Ganz Chor für Mädchenrechte © BMC/UNICEF

GANZ CHOR FÜR MÄDCHENRECHTE

„Vielerorts werden Millionen von Mädchen schwer benachteiligt: Z. B. werden sie abgetrieben, weil sie Mädchen sind. Kommen sie zur Welt, werden sie schlechter ernährt oder medizinisch versorgt als ihre Brüder. Mädchen erleiden aktuell in 30 Ländern das grausame Ritual einer Genitalverstümmelung. Millionen von Mädchen werden auf Kindesbeinen verheiratet, werden Mütter, müssen ganztags im Haushalt arbeiten, können nicht zur Schule gehen und erfahren Misshandlung durch häusliche und sexuelle Gewalt“, so fasst Ann-Katrin Fahrenkamp, Leiterin der UNCEF-Arbeitsgruppe Berlin, die unfassbar grausame Realität vieler Mädchen weltweit zusammen. Im Rahmen des Jubiläums 30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention und zum Anlass des Weltmädchentages am 11. Oktober hat UNICEF Berlin in Zusammenarbeit mit dem Chorverband Berlin und dem Berliner Mädchenchor ein Benefizkonzert organisiert. Im Vorfeld dieser großartigen Aufführung veranstaltete UNICEF verschiedene Workshops mit dem Mädchenchor zum Thema Mädchenrechte, um für Missstände und die eigenen Rechte zu sensibilisieren. 

An dem letzten Samstag im September fand im eher kargen, jedoch schroff-schönen Ambiente der Parochialkirche in Berlin-Mitte ein eindrucksvolles, da äußerst professionelles, und eindringliches, da thematisch aufrührendes, Konzert des Berliner Mädchenchors statt. Diese Benefizveranstaltung stand unter der Schirmherrschaft der Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey. Die klangvollen Stimmen der Mädchen und jungen Frauen richteten dabei den Blick auf eine Problematik, welche vor allem in vielen patriarchisch-geprägten Gesellschaften, aber auch immer noch in Deutschland und der EU besteht: die Unterdrückung von Mädchen und die Missachtung ihrer Selbstbestimmung sowie persönlichen Entfaltung. 

BMC_Benefizkonzert_1

© UNICEF-AG Berlin

Bevor sich nun aber die Holzbänke zu diesem Benefizkonzert füllen konnten, ging dem Projekt Ganz Chor für Mädchenrechte eine halbjährige Vorbereitungsphase voraus; die zugrunde liegende Kooperation zwischen UNICEF Berlin, dem Chorverband Berlin und dem Berliner Mädchenchor wurde dabei bereits Ende des vergangenen Jahres beschlossen. So beschäftigte sich die regelmäßige Chorarbeit des Mädchenchors unter der Leitung von Sabine Wüsthoff und die von UNICEF veranstalteten Workshops in den letzten Monaten mit den Rechten von Mädchen, darunter das für die eigene Entfaltung überaus relevante Recht auf Bildung. Als Höhepunkt wurde ein Abend gestaltet, der diesen Anspruch auch kunstvoll markiert.

Den Anstoß für diese Kooperation begründete der Internationale Mädchentag, welcher jedes Jahr am 11. Oktober auf die diversen Benachteiligungen von Mädchen aufmerksam machen soll. An diesem globalen Aktionstag werden die unterschiedlichen Lebensbedingungen von Mädchen in den Fokus gerückt; unter anderem mit dem Ziel, ihre Gleichberechtigung voranzubringen. Da der Welt-Mädchentag nun aber in den Berliner Herbstferien liegt, wurde die Aufführung bereits zwei Wochen vor dem eigentlichen Termin abgehalten. Denn auch das Recht auf Erholung ist in der UN-Kinderrechtskonvention verbrieft, so stellte es Petra Merkel, die Präsidentin des Chorverbands Berlin, in ihrer Ansprache humorvoll fest.

BMC_Benefizkonzert_2

© UNICEF-AG Berlin

Die UN-Kinderrechtskonvention feiert in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag. Im Jahre 1989 beschlossen die UN-VertreterInnen nach 10-jähriger gemeinsamer Arbeit das Übereinkommen über die Rechte des Kindes. In diesem Regelwerk sind die ganz eigenen Bedürfnisse und Interessen von Kindern aufgenommen. Darin festgehalten sind neben dem bereits erwähnten Recht auf Freizeit beispielsweise auch das Recht auf Schutz vor Gewalt sowie das Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit. Bemerkenswert ist, dass dieser Kinderrechtskonvention bisher mehr Staaten beigetreten sind als allen anderen UN-Konventionen. Lediglich die Vereinigten Staaten von Amerika haben diese Konvention bisher leider (noch) nicht ratifiziert.

Bei dem Berliner Mädchenchor handelt es sich um die älteste sowie größte Chorschule für Mädchen in Berlin. Bereits 1986 gegründet und seit über 25 Jahren zur städtischen Musikschule City West gehörend, ist der Mädchenchor zudem Mitglied im Chorverband Berlin. Aktuell singen mehr als 200 Mädchen und junge Frauen in fünf aufeinander aufbauenden Chorklassen. Dieses außerschulische Bildungsangebot steht Schülerinnen bereits ab der ersten Klasse offen. Eine Aufnahme in die Vorchöre ist ohne Vorkenntnisse sowie Vorsingen möglich – hierbei spielen weder religiöse Zugehörigkeit noch soziale Herkunft eine Rolle. Konzertreisen führten den Mädchenchor zuletzt u. a. nach Japan (2019) und Zypern (2017).

BMC_Benefizkonzert_3

© UNICEF-AG Berlin

Das Lieder-Repertoire in dieser Aufführung variierte zwischen klassischen Werken von Robert Schumann, darunter Meerfey, op. 69 Nr. 5, und zeitgenössischen Stücken, wie z. B. Be Like a Bird von Abbie Betinis. Als finalen Abschluss wurde eine Kollektivkomposition der Chormädchen mit dem Titel Wir haben das Recht präsentiert, welche in den vergangenen Monaten entstanden ist. Darin wird eindringlich gefragt: „WAS ist mit uns und freier Bildung? I WAS ist mit uns und Meinungsfreiheit?“ Die selbstgegebenen Antworten konnten nicht treffender sein: „WIR haben das Recht auf Selbstbestimmung, I WIR haben das Recht, wir selbst zu sein!“ Die choreografischen Elemente unterstrichen dabei die Prägnanz der Forderungen.

Die im Rahmen des Konzertes eingenommenen Spenden werden an eine Einrichtung weitergeleitet, welche dem Mädchenchor selbst am Herzen liegt. Dabei handelt es sich um das UNICEF-Projekt House of Colors in Tirana. Der Wunsch, dieses Projekt zu unterstützen, entstand, als der albanische Mädchenchor vom Kunstlyzeum Jordan Misja aus Tirana die Berlinerinnen in der Vorbereitung besuchte. In gemeinsamen Workshops wurde neben Mädchenrechten auch über die dortige Situation gesprochen, wo die Hälfte der Frauen und Mädchen bereits eine Form der Gewalt erleiden musste. Mit dem Haus der Farben wird ein Projekt unterstützt, das Straßenkindern und Opfern häuslicher Gewalt einen Zufluchtsort und Hilfe bietet.

BMC_Benefizkonzert_4

© UNICEF-AG Berlin

Es ist kaum nachvollziehbar, dass die Einhaltung von Mädchenrechten bzw. die Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen auch noch im 21. Jahrhundert – im Zeitalter der fortschreitenden Digitalisierung und weitreichenden Globalisierung – nicht als Selbstverständlichkeit erscheint. Mit dem durch das Konzert eingesammelten Geld – nochmals vielen Dank an alle UnterstützerInnen und auch an alle zukünftigen SpenderInnen (s. Bankverbindung unten) – kann doch wenigstens einigen Mädchen geholfen werden. So war dieses Benefizkonzert nicht nur für die Mitwirkenden und ZuschauerInnen ein unvergessliches Ereignis, sondern konnte auch das Haus der Farben bei der immens wichtigen Arbeit unterstützen. 

Weitere Informationen, wie sich UNICEF weltweit für Mädchen stark macht, finden Sie hier.

Patrick Pobuda