Eine ganz normale Klasse © Mani Thomasson

EINE GANZ TOLLE KLASSE

Das Musiktheaterstück "Eine ganz normale Klasse" beschäftigt sich mit den Kinderrechten - und zeigt wie wichtig es ist, sich für diese aktiv im Alltag einzusetzen.

Es ist ein schöner Sonntagabend und der Festsaal des Rathauses Charlottenburg füllt sich mit Großen und Kleinen, die sich lebendig unterhalten und gespannt ihre Plätze einnehmen. Um 19 Uhr wird es langsam leiser, die Schauspieler und Schauspielerinnen kommen auf die Bühne - das Musiktheaterstück „Eine ganz normale Klasse” zum Thema Kinderrechte beginnt. Es spielen das Jugendensemble Klartext – 9 junge Mädchen und Jungen und der Schauspieler Thomas Ahrens. Es handelt sich um ein Projekt, das durch Landesmittel für ,,Kiezorientierte Gewaltprävention” gefördert wird, in Kooperation mit der Stabstelle Bildung für nachhaltige Entwicklung des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf.

Rathaus Charlottenburg

Die Premiere von "Eine ganz normale Klasse" fand im Rathaus Charlottenburg statt.
© UNICEF

Das Stück fängt an und nun wird man in die Atmosphäre eines Schulunterrichts hineinversetzt. Es verläuft ein normaler Unterricht in der 11. Klasse, dessen Thema die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen ist, die in diesem Jahr 30 Jahre alt wird. Die Schüler und Schülerinnen reagieren zunächst mit einem ironischen Lächeln – “Schön wär’s” schmunzeln da einige, andere schauen auf das Handy. Diese Konvention möge es geben, meint die Klasse einstimmig, aber deren Inhalt - die Kinderrechte - werden im Alltag der Kinder häufig nicht umgesetzt, sondern manchmal sogar schmerzhaft verletzt. Die Jugendlichen erzählen von Fällen aus ihrem Alltag, die im Widerspruch zu der UN-Konvention über die Rechte des Kindes stehen: viele hätten z.B. nicht genug Freizeit, oft blieben die eigenen Talente und persönlichen Interessen unberücksichtigt und vergessen. Außerdem fehlt es manchmal an finanzieller Sicherheit und über eine glückliche Familie können sich bei Weitem nicht alle freuen. Die traurigste Geschichte erzählt aber einer der Jungs, dessen Vater Alkoholiker ist – und seine Frau und Kinder zu Opfern häuslicher Gewalt macht. In der Schule bekommen die Schüler und Schülerinnen nun die Aufgabe, sich im Rahmen einer Gruppenarbeit mit den Kinderrechten auseinanderzusetzen und diese kreativ darzustellen.

Opfer häuslicher Gewalt - einer der Schüler mit seinem Vater © Mani Thomasson

Kinderrechte leben sieht anders aus...
© Mani Thomasson

Einige Tage später lernt die Klasse das Flüchtlingsmädchen Kalila aus Pakistan kennen, das einer Zwangsheirat in ihrem Heimatland knapp entflohen ist und sich zurzeit in einem Flüchtlingscamp in Berlin aufhält. Die Klasse reagiert entsetzt auf ihre Geschichte – und entscheidet sich, sie als Grundlage ihrer Präsentation zu verwenden und dabei auf Verletzungen von Kinderrechten aufmerksam zu machen. Der Klassenlehrer ist zwar begeistert von der Präsentation – als er aber im Anschluss von den Jugendlichen darum gebeten wird, die Patenschaft für Kalila zu übernehmen und sie somit vor einer Abschiebung und Zwangsheirat zu retten, weigert er sich. Die Jugendlichen sind wütend und enttäuscht: Genau diese Einstellung der Erwachsenen verhindere die eigentliche Umsetzung der Kinderrechte, meinen die Vortragenden. Schutz vor Missbrauch ist ein grundlegendes Kinderrecht. Kinder auf der Flucht haben außerdem das Recht auf besonderen Schutz und Hilfe seitens der Erwachsenen. Wenn aber selbst ein Lehrer, der über die UN-Kinderrechtskonvention aufklärt, nicht bereit ist, sich dafür einzusetzen – wer sollte das dann bitteschön tun?

Kalila erzählt ihre persönliche Geschichte © Mani Thomasson

Die Klasse entscheidet sich, Kalila zu helfen und sie vor einer Zwangsheirat zu retten.
© Mani Thomasson

Zum Schluss des Stückes gibt es noch eine Abschlussfeier, wo der neue Direktor gewürdigt wird. Nun müssen die Jugendlichen da sein und sich freundlich zeigen… Wie aber, wenn die Sicherheit ihrer neuen Freundin Kalila nicht sichergestellt ist und sie einfach ihrem Schicksal überlassen wird? Statt zu schweigen entscheiden sich die jungen Mädchen und Jungen, sich für die Rechte von Kalila, aber auch für die jedes anderen Kindes stark zu machen. Mit viel Entschlossenheit, aber auch guter Laune und Musik erobern sie die Feier – und verurteilen die Passivität und Gleichgültigkeit der Erwachsenen. “Wir fordern unsere Rechte, für uns und unseren Planeten!”, singen sie dann am Ende. 

Singen für die Kinderrechte © Mani Thomasson

Mit viel Kreativität, aber auch kluger Entschlossenheit liefern die Jugendliche ihre Botschaft.
© Mani Thomasson

Liebe Kinder und Jugendlichen, eure klare Botschaft und charmante Darstellung sind beeindruckend! Die Kinderrechte müssen von allen Erwachsenen geachtet werden. Solange diese nicht überall und für jedes Kind sichergestellt und auch eingehalten werden, müssen sich Große und Kleine dafür stark machen - genau so wie ihr es macht!

Margarita Georgieva und Ina Georgieva