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ZU GAST BEI TERRE DES FEMMES

FÜR EINE WELT OHNE PROSTITUTION

Am 25. Mai war UNICEF Berlin zu Gast bei einer von Terre des Femmes organisierten Diskussionsrunde zu einem Thema, das im Diskurs über Kinderrechte in Deutschland nicht sehr häufig aufkommt. Terre des Femmes setzt sich seit 1981 für die Menschenrechte von Frauen ein und thematisierte mit der Lage und Gesetzgebung zur Prostitution in Deutschland ein hoch sensibles Thema.

Wenngleich viel berechtigte Kritik an der Vermischung von Frauenrechten und Kinderrechten geübt wird, so lässt es sich nicht negieren, dass bereits ungeborene Kinder von der psychosomatischen Verfassung ihrer Mutter beeinflusst werden. Eine sichere Bindung zwischen Mutter und Kind ist essentiell für die Entwicklung des Kindes. Diese Bindung kann Schaden erleiden, wenn die Frau in der Vergangenheit physischer und psychischer Gewalt durch ihre Tätigkeit als Sexarbeiterin ausgesetzt war.

Hauschke Mau, Ex-Sexarbeiterin und Gründerin des Netzwerks für Aussteigerinnen Ella, illustrierte genau so authentisch wie offen die Realität einer in Deutschland tätigen Prostituierten. Zwang, Abhängigkeit, Angst, Ohnmacht und Leid ziehen sich wie rote Fäden durch ihre Erzählungen. Besonders Migrantinnen aus Südosteuropa und verschiedenen Teilen Afrikas seien oft Opfer Krimineller. Unter diesen Frauen befänden sich auch Minderjährige. Frauen gerieten aber nicht nur durch organisierte Kriminalität in die Prostitution. Das soziale Umfeld, die Perspektivlosigkeit sowie ein Mangel an Alternativen führten Frauen und Mädchen gleichermaßen in die Sexarbeit.
Dieses Bild spiegelt sich auch in der Arbeit von UNICEF gegen Kinderhandel, Kinderprostitution und die sexuelle Ausbeutung von Kindern wieder. Seit mehreren Jahren setzt sich UNICEF weltweit für die Stärkung des Kinderschutzes ein, so auch in Südosteuropa. Die Bekämpfung von europaweit organisierten Netzwerken, die Mädchen dazu verleiten, aus ihren Heimatstädten nach Spanien, Frankreich oder auch Deutschland zu kommen, um als Prostituierte zu arbeiten, ist jedoch ein sehr langwieriges und zähes Unterfangen. Minderjährige werden auf der Suche nach Geborgenheit und Sicherheit häufig von Männern, die sich zunächst vertrauenswürdig und fürsorglich zeigen, überredet bzw. Ihrer Freiheit beraubt und zur Sexarbeit gezwungen.

Iana Matei, eine Menschenrechtsaktivistin, die von UNICEF in ihrem Kampf gegen die organisierte Sexarbeit in Rumänien unterstützt wird, beklagt den langsamen Fortschritt. Die Aktivistin hat ein Haus für ausgebeutete Mädchen und Frauen in Bukarest aufgebaut und setzt sich öffentlich für den Schutz von Frauen und Mädchen ein. Auch wenn die Arbeit mit UNICEF gute Erfolge im Bereich der Zusammenarbeit mit nationalen Behörden erzielt, ist die Aktivistin über die Schwerfälligkeit der Gesetzgebung und Behörden frustriert. Ein zentrales Problem sei die Unfähigkeit mit den wechselnden Geschäftsmodellen der Menschenhändler Schritt zu halten. Korruption und mangelnde Aufklärung in der Gesellschaft machen oft die Arbeit von UNICEF alternativlos.

Deswegen sind starke und international gut vernetze Partner wie EPACT für UNICEF bei der Umsetzung der Schutzrechte von Kindern besonders wichtig. In Zusammenarbeit mit ECPAT setzt sich UNICEF deutschland- und weltweit für Kinderschutz und gegen jegliche Form der sexuellen Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen ein. Gemeinsam wurden zum Beispiel Leitlinien für die Tourismusbranche entwickelt, um gezielt gegen die Sextourismusbranche vorzugehen. Unterzeichnende Unternehmen haben sich rechtlich dazu verpflichtet Reisenden Informationen zur sexuellen Ausbeutung von Kindern an Ihren Zielorten zu geben und lokale Strukturen in Kooperation mit Geschäftspartnern gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern zu bilden und auszubauen.

Die Arbeit von UNICEF und ihren Partner zeigt, dass die Prostitution Minderjähriger ein ernst zunehmendes Problem ist. UNICEF bedankt sich bei Terre des Femmes für die Einladung zum Themenabend. Die Arbeit von Terre des Femmes und die differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema Prostitution, leistet einen wichtigen Beitrag zum Kinderschutz in Deutschland, Europa und über Europas Grenzen hinaus.

Rafael Stein