Heute ist Red Hand Day! © UNICEF/DT2017-53645/Darman Nesaei

RED HAND DAY 2020

Zum heutigen Red Hand Day, dem Internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten, ruft UNICEF erneut alle Regierungen rund um den Globus dazu auf, die Rekrutierung von Minderjährigen für militärische Zwecke unverzüglich einzustellen. Um auf die Problematik aufmerksam zu machen, sammeln UNICEF-Gruppen weltweit rote Handabdrücke.

Der Red Hand Day hatte seinen Anfang am 12. Februar 2002, also an dem Tag, an dem das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention, das die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten unter Verbot stellt, Wirksamkeit erlangte. Nun jährt sich der Gedenktag bereits zum 19. Mal und obwohl das Zusatzprotokoll inzwischen von 170 Staaten ratifiziert wurde, hat das Problem nach wie vor nicht an Aktualität eingebüßt, weshalb auch in diesem Jahr wieder in der ganzen Welt zahlreiche Protestaktionen mit roten Handabdrücken geplant sind. Schätzungen gehen davon aus, dass sich die Anzahl der Kindersoldaten derzeit auf 250.000 beläuft, wobei international circa 20 Länder, vornehmlich aus dem Nahen Osten, Afrika und Asien, zum Zustandekommen dieser Zahl beitragen.

Die Lage in Afrika und im Nahen Osten ist verheerend

Allein in Nigeria sind momentan etwa 2.000 Kinder als Soldaten im Einsatz. Diese meist von der Terrormiliz Boko Haram verschleppten Minderjährigen werden nicht nur zum Ausüben von Kampfhandlungen gezwungen, sondern zum Teil sogar zu Selbstmordattentätern ausgebildet. Zudem ist bekannt, dass auch das Vereinigte Zivile Einsatzkommando (CJTF), das beim Kampf gegen die Boko Haram auf Seiten der nigerianischen Regierungstruppen steht, auf Kindersoldaten zurückgreift. Seit der Unterzeichnung eines Aktionsplans im Jahre 2017, der die Rekrutierung von Kindern verhindern soll, hat die CJTF immerhin 1.700 Kinder im Nordosten Nigerias auf Druck von UNICEF wieder freigelassen. UNICEF unterstützt diese Kinder seither dabei, ins gesellschaftliche Leben zurückzufinden.

In vielen Ländern in Afrika und im Nahen Osten werden Kindersoldaten eingesetzt. © UNICEF/NYHQ2015-0118/Peru

Die eigentliche Zahl der eingesetzten Kindersoldaten dürfte deutlich höher als die offiziellen Angaben liegen.
© UNICEF/NYHQ2015-0118/Peru

Während der seit 2015 andauernden Militärintervention im Jemen wurden bisher 2.700 Kindersoldaten gezählt, von denen ein Großteil nicht älter als 15 Jahre ist. Viele von ihnen stammen aus dem Sudan, wo sie von der paramilitärischen Gruppe RSF entweder entführt oder aber gekauft werden für einen geringen Betrag, der ihren in Armut lebenden Familien im Gegenzug versprochen wird. Diese Kinder werden schließlich an die saudi-arabische Armee weitergereicht, die die Minderjährigen im Krieg im Jemen für sich an vorderster Front kämpfen lässt. UNICEF setzt sich vehement für die Freilassung dieser Kinder ein und lässt ihnen in Übergangszentren medizinische und psychologische Betreuung zukommen.

Noch bedrückender sieht die Lage in der Zentralafrikanischen Republik aus, die seit dem Jahre 2013 in Gewalt versinkt und deren aktuelle Regierung unter Präsident Touadéra nicht imstande ist, für Stabilität zu sorgen. Denn trotz eines Friedensvertrags wird der Großteil des Landes nach wie vor von verfeindeten christlichen und muslimischen Rebellengruppen kontrolliert. UNICEF geht davon aus, dass seit Kriegsbeginn bis heute 14.000 Minderjährige in Kampfhandlungen verwickelt waren. Mithilfe von UNICEF konnte zumindest die Befreiung mehrerer Tausend Kindersoldaten erwirkt werden, denen das Kinderhilfswerk nun bei der Verarbeitung ihrer Traumata hilft und versucht, Bildung zu vermitteln.

Darum sind Kindersoldaten begehrt

In diesen und vielen anderen Ländern werden Kinder für kriegerische Auseinandersetzungen instrumentalisiert, weil sie als leicht manipulierbar und deutlich kostengünstiger im Vergleich zu erwachsenen Soldaten gelten. Sie werden zumeist durch Misshandlungen, Drogen oder eine geringe Entlohnung von Militärs und Rebellengruppen unter ihre Kontrolle gebracht. Viele von ihnen sind auch Opfer von Entführungen. Bei dem Missbrauch von Minderjährigen als Kämpfer macht man sich zunutze, dass sich Kinder, insbesondere wenn sie noch sehr jung sind, nicht der Tragweite eines Krieges und der Tötung eines Menschen bewusst sind und ihnen Wertvorstellungen weitestgehend fehlen. Zudem wird bei Kindern häufig der Krieg mit einem Abenteuer verwechselt und es fällt ihnen schwer, Gefahrensituationen richtig zu erfassen. Damit die Kinder folgsam und gegenüber Grausamkeiten gefühllos werden, durchlaufen sie nicht nur eine streng autoritäre Ausbildung, sondern werden nicht selten über Jahre sexuell misshandelt.

Oft werden Kindersoldaten zu schlimmsten Gewalttaten gezwungen. © UNICEF/UN0209623/Chol

Die Rekrutierung von Kindersoldaten beraubt Kindern und Jugendlichen gleich mehrere Grundrechte.
© UNICEF/UN0209623/Chol

Werden sie irgendwann dann doch freigelassen, haben sie aufgrund ihrer Erlebnisse mit heftigen Traumata zu kämpfen und sind physisch und psychisch stark verwundet. Zudem gestaltet sich eine Rückkehr in ihr altes Leben als problematisch, denn obwohl sie ihrer Kindheit beraubt wurden und selbst Opfer sind, werden sie von ihren Dorfgemeinden ausschließlich als Täter wahrgenommen und dementsprechend ausgegrenzt. Erschwerend kommt hinzu, dass sie über Jahre keine Schule besuchen haben, was eine Rückkehr in ein normales Leben zusätzlich behindert.

SO HILFT UNICEF

 Anlässlich des Red Hand Days 2020 richtet UNICEF einen eindringlichen Appell an alle Staaten, sich für ein sofortiges Ende dieser Kinderrechtsverletzung starkzumachen. UNICEF selbst tritt bereits seit Jahren unermüdlich gegen die Rekrutierung von Kindersoldaten ein und verlangt ihre Freilassung. So versucht UNICEF Regierungen zur Unterzeichnung und Realisierung von Aktionsplänen zu bewegen, um Neurekrutierungen zu unterbinden. Außerdem werden freigelassene Kindersoldaten nicht sich selbst überlassen. UNICEF sorgt dafür, dass sie in Übergangszentren medizinische und psychologische Hilfe erhalten. Damit sie nicht aus Alternativlosigkeit zurück in die Kriegsgebiete gehen, bietet UNICEF Schul- und Ausbildungsprogramme für ehemalige Kindersoldaten an und eröffnet ihnen somit eine Perspektive.

UNICEF-Schulzentren für ehemalige Kindersolaten © UNICEF/UNI201159/Ohanesian

In speziell eingerichteten Schulzentren erhalten ehemaligen Kindersoldatinnen und -soldaten Zugang zu Bildung.
© UNICEF/UNI201159/Ohanesian

UNTERSTÜTZE DEN RED HAND DAY 2020!

Um am heutigen Red Hand Day auf die Problematik aufmerksam zu machen, sammeln UNICEF-Gruppen aus aller Welt ausgeschnittene rote Handabdrücke an Schulen, Universitäten, auf der Straße oder auch in Parlamenten und Behörden. Die mit Namen und Forderungen versehenen Handabdrücke werden anschließend an Politiker/innen überreicht, mit dem Ziel sie dazu zu motivieren, ihren Einfluss geltend zu machen und die Forderungen der Aktion Rote Hand umzusetzen.

Für Kinderrechte und gegen den Einsatz von Kindersoldaten - Red Hand Day 2020 © UNICEF-AG Berlin

Sei dabei und setze mit uns ein Zeichen gegen die Rekrutierung von Kindersoldaten!
© UNICEF-AG Berlin

Auch Du kannst beim Red Hand Day 2020 mitmachen! Verbreite mit dem Symbol einer roten Hand die Forderung „Stopp! Kein Einsatz von Kindern als Soldaten!“. Animiere Familie, Freunde und Bekannte dazu bei der Aktion mitzuwirken! Macht mit roter Farbe einen Handabdruck auf einem Stück Stoff oder Papier und setzt darunter eure Namen und eure Forderung! Übergebt die gesammelten Abdrücke entweder persönlich oder per Post an den Vertreter eures Wahlkreises! Welcher Politiker für Euren Wahlkreis zuständig ist, könnt ihr ganz leicht unter folgendem Link herausfinden. Also sei dabei und setz ein Zeichen im Kampf gegen Kindersoldaten!

Ajda Omrani