VIDEOTAGEBUCH: EINE "VAZAHA" AUF SCHULBESUCH IN MADAGASKAR
Freitag, 15. Mai 2020, 14:00 Uhr
von Lea Donalies | 6 Kommentare

WIE ICH BILDUNG IN EINEM DER ÄRMSTEN LÄNDER DER WELT ERLEBT HABE 

Genau ein Jahr ist es her, dass ich für sechs Wochen im UNICEF-Büro in Madagaskar gearbeitet habe. In dieser Zeit konnte ich tief in den Alltag meiner madagassischen Kollegen eintauchen, das wunderschöne und zugleich bitterarme Land kennen lernen und auf einer Projektreise viele bewegende Geschichten von Schülerinnen und Schülern hören. 

Mit der Bildungsinitiative Let Us Learn sorgt UNICEF gemeinsam mit den Gründern der Initiative Stefan und Susan Findel dafür, dass auch die am schwersten zu erreichenden Kinder eine Chance auf Bildung bekommen. In Madagaskar habe ich am eigenen Leib erlebt, was "schwer erreichbar" bedeutet und in vielen Gesprächen gespürt, wie grundlegend wichtig die UNICEF-Hilfe für die Jungen und Mädchen ist. Begleiten Sie mich zu den Stationen meiner Reise: im Videotagebuch!

Schulbesuch in Madagaskar: UNICEF-Kollegin Lea Donalies mit Schülern

Und jetzt bitte alle lächeln: Ich mache ein Erinnerungs-Selfie mit den Schülerinnen und Schülern.
© UNICEF DT/Donalies

Dienstag, 07. Mai 2019

Unsere erste Station ist die weiterführende Schule des kleinen Dorfes Ampataka. Hier beeindruckt mich am meisten die Begegnung mit Jean: Jeden Morgen und jeden Abend legt der 16-Jährige die 18 Kilometer zwischen seinem Heimatdorf und der Schule zu Fuß zurück! Sein Vater kann sich nur knapp die Schulgebühren von umgerechnet elf Euro im Jahr leisten, für eine Unterkunft vor Ort bleibt kein Geld übrig – und auch nicht fürs Mittagessen. 

Jean ist froh, dass er die Zeit in dem neuen Klassenzimmer zumindest zum konzentrierten Lernen nutzen kann: "Es regnet hier viel und das alte Klassenzimmer hatte ein undichtes Dach. Sobald der Regen anfing, mussten wir nach den wenigen trockenen Ecken suchen. Es war wie ein Bazar im Klassenzimmer! Nun haben wir mehr Zeit für den eigentlichen Unterricht."

Mittwoch, 08. Mai 2019

Heute besuchen wir die Vorschule in Ampasy. Das UNICEF-Klassenzimmer wirkt fröhlich mit seinen großen Tafeln, kreativen Plakaten und bunten Tischen. Die Jungen und Mädchen sind anfangs etwas schüchtern angesichts der "vazaha" - die meisten der Drei- bis Fünfjährigen haben noch nie eine Weiße gesehen. 

Lehrerin Tiana hat in einer Fortbildung gelernt, wie sie die Klasse kindgerecht animieren kann und stimmt ein gemeinsames Lied an. Durch das Singen und Tanzen tauen die Kinder auf und es macht richtig viel Freude, ihnen zuzuschauen:

Der Unterricht an der weiterführenden Bekaraoky Schule sieht natürlich anders aus. Aber auch hier profitieren die Schülerinnen und Schüler von den neuen Klassenzimmern und den durch UNICEF geförderten Lehrerfortbildungen. Neben der Vermittlung von pädagogischen Grundlagen werden dabei auch die Kinderrechte thematisiert und erklärt, wie der Unterricht gleichberechtigt und geschlechtersensibel gestaltet werden kann.

Das ist auch im Unterricht von Mathe-Lehrer Selchen Tôtô zu spüren: Obwohl seine Klasse eine sehr breite Altersspanne von 13 bis 31 Jahren hat, wirken alle Schüler konzentriert und scheinen den Erläuterungen ihres Lehrers gut folgen zu können. Als der 20-jährige Jaona Marc Ramarson eine Übung an der Tafel vorrechnet, fühle ich mich beinahe in mein eigenes Klassenzimmer zurückversetzt. Mathe-Unterricht ist eben auch in Madagaskar einfach Mathe-Unterricht.

Donnerstag, 09. Mai 2019

Unser heutiges Ziel Vohilengo liegt sehr abgelegen, lange ruckeln wir über Erdpisten mit Pfützen, die eigentlich schon Teiche sind, matschige Hänge und rutschige Holzbrücken. In der Schule nehmen wir am Malagasy-Unterricht teil und die 16-jährige Sondrine liest uns stolz etwas vor. In Madagaskar ist es nicht selbstverständlich, Lesen zu lernen: Für die ganze Klasse gibt es nur zwei Bücher. Außerdem können sich viele Eltern die Kosten für Schule, Hefte und Stifte kaum leisten. 

UNICEF unterstützt deshalb Schüler, die die Schule meist aus finanziellen Gründen verlassen mussten, mit Materialien und gezielten Aufholklassen in den Sommerferien. Nicht zum ersten Mal wünschte ich, ich hätte einen riesigen Karton Bleistifte dabei – hier können sie so viel ausrichten!

Später erzählt uns Sondrine, dass sie davon träumt, einmal im sozialen Bereich zu arbeiten, als Lehrerin oder Ärztin zum Beispiel. "So kann ich anderen helfen und dabei Geld verdienen, um vielleicht einmal ein schönes Haus für meine Familie zu kaufen."

Als sich die Natur bei dem Mädchen meldet, schließe ich mich gleich an. Denn wie lässt sich die neue Latrine besser kennen lernen als dadurch, dass man sie selbst benutzt?! Unterwegs kommen wir am Schulgarten vorbei, mit dessen Hilfe den Schülern Umweltbewusstsein vermittelt wird.

Freitag, 10. Mai 2019

Am letzten Tag unseres Trips treffen wir eine Gruppe von Müttern, deren Töchter von UNICEF Stipendien erhalten haben. In der einfachen Unterkunft von Berthine (53 Jahre, im Video die zweite Frau von links) und ihrer Familie berichten die Frauen von ihrem Alltag. Weil sich die Familien nicht die Schulbildung für alle Kinder leisten können, wurden früher oft nur die Jungen unterrichtet. Mit Let Us Learn werden inzwischen aber gezielt Mädchen unterstützt, damit auch sie einen Schulabschluss machen können. Darüber sind die Frauen sehr froh, denn ihre Töchter sollen es einmal besser haben als sie. 

Zum Abschluss unseres Besuchs stimmt Mariane (67 Jahre, im Video die erste Frau von rechts) ein Lied an: "An das Volk von Vohitindry, kommt, kommt. Bildung ist das Tor zur Entwicklung. Wir danken UNICEF für die Unterstützung, um unseren Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen."

Mein Fazit

Eine intensive Woche mit vielen spannenden Eindrücken und bewegenden Begegnungen geht zu Ende. Bevor wir die knapp zweitägige Reise zurück in die Hauptstadt starten, ziehe ich mein Fazit:

KOMMENTARE

  • 19. Juni 2020 09:38 Uhr

    Danke für das positive Feedback!

    Ich habe verschiedene Schulen im Südosten in den Regionen Atsimo-Atsinanana und V7V besucht, alle im Umfeld von Vangaindrano, Farafangana und Vohipeno.
    In der Hauptstadt Tana (Antananarivo) habe ich für einige Wochen im UNICEF-Büro gearbeitet.

    Viele Grüße
    Lea Donalies

  • 18. Juni 2020 17:15 Uhr

    Vielen dank für dieses Tagebuch. Ich habe 10 Jahre in Madagascar gelebt (1963 bis 1973) - und mein großer Wunsch wäre, wieder einmal dorthin zurück fahren und noch lebende Verwandte treffen. Ich habe im Süden (Fortdauphin,
    Tulear, Antsirabe, Tamatave
    und in Tananarive gelebt.
    Wo war die Schule ?

  • 17. Juni 2020 21:08 Uhr

    respect---capeux...vorbildhaft#

    dafür spende ich gerne+++mehr..##

    dieter fischer
    reichenbach--fils

  • 17. Juni 2020 21:00 Uhr

    Danke für den tollen Bericht mit den Videos. So bekommt man einen guten Eindruck. Auch ich lebte in einem Dorf und bin als Kind täglich bei Wind und Wetter 8 km zur Schule gelaufen. 1958 in Deutschland. . Liebe Grüße !

  • 17. Juni 2020 18:57 Uhr

    Liebes Unicef-Team,
    ich möchte mich bei Ihnen für Ihre so bewundernswerte Arbeit bedanken.
    Ich bin selber Sonderschullehrerin in Deutschland und weiß dadurch auch, wir priviligiert wir hier sind. Die momentane Situation in der Pandemie zeigt auch, wie wichtig es ist, zur Schule gehen zu können! Herzliche Grüße

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