Mit UNICEF: Ola aus Aleppo freut sich in die Schule gehen zu dürfen.

Weibliche Genitalverstümmelung

Weltweit gibt es nach Schätzungen der Organisation der Vereinten Nationen ca. 200 Millionen Mädchen und Frauen, die eine Genitalverstümmelung (englisch: Female Genital Mutilation, FGM) erlitten haben. Die Dunkelziffer liegt jedoch wahrscheinlich deutlich höher. Die körperlichen und psychischen Folgen sind fatal und können im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen.

Am häufigsten betroffen sind jungen Mädchen. In manchen Ländern wird eine Verstümmelung direkt nach der Geburt und in anderen Ländern erst in der Pubertät praktiziert. Hauptsächlich wird FGM in Afrika, Asien und dem Mittleren Osten durchgeführt, aber auch in Europa ist es verbreitet.

Während und nach der Verstümmelung erleiden die Mädchen starke Schmerzen und oftmals entstehen lebenslange Komplikationen. In der Regel werden die Eingriffe ohne geeignete medizinische Instrumente durchgeführt, weshalb das Infektionsrisiko sehr groß ist und die stark blutenden Wunden nicht angemessen versorgt werden können. Nicht selten sterben die Mädchen daher nach den Eingriffen, meist, weil sie verbluten.

Das SOS Kinderdorf listet folgende Folgen von FGM auf:

Körperlichen Folgen:

  • Schmerzen beim Wasserlassen und während der Menstruation
  • Schwere Entzündungen, Abszesse
  • Starke Blutungen, die bis zum Tod durch Verbluten führen können
  • Verlust von sexueller Empfindung
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Unfruchtbarkeit
  • Blasenentzündung oder -lähmung, Inkontinenz
  • Blutvergiftung
  • Tetanus
  • Übertragung von Krankheiten wie HIV/AIDS
  • Schmerzen, Blutungen und Komplikationen bei der Geburt
  • Aufschneiden und erneutes Zunähen der Vagina für die Geburt oder Geschlechtsverkehr, was die Frauen immer wieder Schmerzen und Traumata aussetzt

Psychischen Folgen:

  • Depressionen
  • Angstzustände
  • Geringes Selbstbewusstsein

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es vier verschieden Formen der FGM:

  • FGM-Typ 1: Hierbei wird die Klitoris teilweise oder komplett abgetrennt. In einigen, wenigen Fällen lediglich die Haut über der Klitoris.
  • FGM-Typ 2: Hierbei wird die Klitoris teilweise oder komplett entfernt. Außerdem werden die inneren Schamlippen und in einigen Fällen auch die äußeren abgeschnitten.
  • FGM-Typ 3: Hierbei wird die Vagina zugenäht, sodass nur eine kleine Öffnung für Urin und Menstruation bleibt. Dazu werden häufig Teile der äußeren Geschlechtsorgane abgetrennt und als Haut-Verschluss genutzt. Bei dieser Form der Beschneidung wird häufig auch die Klitoris entfernt.
  • FGM-Typ 4: Unter Typ 4 fallen alle weiteren, schädigenden Prozeduren, die ohne medizinischen Beweggrund durchgeführt werden. Dazu gehören: Verätzungen, Piercings, Ritzen, Einschneiden, Stechen im Genitalbereich.

Laut dem stop mutilation e.V. variieren die Gründe für eine FGM je nach Herkunftsland und Ethnie sehr stark. Oftmals gelten Traditionen als Grund und wer sich nicht an diese hält, wird aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Die FGM ist auch häufig eine Voraussetzung für das Finden eines Mannes und das Heiraten. Durch den Eingriff soll die Sexualität der Frau kontrolliert und vor allem eingeschränkt werden, um die Jungfräulichkeit bis zur Ehe und die Treue während der Ehe zu garantieren. In einigen afrikanischen Gesellschaften findet eine FGM statt, weil die äußeren weiblichen Genitalien als schmutzig und hässlich gelten. In anderen Gesellschaften hingegen wird eine FGM als Initiationsritual zum Erwachsenwerden durchgeführt. Außerdem wird als Begründung oft die Religion angeführt, der man angehörig ist. Die FGM wird bei vor allem bei Christen, Muslimen sowie Anhängern traditioneller Religionen durchgeführt, obwohl FGM weder in der Bibel noch im Koran beschrieben wird und FGM bereits in vorchristlicher und vorislamischer Zeit durchgeführt wurde.

Quellen:

SOS-Kinderdorf (o.J.): Fakten und Zahlen zur Beschneidung von Mädchen und Frauen. Online verfügbar unter https://www.sos-kinderdoerfer.de/unsere-arbeit/fokus/fgm-beschneidung-von-maedchen-und-frauen/fakten-und-zahlen-beschneidung-von-maedchen, zuletzt geprüft am 19.06.2019.

stop mutilation e.V. (o.J.): Gegen die Beschneidung von Mädchen in Europa und Afrika. Online verfügbar unter http://www.stop-mutilation.org/informationen.asp, zuletzt geprüft am 19.06.2019.

United Nations (o.J.): International Day of Zero Tolerance for Female Genital Mutilation, 6 February. Background. Online verfügbar unter https://www.un.org/en/events/femalegenitalmutilationday/background.shtml, zuletzt geprüft am 19.06.2019.