Serbien: Der dreijährige Kan mit einem selbstgebastelten Fernglas.
© UNICEF/UN0465351/PancicSerbien: Der dreijährige Kan mit einem selbstgebastelten Fernglas.
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Gemeinsam Zukunft gestalten

Welche Auswirkungen Covid-19, Konflikte und die Folgen des Klimawandels auf junge Menschen haben und wie UNICEF weltweit Lösungen für Kinder vorantreibt, waren die Themen beim virtuellen Neujahrsgespräch mit UNICEF-Schirmherrin Elke Büdenbender und internationalen Gästen.


von Kerstin Bücker

Die Lage ist ernst: Aktuell bedrohen globale Krisen das Leben der Kinder in einem seit dem Zweiten Weltkrieg kaum gekannten Maß: „Seit der Gründung von UNICEF waren noch nie so viele Kinder und Jugendliche auf humanitäre Hilfe angewiesen wie heute“, so der UNICEF-Vorsitzende Georg Graf Waldersee in seinem Eingangsstatement zum traditionellen Neujahrsgespräch von UNICEF Deutschland. 

UNICEF-Vorstandsvorsitzender Georg Graf Waldersee beim Neujahrsgespräch.

UNICEF-Vorstandsvorsitzender Georg Graf Waldersee bei seinem Eingangsstatement zum Neujahrsgespräch.

Georg Graf Waldersee weiter: „Die COVID-19-Krise hat weltweit – auch bei uns – bestehende Probleme sowie Ungleichheiten verschärft und neue geschaffen. Und schon heute gefährden die Folgen des Klimawandels das Leben von fast jedem zweiten Kind auf der Welt extrem.“

2021 haben sich Kinder und Jugendliche aus Deutschland mit der Frage auseinandergesetzt, wie ihre Zukunft aussehen sollen. Unser Video gibt Ihnen einen kurzen Eindruck davon, welche Themen und Anliegen die jungen Menschen beschäftigen und was sie sich wünschen.

Ein Leben im ständigen Ausnahmezustand

Was die Klimakrise konkret für Familien in Ländern wie Mosambik oder Malawi bedeutet, darüber sprach Mohammed Fall, UNICEF-Regionaldirektor für das südliche und östliche Afrika, im Rahmen der Veranstaltung: „Früher gab es vielleicht alle zehn Jahre eine Dürre oder Überschwemmung. Heute sind Wetterextreme so häufig und so dramatisch, dass die Menschen sich nicht mehr davon erholen können.“

Für das Aufwachsen der rund 250 Millionen Kinder in seiner Region hat das oft gravierende Folgen: Viele gehen nicht mehr zur Schule, weil sie ihre Familien finanziell unterstützen müssen. Sie leiden Hunger oder erhalten nicht einmal mehr die notwendigsten Impfungen.

Mohammed Fall spricht vor Publikum

Mohammed Fall ist seit 2016 UNICEF-Regionaldirektor für das südliche und östliche Afrika

© UNICEF/UNI315843/Abdul

Vom Flüchtlingskind zur Bildungsaktivistin

Eine, die weiß, was es heißt, wenn Krisen und Konflikte das eigene Leben und die Zukunft bedrohen, ist UNICEF-Botschafterin Muzoon Almellehan. Mit 14 Jahren floh sie mit ihrer Familie vor dem Konflikt in Syrien und lebte in verschiedenen Camps für Geflüchtete im benachbarten Jordanien. Hier begann sie, sich leidenschaftlich dafür einzusetzen, dass gerade Mädchen weiter zur Schule gehen können.

Beim Neujahrsgespräch erzählte Muzoon ihre bewegende Geschichte, damit alle Kinder mit ähnlichem Schicksal Unterstützung erhalten. Als UNICEF-Botschafterin will sie ihnen Mut machen, trotz aller Schwierigkeiten ihre Träume zu verfolgen.

Ihre Botschaft an die rund 100 Teilnehmenden aus Politik, Wirtschaft und anderen Organisationen: „Junge Leute kämpfen für ihre Rechte, sie wollen ihre oft bedrückenden Lebensumstände ändern und Teil der Lösung sein. Dabei müssen wir ihnen helfen!“, so die heute 22-Jährige.

Eine glaubwürdige und mächtige Stimme im Einsatz für Kinderrechte. Erfahren Sie in unserem Video mehr über UNICEF-Botschafterin Muzoon Almellehan.

Junge Menschen geben Hoffnung

UNICEF-Schirmherrin Elke Büdenbender bekräftigte eindringlich den Appell, den Optimismus und den Gestaltungswillen der jungen Generation aufzugreifen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Dabei bedeute Optimismus keineswegs die naive Hoffnung, dass alles schon irgendwie gut gehen werde, sondern – so Elke Büdenbender: „Wahre Optimisten sind der Überzeugung, dass nicht alles schiefgehen kann, wenn wir uns Mühe geben, das Richtige zu tun.“

Oder, wie UNICEF-Regionaldirektor Mohammed Fall es trotz der großen Herausforderungen in seiner Region formulierte: „Wenn junge Menschen Unterstützung erhalten, können sie uns Hoffnung geben.“

Elke Büdenbender beim virtuellen Neujahrsgespräch von UNICEF Deutschland

Elke Büdenbender beim virtuellen Neujahrsgespräch von UNICEF Deutschland

Die UNICEF-Agenda für Kinder

Im Rahmen der Veranstaltung wurde einmal mehr deutlich, dass angesichts der dramatischen Lage von Kindern und Jugendlichen weltweit jetzt dringend mehr getan werden muss, um die Rechte gerade der ärmsten und am stärksten benachteiligten Kinder zu sichern.

Um die Herausforderungen anzugehen, hat UNICEF für die Jahre 2022 bis 2025 eine Agenda entwickelt, für die Mohammed Fall um breite Unterstützung warb: Alle Kräfte, das heißt Politik, Wirtschaft und die Zivilgesellschaft müssen zusammenarbeiten, um gemeinsam eine lebenswerte Zukunft für alle zu gestalten – auch für jedes Kind.

Globale Krisen bedrohen das Leben und die Entwicklung von Kindern weltweit. Politik, Wirtschaft und die Zivilgesellschaft müssen dringend mehr tun, um gemeinsam eine lebenswerte Zukunft für alle zu gestalten – auch für jedes Kind. Erfahren Sie in unserem Video, wie ein Wandel für Kinder gelingen kann.

Gemeinsam wirksam helfen

Damit die UNICEF-Agenda für Kinder Wirklichkeit wird, ist es wichtig, Ansätze mit großer Hebelwirkung zu finden. Dazu gehören starke Partnerschaften, sektorübergreifende Ansätze sowie smarte Innovationen – hier einige Beispiele:

UNICEF macht weltweit Fortschritte für Kinder möglich, gemeinsam mit starken Partnern – besonders für die Mädchen und Jungen, die am meisten benachteiligt sind. Das gelingt durch umfassende Ansätze, die in verschiedenen Lebensbereichen von Kindern wirken – von der Ernährung über die Bildung bis hin zum Kinderschutz. So kann die Widerstandsfähigkeit von Kindern und ihren Gemeinschaften gestärkt werden.

So helfen wir zum Beispiel in der Sahelzone in Partnerschaft mit dem Welternährungsprogramm (WFP) und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), die Resilienz der Gemeinden zu fördern. Zu dem vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geförderten Pilotprogramm gehört es, gemeinsam mit den Gemeinden unter anderem in Niger die Gesundheits- und Wasserversorgung zu verbessern, Mangelernährung bei Kindern vorzubeugen und gute lokale Bildungs- und Kinderschutzangebote aufzubauen.

Dafür entwickeln die Dörfer eigene Aktionspläne, die sie selbst umsetzen und laufend überprüfen. Bei akuten Notlagen wie einer Dürre können sie so direkt reagieren und für besonders verletzliche Familien und Kinder zusätzliche Hilfe organisieren. Kinder und Jugendliche sind an den Aktivitäten beteiligt und unterstützen beispielsweise die Hygieneaufklärung.

Wir finden innovative Lösungen für die akuten Herausforderungen und tragen zu wirkungsvollen Verbesserungen bei. In Ländern wie Malawi setzt UNICEF auf innovative Lösungen, die die Situation der Menschen langfristig verbessern. Dazu gehören beispielsweise Drohnen, die Medikamente oder Impfstoffe transportieren. So lassen sich vor allem in schwerzugänglichen Gegenden mehr Menschen erreichen. Vor allem in humanitären Krisen kann der Einsatz von Drohnen lebensrettend sein.

Wir nehmen Kinder und Jugendliche ernst und unterstützen sie, damit sie sich in politische und gesellschaftliche Prozesse einbringen können. Mit U-Report hat UNICEF eine Online-Plattform geschaffen, die schon von 13 Millionen jungen Menschen in 67 Ländern der Welt genutzt wird. Auf U-Report können sie an Umfragen teilnehmen, sich informieren und austauschen oder über Themen berichten, die ihnen wichtig sind. Über 200.000 junge Menschen haben über U-Report an der Entwicklung des neuen Strategieplans von UNICEF mitgewirkt.

Diese Ansätze haben nachweislich große Wirkung für Mädchen und Jungen – und sie brauchen dringend mehr Unterstützung. Damit wir gemeinsam für Kinder und mit Kindern Zukunft gestalten können. Vielen Dank an alle, die dabei mithelfen!

Kerstin Bücker
Autor*in Kerstin Bücker

Kerstin Bücker leitet den Bereich Kommunikation und Kinderrechte bei UNICEF Deutschland.