Pressemitteilung

UNICEF und WHO: Masernzahlen in Europa und Zentralasien sinken deutlich – doch Ausbruchrisiko bleibt bestehen

Reaktive Maßnahmen bei Ausbrüchen - einschließlich Impfkampagnen - verringern Masernfälle / WHO und UNICEF warnen: der Fortschritt ist fragil, das Virus breitet sich weiterhin aus

Kopenhagen/ Genf/ Köln

Der acht Monate alte Orest wird in einem Gesundheitszentrum in Kyjiw geimpft.

Der acht Monate alte Orest wird in einem Gesundheitszentrum in Kyjiw geimpft.

© UNICEF/UNI601118/Vashkiv

Die Masernfälle in Europa und Zentralasien sind im Jahr 2025 im Vergleich zu 2024 um fast 75 Prozent zurückgegangen. Das zeigen die vorläufigen Daten aus 53 Ländern. Doch UNICEF und WHO warnen: das Risiko von Ausbrüchen bleibt bestehen.

Im Jahr 2025 meldeten Länder in Europa und Zentralasien 33.998 Masernfälle, 2024 waren es 127.412 Fälle. Der allgemein rückläufige Trend der Fallzahlen spiegelt sowohl die Maßnahmen zur Bekämpfung von Ausbrüchen als auch den allmählichen Rückgang der für Masern anfälligen Menschen wider. Denn ausgebreitet hat sich das Virus in nicht ausreichend geimpften Gemeinschaften. Viele Fälle hätten durch eine höhere routinemäßige Durchimpfungsrate auf Gemeindeebene und eine schnellere Reaktion auf Ausbrüche verhindert werden können.

„Die Fallzahlen sind zwar zurückgegangen, doch die Umstände, die in den letzten Jahren zum Wiederauftreten dieser tödlichen Krankheit geführt haben, bestehen weiterhin und müssen angegangen werden“, sagte Regina De Dominicis, Regionaldirektorin von UNICEF für Europa und Zentralasien. „Solange nicht alle Kinder geimpft sind und die durch die Verbreitung von Fehlinformationen geschürte Impfskepsis nicht überwunden ist, bleiben Kinder dem Risiko ausgesetzt, an Masern und anderen durch Impfungen vermeidbaren Krankheiten zu sterben oder schwer zu erkranken.“

Impfskepsis und Fehlinformationen gefährden Kinder

„Im vergangenen Jahr sind die Masernfälle um fast 75 Prozent gesunken, aber das Risiko von Ausbrüchen bleibt bestehen. In den letzten drei Jahren erkrankten in unserer Region über 200.000 Menschen an Masern“, sagte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Dr. Hans Henri P. Kluge. „Solange nicht jede Gemeinde eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent erreicht, Immunitätslücken in allen Altersgruppen schließt, die Krankheitsüberwachung verstärkt und eine rechtzeitige Reaktion auf Ausbrüche sicherstellt, wird sich dieses hochansteckende Virus weiter ausbreiten. Angesichts der heutigen Flut von Fake News ist es außerdem von entscheidender Bedeutung, dass sich die Menschen auf verifizierte Informationen aus zuverlässigen Quellen wie der WHO, UNICEF und nationalen Gesundheitsbehörden verlassen. Die Beseitigung von Masern ist für die nationale und regionale Gesundheitssicherheit unerlässlich.“

Die Zahl der gemeldeten Fälle war im Jahr 2025 immer noch höher als in den meisten Jahren seit 2000. Einige Länder meldeten 2025 sogar mehr Fälle als im Vorjahr. Auch im Jahr 2026 werden in der Region weiterhin Masernfälle festgestellt.

Die Entwicklung in Deutschland entspricht dem Trend in der Gesamtregion: Im Jahr 2024 wurden 653 Masernfälle über das WHO-Impfinformationssystem gemeldet. 2025 ging die Zahl deutlich zurück: Von Januar bis November 2025 waren es nur 226 Fälle. Das ist jedoch ein Vielfaches im Vergleich zum Jahr 2020 mit 73 Fällen.

Mehr Länder mit dauerhafter Masernverbreitung

Auf der Grundlage der Länderberichte für 2024 geht die Europäische Regionale Verifizierungskommission für Masern- und Rötelnbekämpfung davon aus, dass die Zahl der Länder mit anhaltender oder wiederauflebender endemischer Masernübertragung innerhalb eines Jahres von zwölf auf 19 gestiegen ist. Dies ist der größte Rückschlag bei der Masernbekämpfung in der Region in den letzten Jahren.

Die Vorbereitung auf Ausbrüche und die Reaktion darauf sowie die Eliminierung der Masern bleiben weiterhin Prioritäten im Bereich der öffentlichen Gesundheit in ganz Europa und Zentralasien. UNICEF und die WHO arbeiten mit Regierungen und mit Unterstützung von Partnern wie der Impfallianz Gavi und der Europäischen Union daran, Masernausbrüche zu verhindern und zu bekämpfen. Dazu werden Gemeinden eingebunden, Gesundheitsfachkräfte geschult, Impfprogramme und Krankheitsüberwachungssysteme gestärkt und Masernimpfkampagnen gestartet.

95 Prozent Impfquote notwendig

Masern gehören zu den ansteckendsten Viren für Menschen. Pro an Masern erkrankter Person infizieren sich bis zu 18 ungeimpfte Personen. Damit sind Masern etwa zwölfmal ansteckender als Influenza. Masern können zu Krankenhausaufenthalten führen, langfristige, belastende gesundheitliche Komplikationen verursachen und tödlich sein. Sie können das Immunsystem schädigen, indem sie dessen Erinnerung daran, wie Infektionen bekämpft werden, für Monate oder sogar Jahre „löschen“. Dadurch sind Masernüberlebende anfälliger für andere, auch tödliche Krankheiten.

Zwei Dosen eines Masernimpfstoffs bieten einen bis zu 97-prozentigen lebenslangen Schutz vor Masern. Eine alljährliche Impfquote von 95 Prozent mit zwei Dosen des Masernimpfstoffs ist in jeder Gemeinde erforderlich, um Masernausbrüche zu verhindern und eine Herdenimmunität zu erreichen. Diese schützt Säuglinge, die für eine Masernimpfung noch zu jung sind, sowie Menschen, für die eine Impfung aufgrund medizinischer Erkrankungen nicht empfohlen wird, wie etwa Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Hinweise für Redaktion:

Die Daten umfassen die 53 Mitgliedstaaten der Europäischen Region der WHO. Die Gesamtzahl der Fälle im Jahr 2025 kann höher ausfallen, da die endgültigen Überwachungsdaten über das jährliche gemeinsame Berichterstattungssystem von WHO und UNICEF bereitgestellt werden. Im Jahr 2024 betrug die Gesamtzahl der monatlich über das WHO-Impfinformationssystem gemeldeten Masernfälle 127.412. Die endgültige Zahl, die über das jährliche gemeinsame Berichterstattungssystem gemeldet wurde, lag bei 151.040.

Die vorläufigen monatlichen Daten von Januar bis Dezember 2025, die über das WHO-Impfinformationssystem gemeldet werden, finden Sie hier.

Die jährlichen Daten zu Fällen und Impfquoten, die über das gemeinsame Berichterstattungssystem von WHO und UNICEF gemeldet werden, werden jedes Jahr im Juli aktualisiert. Sie sind hier einsehbar.

Katja Sodomann (UNICEF/UNI869151/Sachse-Grimm)

Katja SodomannSprecherin (Köln) - Internationale Themen

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