MAKANI – DAS IST „MEIN ORT“

6. Oktober 2016 von Kerstin Schönenborn 2 Kommentare

Momentan sind zehn unserer UNICEF-Ehrenamtlichen auf Projektreise in Jordanien. Sie alle sind in ihrer Stadt schon länger ehrenamtlich für UNICEF aktiv und haben sich auf die Projektreise beworben. Sie wurden ausgewählt, weil sie wissen, wie sie UNICEF-Anliegen und -Themen den Menschen nahe bringen können und das nach ihrer Reise gerne noch intensiver tun wollen.

Hier im Blog berichten Sie von Ihren Erlebnissen und der UNICEF-Arbeit vor Ort.

Projektreise nach Jordanien Teil 2: Ein Platz zum Lernen, Spielen, Probleme lösen

"Heute geht es zu den Kindern!"

Mit diesem Satz voller Vorfreude bin ich heute Morgen in den kleinen Bus gestiegen, der uns zu einem Makani-Zentrum im Osten Ammans bringt. Makani, das heißt übersetzt "my space", also "mein Ort". Die Bedeutung des Wortes wusste ich bereits vor dieser Reise. Die Bedeutung des Makani-Zentrums für die Kinder und ihren Alltag und was "mein Ort" für sie eigentlich heißt, sollte ich heute eindrücklich kennen lernen.

Projektreise Jordanien: Ankunft der Ehrenamtlichen am Makani-Zentrum

© UNICEF DT/2016/Hai Ha Tran

Unterschiedliche Lebenswelten – ein Makani-Zentrum

Die Kinder kommen mit ganz unterschiedlichen Geschichten und Erfahrungen hier an. Einige der älteren Mädchen sind schon verheiratet, andere passen auf ihre jüngeren Geschwister auf und gehen deshalb nicht zur Schule. Einige der Jungs gehen arbeiten, statt die Schule zu besuchen. „Ich bin Schmied“ erzählt uns Hussein, zwölf Jahre. „Und ich Polsterer“, sagt Jasar, auch zwölf. „Oh, Mechaniker, das bin ich auch noch“, wirft Hussein wieder dazwischen. Ein trauriges Gefühl macht sich in mir breit, als ich in die kleinen Gesichter der Jungs schaue, die eigentlich schon kleine Männer sind.

Projektreise Jordanien: Schüler der Jungsklasse im Makani-Zentrum

© UNICEF DT/2016/Hai Ha Tran

Als einer der Jungs uns vormacht, wie er sich in der Schule an die Wand stellen musste, wenn er zur Strafe geschlagen wurde, steigen mir endgültig die Tränen in die Augen. Doch der nachdenkliche Moment verfliegt schnell, denn die Kinder erzählen glücklich, wie nett und freundlich die Lehrer hier sind, wie gerne sie hier her kommen und wie toll sie hier Englisch gelernt haben. Im Moment lernen sie „Auto“ auf Englisch: ein Blatt Papier mit der Zeichnung eines Autos und dem Wort „car“ liegt vor ihnen. Ob sie wissen möchten, was „car“ auf Deutsch heißt, frage ich. Natürlich! Schnell schreibe ich „Auto“ an die Tafel und sofort ruft es überall aus dem Zimmer „Auto“, „Auto“, „Auto“…

Projektreise Jordanien: Kerstin Schönenborn schreibt "Auto" an die Tafel

© UNICEF DT/2016/Hai Ha Tran

Ayan, die Programmiererin

Im nächsten Raum erwartet uns ein selbstgebastelter Roboter auf einem Tisch in der Zimmermitte und emsige Jugendliche, die am Rand des Raumes vor ihren Computern sitzen. Die Kinder lernen hier mit dem Computer umzugehen, erklärt uns die Lehrerin. Diese Klasse ist schon sehr fortgeschritten und ich staune über Ayan, die mit ihren 17 Jahren ein Kreuzworträtsel designed und selber programmiert hat. Ich darf es ausprobieren und klicke mich durch die englischen Wörter des Rätsels. Englisch, das habe sie durch das Programmieren und die Spiele übrigens auch noch gelernt, sagt sie mir.

Projektreise Jordanien: Ayan präsentiert das Kreuzworträtsel, das sie programmiert hat

© UNICEF DT/2016/Michaela Albrecht

Ein Ort zum Kind sein, ein Ort zum „ich sein“

Egal, wo wir an diesem Vormittag noch hinkommen, überall werden wir mit Freude begrüßt und spüren die Euphorie der Kinder und Mitarbeiter, wenn sie uns über ihren Alltag im Makani-Zentrum berichten. Wir tanzen an diesem Mittag noch Zumba, basteln Perlenarmbänder und machen Gruppenspiele auf dem Innenhof.

Projektreise Jordanien: Kerstin bekommt ein Perlenarmband geschenkt

© UNICEF DT/2016/Hai Ha Tran

Es gibt so viele wunderbare und so viele unterschiedliche Sachen hier. Hier findet jeder seinen Platz, egal woher er kommt, egal welche Religion er hat und welche Hautfarbe – ich treffe neben jordanischen Kindern, geflüchtete Kinder aus Syrien und dem Irak. Dieses Zentrum bedeutet für alle Kinder mehr als spielen, tanzen und englisch lernen. Es bedeutet für sie, einen Ort zu haben, an dem sie Kind sein können. An dem sie unterstützt werden und eine familiäre Atmosphäre genießen.

Hier ist ein Ort für fröhliches Miteinander, hier hat jeder „seinen Ort“, egal wie seine Lebensumstände aussehen – Makani eben!

REISETAGEBUCH

Lesen Sie hier alle Berichte der UNICEF-Ehrenamtlichen von ihrer Reise nach Jordanien:

Teil 1: Agents of Change: Die Gesichter UNICEF Jordaniens

Teil 2: Makani – das ist „mein Ort“

Teil 3: Za’atari: Heimat und Hilfe in Zeiten des Krieges

Teil 4: Wir sind die Kinder Syriens, bitte vergesst uns nicht!

Übersicht aller Berichte

Haben Sie auch Interesse, ehrenamtlich bei UNICEF mitzuwirken? Machen Sie es den anderen Reisenden nach und informieren Sie sich in unserer Rubrik Engagement für UNICEF über die zahlreichen Möglichkeiten.

KOMMENTARE

  • anonym
    06. September 2017 22:51 Uhr

    Cornelia hat gestern mit ihrem Vortrag viele junge und ältere Menschen hier in Lippstadt beeindruckt. So ein authentischer Erfahrungsbericht ist wirklich ein besonderes Erlebnis - als wären wir Zuhörende auch ein bisschen dabei gewesen. Vielen Dank nochmal!

  • anonym
    08. Oktober 2016 07:59 Uhr

    ... toll, daß ihr euch alles vor Ort anschaut und - anschl. wieder zu Hause - auch den anderen Unicef Kollegen hautnah über alles berichten könnt ....

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