erklären sie mir mit weit ausholenden Handbewegungen.

Kambodscha: Abfallberge am Straßenrand einesArmenviertels (© UNICEF Deutschland/Claudia Berger)

Abfallberge am Straßenrand des Armenviertels von Stunt Meanchey.
© UNICEF Deutschland/Claudia Berger

Ich frage mich, wie man den Menschen denn am besten aus so einer Situation raushilft und wie UNICEF sie dazu bewegen will, etwas an ihren Lebensgewohnheiten zu ändern, was für sie so natürlich und normal erscheint?

Ziemlich nachdenklich mache ich mich mit dem Rest des Teams auf den Rückweg zum Hotel und hoffe, am nächsten Tag ein paar erleuchtende Antworten zu bekommen.